Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Invincible

GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexander Mahone Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield OC (Own Character) Paul Kellermann
10.11.2018
24.11.2019
19
44.434
5
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.06.2019 2.287
 
„Sie sind umstellt, kommen sie mit erhobenen Händen raus!“ brüllte ein Polizist von draußen durch ein Megafon.

Die Truppe hatte keine andere Wahl, sie mussten durch die Vordertür. Um dies unbeschadet zu überstehen, entwickelten sie einen Plan. Er war riskant, doch nachdem sie eh alles verloren hatten, spielte es keine Rolle mehr.

Kellermann tat so, als hätte er die drei bereits verhaftet. Mit scheinbar gefesselten Händen führte er sie raus. Sofort richteten die Cops ihre Waffen auf sie. „Schon gut, alles okay. Ich bin vom FBI.“ er zeigte seine Dienstmarke. „Wir helfen ihnen.“ sagte einer der Polizisten. „Ich schaffe das, ich brauche einen Wagen.“

Sie gingen näher an die Reporterin und ihren Kameramann ran. Ava wusste, dass es nun gleich soweit war. Ohne Vorwarnung packte Lincoln den Kameramann. Ava griff nach ihrer Waffe, die sie von Kellermann bekam und zielte auf die Reporterin, die sie erschrocken ansah.

„Zurück mit euch!“ Kellermann visierte die Polizei an. Währenddessen setzte sich Michael an das Steuer ihres Autos und fuhr vor. Kellermann und Ava stiegen ein, während Lincoln den Kameramann mit nach hinten zerrte. Mit quietschenden Reifen fuhren sie schließlich davon.

Es dauerte nicht lange, da hatten sie ihre Verfolger abgeschüttelt. Schließlich fanden sie ein altes Lagerhaus und hielten dort an. Clever, wie Michael war, hatte er bereits einen Plan entwickelt. Sie müssten sich mit Sara treffen, konnten sie aber nicht erreichen, also entschloss er ihr eine Nachricht zu senden. Sie würden also ein Video drehen, indem sie alles berichteten, was sie wussten und ihr gleichzeitig eine Botschaft übermitteln.

Während Michael und Lincoln die Aufnahme machten, standen Kellermann und Ava in der Ecke und sahen ihnen zu.

„Willst du nicht auch etwas loswerden?“ interessierte es ihn. „Immerhin bist du die einzig wirklich Unschuldige hier.“ Ava musste schmunzeln. „Oh nein. Davon bin ich jetzt weit entfernt.“ Kellermann sah sie fragend an.

„Ich habe Sträflingen mehrmals zur Flucht verholfen, habe einen Menschen angeschossen, einen umgebracht und mehrere andere zusammengeschlagen.“ sie atmete aus. „So viel Dreck am Stecken wie du, habe ich allerdings nicht.“

„Es war mein Job.“ erklärte er. „Du klingst nicht so traurig, wie du sollst.“ stellte sie fest. „Ich stehe zu meinen Taten. Außerdem habe ich gedacht, dass ich das Richtige tue. Ich dachte, dass es das Beste für meinen Staat und für Caroline war. Ich habe es zu ihrem Schutz getan.“

Er hatte sie also doch geliebt und in der Liebe tat man alles, um denjenigen zu beschützen. Sie blickte zu Lincoln.

Ava überlegte. Etwas interessierte sie noch. „Warum siehst du mich so an?“ er drehte sich zu ihr nach unten. „Ja, es ist mir aufgefallen. Dann willst du mit mir alleine essen, lässt dich nur von mir beruhigen.“ sie hielt kurz inne, weil sie sich gerade diese Frage selbst beantwortet hatte. „Ich meine, ich weiß warum, aber …“

„Du erinnerst mich an meine Schwester“ gestand er zu ihrer Verwunderung. Damit hatte sie auf jeden Fall nicht gerechnet. „Du siehst fast genauso aus wie sie, bist genauso mutig und warmherzig. Leider habe ich sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, nicht mehr mit ihr gesprochen. Als ich dich gesehen habe, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Ich wollte unbedingt in deiner Nähe sein.“ und da hörte sie zum ersten Mal Bedauern in seiner Stimme. Es hörte sich aufrichtig an. Sie sah ihn an und er lächelte ihr zu. „Ich werde dich ihm also nicht wegnehmen.“

