Evil never looked so good (Swanqueen) (teacherxstudent)

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Baelfire / Neal Cassady Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Killian "Hook" Jones Red / Ruby Lucas Snow White / Mary Margaret Blanchard
06.11.2018
13.10.2019
51
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„Swan, du schaffst das“, murmelte Emma sich selbst motivierend zu. Sie betrachtete sich im gesprungenen halbhohen Spiegel, fuhr mit ihren zitternden Fingern durch ihre goldblonden Haare und zog ihre Locken nach vorne um sie über ihre Schultern fallen zu lassen. Emma griff nach ihrer roten Lederjacke, zog sie über ihr schwarzes Top und schlüpfte in ihre ebenfalls schwarzen Converse. Ihre weichen Locken bildeten einen starken Kontrast zu dem groben Leder, aber ohne diese Jacke würde sie nicht einen Fuß aus diesem Apartment setzen. Diese Jacke brachte ihr Glück, war ihr einzig treuer Begleiter. „Emma? Du kommst zu spät wenn du nicht jetzt etwas isst!“, ertönte die liebliche Stimme von Mary Margret die unten auf sie wartete. Emma atmete ein letztes Mal tief ein und aus, warf einen allerletzten Blick in den Spiegel, griff dann nach ihrem Rucksack und stieg die Stufen ihres Zimmers hinab, welche eher einer Leiter als einer Treppe glichen. Das Apartment in dem Emma seit zwei Wochen lebte war klein und für Emmas Geschmack zu offen, da nichts, außer dem Badezimmer und ihrem Zimmer, eine Wand besaß. Sie musste den Nolans eines lassen, dieses Apartment hatte Stil, aber bat absolut keine Privatsphäre. „Bin schon da!“, sagte Emma verlegen und blieb unschlüssig vor dem Tisch mit gedeckten Tellern stehen. Noch nie zuvor hatte sie so viel Liebe und Fürsorge erlebt wie bei den Nolans, dazu gehörte auch ein liebevoll hergerichtetes Frühstück. „Setz dich“, ermunterte Mary Margret ihre Adoptivtochter mit strahlenden Augen, „und lang zu. Heute ist dein erster Schultag an der Storybrooke High, dafür musst du gestärkt sein!“ Emma betrachtete fasziniert die Pancakes, das Obst, den Kaffee und die ganzen Kleinigkeiten die sie für den Tag stärken sollten. Sie war auch so viel Essen nicht gewohnt. Egal in welchem Heim sie lebte, sie bekam immer am wenigsten zu essen. Meistens gehörte sie zu den Jüngsten, oder eben den Schwächsten, zu einer dieser Gruppen wurde sie immer gezählt. Ältere und stärkere Kinder klauten ihr Essen, oder verlangten von ihr es freiwillig abzugeben, sodass Emma so gut wie jeden Abend mit knurrendem Magen zu Bett ging. Hier, bei den Nolans, musste sie nicht einmal hungrig zu Bett gehen und wenn Emma ehrlich zu sich selbst war, machte ihr das Angst. Es war die Angst vor Konsequenzen. Angst davor aus diesem Traum aufzuwachen, sich zu sehr an die Nolans und ihre Fürsorge zu gewöhnen, sie an sich heran zu lassen.

