Milky in Not

von -Rhea-
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
09.11.2018
14.11.2018
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Hallo und schön dass ihr meine Geschichte lest:)
Ich hoffe sie wird was, das ist meine Erste in diesem Universum....
Naja, viel Spaß beim Lesen,
Liebe Grüße, Rhea

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Da waren Blumen. Überall Blumen um sie herum. Und ein See. Ein wunderschöner See, auf dem sich das helle Licht der Sonne spiegelte. Ein leichter Wind wehte, ließ das glatte Wasser zu sanften Wellen werden und die Blätter im Wald hinter ihr geheimnisvoll rascheln. Ein leises Summen war zu hören, vielleicht von kleinen Insekten zu ihren Füßen?
Und ein Duft… ein Duft nach Erde und Wald. Beruhigend, freundlich, still.

„Milky? Milky! Wach auf!“

Sie atmete tief ein. Diese Umgebung war so friedlich, so ruhig. Der Geruch nach Tannennadeln durchströmte sie, als sie sich auf den Wald zubewegte. Ein kleiner Greifvogel saß auf einem tiefhängenden Ast. Er blickte hoch in den blauen Himmel. Sie folgte seinem Blick, schnupperte erneut. Es roch nach…Kaffee? Wie merkwürdig….

„Milky! Wach auf! Schnell! Du bekommst Ärger, steh auf!“

Ein vertrautes Kribbeln setzte ihre Nervenenden unter Strom. Der Wald, der See, die Blumen, alles verschwand, löste sich auf und Milky hatte noch die stechend gelben Augen des Vogels vor Augen, als sie ihre eigenen öffnete. Der Befehl hatte sie aus dem Schlaf geholt.
Sie lag in ihrem Korb, eingewickelt in eine olivgrüne Flickendecke. Ein schmaler Streifen Licht schien durch die Schranktür hinein, die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Zu hoch.

Im nächsten Augenblick saß sie senkrecht im Bett, ihre großen, grünen Augen sahen direkt in ein paar dunkelbraune, die sie beunruhigt anstarrten.

„Meister Charlie“, grüßte sie den Jungen vor sich unsicher.

„Milky! Du hast verschlafen!“, sagte der Kleine hektisch und zog ihr die Decke von den dünnen Beinen, „Vater kommt in zehn Minuten von der Arbeit. Du weißt doch, wie böse er wird, wenn das Frühstück nicht zubereitet ist. Du hast doch noch nie verschlafen, was ist mit dir?“

„Milky weiß es nicht, Sir“, sagte die Elfe, leicht heiser und zog sich am Knauf des Schrankes nach oben. Ihre Sicht war leicht verschwommen und in ihrem Kopf drehten sich konfus die Gedanken.
Sie hatte verschlafen.
Sie. Hatte. Verschlafen.
Sie, eine Elfe aus der Carabius-Linie, einer der edelsten Elfenstämme, die je existiert hatten.
Eine Elfe, deren Eltern sorgfältig ausgesucht wurden, um ein möglichst gutes Gengut zu kreiren.
Eine Elfe, die seit unzähligen Jahren treu und gut der Familie Lenore gehörte.
Eine solche Elfe hatte verschlafen.
Was für eine Schande.

„Mach dir keine Sorgen, Milky. Ich habe dir den Kaffee schon gekocht, aber ich weiß nicht, wie man Spiegeleier brät. Komm, schnell, ich versuche dir zu helfen!“

Der Kleine griff nach Milkys klammer Hand und zog sie auf die Füße, wo sie schwankend stehen blieb. Er sah besorgt aus, weswegen Milky ihm sanft den Unterarm tätschelte.

„Meister Charlie darf sich keine Sorgen machen. Milky macht das Frühstück. Milky wird nicht ruhen, bis sie ihren Fehler wieder gut gemacht hat!“

Sie drängte sich an Charlie vorbei in Richtung Herd. Während sie die Eier aus dem Karton nahm, spürte sie sowohl Schweiß auf ihrer Stirn als auch den prüfenden Blick des Jungen im Rücken.

