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Secret City

von Alrauna
GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P18 Slash
Elijah Kamski Gavin Reed Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor RK900
08.11.2018
22.05.2019
19
19.062
8
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08.11.2018 1.001
 
Connor fröstelte, als der kalte Novemberwind um ihn blies. Normalerweise wäre er nun schneller gegangen, um schnell ins warme zu kommen, aber heute ging das nicht. Dort, wo er hin wollte, war es nicht warm und eigentlich konnte er dort nicht spät genug ankommen, um das Unvermeidliche noch ein wenig heraus zu zögern.

Er lief durch den Wald, der etwa zweihundert Meter hinter dem Haus der Familie Anderson befand. Als er jünger war, hatten die dicht beieinander stehenden Bäume immer eine seltsame Faszination auf ihn und seinen Zwillingsbruder Niles ausgeübt, sodass sie ständig hinein gerannt waren, was sie eigentlich nicht durften. Damals hatte er sich nicht gefürchtet, denn sein Bruder war ja immer da gewesen und auch wenn er später dort gewesen war, waren immer andere Leute da gewesen oder er hatte sein Handy dabei gehabt und Musik in seinen Ohren. Nun war er schutzlos, nicht alleine, denn im Dunkeln lauerte etwas auf ihn, in dessen Arme er gerade lief.

Der Weg, auf dem er lief, war breit und das tote, nasse Laub türmte sich darauf auf. Der Braunhaarige wünschte sich, es würde schneien, denn nicht nur mochte er Schnee, sondern in der kalten, weißen Decke würde man morgen seine Spuren finden und vermutlich auch Blut, was die Suche nach ihm erleichtern würde. Nach dem was von ihm übrig war.

Ein gewaltiger Kloß wuchs in seinem Hals und Connor fühlte heiße Tränen in seinen Augen aufsteigen, sodass er die Hände aus den Taschen nehmen musste, um sich übers Gesicht zu fahren. Er wollte nicht weinen, zumindest nicht jetzt, vielleicht später, am besten wenn er wieder zuhause war, dann wollte er Hank und Niles unter Tränen erzählen was los war, alles raus lassen und er wollte sich von Sumo das Gesicht lecken lassen und hören, dass alles gut wurde.

Im düsteren Licht des Mondes kam sein Ziel zum Vorschein. Es war eine große, leicht ovale Wand, die dort vermutlich schon gestanden hatte, als sein Adoptivvater in seinem Alter gewesen war. Sie war über und über besprüht, einige dumme Sprüche, aber auch wirklich schöne Bilder, aber in der Mitte war ein Graffiti, das die anderen zu domminieren schien. Es war schon da, seit Connor das erste Mal hier gewesen war und es schien, als würden alle Sprayer der Umgebung es respektieren, wie einen alten Gott der über die Wand wachte.

I walk this empty street

On the Boulevard of broken Dreams



Es war eine Zeile aus dem gleichnamigen Lied, welches zwar alt war, aber trotzdem unglaublich zeitlos. Das Zitat hatte dem Platz und der Straße im Wald ihren Namen gegeben: Die leere Straße, und dass obwohl sie fast nie ganz leer war. Irgendjemand hatte alte Bänke und Sofas vom Sperrmüll angeschleppt und es gab zwei Tonnen, in denen oft Feuer gemacht wurde. Normalerweise waren hier viele Jugendliche, was Connor gar nicht mochte, aber wenn nur sein Bekanntenkreis da war, liebte er es hier. Doch heute hasste er es hier, im Mondschein in der Kälte, während die Jäger zwischen den Bäumen zu ihm kamen.

Der Dunkeläugige setzte sich in einen Sessel, dessen Polster an der rechten Armlehne aufgeplatzt war und starrte auf seine Schuhe. Unterbewusst fuhren seine Finger über seinen Hals und berührten den Knutschfleck. Normalerweise passte er auf, dass so etwas nicht passierte, aber heute war er abgelenkt gewesen und nun war es schon passiert.

Wenn er nach Hause kam wollte er Hank auch von dem Knutschfleck erzählen, überhaupt wollte er alles erzählen, ihm war es jetzt egal, wem er damit schadete. Das sagte er sich zumindest, aber ein wenig Angst hatte er schon, dass er etwas kaputt machen könnte, aber wenn das so weiter ging, machte er sich selbst kaputt.

In seinem ganzen Leben war Connor noch nie so mutig gewesen und hatte noch nie so egoistisch gehandelt. Sein ganzes Leben lang hatten ihm die Leute gesagt, er müsste sich etwas trauen und vor allem Hank und der Verursacher des Flecks an seinem Hals hatten ihm immer vorgebetet, er sollte aufhören die Interessen anderer Leute vor seine zu stellen. Und heute würde er das tun, auch wenn es ihm Bauchschmerzen bereitete.

„Warum machst du dir nicht das Feuer an?“

Die bekannte Stimme hallte durch Mark und Bein und zwischen den Bäumen kamen zwei Gestalten hervor. Die erste hatte gesprochen, doch für einen kurzen Moment fixierte sich der Braunhaarige nur auf die zweite, kleinere.

„Ich wusste es…“, murmelte er und sein Magen zog sich zusammen.

„Es tut mir leid.“, hauchte die Person und blickte auf ihren Begleiter.

„Du bist nicht hier um mit ihr zu reden, sondern für mich!“, funkte dieser dazwischen und machte einen Schritt auf den Sessel zu. Connor stand auf, seine Knie zitterten, und er war zu schlau um sich einzureden, dass es nur die Kälte war.

„Hast du meine Anweisungen hübsch befolgt?“, fragte er weiter und die zweite Person trat an die beiden heran.

„Ja.“

Connor wollte so viel mehr sagen, aber er hatte das Gefühl sein Hals würde zu schwellen und nichts wollte mehr heraus.

„Gut so. Bringen wir es schnell hinter uns, es ist kalt.“

Das kam dem Jugendlichen vor wie die beste Idee seines Lebens, und er war sogar im Stande, jetzt wieder etwas zu sagen, doch da traf ihn schon die Faust seines Gegenübers im Gesicht.

Es war der fünfte November, ein Datum, was bereits drei Tage später auf hunderten Flugblättern stehen würde. Als Connor in die fünfte Klasse gekommen war, hatte er über diesen Tag als Guy Fawkes Day ein Referat gehalten, woran er aus irgendeinem Grund als allererstes dachte, als die Welt langsam dunkel wurde. Dann dachte er an die letzte Unterhaltung mit Niles, seine genervte Stimme hallte immer noch in seinen Ohren, bevor er an Hanks Umarmung heute Morgen dachte. Seine Lippen prickelten, als er sich an den sanften Abschiedskuss vor nicht einmal zwei Stunden erinnerte.

Ob die drei sich Sorgen machen würden? Obwohl er sie nicht belasten wollte, wollte Connor nicht vergessen werden, und das war das letzte, was er kurz seiner Ohnmacht dachte:

Remember, remember

The fifth of November
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