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Plötzlich 1926 ─ Und mein Leben steht Kopf

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
Newt Scamander OC (Own Character) Pickett
09.11.2018
05.04.2020
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09.11.2018 3.275
 
London, 6. Dezember 2016, 01:37 Uhr


„Phaios…? Phaios, wo bist du?“
Gehetzt blickte ich mich um, während ich durch die verschneiten Straßen Londons lief.
Der Mond schien hell vom nächtlichen Himmel herab und tauchte so die umherliegende Umgebung in ein silberweißes Licht.
Zitternd schlang ich den warmen Stoff meines knielangen Mantels enger um mich und rieb mir leise fluchend meine fast steif gefrorenen Hände. Ich fror wie schon seit Langem nicht mehr.
Verdammt! Warum hatte ich auch ausgerechnet heute meine Handschuhe im Ministerium liegen lassen?
„Phaios! Das ist nicht lustig!“
Meine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, war ich doch zu sehr damit beschäftigt, möglichst wenig Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen – wenngleich ich doch stark bezweifelte, dass zu dieser späten Stunde überhaupt jemand auf mich achten würde.
„Verdammt, Phaios!“
Wo steckte er nur? Das konnte doch alles nicht wahr sein! Da ließ man diesen Drachen auch nur fünf Sekunden aus den Augen und schon war er nirgends mehr aufzufinden!
Abermals beschleunigte ich meine Schritte, wandte meinen Blick in jede erdenkliche Richtung, und hoffte inständig, meinen kleinen geflügelten Freund irgendwo erspähen zu können.
„Bitte, lass ihn unentdeckt geblieben sein!“, murmelte ich geradezu flehend vor mich hin und merkte augenblicklich, wie ein Hauch von Verzweiflung über mich kam.
Hoffentlich war Phaios nicht von irgendeinem so spät noch herumlaufenden Muggel gesehen worden!
Wenn doch, dann könnte ich meiner Stelle in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe sicherlich ganz schnell Lebewohl sagen …
Für einen kurzen Moment blieb ich stehen, blickte frustriert zu einem der dunklen Geschäfte – welche um diese Uhrzeit glücklicherweise schon längst geschlossen waren – und betrachte meine verzweifelte Gestalt im klaren Glas des Schaufensters.
Ein hilfloses Lächeln lag auf den Lippen meines leicht zitternden Spiegelbilds, die dunkelbraunen Haare waren vom Wind vollkommen zerzaust und einige Strähnen fielen in das blasse Gesicht – verdeckten fast die vor Entmutigung matt schimmernden Augen.
Leicht aufseufzend strich ich mir eine der unzähligen Strähnen aus dem Gesicht und dachte einen Augenblick daran, wie mein Chef reagieren würde, sollte er auch nur ein Sterbenswörtchen von Phaios‘ erneutem Ausflug erfahren …  
‚Das ist schon das zweite Mal in diesem Monat, dass wir Ihretwegen einem Muggel die Erinnerungen löschen mussten! Sie leisten hier wirklich gute Arbeit und ich habe die letzten sieben Male auch immer ein Auge für Sie zugedrückt, aber ich kann und werde dieses Verhalten nun einfach nicht mehr tolerieren! ‘
Das wären wohl wahrscheinlich Mr. Harrisons letzte Worte zu mir, bevor er mich daraufhin hochkantig aus dem Ministerium schmeißen würde …
Ein leiser Seufzer entfloh meinen Lippen, als ich an das von Zorn rot gefärbte Gesicht meines Vorgesetzten dachte, sobald dieser von dem heutigen Vorfall auch nur in irgendeiner Weise etwas mitbekommen würde.
Wie ich diese ewigen Diskussionen doch hasste …

