cinnamon summer

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Feyre Archeron Morrigan (Mor)
09.11.2018
09.11.2018
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content note: Erwähnungen von Krieg  & Andeutungen auf psychisches Trauma.

A/N: Ein bisschen pointless fluff mit Mor & Feyre. Keine Handlung, nur ein random fluffy unerklärtes polyam AU, weil ich bei dem Prompt sofort ein paar Szenen im Kopf hatte & die ausschreiben musste, auch wenn das alles irgendwie ein bisschen am Prompt vorbei ist. & mein erstes ACoTaR-Ficlet. Oh well. Enjoy.


ficathon: whatever it takes


Waking when the white sunlight's out
Waiting through the days and nights out
It's a slow cinnamon summer
Your spell's pulling me under




I.

Es ist weißes Sonnenlicht, das sie wachküsst. Weißes Sonnenlicht, das zum ersten Mal seit Tagen durch die löchrigen Wolkenfetzen bricht und das Zimmer erhellt, ihr die Haut wärmt, sie irritiert blinzeln lässt, kaum dass sie die Augen aufgeschlagen hat.

Es dauert einen Moment, bis Mor sich daran erinnert, wo sie im Morgengrauen eingeschlafen ist. Und noch einen Moment länger, bis sie realisiert, was sie da vor sich sieht.

Sie streckt eine Hand nach dem haselnussbraunen Haar aus, das sich vor ihr auf Kissen und Laken ausbreitet, streicht vorsichtig darüber, als könnte sie mit den Fingerspitzen der Sonne nachfühlen, die die weichen Strähnen zum Leuchten bringt.

»Du bist wach«, flüstert Feyre.

Mor zuckt zurück, fühlt sich mit einem Mal ertappt, doch Feyre legt ihre Hand auf Mors, stoppt sie mitten in der Bewegung und hält sie fest. Der warme, weiche Körper vor ihr drängt sich ein wenig dichter an Mor, und Feyre dreht den Kopf leicht in ihre Richtung, streift mit ihren Lippen Mors Fingerspitzen.

»Bist du dir da sicher?« Mor versucht, es ein wenig neckisch klingen zu lassen, doch sie kann das Zittern ihrer eigenen Stimme noch auf ihren Lippen spüren, als die Worte verklingen. »Ich für meinen Teil glaube ja eher, dass ich noch träume.«



II.

Über Velaris strahlt eine gleißende Sommersonne. Über Velaris spannt sich ein pechschwarzer Nachthimmel. Durch die Tage und Nächte hindurch wartet sie, ohne zu wissen, worauf.

Vielleicht auf das Erwachen aus einem zu schönen Traum. Vielleicht auf die eine Nachricht, die sie aus der Illusion des Friedens reißt und ihnen allen den Krieg zurückbringt.

Mor wartet auf das unbestimmte irgendwas, das ihr Glück wieder zerstört, während sie in roten Kleidern durch die Nächte tanzt und mit Blumen im Haar durch die Tage lächelt.

Warten. Immer nur warten. Irgendwann ist alles vorbei, sagt sie sich im Stillen. Nichts ist für immer, auch der schönste Sommer nicht.



III.

Mor schließt die Augen und konzentriert sich auf den leichten Druck von Feyres Fingern, als sie ihre Hand ein kleines bisschen fester greift. Sie lauscht ihren Schritte auf dem Pflasterstein, die in der Geräuschkulisse der Altstadt beinahe untergehen, und denkt: Das ist echt. Sie sind wirklich hier, das ist echt, das passiert wirklich. Sie schlendern durch Velaris und Feyre hält Mors Hand und es ist warm und ruhig und fröhlich in der Stadt. Friedlich.

»Alles in Ordnung?«

Mors Lider heben sich wieder, träge, als könnte der Blick zur Seite ihr den Moment nehmen, wenn sie es zulässt, aber der Blick tut nichts, er trifft nur Feyres sommersprossiges Gesicht mit dem unsicheren Lächeln und dem seltsam weichen Ausdruck in ihren gletscherblauen Augen. Mor lächelt zurück, und sie weiß, dass es selbstbewusster wirkt als sie sich fühlt. »Es verunsichert dich wohl, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht ständig seine Gedanken mit dir teilt?«

Im ersten Moment weiten sich Feyres Augen, aber dann lacht sie leise auf. Gespielt überheblich gibt sie zurück: »Ich könnte mir deine Gedanken jederzeit holen, wenn ich wollte.«

Und obwohl es scherzhaft gemeint war, wissen sie beide: Es stimmt. Und genauso wissen sie beide: Sie würde nie, niemals.