„und Ava Pierce.“ bei dem Klang ihres Namens zuckte sie zusammen. „Sie hat mit der Sache absolut nichts zu tun.“ sprach Lincoln. „Sie ist unschuldig. Sie wurde in die Sache reingezogen, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war. Als sie erkannt hat, was hier wirklich läuft, hat sie versucht uns zu helfen. Leider kann sie deshalb kein normales Leben mehr führen.“

Bei den Wörtern „normales Leben“ erinnerte sie sich daran, dass sie ihre Mutter anrufen wollte. „Kann ich bitte dein Handy haben?“ sie wandte sich an Paul. „Klar, wen willst du anrufen?“ „Meine Mutter.“ antwortete sie und trat zur Seite, während sie gleichzeitig ihre Nummer wählte.

Zuerst ging keiner ran, dann meldete sich eine ältere Frauenstimme. „Hallo, hier bei Pierce.“ Avas Atmung beschleunigte sich und sie blickte noch einmal auf die von ihr gewählte Rufnummer. „Wer ist da?“ „Mit wem spreche ich?“ krächzte die Frau. „Wer ist am Telefon?“ hackte Ava bestimmt nach.

„Mein Name ist Eleonore Dawson.“ die ehemalige Polizistin erinnerte sich an die ältere, pummlige Nachbarin „Mrs. Dawson, was machen sie bei meiner Mutter zuhause?“ „Ava?“ hackte die Frau nach. „Wo ist meine Mutter?“ „Ava, Schätzchen, deine Mutter ist im Krankenhaus.“ bei den Worten setzte ihr Herz aus.

„Was ist passiert?“ „Als sie von deiner Verhaftung gehört hat, ist sie fast durchgedreht. Sie hat jeden Tag getrunken. Gestern Abend hat sie auch noch Tabletten mit dazu gekommen. Jetzt schwebt sie in Lebensgefahr, die Situation ist kritisch. Die Ärzte geben ihr nicht viel Zeit.“ Ava erstarrte, sie konnte es nicht glauben. Das würde ihre Mutter doch niemals tun. Oder?

„Wenn sie mich verarschen, dann schwöre ich bei Gott, ich bringe sie um.“ drohte sie in einem kalten Ton. „Dafür habe ich keinen Grund.“ entgegnete die Frau. „Aber, wenn ich vorher nicht geglaubt habe, dass du mit diesen Verbrechern unter eine Decke steckst, denke ich das jetzt.“

Ava legte wütend auf, starrte auf das Handy. Sie brauchte einen Moment, um diese Worte zu verarbeiten. Ihre Mutter lag im Sterben. Vor ihren Augen drehte sich alles, in ihrem Kopf vermischten sich die Worte ihrer Nachbarin, das letzte Gespräch mit Mutter und die von ihr selbst.

„Ava?“ Paul sprach sie an. „Ist alles in Ordnung?“ Ava begann zu zittern, zu hyperventilieren. Tränen kullerten aus ihren Augen. Paul fasste sie am Arm, sodass sie sich zu ihm drehte. „Meine Mom, sie … aber … ich habe … zu spät.“ schluchzend legte sie sich eine Hand auf den Mund. „Ganz ruhig, atme.“ bat der ehemalige Agent.

„Ava!“ Lincolns Stimme kam immer näher. „Was hast du gemacht, du Drecksack!“ er schubste Paul weg, schlug ihm ins Gesicht. „Gar nichts!“ er wusch sich das Blut von der Lippe. „Sie hat telefoniert und ist dann zusammengebrochen. Frag sie doch selbst.“

Lincoln wandte sich zu ihr. „Ava, was ist los?“ er legte seine Hände auf ihre Wangen. „Meine Mom.“ schluchzte sie, holte danach tief Luft. „Sie, sie ist im Krankenhaus, sie liegt im Sterben.“ „Was?“ „Sie hat versucht … sich umzubringen.“ kaum hatte sie dies ausgesprochen, gaben ihre Knie nach und sie fiel zu Boden.

„Das ist meine Schuld. Ich war es. Nur meinetwegen.“ Lincoln setzte sich zu ihr, wog sie in seinen Armen. Ava klammerte sich an ihn, schloss die Augen, ließ alles raus. Paul sah sie an und entfernte sich schließlich.