Ich arbeitete jetzt schon einige Jahre für das Londoner Zaubereiministerium und hatte auch wirklich viel Freude an meiner Arbeit – jedenfalls, wenn man manche meiner Kollegen außer Acht ließ.
Mir waren all die magischen Geschöpfe unheimlich wichtig geworden und ich war immer wieder glücklich darüber, wenn ich einigen von ihnen mit den von mir geplanten Reservaten ein wenig Schutz und Frieden in dieser erbarmungslosen Welt bieten konnte.
Schon als kleines Kind hatten mich magische Tierwesen fasziniert und dieses Interesse an ihnen war mir auch jetzt, im Alter von knapp achtundzwanzig Jahren, noch immer erhalten geblieben.
An und für sich hatte ich einen rundum erfüllten Beruf, der durch meinen guten Draht zu den Tierwesen für mich so viel mehr darstellte, als eine bloße Erfüllung der mir aufgetragenen Arbeit.
Selbst, wenn mich meine Kollegen das ein oder andere Mal damit aufzogen, dass ich „mal wieder mit dem Kopf in den Wolken sei“  oder meinten, ich könne doch gleich „einem meiner Tierwesen einen Heiratsantrag machen“, so störte mich dies nicht im Geringsten, solange ich in Ruhe mit meinen nicht ganz so menschlichen Freunden arbeiten konnte.
Bis jetzt lief auch alles eigentlich ganz gut! Na ja, jedenfalls war dies bis vor knapp einem halben Jahr noch der Fall gewesen ...  
Seit dieser Zeit hatte mein kleiner geflügelter Freund Phaios es sich nämlich in den Kopf gesetzt, ständig bei mir auf der Arbeit auftauchen zu müssen – ganz gleich, ob es meine Kollegen störte oder nicht.
Selbst dann, wenn ich ihm befahl, nicht länger im Ministerium zu erscheinen, sah er mich lediglich aus seinen großen bernsteinfarbenen Augen an und ließ ein widersprechendes Brummen von sich.
Es war mir wirklich unbegreiflich, woher dieses Verhalten bei Phaios kam und zuerst dachte ich auch, dass Phaios‘ ständige Präsenz auf meiner Arbeit das schlimmste Übel wäre, das mich im Ministerium hätte treffen können und, dass – solange der Drache in meiner Nähe blieb –  keine größeren Schwierigkeiten, außer vielleicht die ein oder andere Beschwerde meiner  Kollegen, auf mich zukommen würden.
Tja, nur blieb Phaios nun mal leider nicht ständig in meiner Nähe …
Dieser eigensinnige kleine Feuerspucker hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sich ständig kurz vor Feierabend – und gerade dann, wenn sich die vom Chef aufgebrummten Überstunden mal wieder bis Mitternacht hinauszogen –  noch auf einen kleinen „Nachtausflug“ durch die Stadt zu begeben – natürlich vollkommen ungeachtet, ob er nicht vielleicht von einem Muggel gesehen werden könnte.
Ganz zu schweigen davon, dass es ihn nicht wirklich zu interessieren schien, dass er mir damit jede Menge Ärger einbrachte …

Ein von Frust geplagter Seufzer entfloh meiner Kehle und abermals wanderten meine Gedanken zurück zu meinem tobenden Chef, wurden jedoch augenblicklich wieder unterbrochen, als mit einem Mal ein mir allzu vertrautes Gefühl durch meinen Körper fuhr.
Es begann mit einem seltsam elektrisierenden Kribbeln in den Fingerspitzen, gefolgt von einem unnachgiebigen Ziehen in der Magengegend und einem stetigen Prickeln unter der Haut – ein unglaubliches Gefühl.
Ich fühlte mich, als würde eine mir innewohnende Macht versuchen, mich mit unsichtbaren Fäden durch die Straßen zu führen und mich dabei so zu lenken, dass ich meinen sturen kleinen Gefährten ohne Probleme wiederfinden könnte.
Für einen kurzen Moment blieb ich stehen, schloss meine vom kalten Dezemberwind leicht tränenden Augen und konzentrierte mich vollkommen auf das Gefühl in meinem Inneren, welches sich immer mehr in meinem gesamten Körper auszubreiten begann und von Minute zu Minute intensiver zu werden schien.
Ein leichtes Lächeln stahl sich unwillkürlich auf meine Lippen und kaum einen Augenblick später öffnete ich meine haselnussbraunen Seelenspiegel wieder, ehe ich sogleich in die Richtung lief, in welche mich meine innere Stimme mit tonlosen Worten zu leiten versuchte.
Ich war mir zu hundert Prozent sicher, Phaios war ganz in meiner Nähe …