Seit über fünfzehn Jahren lebte sie nun hier, direkt nach ihrer Kindheit, war sie der Familie Lenore übergeben worden. Amaranda und Corbinius Lenore lebten mit ihren Kindern Melissa, Arcturon und Charanio im südlichsten Teil der Stadt Cardiff. Sie gehörten klar zur Oberschicht, sowohl aus der Sicht der Muggel, als auch aus der der Zauberer. Reich und erfolgreich bekleideten die beiden Eltern hochrangige Stellen im Zaubereiministerium. Das Anwesen, auf dem Milky diente war über fünf Hektar groß. Die Familie war sich ihres Reichtums sehr wohl bewusst, bei vielen Zauberern galten sie als hochmütig. Arcturon, der älteste Sohn, leitete inzwischen die Abteilung der Strafverfolgung im Ministerium. Melissa, die einzige Tochter, würde dieses Jahr ihren Abschluss in Hogwarts machen. Und das mit Bestnoten.

Und dann war da Charanio. Elf Jahre alt, ein Nachzügler in der Familie und von gänzlich anderem Gemüt. Hochintelligent und fleißig, doch nicht eingebildet, vielmehr freundlich, höflich und immer optimistisch gestimmt.
Er würde dieses Jahr eingeschult werden….

In Gedanken versunken bemerkte Milky zunächst nicht, wie der Schinken ihrer Hand entglitt. Mit einem Klatschen landete er auf dem Boden, die Elfe schwankte kurz und stürzte dann von ihrem Tritt zu Boden, wo sie der Länge nach auf den kühlen Fliesen liegen blieb.

„Milky! Oh Gott. Hey! Schau mich an!“, rief Charlie und hob ihr Augenlid an, „Was ist los mit dir?!“

„Milky weiß es nicht Sir! Sie kann es sich nicht erklären….Milky muss arbeiten…Sie…Sie….“

„Red keinen Unsinn Milky, komm schon. Du bist ganz offensichtlich krank!“

Die Elfe versuchte sich aufzusetzen, doch sie scheiterte. Ihre Beine knickten weg und ein Gefühl starker Übelkeit machte sich in ihr breit. Sie drehte sich um, um ihre Stirn auf den kühlen Fliesen abzulegen.

„Milky darf nicht krank sein…Milky muss aufstehen.“

„Sieh mal, deine Augen sind total geschwollen. Vater muss dich zu einem Heiler bringen, ich glaube du hast Fieber!“

„Wenn Meister Charanio Milky befiehlt zu arbeiten, dann kann Milky arbeiten!“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage! Und nenn mich nicht so! Du weißt ich kann den Namen nicht leiden!“

Milkys Gesichtsausdruck wurde flehend. Charlie wusste, dass sein Vater nicht erfreut sein würde, wenn er von Milkys Zustand erfuhr. Er konnte böse werden….

„Aber…“, setzte er an, doch er kam nicht weit.

„Bitte. Meister Charlie, helfen sie mir….“

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Eine halbe Stunde später saß Charlie am Küchentisch, seinem Vater gegenüber. Es fiel ihm zumeist schwer, sich mit ihm zu unterhalten. Corbinius war ein einschüchternder Mann, groß, muskulös und mit langem schwarzen Haar und Bart.
Doch heute galt seine Aufmerksamkeit nicht der Unterhaltung, sondern der kleinen Elfe, die, durch seinen Befehl zu Kräften gekommen, eifrig Kaffee und Schinken servierte.

„Sohn, ich hoffe du bist gut vorbereitet auf deinen ersten Schultag? Hast du alles gepackt?“, fragte Corbinius und winkte seiner Elfe gebieterisch zu, die sofort herbeigeeilt kam.

„Ist Meister Lenore fertig mit essen?“, quiekte sie und räumte bei seinem Nicken die Teller in die Küche. Charlie spürte ihre Hitze, als sie neben ihm stand. Milky hatte Fieber.

Er sah seinen Vater an. Er war die Verkörperung aller Eigenschaften seines ehemaligen Hauses. Mutig, durchsetzungsfähig und loyal, war er ein wahrer Gryffindor, genau wie es Melissa und Arcturon waren. Das war wohl genetisch bedingt… Seine Mutter allerdings war in Slytherin gewesen. Früher hatte sie ihm erzählt, wie schwer es die beiden gehabt hatten, weil diese Häuser sich traditionell hassten….