»Alles in Ordnung«, versichert Mor mit einem milden Lächeln.

Ich kann nur immer noch nicht fassen, wie perfekt alles ist.



IV.

Feyres Lippen schmecken nach Wein und Zimt. Das Lagerfeuer flackert und knistert vor sich hin und Mor spürt Feyres unteren Rücken unter ihren Fingerspitzen. Wirbelsäule. Hüfte. Taille. Schultern. Ihre Berührungen sind so zart, als berühre sie etwas furchtbar Zerbrechliches, dabei ist es eine der stärksten Personen, die sie kennt, die da neben ihr sitzt und mit einem zufriedenen Grinsen gerade erst ihre Lippen von Mors löst und dann ihren Kopf an Mors Schulter lehnt.

Egal, wie stark man ist — Glück ist zerbrechlich. Wenn Mor eins gelernt hat, dann das.

Aber vielleicht kann sie eine Weile nicht daran denken, in Spätsommernächten, in denen ihr der Kopf schwirrt vor Wein und langsamen Küssen, während Feyre sich auf den Boden rutschen lässt, den Kopf auf Mors Oberschenkel bettet und sie anstrahlt, als sie zu ihr hochsieht.

Vielleicht kann sie so tun, als sei es ewig, als sei es unzerstörbar, als sei es für immer wahr und unnwiderruflich, wenn sie Feyre über Stirn und Wangen streicht und sagt: »Weißt du was?«

»Hm?« Feyres Augenbrauen heben sich ein Stück weit, ihre Lippen öffnen sich leicht.

Es kostet sie einiges an Überwindung, immer noch, aber Mor nimmt all ihren Mut zusammen und beugt sich zu ihr hinab, um diesen schönen, schönen Lippen einen weiteren Kuss aufzuhauchen. »Das«, flüstert sie. Weil sie es nicht besser sagen könnte als so — ohne Worte.

Feyre nickt und lächelt. Und versteht. Und erwidert leise: »Ich weiß. Mir geht es doch genauso.«



V.

Der Herbst hält Einzug. Kühler Wind und raschelndes Laub, ein letzter Hauch goldener Sonne und ein Duft nach Regen und Vergänglichkeit, der der gesamten Stadt anhaftet. Der Sommer endet langsam, wie er auch langsam gekommen und langsam verstrichen ist, aber er endet.

Mor bemerkt kaum, dass sie nervös mit zwei Fingern auf der Lehne ihres Sessels herumtrommelt, bis Rhys ihr zuraunt: »Entspann dich.«

Sie wirft ihm einen flüchtigen Blick zu und schnaubt. »Du hast leicht reden.«

Rhys lächelt leicht. Mehr nachdenklich als fröhlich. »Wir gehen nur zusammen aus«, sagt er. Seine Worte und sein Tonfall haben etwas beruhigendes an sich, und Mor wusste bis zu diesem Moment nicht, dass sie das von ihm hören musste, aber genau das war es, was sie jetzt brauchte. »Wie immer. Kein Grund, sich den Kopf zu zerbrechen.«

Ich weiß, will Mor erwidern. Aber die Sache ist: Es ist nicht ganz wie immer. Es ist alles ein bisschen anders. Und sie hat keine Ahnung, wie sie die einzige sein kann, die das nervös macht, die nicht weiß, wie sie damit umgehen soll.

»Ich vertraue dir«, sagt Rhys leise, als hätte er ihre Gedanken erraten. In solchen Augenblicken fragt Mor sich immer wieder, ob er sie wirklich so verdammt gut kennt oder ob er nicht vielleicht doch in ihre Gedanken eindringt, wenn er es für nötig hält. »Und ich vertraue ihr. Ich habe absolut keinen Grund zur Sorge. Und du auch nicht.«

Ich weiß. Ich weiß es doch, verdammt. Manchmal fühlt es sich bloß an, als würde es noch eine Ewigkeit dauern, bis diese Wahrheit vollständig bei ihr ankommt. Bis ihr neues Glück sie nicht bloß mit all seinem Zauber erfasst, sondern sie es auch annehmen kann, ganz und gar, als ihres ansehen und behalten und wissen, dass es ihres bleiben wird, wirklich und echt und wahrhaftig, ohne dass man es ihr gleich wieder wegnehmen kann.

Aber vielleicht, denkt Mor, als ihr Blick zur sich öffnenden Tür wandert und Feyre erfasst, die den Raum betritt und zwischen ihr und Rhys hin und her blickt, ein Lächeln auf den Lippen —

Vielleicht ist das völlig in Ordnung. Vielleicht haben sie eine Ewigkeit lang Zeit für all das.
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