„Wenn ich diesen Drachen in die Finger bekomme …“, presste ich aus zusammengeknirschten Zähnen hervor, während ich in eine der vielen Seitenstraßen einbog und dabei fast auf einer herumliegenden Zeitung ausgerutscht wäre.
Kaum hatte ich mich wieder von meinem kleinen Beinahe-Sturz erholt, erblickte ich auch schon von Weitem das Schaufenster eines kleinen Tante-Emma-Ladens, dessen aufwendige Weihnachtsbeleuchtung den umherliegenden Schnee immer wieder in eine Mischung aus rot-grünem und weiß-blauem Licht tauchte.
Doch als ich sah, welche kleine Gestalt sich vor dem bunt geschmückten Fenster in den Schnee gehockt hatte, stockte mir augenblicklich der Atem.
„Das kann doch jetzt nicht sein Ernst sein!“, zischte ich aufgebracht vor mich hin und lief sogleich kochend vor Wut in Richtung des kleinen Ladens, welcher um diese Uhrzeit aber glücklicherweise schon geschlossen war.
Da saß dieser kleine Strolch doch tatsächlich vor dem Schaufenster und blinkte mit den Weihnachtslichtern um die Wette!
Wäre ich nicht so wütend auf Phaios gewesen, hätte ich die ganze Szenerie ja eigentlich recht niedlich gefunden.
Ich meine, man sah ja nun mal nicht jeden Tag einen graugeschuppten Drachen von der Größe einer Katze des nachts im Schnee sitzen, während dieser mit seinen farbwechselnden Schuppen lustig das Blinkmuster der Weihnachtsbeleuchtung imitierte ...
„Das ist doch wohl ein Scherz!“, rief ich zornig aus und augenblicklich drehte sich mein Gegenüber erschrocken zu mir um, entspannte sich jedoch im gleichen Moment wieder, als er sah, wer da eigentlich genau vor ihm stand.
Na warte Freundchen, jetzt kannst du aber was erleben!
„Was soll der Mist? Riskierst du hier gerade ernsthaft, dass ich meinen Job verliere, nur damit du einen auf Christbaumbeleuchtung machen kannst?! Wenn dich irgendjemand gesehen hat, bin ich dran! Du weißt ganz genau, dass ich schon genug Abmahnungen wegen dir kassiert habe! Verdammt, Phaios, was ist denn nur mit dir los?“
Wütend sah ich zu meinem geflügelten Gefährten hinab, welcher schuldbewusst aus seinen großen Kulleraugen zu mir hinauf blickte und ein leises, entschuldigendes Wimmern ausstieß.  
Sogleich presste ich die Zähne erneut zusammen und versuchte mein Bestes, um meinen wütenden Gesichtsausdruck aufrechtzuerhalten.
Verdammt! Er wusste ganz genau, dass ich ihm bei diesem Blick nicht böse sein konnte!