„Emma? Alles in Ordnung? Bist du aufgeregt?“, fragte David, der gerade in die Küche gekommen war und sein Hemd zuknöpfte, besorgt. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter, drückte aufmunternd zu und schenkte ihr dampfenden und wohlriechenden Kaffee in einen Becher. David drückte seiner Adoptivtochter den Becher in die Hand, hauchte einen federleichten Kuss auf ihren Kopf und setzte sich ihr gegenüber. Mary Margret betrachtete Emma besorgt, besorgt darüber sie mit ihrer Fürsorge zu erdrücken, oder sie vor eine zu große Herausforderung zu stellen. Natürlich hätte Emma noch länger warten können um in das Schuljahr einzusteigen, aber Mary Margret hielt es für das Beste sie möglichst früh einzugewöhnen – damit sie nicht zu viel Stoff verpasste. Und bisher lief die Schule erst seit vier Wochen. „Ich bin aufgeregt, ja“, flüsterte Emma in die Stille hinein und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee, „Aber mir geht es gut. Ich schaffe das.“ Wieder sprach sie mit sich selbst, aber nun pflichteten ihr auch David und Mary Margret bei, ermunterten sie. „Dir wird es dort gefallen, da bin ich mir ganz sicher. Kathryn, eine Freundin von mir, unterrichtet dort und sie schwärmt immer von ihren Schülern und Kollegen! Wenn du Probleme hast dann kannst du...“, erklärte Mary Margret, doch wurde sie von ihrem Ehemann David unterbrochen indem er dezent seinen Kopf schüttelte. „Du wirst das ganz wunderbar meistern, Emma. Ich bin schon gespannt was du heute Abend erzählen wirst!“, beendete David die Rede seiner Frau und ging nicht auf mögliche Problematiken ein.

Er kannte die Kids von heute. Er wusste wie grausam sie sein konnten und er wünschte sich das nicht für seine Tochter. David arbeitete als Sheriff auf der Wache von Storybrooke, es mochte nicht viel zu tun geben, aber er leitete auch ein Programm zur Prävention von Mobbing. Dieses rief er ins Leben nachdem vor einigen Jahren ein Kind aus Mary Margrets Grundschulklasse gemobbt wurde. Ein Kind von gerade einmal 8 Jahren. Wie würde es also nun Emma mit ihren 17 Jahren auf der Storybrooke High ergehen? David versuchte sich nicht alle möglichen Szenarien auszumalen und biss von seinem von Sirup triefenden Pancake ab: „Es schmeckt köstlich, Snow.“ Snow. Emma schaffte es nie sich ein Lächeln zu verkneifen, wenn David seine Ehefrau liebevoll Snow nannte. Irgendwie passte dieser Name zu ihr. Mary Margrets Haut war weiß wie Schnee und ihr Haar schwarz wie Ebenholz, sie erinnerte sie sehr an Schneewittchen aus ihrem alten Märchenbuch. „Dann wäre David Prinz Charming“, dachte Emma grinsend. „Es schmeckt wirklich lecker, Mary Margret“, pflichtete Emma bei und genoss das Gefühl der Wärme welche ihren Magen erreichte. „Ich habe dir auch etwas für die Schule eingepackt“, gab Mary Margret mit glühend roten Wangen zu. „Aber du kannst dir natürlich auch was in der Cafeteria kaufen, wenn du möchtest“, sagte David und hielt ihr 10 Dollar entgegen. „Ich...“, fing Emma an, spürte jedoch wie der Kloß in ihrem Hals wuchs und ihr die Sprache verschlug. Anstatt etwas sagen zu wollen stand sie also auf und umarmte ihre Adoptiveltern. Diese schlangen freudig und doch etwas überfordert ihre Arme um Emma, die bisher nicht ein einziges Mal ihre Zuneigung ihnen gegenüber ausgedrückt hatte. Snow kämpfte mit den Tränen und auch David spürte den Stolz in seiner Brust anschwellen. Emma beendete langsam die Umarmung und nahm schüchtern den Geldschein entgegen, sowie das Essen für die Schule. Das Essen in der Tüte roch köstlich und Emma konnte sich nicht vorstellen, dass es in der Cafeteria der Schule besseres Essen als das von Mary Margret gab. „Danke...“, hauchte Emma, da sie ihrer Stimme noch immer nicht vertraute. „Gerne, Liebes!“, Mary Margret hielt ihr einen Thermobecher entgegen und lächelte sie aus dem tiefsten ihres Herzens an.