Irgendwann schaffte es die junge Frau sich zu beruhigen. Danach machten sie sich alle wieder auf den Weg.

Michael hatte es tatsächlich geschafft, seine Nachricht an Sara zu übermitteln. Nun hofften sie, dass sie auch am vereinbarten Ort auftauchen würde.

Ava saß auf dem Beifahrersitz neben Paul und starrte aus dem Fenster, als sie seine Hand auf ihrer spürte. „Alles okay?“ sie blickte ihn an und sah doch wirklich Mitleid in seinen Augen.

„Hey, nimm deine Finger weg.“ warnte ihn Lincoln von hinten. Paul hob beschwichtigend die Hand. „Ich wollte nur höflich sein.“ „Steck dir deine Manieren wo anders hin. Wenn ich sehe, dass du …“ „Ich will nichts von ihr.“ unterbrach ihn Paul angepisst. „Ich will mich nur um sie kümmern, weil sie mich an meine Schwester erinnert. Und jetzt hör auf zu nerven, sonst kann ich mich auch wieder vergessen.“ „Was hast du gesagt?“ hackte Lincoln nach.

„Genug!“ rief Ava dazwischen. „Ich habe keine Lust und bestimmt auch keinen Nerv für eure Streitereien. Habt ihr nicht gesehen, dass es nichts bringt?! Damit geht ihr nur Michael und mir auf die Nerven! Hört also sofort auf oder ich schwöre bei Gott ich verprügle euch beide!“

Unglaublich, aber diese Drohung hatte geholfen, damit alle still wurden.

Stunden später erreichten sie das örtliche Krankenhaus. Die Männer stiegen aus, während Ava sitzen blieb.

Sie starrte auf ihre Hände, auf ihre Umgebung und fragte sich, warum ihr das alles passierte. War es als Strafe oder als Segen gedacht? Hatte das alles irgendeinen höheren Sinn? Vermutlich schon.

Immerhin war dieses dämliche Geld ausgerechnet unter dem Haus ihrer Mutter und sie musste genau an diesem Tag zu ihr, um mit ihr zu sprechen. Wer wusste, ob das alles so gekommen wäre, wenn sie nicht dort aufgetaucht wäre. Vielleicht hätten sich die Fox River Flüchtlinge das Geld geschnappt und wären abgehauen? Dann wäre das Ganze nie passiert.

Eigentlich brachte es gar nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Es war schon zu spät. Ihre Mutter war dem Tode nahe und was machte sie? Sie saß hier nutzlos rum.

Da traf es sie wie einen Blitz. Sie musste zu ihrer Mom. Sie musste sie sehen, bevor sie es womöglich nie wieder könnte.

Sie schaute hinaus und betrachtete die drei Männer. Es war nun an der Zeit etwas zu tun, was Lincoln ihr schon vor längerer Zeit vorgeschlagen hatte. Sie würde sie verlassen und hatte auch nicht vor, wiederzukommen.

Keine Ahnung, was sie danach machen sollte. Sollte sie sich stellen oder selbst untertauchen? Sie könnte nach Mexico zu Sucre und seiner Freundin auswandern. Dort war es vermutlich ruhiger.

Sie stieg aus und ging auf Michael und Lincoln zu. „Na, wie läuft es so?“ „Wir müssen warten. Ich bin mir sicher, dass sie meine Nachricht bekommen hat.“ antwortete der jüngere Bruder. „Wie geht’s dir?“ wollte Lincoln wissen. „Es geht wieder.“ sie nickte. „Ich habe da etwas mit euch zu besprechen.“ beide sahen sie gespannt an.

„Ich weiß nicht, wie lange meine Mutter noch hat. Deshalb habe ich mir überlegt zurückzugehen. Ich weiß, es ist egoistisch und unfair von mir, doch ich muss es tun, sonst werde ich es mir nie verzeihen. Ich muss zu ihr, bevor es zu spät ist.“ „Das ist verständlich.“ nickte Michael lächelnd.

„Ich komme auch nicht mehr zurück.“ die Gesichtsausdrücke der Männer änderten sich und Lincoln wurde sogar irgendwie bleich. „Versteht mich nicht falsch, ich liebe euch und ich bin gerne mit euch unterwegs, aber das war zu viel des Guten. Der Vorfall hat mir die Augen geöffnet. Ich muss mich von euch trennen.“ offiziell meinte sie eigentlich nur einen von ihnen.

