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Hearts on Fire

von HazelEye
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
08.11.2018
11.03.2021
64
133.707
42
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Dieses Kapitel
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09.11.2018 1.326
 
***

Tobias musste kurz schlucken, die Frage nach Boris traf ihn irgendwie unerwartet. Aber warum eigentlich? War doch ganz harmlos, er hatte ihn als Neuen mit zur Feuerwehr gebracht, ist doch klar, dass die Kollegen neugierig waren und wissen wollten, wer er war, was er so machte, woher sie sich kannten. Alles ganz normal, erst recht hier auf dem Land, wo irgendwie jeder jeden kannte oder alle über drei Ecken miteinander verwandt waren. Und doch bereitete Tobias die Frage in diesem Moment Unbehagen. Der unterschwellige Ton, den er vermeintlich heraushörte, gefiel ihm aus einem unbestimmten Grund nicht.

„Naja, ich hab doch noch den Job als Haustechniker im Fürstenhof, bis meine Ausbildung beginnt…und er ist da halt mein Chef.“ Tobias versuchte, möglichst locker und unbefangen zu klingen und so seine leichte Nervosität zu überspielen. „Aha, verstehe…Chef also.“ erwiderte Hannes mit einem undefinierbaren Ausdruck im Gesicht und spielte weiter unbewusst mit dem Bierdeckel in seiner Hand. „Ja…wieso?“ fragte Tobias verunsichert zurück und hoffte, dass das Verhör bald ein Ende hatte. Hannes rutschte noch ein Stückchen näher an Tobias heran und drehte sich um, so dass er nun mit dem Rücken an der Theke lehnte. Tobias blieb mit Blick zur Theke stehen und warf Hannes einen fragenden Seitenblick zu. „Hat er eine Freundin?“ fragte der statt zu antworten weiter. Tobias stutzte, wieso interessierte Hannes das? Ihn überkam plötzlich ein sehr ungutes Gefühl und er wollte jetzt endlich wissen, worauf dieses Gespräch hinauslaufen würde. „Hm, ja…ich glaub schon…aber so genau weiß ich das gar nicht.“ Tobias versuchte weiterhin, betont gelassen und unbeteiligt zu klingen. „Okay, schade…hätte mich wirklich mal interessiert.“ gab Hannes mit einem leicht schiefen Grinsen und einem Schulterzucken zurück. Tobias war jetzt endgültig verwirrt, was ihm offensichtlich auch überdeutlich anzusehen war. „Hannes, was genau willst Du von mir…oder von Boris?“ Konnte es sein, dass er auf Boris stand? Nein, Blödsinn, Hannes war nicht schwul, das hätte er doch gemerkt. Andererseits, von ihm wusste es ja auch niemand, das war also kein hinreichendes Argument. Trotzdem, es war mehr als unwahrscheinlich, denn das hieße ja auch, dass… Weiter kam Tobias mit seinen gedanklichen Ausschweifungen nicht. „Nicht, was Du jetzt vielleicht denkst, Tobi. Bin nur neugierig, ehrlich!“ Hannes machte eine Pause und musterte zuerst Tobias, bevor sein Blick nochmal zum Tisch, wo Boris saß, hinüber wanderte.

„Ich hab gesehen, wie ihr Euch anschaut, wie er Dir hinterher gesehen hat, als Du aufgestanden bist und heute bei der Übung bist Du kaum von seiner Seite gewichen.“ Tobias spürte, wie es ihm auf einmal heißkalt den Rücken runter lief. Was genau wollte Hannes denn damit jetzt andeuten? Wusste er was? Boris und er hatten so sehr darauf geachtet, sich nichts anmerken zu lassen, sie wollten unbedingt vermeiden, dass es bei den Jungs die Runde machte, zumindest solange es so frisch war und bis es ihre Familien und Freunde wussten. „Keine Ahnung, was Du meinst. Er kennt halt bisher kaum einen hier…klar, dass er sich da erst mal an mich hält. Und wir verstehen uns eben gut.“ Tobias bemühte sich wieder um einen möglichst lässigen Ton, doch in seinem Inneren brodelte es. „Tobi…“ Hannes legte auf einmal seine Hand auf Tobias‘ Arm und schaute ihn eindringlich von der Seite an. „Du brauchst mir nichts vormachen, ich merk doch, dass da was ist zwischen Euch.“ „Wie kommst Du darauf?“ fragte Tobias jetzt fast trotzig zurück und war sich nicht sicher, ob er die Antwort hören wollte. „Erinnerst Du Dich an Lukas?“ Tobias zuckte unweigerlich. „Deinen Bruder?“ fragte er zögerlich, ihm gefiel die Richtung, die das Gespräch mittlerweile einschlug  ganz und gar nicht. „Ja, genau…mein Bruder. Er ist letztes Jahr direkt nach dem Abi nach München gegangen zum Studieren.“ Tobi nickte. „Ja, ich weiß…ich kenn ihn aus der Schule…was ist mit ihm?“ Hannes antwortete nicht sofort, sondern sah Tobias weiter mit festem Blick an. „Weißt Du, warum er so schnell das Weite gesucht hat und warum er auch nie bei den Freiwilligen mitmachen wollte?“ Tobias konnte es sich nur allzu gut vorstellen. „Nein, warum? Und was hat das mit Boris und mir zu tun?“ startete er einen letzten Versuch, den Ahnungslosen zu spielen. „Ich denke, das weißt Du ganz genau, Tobi. Weil er sich fehl am Platz fühlte, er dachte, er passe nicht dazu, weil er anders war…“ Hannes ließ den Satz wirken und wartete auf Tobias‘ Reaktion. „Was willst Du von mir?“ Tobias wurde langsam ungeduldig, er fühlte sich in die Enge getrieben und wusste nicht, wie er aus der Nummer unbeschadet wieder rauskommen sollte. „Sorry, wenn ich Dich damit jetzt irgendwie überfahren hab. Ich will Dir nur helfen, glaub mir!“ „Helfen, wobei?“ „Tobi, was ich sagen will…mein Bruder ist schwul. Keiner hat’s gewusst, bis er es uns letzten Sommer vor die Füße geknallt hat und sich anschließend nach München verabschiedet hat. War natürlich erst mal ein Schock, aber im Nachhinein ist mir Einiges klar geworden. Es gab genügend Anzeichen und Verdachtsmomente, aber für die muss man eben auch entsprechend empfänglich sein, ansonsten lebt es sich ganz bequem mit Verschweigen und Verdrängen.“