Snow war glücklich, so glücklich wie schon lange nicht mehr. Mit Emma fühlte sich alles richtig an, als wären sie komplett, eine glückliche Familie. Viele aus ihrem Umfeld reagierten geschockt über die Tatsache, dass ihre Adoptivtochter älter als vier Jahre alt war, da sie eigentlich ein Kleinkind adoptieren wollten. Aber als David und sie die Akten der Kinder studierten, die alle unter vier waren, fühlten sie bei keinem der Kinder eine Verbindung. Erst als sie bei der letzten Akte ankamen, die anscheinend durch ein Missgeschick, oder wie Mary Margret und David es gerne nannten einen glücklichen Zufall, in den Stapel geraten war, wussten sie: dieses Kind sollte es sein. Und dieses Kind war Emma Swan. Ein Kind von 17 Jahren welches in einem Jahr aus dem System flog. Aber bei diesem Kind fühlte sich alles richtig an. Tief in ihr wusste sie: Emma Swan ist das richtige Kind für die Beiden. Und manchmal, in unbeobachteten Momenten, fand sie Ähnlichkeiten in Emma, die sie an David oder sich selbst erinnerten. „Können wir?“, riss David seine Frau aus den Gedanken und nickte Richtung Tür. Mary Margret bejahte Davids Frage, nahm ihre Tasche vom Stuhl und eilte Mann und Kind hinterher, raus in den frischen Herbsttag und rein ins neue Abenteuer.

Emma presste ihre Stirn gegen die Scheibe des Trucks und beobachtete die vorbeiziehenden Häuser, die bei zunehmender Geschwindigkeit zu einer verschwommenen Masse verschmolzen. „Mach dir keinen Kopf, Emma. Du wirst bestimmt schnell neue Leute kennenlernen und das wird einiges leichter machen“, sagte David und knuffte sie sanft in die Seite. Emma richtete sich auf und lächelte ihrem Adoptivvater zu, sie hoffte er würde Recht behalten. Sie tat sich nicht leicht damit neue Leute kennenzulernen, geschweige denn Freundschaften zu schließen. Es mochte an ihrer Kindheit liegen, einer Kindheit voller wechselnder Heime und Häuser. Familien die sie erst liebevoll aufnahmen, nur um sie kurze Zeit später wieder im hohen Bogen rauszuschmeißen. Meistens bekam sie nicht einmal die Chance Kinder in ihrem Alter kennenzulernen. Es gab nur ein Mädchen, sie hieß Lilly, die ihre Freundin wurde und auch das nur für kurze Zeit. Emma seufzte beim Gedanken an ihre Zeit im letzten Heim und lehnte sich zurück gegen das vibrierende Glas. Sie hoffte inständig nicht nach einigen Wochen wieder im Heim zu landen, nicht bevor sie 18 wurde. Dann konnte sie machen und tun was sie wollte. Emma musste zugeben Angst zu verspüren. David und Mary Margret waren jung und das bedeutete meistens, eigene Kinder würden folgen. Die Beiden waren gerade einmal 33 Jahre alt und Emma wurde nicht schlau daraus, warum sie sich für ein Kind entschieden haben, was schon 17 Jahre alt war. „Worüber denkst du nach?“, hakte David nach, da er bemerkt hatte wie still Emma auf der Fahrt geworden war. „Warum habt ihr mich ausgesucht? Warum nicht die kleine Ruthy?“, fragte Emma leise und mied es David anzusehen. Sie kam sich undankbar vor, fies so eine Frage zu stellen und doch war es etwas, was sie unheimlich beschäftigte. Es war wohl die Angst die aus ihr sprach. Sie mochte es bei den Beiden. Sie mochte die Beiden. Davids Stirn legte sich in Falten, aber seine Augen leuchteten als er begann zu reden: „Emma. Du bist ein wundervoller Mensch und wir finden du passt perfekt zu uns und unserer Familie. Wir könnten uns niemand Besseren an unserer Seite wünschen als dich. Wir haben dein Foto gesehen und wussten: das passt. Du passt. Wir passen. Das ist es doch was am Ende zählt, oder etwa nicht? Was spielt das Alter da für eine Rolle? Bei Ruthy, oder den anderen Kindern, hat es vom Gefühl her einfach nicht gepasst.“ Er zuckte mit den Schultern und legte eine Hand auf ihr Knie: „Emma. Bitte glaub nicht, wir würden dich nach ein paar Wochen zurückschicken, so wie andere. Wir haben gelesen was dir widerfahren ist, aber unter deine Vergangenheit möchten wir gerne einen Strich ziehen, einen endgültigen. Einen der dir deinen Weg zum Happy End weist.“ Emma hatte nun Tränen in den Augen und verfluchte es so sentimental geworden zu sein, aber dieses Thema berührte sie immer. David lenkte seinen Truck an den Straßenrand, schielte kurz auf die Uhr und riss dann seine Tochter in die Arme. Diese verdrückte weitere Tränen und löste sich erst von ihm, als sie sich stark genug fühlte um endlich ihren ersten Tag an der neuen Schule zu bestreiten. „Und bist du nun bereit, Emma?“, David lächelte und wartete auf eine Antwort, nicht eher würde er von diesem Straßenrand wegfahren. „Ich bin bereit. Danke...“, ihr letztes Wort hielt sie zurück, da Emma es für zu früh befand und schaute zurück auf die Straße. Fünf Minuten später hielten sie vor einem braunen Backsteingebäude, es sah wenig einladend aus, aber Emma ignorierte das Grummeln in ihrem Bauch und versuchte das Beste aus der Situation zu machen. „Es ist nicht die schickste Schule, aber...“, sagte David und sprach aus was Emma dachte, „die Lehrer sollen wirklich nett sein.“ „Ich weiß, das habt ihr Beiden schon mehrfach betont. Ich sollte wohl reingehen, was?“, fragte Emma und griff nach ihrem Rucksack. „Ja das solltest du“, David drückte ihre Hand und sah wie Emma mit zitternder Hand die Autotür öffnete. „Bis später“, murmelte Emma, deren Worte vom starken Wind verschluckt wurden und schloss die Tür.

X

Das rote Laub unter Emmas Converse knackte und raschelte und hörte sich ohrenbetäubend laut an. Sie spürte wie ihr ganzer Körper unter Strom stand und alles in ihr danach schrie umzukehren und nie wiederzukommen. Sie hasste Neuanfänge. Sie hasste Schulen und Menschen. Sie nahm die Personen und ihre Gespräche um sich herum nur schemenhaft wahr, da sie in einem Affentempo Richtung Sekretariat eilte. Emma folgte der Beschilderung und sah nur ab und an auf.  Sie mied es Augenkontakt mit fremden Personen herzustellen und verpasste somit rechtzeitig abzubremsen, weshalb sie mit einem lauten Knall an einer Person abprallte, gegen die Wand schlug und dabei einen Bilderrahmen runterriss. Scherben sprangen tanzend über den gefliesten Boden und verteilten sich im ganzen Flur, fluchendes Gemurmel riss Emma aus ihrer Scham. „Kannst du nicht aufpassen?!“, fluchte ein junges Mädchen mit langen, braunen Haaren und einigen roten Strähnen. Sie sammelte ihre Ordner vom Boden auf und starrte Emma wütend an, die noch immer Augenkontakt mied. „Hallo?!“, das Mädchen fuchtelte mit ihrer Hand vor Emmas Gesicht herum, die nur zögernd aufsah und knallrot anlief, als sie dem Mädchen das erste Mal in die Augen sah. „Es tut mir so leid“, brachte Emma mühsam hervor und griff nach einem weiteren Ordner, der noch immer auf dem Boden lag, „Hast du dir wehgetan?“ Der Blick des Mädchen weichte augenblicklich auf und sie hielt Emma grinsend eine Hand entgegen, die den Moment nutzte und ihr den Ordner in diese drückte. Emma sah wie ihr Gegenüber die Stirn runzelte, den Ordner unter ihrem Arm verstaute und ihr erneut die Hand entgegenstreckte: „Ich bin Ruby und du? Bist du neu hier? Und nein, ich hab mir nicht wehgetan! Du?“ Emma wurde vor lauter Fragen und Informationen ganz flau im Magen, sie schaffte es kaum ihr zu folgen. Wie konnte eine Person nur so schnell reden? „Ich eh...“, fing Emma stotternd an, wurde jedoch von eilig klackenden High Heels unterbrochen. „Was ist das hier für eine Sauerei? Wer auch immer das angestellt hat, entfernt sofort dieses Glas vom Boden! Da gehen ja noch meine Schuhe kaputt!“, die eisige Stimme schnitt sich tief in Emmas Herz und sie versuchte panisch einen Ausweg zu finden und vor dieser Person zu fliehen, aber Ruby schnalzte nur mit der Zunge und hielt Emma an Ort und Stelle fest. „Wird erledigt, Miss Mills“, grummelte Ruby und wartete ab bis die mysteriöse Frau, auf die Emma keinen Blick werfen konnte, verschwunden war. „Da hast du aber gerade nochmal Glück gehabt...Ehm..?“, meinte Ruby und wartete darauf Emmas Namen zu erfahren. „Emma...ich bin Emma“, nuschelte diese und schob mit ihren Schuhen ein paar Scherben zur Seite. „Emma! Du hast wirklich das Glück auf deiner Seite, nicht direkt am ersten Tag den Groll von Miss Mills auf dich zu ziehen und irgendwie auch nicht... Du musst dich vor ihr in Acht nehmen, verstanden?“, erklärte ihr Ruby schnell und wispernd. „Hm, okay?“, sagte Emma fragend und wartete darauf mehr zu erfahren, doch Ruby dachte nicht einmal daran mitten auf dem Schulflur über Miss Mills zu reden. „Komm mit“, und schon zog Ruby Emma hinter sich her. „Aber die Scherben?“, fragte sie über die Schulter hinweg und Ruby zuckte nur mit den Schultern.

„Name?“, fragte die Frau mit der blonden Dauerwelle und dicker, roter Hornbrille auf der Nase. „Emma Swan“, sagte diese und lächelte nervös Ruby an, die neben ihr stand und gemeinsam mit ihr wartete. „Swan, ah. Hier. Du bist die Neue, oder?“, wurde Emma gefragt, die nur nickte und das Blatt entgegen nahm. „Herzlichen Willkommen an der Storybrooke High“, hörte sie die Sekretärin nuscheln, die sich schon wieder einer anderen Person widmete. Emma blies Luft aus ihren Wangen und folgte Ruby aus dem Raum heraus, nur um im Flur stehen zu bleiben und dann einen Blick auf ihren Stundenplan zu werfen. „Zeig mal deine Fächer her!“, forderte Ruby und riss Emma das Papier aus der Hand. Emma hatte selbst noch keine Sekunde Zeit gehabt zu sehen was ihr Stundenplan hergab, aber vielleicht war das auch besser so. Ruby kannte sich aus und konnte ihr direkt Auskunft darüber geben, bei wem sie besser aufpassen sollte. Emma wiederholte in ihrem Kopf nur eine Sache: Bitte nicht Miss Mills. „Scheiße“, hörte sie Ruby sagen und Emma lugte ihr über die Schulter. „Was denn?“, fragte sie ahnungslos und wollte ihr das Blatt entreißen. „Du hast Philosophie bei Miss Mills, du Arme...“, Ruby klang tatsächlich so als habe sie Mitleid mit Emma und untermalte dies noch mit einem aufmunternden Klopfen auf den Rücken, „Das wird schon...vielleicht erinnert sie sich ja nicht an dich.“ „Ich weiß ja nicht mal wie sie aussieht“, dachte Emma und versuchte angestrengt ein Bild vor Augen zu bekommen. Bestimmt war sie alt und verbittert, zumindest ließ die Kälte in ihrer Stimme darauf schließen. „Hm, ja vielleicht“, Emmas Wortschatz reichte heute nicht sehr weit und sie kreuzte ihre Finger Ruby mit ihrer Wortkargheit nicht zu vergraulen. „Wir sollten los. Wie ich sehe haben wir die ersten drei Stunden gemeinsam! Doppelstunde Sport und Mathematik!“, Ruby grinste sie mit einem perlweißem Lächeln an und zog Emma hinter sich her. Diese bemühte sich mit Ruby Schritt zu halten und scannte nebenbei ihren Stundenplan ab, um sich innerlich darauf vorbereiten zu können, wann sie Miss Mills gegenüber treten musste. Erleichtert stellte sie fest, sich erst nach ihrer Mittagspause auf ihre Begegnung einstellen zu müssen.

„Ich hasse Mathematik“, grummelte Emma und verstaute ihre Bücher im Spind. „Wenn du Fragen hast, Neal ist der Streber unter unseren Freunden. Er hilft dir bestimmt gerne“, sagte Ruby und setzte ihr atemberaubendes und sehr ansteckendes Lächeln auf. Emma fühlte sich direkt wohl mit Ruby und sie musste wohl nicht betonen, dass dies eine Seltenheit war. „Na wenn du das sagst, ich bin ein hoffnungsloser Fall“, antwortete Emma lachend und schloss den Spind um mit Ruby zur Sporthalle zu gehen. „Niemand ist ein hoffnungsloser Fall, du brauchst nur jemanden der es dir richtig erklärt“, gab Ruby mit einem Schulterzucken zurück und munterte Emma so unbewusst auf. Niemand war je so freundlich zu ihr gewesen, bis auf die Nolans und vielleicht Lilly. Sie betraten die stickige und modrig riechende Sporthalle, in der kein Fenster sauber war und somit keine Sonnenstrahlen hineinließen. Es wirkte wenig einladend und Emma vermisste schon jetzt den kalten Wind um ihrer Nase, sie bevorzugte es draußen laufen zu gehen. Mehrere Mädchen pressten sich durch eine kleine Tür und begannen sich aufgeregt zu unterhalten, sich nebenbei umzuziehen und dann in die Sporthalle zu verschwinden. Emma ließ sich Zeit, da auch Ruby es nicht eilig zu haben schien und schielte immer wieder verstohlen zur Tür wenn diese sich öffnete. „Keine Angst, hier guckt dir keiner was weg“, entgegnete Ruby lachend, der die Schüchternheit des neuen Mädchens nicht entgangen war. Emma spürte wie das Blut in ihre Wangen schoss und die Scham ihr Selbstbewusstsein zerfraß. Früher, auf anderen Schulen, war die Sporthalle nicht mehr als ein Ort der Quälerei. Mädchen die Emma von einer Wand zur anderen schubsten, ihre Klamotten in die Toilette steckten oder kleine Schläge an ihrem Bauch praktizierten. Dies hier war kein Ort an dem sich Emma Swan wohl fühlte. „Ich weiß...“, antwortete Emma also und zog sich mit einer unheimlichen Schnelligkeit das Sportshirt über den Kopf. Nach einer weiteren Minute gingen sie gemeinsam zur Sporthalle und Ruby dachte über Emmas Reaktion nach und fragte sich, ob sie sich wirklich geniert hatte, oder es einen anderen Grund für ihre Nervosität gab.

Zwanzig Schüler waren sie in diesem Kurs und nicht einer war motiviert drei Runden zu laufen. Emma, die so gut wie jeden Tag joggen ging, freute sich zwar darüber, wollte dies aber nicht zeigen um den anderen Schülern keine Angriffsfläche zu bieten. So hatte sie es in ihren früheren Heimen und Schulen gelernt. Zeig nie wenn du etwas magst – die Anderen machen dir deine Freude zur Hölle. Ruby, die sportlich wirkte, aber nicht wirklich schnell unterwegs war, fiel hinter Emma zurück und prustete durch ihre vollen Lippen. Emma drehte sich um als sie Rubys Schnauben nicht mehr wahrnahm und tippelte auf der Stelle, um auf ihre neugewonnene Freundin, wenn es denn so war, zu warten. „Du bist ganz schön schnell“, murmelte Ruby mit rasselndem Atem. „Und du hast keine Kondition“, stichelte Emma grinsend und fragte sich, ob sie zu weit gegangen war. Ruby jedoch grinste über das ganze Gesicht und freute sich darüber, die wahre Emma kennenzulernen. „Kann ja nicht jeder so sportlich sein wie du“, gab Ruby keck zurück und schob ihren Körper in Emmas linke Seite. „Na los, komm!“, rief Emma und fühlte sich das erste Mal seit Ewigkeiten unbeschwert im Umgang mit Leuten in ihrem Alter. Ruby fühlte sich angestachelt und legte einen Zahn zu, ganz zu Emmas Verwunderung überholte sie diese sogar, aber nur um kurz danach wieder zurückzufallen.

Nach der Sportstunde stand eine kleine Pause an, die wie Ruby fand, wirklich angebracht war. Gemeinsam gingen sie in einen große Raum, in dem Vitrinen mit Sporttrophäen standen, Bänke und Sofas. Es gab sogar einen Kamin, der aber anscheinend schon lange kein Feuer mehr beherbergt hatte. „Das ist unser Aufenthaltsraum und wir sitzen immer dort drüben,“, Ruby zeigte mit ihren feuerrot-lackierten Nägeln in die hintere rechte Ecke, „auf der anderen Seite sitzen die Sportler und hier die Nerds.“ Emma folgte ihrem Finger und versuchte sich einzuprägen wer wo saß, damit sie bloß nicht einen Fehler begehen konnte. „Und wo sitzen die Normalos?“, witzelte Emma als sie in die Ecke gingen, die Ruby als ihre betitelte „Hier ist nicht genug Platz für alle unseres Jahrgangs. Wir haben noch einen Raum“, sie zwinkerte Emma zu und steuert auf einen Jungen mit schwarzem Haar zu, der einen Ansatz eines Dreitagebartes trug. „Killian? Das ist Emma, sie ist neu auf unserer Schule. Emma? Das ist Killian Jones, mein Cousin“, Ruby umarmte ihren Cousin und schob ihn auf Emma zu. Killian schlug die Augen nieder, fast so als wäre er schüchtern und hielt Emma eine Hand entgegen, die voller Ringe war und sich rau in Emmas Hand anfühlte. „Hey Emma, willkommen an der verrückten Storybrooke High!“, sagte Killian verschmitzt, dessen tiefe Stimme vielen Mädchen bestimmt weiche Knie verschaffte. „Hallo und Dankeschön“, erwiderte Emma und entzog Killian ihre Hand. Um seinen Hals baumelte eine lange, silberne Kette, wenn Emma sich nicht täuschte, handelte es sich um einen Totenkopf der am Ende baumelte. Sie unterdrückte es ihre Stirn in Falten zu legen und wandte sich wieder Ruby zu, die sich mit einem Mädchen unterhielt, die ihre braunen Haare zum Zopf trug. Ruby hört das Gespräch der Beiden enden und legte ihren Arm um Belle: „Emma? Das ist Belle, meine Freundin. Belle? Das ist Emma.“ Belles Grinsen nahm ihr ganzes Gesicht ein und kleine Grübchen bildeten sich auf ihren Wangen. Emma erwiderte das freundliche Lächeln und schüttelte Belles Hand: „Freut mich dich kennenzulernen.“ Belle nickte und bevor sie etwas entgegnen konnte, ertönte die Stimme eines weiteren Jungen hinter ihnen: „Und ich bin Neal. Ich gehöre auch zu dieser Chaosgruppe.“ Ein Junge mit dunkelblondem Haar schob sich zwischen Killian und Ruby hindurch, hielt ihr ebenfalls seine Hand entgegen und grinste verwegen. Neal, das Mathegenie. „Ich bin Emma“, antwortete Emma und fühlte sich unwohl mit der ganzen Aufmerksamkeit die auf ihr lag.
Nach einer Weile verfielen alle in angeregte Gespräche, Emma ließ sich verlegen neben Ruby fallen und schielte auf ihren Stundenplan. Noch vier Stunden, dann würde sie auf Miss Mills treffen, über die bisher niemand ein gutes Wort verloren hatte. Sie kannte solche Lehrer zu genüge und von ihnen war nie jemand freundlich genug gewesen um Emma zu helfen, oder für sie einzustehen. Selbst dann nicht, wenn sie das Mobbing ihrer Mitschüler mitbekamen, ach was sagte Emma, es konnte sogar vor ihren Augen stattfinden und Emma musste alleine damit klarkommen.

„...und dann ist das Glas zersprungen und ausgerechnet Miss Mills kam den Flur herunter“, hörte Emma Ruby erzählen, „und jetzt ratet Mal wen Emma in Philosophie hat?“ „Miss Mills?“, fragte Belle lachend und gleichzeitig mitleidig, „Ich hab sie dieses Jahr auch. Also leiden wir zusammen.“ „Dich mag sie doch“, stichelte Ruby und hauchte ihrer Freundin einen Kuss auf die Stirn, „du bist fleißig und liebst Bücher.“ „Und trotzdem habe ich nie eine sehr gute Note“, sagte Belle achselzuckend. „Aber du bist die Beste im Kurs“, entgegnete Killian lachend und biss von seinem Brot ab. „Du bist auch nie zufrieden“, witzelte Neal und Ruby funkelte ihren Freund böse an. Dieser hob abwehrend die Hände und lachte kehlig: „Sorry, aber ist nur die Wahrheit!“ „Was hat es mit Miss Mills auf sich? Warum ist sie so schlimm?“, fragte Emma plötzlich und zog damit alle Augen auf sich. Sie hatte bisher nicht ein Wort gesagt, aus Angst etwas Falsches zu sagen. „Weißt du“, fing Killian an und lehnte sich vor, „ihr Blick kann dich zu Eis erstarren lassen. Sie mag niemanden und ist unheimlich streng im Unterricht. Wenn du auf der falschen Seite ihrer Liste stehst, macht sie dir dein Leben zur Hölle. Ich spreche aus Erfahrung!“ Er wackelte mit den Augenbrauen und ließ seine Muskeln spielen, Emma war schon jetzt genervt von seiner Überheblichkeit. „Das liegt wohl daran, dass sie dich beim Starren erwischt hat“, pflichtete Belle bei und schüttelte ihren Kopf. „Könnt ihr es mir verdenken? Sie ist doch heiß, oder etwa nicht?!“, verteidigte sich Killian und nun runzelte Emma doch ihre Stirn. „Ich dachte diese Lehrerin sei alt und verbittert?“, diese Frage war das Einzige was in Emmas Kopf aufpoppte. „Sie ist heiß, ja! Aber sie ist auch kalt wie Eis, sie wird nicht ohne Grund die Eiskönigin genannt“, sagte Ruby fast schon gelangweilt und Emma kam nicht mehr hinterher. „Wie alt ist sie denn?“, fragte sie und wieder starrten sie alle an. „Ich weiß nicht genau. Mitte zwanzig?“, entgegnete Neal und alle zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung um ehrlich zu sein, vielleicht auch Anfang 30. Man sieht ihr das Alter nicht wirklich an“,  antwortete Belle. Na das würde eine interessante Begegnung werden.
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