Ein tiefer Seufzer entglitt abermals meiner Kehle und resigniert hockte ich mich zu dem kleinen Drachen hinab, streckte meine Hand nach seinem Kopf aus und fuhr ihm über die matt glänzende Schnauze.
„Was machst du nur für Sachen … Warum musst du mir immer so einen Ärger machen? Du weißt doch, wie sehr ich an meinem Job hänge …“, sprach ich zu meinem geflügelten Freund – ein tadelnder Ton lag in meiner Stimme – und blickte ihm in die aufmerksam glitzernden Augen.
Entschuldigend stupste er mein Gesicht mit seiner Schnauze an und ließ ein liebevolles Gurren von sich, welches mich sogleich ungewollt lächeln ließ.
„Und du wurdest auch von niemandem gesehen?“, fragte ich vorsichtig und merkte deutlich, wie mein Herzschlag sich beschleunigte.
Verneinend schüttelte Phaios mit dem Kopf.
„Glück gehabt!“, erleichtert seufzte ich auf.
Sogleich erhob ich mich aus dem kühlen Schnee, während mich mein kleiner Gefährte wachsamen Auges betrachtete.
„So, dann wollen wir mal dafür sorgen, dass das auch weiterhin so bleibt.“
Lächelnd zückte ich meinen Zauberstab.
Augenblicklich blieb mein geflügelter Freund vor mir stehen – wissend was nun passieren würde.
Ein kurzer Wink mit dem Zauberstab genügte und schon veränderte sich Phaios‘ Aussehen drastisch.
Seine Größe blieb dem kleinen Drachen zwar erhalten, doch sein Körper fing an, sich in Windeseile zu verformen.
Die lange Schnauze begann beträchtlich zu schrumpfen, die Flügel verkümmerten und auch sein langer Hals und sein Schweif nahmen deutlich an Länge ab. Krallen und Zähne wurden feiner – wirkten weniger gefährlich –, aus den knöchernen Hörnern wurden ovale, flauschige Ohren und die sonst so glatten Schuppen begannen sich in weiche Haarbüschel zu verwandeln .
„Miau …“, maunzte Phaios mich mit heller Stimme an und wackelte leicht unzufrieden mit seinem schwarz gefärbten Stupsnäschen, das von langen, weichen Schnurrhaaren geziert wurde.
„Ich weiß, dass du das nicht leiden kannst. Aber es ist besser so. So kannst du hier wenigstens umherlaufen, ohne dass das Ministerium irgendetwas dagegen einwenden kann.“
Missmutig sah mich der kleine graue Drache ─ oder sollte ich doch eher Kater sagen? ─ aus seinen großen Augen an, ehe er ein kurzes Gähnen von sich gab und wieder den gleichen unschuldigen Blick aufsetzte, wie er es immer tat, wenn ich eigentlich sauer auf ihn sein müsste.
„Versprich mir wenigstens, dass du von jetzt an endlich mit deinen heimlichen Ausflügen aufhörst. Wir können auch zusammen spazieren gehen, sofern du mir mal Bescheid sagst“, meinte ich daraufhin mit einem sanften Lächeln und strich Phaios neckend über sein dunkelgraues Katzenfell.
Ein leises Miauen war von dem Kleinen zu hören und deutlich konnte ich spüren, dass mein sturer kleiner Freund sein neues Versprechen diesmal auch wirklich halten würde.

„Sie haben da aber ein schönes Kätzchen!“
Erschrocken zuckte ich zusammen – wobei Phaios nicht weniger stark zusammenfuhr.
Hastig wandte ich mich um, steckte so schnell es ging meinen Zauberstab wieder weg, und warf sogleich einen Blick auf die Fremde hinter mir, welche mich so plötzlich aus meinen Gedanken gerissen hatte.
Es handelte sich um eine ältere Dame mit langen grau-weißen Haaren, welche sie zu einem losen Dutt gebunden hatte. Sie trug einen altmodischen, tannengrünen Rock, zusammen mit einer rosafarbenen Seidenbluse. Auf ihren Schultern – die durch ihre gebückte Haltung deutlich vorgezogen waren – lag wiederum ein dunkelviolettes Wolltuch, welches jedoch viel zu dünn zu sein schien, als dass es der kleinen Frau wirklich hätte Wärme spenden können.
Wie jemand bei solch einer Kälte nur so dünn angezogen sein konnte – und dabei dann auch noch nicht einmal zu frieren schien! – war mir wirklich ein Rätsel.
„Ähm … Dankeschön …“, brachte ich nach einem kurzen Moment der Verwunderung heraus, während ich merkte, wie Phaios sich gegen die Spitze meines Stiefels drückte.
Sogleich ging ich abermals in die Hocke und ließ den kleinen Drachen in Katzengestalt auf meinen Arm springen, jedoch ohne dabei meinen Blick von der älteren Dame abzuwenden.
Hatte sie Phaios‘ Verwandlung gesehen? Hatte sie uns vielleicht schon davor beobachtet? Bitte, lass sie nichts gesehen haben!
„Wie ist Ihr Name, mein Kind?“
Freundlich blickte mich die alte Frau aus ihren blassblauen Augen an, während das bunte Licht der Weihnachtsbeleuchtung hinter mir stetig über die Gläser ihrer übergroßen Hornbrille flackerte.
Ich zögerte einen Moment.
„Mein Name ist Hazel …. Hazel O’Connor.“
Phaios drückte sich stärker an mich – fast so, als wolle er mich damit zum Gehen ermutigen. Doch ich rührte mich keinen Zentimeter.
Ich wusste nicht warum, jedoch übte diese Frau eine seltsam beunruhigende Wirkung auf mich aus und Phaios schien es dabei nicht anders zu gehen.
Sein Fell sträubte sich, während er die kleine Dame aus seinen bernsteinfarbenen Katzenaugen von oben bis unten musterte, und deutlich konnte ich spüren, dass auch er der alten Frau skeptisch gegenüber war. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast schon sagen, dass er sie als Bedrohung ansah ...
„Was für ein schöner Name! Und wie heißt Ihr kleiner Freund?“
Mit schweren Schritten kam die Alte auf mich zu und streckte ihre behandschuhten Hände langsam nach Phaios aus, welcher jedoch nur den Kopf einzog und die ungewollten Streicheleinheiten leise grummelnd über sich ergehen ließ.
„Ähm … Salem …. Sein Name ist Salem …“, meinte ich daraufhin hastig und ging einen Schritt zurück, während die alte Frau mich noch immer munter lächelnd beobachtete.
Sogleich machte sich ein Hauch von Erleichterung in mir breit, denn dadurch, dass sie Phaios für eine Katze hielt, hieß das wohl auch, dass diese Muggeldame Phaios‘ Verwandlung nicht mitbekommen hatte.
Wenn das Ganze weiter so gut lief, würde es wohl doch keinen Ärger vom Ministerium für mich geben – komisches Gefühl hin oder her!
„So ein liebes Kätzchen! Und dann hat der Kleine auch noch ein so bezauberndes Frauchen!“, riss mich die Alte abermals aus meinen Gedanken.
Überrascht sah ich die Ältere an und für einen Augenblick wusste ich nicht so recht, was ich auf dieses unerwartete Kompliment erwidern sollte – viel zu überrumpelt war ich von dem entzückten Unterton, welcher mit einem Mal in ihrer Stimme mitschwang.
„Vielen Dank für dieses nette Kompli─“, begann ich zaghaft, nachdem ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, jedoch wurde ich sogleich von der Muggeldame unterbrochen.