Tobias schaute Hannes sprachlos an und presste die Lippen zusammen. „Und das bringt mich zu Dir…und ihm.“ Hannes neigte wieder seinen Kopf leicht in Boris‘ Richtung und lächelte sanft. „Seit dieser Sache mit Lukas sind meine Antennen, was das angeht, sehr sensibel. Ich erkenne die Anzeichen und ich kenne auch Dich. Auch wenn wir nie so richtig enge Freunde waren, so haben wir in den letzten Jahren doch ziemlich viel Zeit bei der Feuerwehr zusammen verbracht. Und auch bei Dir sind mir im Nachhinein so einige Lichter aufgegangen. Und jetzt die Sache mit Deinem…Chef…da hab ich einfach Eins und Eins zusammengezählt.“ Tobias schluckte und wusste nicht, was er sagen sollte. Hannes wusste also Bescheid. Einerseits war er erleichtert, doch andererseits beunruhigte es ihn, dass nun ausgerechnet einer seiner Feuerwehrkumpels eingeweiht war. Vor allem, da ihm noch nicht so ganz klar war, ob Hannes nun ein Problem damit hatte oder nicht.

***

Boris schwirrte der Kopf. Das Gespräch hatte sich von der Renovierung der Wache, über das Charity-Fußballturnier zugunsten der Leukämiestiftung bis hin zur Wahl der Bichlheimer Kartoffelkönigin irgendwie verselbständigt und er war auf halbem Wege geistig ausgestiegen. Was aber auch daran gelegen haben könnte, dass ein gewisser Typ mit einem anderen Typen ein anscheinend sehr angeregtes Gespräch an der Bar führte und Boris trotz aller Bemühungen sein Interesse daran nur sehr schwer unterdrücken konnte. Abwesend griff er immer wieder zu den Erdnüssen in der Mitte des Tisches, nahm zwischendurch einen Schluck von seinem aktuellen Bier, von dem er nicht genau wusste, ob es das dritte, vierte oder fünfte war und versuchte dabei so unauffällig wie möglich die Bar im Blick zu behalten. Was wollte der Kerl von Tobi…wie hieß der gleich…Harry, Hanno, Hannes? Irgendwie so. Warum rückte der ihm so auf die Pelle? Boris fühlte, wie es in ihm zu rumoren begann. Flirtete Tobi da etwa vor seinen Augen mit ‘nem anderen Mann? Eigentlich ist er ja noch nie besonders eifersüchtig gewesen, aber dieser Anblick von Tobi und diesem Typen, der da förmlich an ihm klebte, bereitete ihm irgendwie Bauchschmerzen. Blöd nur, dass er nicht einfach aufstehen, rübergehen und auf den Tisch hauen konnte. So von wegen „Finger weg, das ist Meiner!“

Bei diesem Gedanken musste Boris unweigerlich in sich rein grinsen. Mit so einer Szene würde er den Laden hier aber mal so richtig aufmischen. Doch die Wirklichkeit holte Boris schnell wieder ein, als ihn sein Banknachbar augenzwinkernd anschubste und ihn mit leicht lallendem Ton belehrte, er solle der heißen Kellnerin nicht so offensichtlich das Dirndl mit den Augen ausziehen. Das reichte. Boris setzte ein künstliches Grinsen auf und erhob sich. „Gleich wieder da.“ murmelte er, ohne dass es irgendjemanden großartig interessierte. Er brauchte jetzt frische Luft. Er musste sich zusammenreißen, keinen Umweg über die Bar zu machen oder allzu interessiert rüber zu starren, während er sich leicht schwankend Richtung Ausgang bewegte.

***
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