Was er wohl werden würde?
Wie als hätte Corbinius seine Gedanken gelesen, runzelte er die Stirn.

„Bist du nervös, Sohn?“, fragte er und sah Charlie durchdringend an.

„Ein wenig…“, gab dieser zu und stand dann auf, „Ich gehe fertigpacken, Vater.“

„Milky soll dir helfen!“, rief Corbinius ihm noch hinterher.

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Gerade faltete Charlie einen seiner Umhänge zusammen, als es leise klopfte.

„Herein?“, rief er in Richtung Tür.

Diese öffnete sich und Milky trat ein. Charlie erschrak als er sie sah. Ihre Augen waren geschwollen, der Schweiß ließ ihre Stirn glänzen und ihre Hände zitterten.

„Meister Lenore sagt, Milky soll Meister Charlie beim Packen helfen!“, quiekte sie und verbeugte sich leicht.

„Milky!“, sagte Charlie und sank vor der Elfe auf die Knie. Er berührte vorsichtig ihre Stirn- sie glühte.
„Du bist krank. Bitte, lass mich jemanden rufen, der dir helfen kann….“

„Milky kann arbeiten!“, psalmodierte sie stur und griff nach einem der rund fünfzig Bücher, die auf Charlies Fußboden verstreut lagen. Er versuchte seit Tagen vergeblich, sie alle in seinem Koffer unterzubringen, jedoch scheiterte er kläglich. Mit strenger Miene nahm er ihr Von Weidekraut und Wegerich – Die moderne Pflanzenheilkunde ab und warf es auf sein Bett.

„Ich möchte, dass du dich hinsetzt. Das ist ein Befehl!“, murrte Charlie und dirigierte die Elfe auf sein Bett, wo sie zitternd in sich zusammen sank.

Das war etwas, was er noch nie verstanden hatte. Diese Sklaverei. Und auch nicht, warum sich keine Elfe dagegen wehren konnte. Es war zum verrückt werden. Als er noch jünger gewesen war, hatte er Milky einmal gefragt, ob er ihr nicht einfach eine Socke oder eine Hose von sich schenken solle, dann könne sie gehen. Die Elfe war vor Schreck fast in Ohnmacht gefallen und hatte ihm dann einen beinahe zehnminütigen Vortrag über die Geschichte ihrer Familie anhören müssen. Er hatte keinen Kontakt zu anderen Hauselfen. Vielleicht sahen andere das anders?

„Hattest du nicht einen Freund, der sich mit Elfenkrankheiten auskennt? Bolly? Holly? Wie hieß der denn?“, fragte Charlie und reichte Milky ein Glas mit Wasser.

„Meister Charlie meint Dobby. Aber Milky weiß nicht, wo Dobby ist. Sie hat ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen….“

„Zu welcher Familie gehört er denn?“, fragte Charlie forsch, während er bereits ein Blatt Pergament aus seiner Schublade zog.

„Dobby dient der Familie Malfoy. Er ist einer von vier Elfen in diesem Haus….“

Charlie nickte, tauchte seine Feder in sein Tintenfass und schrieb:

Guten Tag Dobby,

Mein Name ist Charlie Lenore, ich wohne mit meiner Familie in Cardiff.Seit ein paar Tagen mache ich mir große Sorgen um meine Elfe, Milky. Sie sagt, sie beide kennen sich. Sie ist krank, doch sie will sich nicht wirklich helfen lassen. Sie hat Fieber, ihre Augen sind ganz rot und sie ist sehr schwach. Können Sie ihr helfen? Milky sagt, sie würden sich mit Elfenkrankheiten auskennen…Bitte, ich hoffe auf Ihre Antwort. Vielen Dank im Voraus,

Charlie

PS: Ich fahre morgen das erste Mal nach Hogwarts und bin dann außer Haus, ich weiß nicht, wie meine Eltern zu Hauselfen von außerhalb stehen, vielleicht kommen Sie besser am Abend.