„Ich will euch nicht im Weg sein und ich brauche auch etwas Ruhe, mehr Abstand von dem Ganzen.“ Michael schien es zu verstehen, während Lincoln erschrocken wirkte. Sollte er nicht eigentlich erleichtert sein? Das war doch das, was er schon immer wollte.

„Danke, für alles.“ sie lächelte beide an. „Ihr seid mittlerweile zu meiner zweiten Familie geworden. Ihr habt so viel für mich getan und mich wie schon oft gerettet. Ohne euch wäre ich jetzt nicht hier und das meine ich im positiven Sinne!“ den letzten Satz betonte sie besonders und sah zu Michael, der lächelnd den Kopf senkte.  

„Alles klar.“ er nickte. „Ich kann deinen Standpunkt nachvollziehen und ich glaube, dass ich in deiner Situation dasselbe getan hätte. Ich bin froh, dich kennengelernt zu haben. Schön, dass du uns die ganze Zeit so zur Seite gestanden hast. Du kriegst auch unser Auto und eine Waffe.“
sicherte er zu. „Ja, danke.“

„Mr. Michael Brown, kommen sie bitte an die Rezeption, wir haben einen Anruf für sie von einer Sara Times.“ erklang es auf einmal aus dem Krankenhaus. „Das ist mein Stichwort.“ lächelte er und entfernte sich.

Ava sah zu Lincoln, der immer noch sprachlos schien. „Willst du dich nicht wenigstens verabschieden?“ er sagte immer noch nichts. „Ist das nicht das, was du die ganze Zeit wolltest? Dass ich gehe und mein Leben lebe? Erinnerst du dich nicht daran, was du mir damals gesagt hast?“

„Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass deine Mutter wieder gesund wird.“ Ava atmete aus und nickte. Sie hatte gehofft, dass er, nun wo es vorbei war, endlich den Mut aufbringen würde, ihr alles zu gestehen, doch das tat er nicht. „Und ich hoffe, dass euer Plan funktioniert.“

Nachdem er sich nicht rührte, trat sie nach vorne und nahm ihn in den Arm. Sofort schlang er seine Arme um sie und sie schloss die Augen. Es tat so gut, ihn so nah bei sich zu wissen, seinen Duft einzuatmen, seine Wärme zu spüren. Schade, dass aus ihnen nichts geworden war.

Als er von ihr abließ, sah er sie noch einmal intensiv an. Ava glaubte, dass er gleich etwas sagen oder tun würde, doch es geschah nichts. Stattdessen legte er seine Hand auf ihre Wange und strich mit seinem Daumen darüber. „Ich bin froh, dass du dich damals für mich entschieden hast.“ anschließend beugte er sich runter und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

Lächelnd entfernte sie sich von ihm und erblickte Kellermann. Mit dem hatte sie auch noch ein Wörtchen zu reden.

„Paul?“ er drehte sich zu ihr. „Ich wollte mich verabschieden. Ich gehe zu meiner Mutter und komme nicht mehr zurück.“ er wirkte überrascht. „Hat das dein Muskelprotz einfach so erlaubt?“ „Hör auf.“ bat sie kopfschüttelnd. „Rede nicht so von ihm.“

Paul betrachtete sie kurz. „Soll ich dich begleiten?“ „Nein. Die Jungs brauchen dich mehr als ich.“ widersprach sie. „Pass auf sie auf, ja? Und auch wenn es dir schwer fällt, bring keinen mehr um.“ „Ich überlege es mir.“

Dann sah sie, wie Michael aus dem Krankenhaus kam. „Gut, ich muss jetzt los.“ er nickte. „Pass auf dich auf.“ „Du auch.“ lächelte sie und ging noch einmal auf Michael zu.

Auch diesen nahm sie in den Arm, drückte ihn kräftig an sich. „Melde dich, sobald du dort bist.“ bat er. „Mach ich.“ sie spürte, wie er sie aufs Haar küsste und schloss die Augen. Sie würde ihn vermissen.

Hiernach sah sie noch einmal zu Lincoln, eher sie in den Wagen stieg und davonfuhr.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast