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Süßer Tod, verfluchter Tod

OneshotAngst, Fantasy / P12 / Gen
Der Tod Kaiserin Elisabeth
09.11.2018
09.11.2018
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Hallo, an euch alle :)
Ich habe vor kurzem mal meinen DVD-Schrank durchgewühlt und dabei meine DVD des Musicals Elisabeth wiedergefunden. Ein Musical, das mich schon immer sehr fasziniert hat. Dieser OS ist aus einer spontanen Laune heraus entstanden und nicht allzu lang. Ich hoffe, das nehmt ihr mir nicht allzu übel und ich habe es doch einigermaßen getroffen. Reviews sind natürlich erwünscht, aber keine Pflicht. Für Rechtschreibfehler entschuldige ich mich bereits jetzt.
Ansonsten euch ein schönes Wochenende und viel Spaß.
Grüße, eure WhiteHope


Da war sie! Ein zusammengesunkenes, schwarz gekleidetes Elend. Er wusste, dass sie es war. Seine schwarze Möwe. Wer sonst sollte sich an diesem Grab befinden und sich so verhalten

Der Tod war doch ein wenig überrascht, aber das vermochte er nicht zuzugeben. Er wusste besser als jeder andere wie Elisabeth mit Rudolf, ihrem Sohn, umgesprungen war.

Gar nicht. Gemieden hatte sie ihn, behandelt wie einen Aussätzigen und ihm stets die Tür vor der Nase zugeknallt, wenn er sich an sie wenden wollte. Rudolf hatte nach ihm gerufen und er als guter Freund hatte seinem Schützling diesen einen Wunsch nicht abgeschlagen.

Wie gut konnte er sich noch erinnern, als Rudolf noch ein Knabe war und sein Vater seine Ausbildung veranlasste. Ein Offizier, der den Knirps quälte, wo es nur ging. Rudolf hatte in jeder Minute und jeder Sekunde dieser persönlichen Hölle nach ihm gerufen. Nicht immer war er für ihn spürbar, aber der Tod war immer da. Er beobachtete Rudolf immer und besuchte ihn manchmal auch seinen Träumen. Doch nur zu gut hatte er noch die Freude des Jungen im Kopf, als er erfuhr, dass seine Mutter sich für ihn stark gemacht hatte. Er hatte die Hoffnung des Kronprinzen gespürt, dass seine Mutter ihn endlich liebte. Eine Hoffnung, die sich als falsch erwiesen hatte.

Rudolf hatte oft nach ihm gerufen, nach ihm, seinem Freund, der immer für ihn da war und ihn immer begleitete. Doch jetzt spürte der Tod auch ihr Rufen. Sie rief nach ihm, flehte. Man könnte es auch fast schon betteln nennen, wenn die Kaiserin dazu nicht zu stolz gewesen wäre. Und er wusste das.

Der Tod grinste, ein eiskaltes, listiges Grinsen. Der Tanz ging weiter, aber jetzt war er am Zug. Die Führung gehörte ihm. Der letzte Tanz gehörte immer ihm! Aber er wollte ihn mit Elisabeth nicht tanzen. Noch nicht.

"Oh, Rudolf...", schluchzte Kaiserin Elisabeth herzzerreißend. Zu leise, als dass jemand es hören konnte. Nur er war ihr einziger Zeuge. "Du bist wie ich gewesen. Du hast mich gebraucht. Doch ich ließ dich im Stich, zu jeder Sekunde, nur um mich zu befreien. Von der lästigen Pflicht- Kannst du mir je verzeihen?"

Sie sprach ins Nichts. Der Tod grinste breiter. Rudolf war schon lange in seinem Reich. Er würde ihre Qual nicht hören. Nur ein Engel oder er selbst könnten das veranlassen, aber der Tod sah keinen Grund dazu. Seinen Engeln hatte er keine Anweisung geben müssen, sie hatten ihren Meister verstanden.

"Ich habe versagt, es ist meine Schuld. Ich stieß dich, mein eigenes Kind von dir, weil ich frei sein wollte! Doch ich werde niemals frei von Schuld sein!"

Fast war es an dem Tod laut zu lachen. Etwas, was er selten tat, aber das Lachen wäre hämisch und voller Spott gewesen. Elisabeth war nicht frei! Als junges Mädchen war sie frei gewesen. Doch sobald Franz Joseph sie umworben hatte, hatte sie sich in den goldenen Käfig sperren lassen.

"Ich wünschte, ich könnte dich nur einmal umarmen. Dich beschützen, vor dieser grausamen Welt. Oh, Rudolf, vergib mir."

"Er hört dich nicht. Rufe nicht nach ihm!"

Elisabeth zuckte heftig zusammen und fuhr hoch. Ihre Augen weiteten sich, als sie ihren schwarzen Prinzen nicht weit weg von sich stehen lassen. Der Tod hatte sein kaltes Grinsen abgelegt, es machte einer neutralen Miene Platz, auch wenn er gerne gelächelt hatte.

"Schwarzer Prinz?" Es war mehr eine Feststellung, weniger eine Frage. Ein Ausdruck des Zorns trat in Elisabeths Gesicht, vermischt mit der Trauer. "Warum?", verlangte sie zu wissen. Ihre Stimme war unglaublich fest und autoritär. Es war die Stimme der Kaiserin.

"Er hat mich gerufen.", war das einzige, was der Tod sagte, während er langsam an seine schwarze Möwe herantrat, die keine Anstalten machte sich zu erheben. Vielleicht wollte sie nicht, vielleicht fehlte ihr auch die Kraft. Es war ihm gleich. "Ich gab ihm, was er wollte."

"Du hast mir zum zweiten Mal ein Kind genommen", sagte Elisabeth. Ihre Stimme war nach wie vor fest. Die vielen Jahre nach dem Zeremoniell und Protokoll machten sich bemerkbar. "Bin ich nicht bereits genug gequält?"

Der Tod schmunzelte, sagte aber nichts. Es machte ihm nicht immer Spaß, bei weitem nicht. Aber doch gab es Momente, in denen er seine Spielchen genoss.

"Ich habe nur getan, was verlangt war.", sagte er dann. "Sophie hat nur auf mich gewartet." Er ignorierte den Schatten, der durch Elisabeths Gesicht huschte, als er ihr erstes Kind ansprach. "Und Rudolf rief länger schon nach mir. Ich war ihm ein Freund. Und als dieser konnte ich ihm seinen Wunsch nicht abschlagen."

Der Tod spürte den Schmerz, der von seiner schwarzen Möwe ausging. Er traf alle wunden Punkte bei ihr. Jede Stelle, über die sie verwundbar war. Es war ein Teil des Tanzes. Jahrelang hatte sie  ihn verschmäht, jetzt war die Zeit gekommen, wo er sie verschmähen musste. Wollte!

Dann sag, spürst du auch mein Rufen?", fragte Elisabeth, ein flehender Unterton lag in ihrer Stimme. Der Tod grinste innerlich eiskalt. Der beste Teil des Tanzes konnte beginnen.

"Ja!", antwortete er und zog das Wort in die Länge. Es hatte etwas mystisches und sie beide wussten das.

"Süßer Tod, verfluchter Tod...", säuselte Elisabeth und streckte eine Hand nach ihm aus. Doch der Tod wich langsam einen Schritt zurück. Weg von ihr. Erkenntnis und Schmerz leuchteten in Elisabeths Augen auf, aber doch flehte sie :"Erbarme dich und erlöse mich."

Der Tod schüttelte den Kopf, sein blondes Haar kitzelte ihn dabei. "Zu spät.", hauchte er. Kaum mehr ein Flüstern, aber für Elisabeth gut verständlich. "Ich will dich nicht. Nicht so. Ich brauche dich nicht." Er zitierte sie. Es waren ihre eigenen Worte, die er ihr an den Kopf warf. Wissen leuchtete ihm entgegen, gepaart mit ihrem gesamten Schmerz. Ein Schmerz, der sie zusammensinken ließ. Sie war nichts mehr als ein Häuflein Elend. Doch ihre Sehnsucht nach ihm appellierte an sein totes Herz.

Nein!

Er sagte nichts mehr, sondern verschwand in der Dunkelheit der Nacht. Der Tanz lief genauso, wie er es gedacht hatte. Den nächsten Schritt hatte er schon geplant.

Erneut grinste der Tod eiskalt und ließ eine am Boden zerstörte Kaiserin zurück, die nicht ahnte, dass ihr schwarzer Prinz bereits neue Pläne hatte.

Der letzte Tanz gehörte immer ihm!

Immer!
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