„Wissen Sie, ich habe nicht besonders viel Kontakt zu meinen Töchtern. Sie leben in Irland, weshalb ich sie und meine Enkel nur sehr selten besuchen kann. Meine lieben kleinen Mädchen …“, sprach die alte Frau mit melancholischer Stimme und blickte mich mit ihren großen Augen eindringlich an.
Verwirrt hob ich eine Augenbraue.
Warum wechselte sie auf einmal so abrupt das Thema? Und was hatte das bitte mit mir zu tun?
„Ich möchte Ihnen etwas schenken.“
Ich blinzelte einige Male. Wie jetzt? Warum wollte sie mir nun auf einmal etwas schenken? Ich verstand absolut gar nichts mehr...
Skeptisch beobachtete ich die alte Dame dabei, wie sie in ihre Rocktasche griff und aus jener einen schönen Goldring mit einem funkelnden, topasgelben Stein herauszog.
Abwehrend hob ich die Hände.
„Ich bitte Sie! Sie müssen mir doch nichts schenken. Wir kennen uns doch gar nicht! Das kann ich unmöglich ─“ ─ „Keine Widerrede!“ Mit einem strengen Blick sah sie mich an, ehe ihre Gesichtszüge keine Sekunde später auch schon wieder sanfter wurden.
„Wissen Sie“, fing die alte Frau an, „Sie erinnern mich sehr an meine jüngste Tochter. Sie ist genauso hübsch und bescheiden wie Sie und hat ebenso dunkle Haare. Nehmen Sie mein Geschenk ruhig an, ich bitte Sie darum.“
Leicht musste ich schlucken. Irgendetwas in mir sträubte sich.
Mir war nicht ganz wohl bei der Sache, schließlich war es doch recht eigenartig, mitten in der Nacht einfach von irgendeiner älteren Muggeldame auf der Straße angesprochen zu werden und von dieser Unbekannten dann auch noch ein Geschenk zu erhalten.
Dennoch wollte ich der armen Frau diesen kleinen Gefallen tun, sah sie doch so unendlich traurig aus, als sie über ihre Töchter sprach.
Und was hatte meine Mutter früher immer so schön gesagt?
‚Wenn du merkst, dass du jemand anderem eine noch größere Freude als dir selbst machen kannst, indem du sein Geschenk annimmst, so nehme es auch lächelnd entgegen. Nicht um deiner Freude willen, sondern um des anderen Glückes wegen.‘
Kurz atmete ich tief ein, streckte meine Hand aus und nahm sogleich das funkelnde Schmuckstück entgegen.
Bei näherer Betrachtung sah der Ring noch um einiges schöner aus ...
„Na los, setzten Sie ihn auf. Ich möchte sehen, wie er Ihnen steht“, pure Euphorie lag in der Stimme der alten Frau.
Leicht nickte ich, wenngleich Phaios mir mahnend seine Krallen gegen den Arm drückte – so als wollte er mich vor dieser Tat warnen – und mit leicht zitternden Händen steckte ich mir den Ring an meinen Finger.
Was sollte denn auch schon großartig passieren, wenn ich den Ring eines Muggels über meinen Finger streifte?
Doch kaum, dass das kühle Metall meinen Finger berührte, spürte ich mit einem Mal einen gewaltigen Ruck, der meinen gesamten Körper erfasste und mir augenblicklich den Boden unter den Füßen wegriss.
Doch, anstatt zu Boden zu stürzen, fühlte es sich so an, als würde ich mich mit einem Mal in die Luft erheben und sogleich begann die Welt um mich herum zu verschwimmen, sich zu drehen und allmählich immer undeutlicher zu werden.
Ich fühlte mich, als wäre ich in Sekundenschnelle in einen Hurrikan gezogen worden ...
Ein verzweifelter Schrei entwich meiner Kehle, während ich Phaios so eng es ging an mich presste, und erschrocken blickte ich in die Richtung, in der zuvor noch die alte Frau gestanden hatte.
Jene grinste mich einen Moment lang siegessicher an, ehe sie sich ganz plötzlich in Luft aufzulösen schien und meine Sicht sich schlagartig schwarz zu färben begann.
Ich merkte noch, wie mir der Ring mit einem Mal wie von selbst vom Finger glitt, ehe all meine Sinne verschwanden und eine tiefe Ohnmacht mich empfing …

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Hallo, meine lieben Hexen, Zauberer, Muggel und sonstige Wesenheiten! :)
Ich freue mich sehr darüber, euch alle zu der Veröffentlichung meines neusten Projekts begrüßen zu dürfen!
Um ehrlich zu sein, schwirrt mir die Idee zu dieser Story schon seit knapp zwei Jahren – genauer gesagt, seitdem ich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ damals im Kino habe sehen dürfen – im Kopf herum und wurde von mir in dieser Zeit liebevoll geplant, verschwand jedoch leider zwischen dem Alltagsstress und fehlender Motivation in den Weiten meines Rechners.
Da nun aber in genau sechs Tagen endlich der zweite Teil der „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“-Reihe in die Kinos kommt und ich aus diesem Grund wieder total im Potterversum versunken bin, habe ich mich dazu entschlossen, diese Geschichte schleunigst wieder aufzunehmen und kann euch nun mit Stolz das erste Kapitel präsentieren. ^^
Hierzu würde ich gerne vorab noch eines zu meiner FF anmerken: In dieser Geschichte werden weder die Ereignisse des ersten, noch des zweiten Films berücksichtigt. Zwar spielt meine Geschichte ebenfalls im New York der 1920er Jahre, das ist aber auch eigentlich das Einzige, was sie mit den Filmgeschehnissen wirklich gemeinsam hat. Es handelt sich also um eine komplett von mir erdachte Handlung. :)
Das war es dann eigentlich auch von mir.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen meiner FF und würde mich sehr über konstruktive Kritik, Lob, Verbesserungsvorschläge oder sonstige Anmerkungen von euch freuen! ♥
Alles Liebe,
Luna♠

P.S. Wenn ihr noch mehr über die Geschichte erfahren und besondere Informationen zu jener erhalten wollt, könnt ihr euch gerne auf meiner Website umsehen.
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