Er rollte das Pergament zusammen und pfiff leicht durch die Zähne, während er das Fenster öffnete. In der großen Linde vor dem Fenster raschelte es und kurz darauf landete ein stattlich gewachsener Uhu auf dem Fenstersims. Er war ungewöhnlich dunkel gemustert, was seine gelben Augen noch stechender wirken ließ. Er legte den Kopf schief.

„Hallo Paracelsus“, begrüßte Charlie ihn und hielt ihm den Brief hin. Der Uhu schnappte danach und sah ihn durchdringend an.
„Bring das bitte zu Dobby. Das ist ein Hauself, der zuletzt bei der Familie Malfoy gedient hat. Wo er jetzt ist, wissen wir nicht. Aber du findest ihn, hm?“

Der Uhu raschelte bedeutungsschwer mit den Flügeln und flatterte dann los. Einen Moment sah Charlie ihm nach, dann wandte er sich wieder seinem Koffer zu, der vor Büchern beinahe überquoll.

„Ich bekomme das nie alles da rein!“, jammerte er und leerte den Inhalt des Koffers zurück auf den Boden.

„Meister Charlie hat zu viele Bücher!“, kommentierte Milky vom Bett aus.

„Das weiß ich auch! Aber das hilft gerade nicht wirklich. Wie bekomme ich das da rein?“

„Meister Charlie ist nervös. Milky fragt sich, warum?“

„Ach ich weiß nicht…“, antwortete Charlie und stapelte seine Bücher nun ordentlich in eines der Fächer seines Schrankkoffers, „Ich denke, ich habe Angst, dass der sprechende Hut mich nicht nach Gryffindor steckt.“

„Meister Lenore ist ein stolzer Mann. Er war sehr glücklich, als Miss Melissa und Meister Arcturon in seine Fußstapfen getreten sind. Aber Herrin Amaranda war nicht in Gryffindor und Meister Lenore  liebt sie trotzdem.“

Diese Erklärung war zwar etwas wirr, doch Charlie hatte den Kern dennoch verstanden.
Er schmunzelte leicht und faltete dann seine neuen Schulumhänge zusammen.

„Meister Charlie möchte nicht nach Gryffindor.“

Das war keine Frage, vielmehr eine Feststellung. Charlie blickte sie an und sie fuhr fort:

„Meister Charlie ist ein intelligenter Junge. Er liest mehr als er spricht und er war schon immer sehr eigensinnig. Aber er ist ein guter Junge, er hat Witz und er wird sicher gute Freunde finden…“

Charlie lief leicht rosa an.
„Was willst du mir damit sagen Milky?“

Die Elfe verschränkte ihre dürren Finger.„Milky glaubt, Meister Charlie gehört nach Ravenclaw!“

Charlie sah an ihr vorbei nach draußen. Licht schien durch die dichte Krone der Linde, in der Paracelsus so gerne saß. Würde er ein Ravenclaw werden? Sein Vater sagte, alle Ravenclaws wären Schwätzer…Würde er sehr enttäuscht sein? Doch er war sich sicher, dass Gryffindor nichts für ihn sein würde. Er war anders als seine Geschwister…so anders.

Erschrocken riss er die Augen auf. Vor lauter Grübeleien über Hogwarts hatte er Milkys Krankheit völlig vergessen. Augenblicklich packte ihn das schlechte Gewissen.

„Milky! Versprich mir, dass du dir von Dobby helfen lässt, wenn er antwortet. Ja?“

„Milky braucht keine Hilfe. Milky wird…“

„Um Himmels Willen!“, schnaufte Charlie und quetschte sein Teleskop zu den Umhängen, „Wir werden ja sehen, wann Paracelsus zurückkommt…. Du bist krank. Kranke Menschen gehen zu Heilern. Das ist eben so.“

„Milky ist kein Mensch, Sir“, leierte Milky und Charlie seufzte. Dann nahm er Anlauf und sprang auf seinen Koffer. Es klickte und der Verschluss rastete in die Verankerung. Charlie ließ sich auf seinem Koffer nieder und atmete erleichtert auf.

Jetzt konnte es losgehen.
Endlich.
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