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„Weizner … Dr. Mara Weizner!“

von Lizzy91
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Dr. Marc Lindner Dr. Matteo Moreau Dr. Theresa Koshka OC (Own Character)
05.11.2018
02.07.2022
168
213.606
49
Alle Kapitel
416 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.06.2022 2.193
 
Huhu,
man man, da haben wir gestern einen Meilenstein erreicht und ich hab es gar nicht mitbekommen. Das gestrige Kapitel ist das 150. 150! Das nenn ich mal ne Zahl, eine Zahl die ich mir nie im Leben vorstellen konnte. Es ist Wahnsinn wenn ich überlege wo Maras Reise anfing und wo sie nun steht. Ich kann nur Danke sagen, für eure Unterstützung und Kritik. Und ich will nicht sagen auf die nächsten 150 (Weil ganz ehrlich, das wäre ein Arsch voll Arbeit und ich glaube es würde auch irgendwann langweilig werden.) aber auf das nächste Kapitel für Mara!
Viel Liebe

Außenstehende würde sicher keine Veränderung in seinem Gang erkennen, doch Marc fühlte, wie ihm die Schritte leichter fielen. Es war nichts gut, nein. Aber es war ein kleiner Lichtblick an einem sehr, sehr dunklen Horizont, und für ihn war das Glas immer halb voll. Auch wenn er das die letzten Tage immer wieder vergessen hatte. Doch nun wollte er zurück, er sehnte sich danach seinen angestammten Platz an Maras Seite einzunehmen. Es war sehr wahrscheinlich, dass seine Anwesenheit, oder in diesem Fall Abwesenheiten, keinen Einfluss auf ihren Zustand hatte. Doch es hatte Einfluss auf ihn. Sie zu sehen, die Wärme ihrer Haut zu spüren, die Bewegungen ihres Brustkorbs zu beobachten. Das alles war für ihn eine Rückversicherung. Sie lebte, sie kämpfte, es gab Hoffnung. Mehr Hoffnung.
Angetrieben von dieser frischen Energie, und wahrscheinlich auch von dem halben Liter Kaffee aus der Cafeteria, bahnte sich Marc den Weg zu seiner Tochter. Ohne darüber nachzudenken, öffnete er schwungvoll die Tür. Was er sah überraschte ihn, über die Maßen.

Er hatte seine Ellenbogen auf der Matratze aufgesetzt, seine Hände hielten Maras linke umschlungen, hin und wieder drückte er die bewegungslosen Finger an seine Lippen. Seit gut einer Stunde saß er stumm neben Mara. Er hatte ihr nichts zu sagen, nichts was sie hören sollte zumindest. Aber allein sie zu sehen, sie zu spüren, war für ihn eine Quelle der Kraft. Seit er hier saß konnte er das erste Mal seit Tagen wieder durchatmen, die Anspannung etwas fallen lassen. Seine Augen hatte er schon vor einer Weile geschlossen. Er wollte sich nicht ablenken lassen. Er wollte sich nur auf sich und das Gefühl ihrer Haut, ihrer Wärme konzentrieren. Eine Ewigkeit hätte er so sitzen können.

„Oh. Entschuldigung.“ Entwich es Marc. Abrupt blieb er im Türrahmen stehen, als er Matteo Moreau am Bett seiner Tochter vorfand. Wahrscheinlich hätte ihn die vertraute Geste, in der sein Kollege saß, mehr erstaunen sollen als sie es tat. Er sah wie Matteo die Augen aufriss und Maras Hand losließ. Sanft aber mit einer schnellen Bewegung legte er sie wieder auf dem Bett ab und wollte sich erheben. „Nein. Bleiben Sie. Ich wollte nicht …“ Ein wenig überfragt, wie er regieren sollte suchte Marc nach Worten. „Ich meine, ich wusste nicht, dass Mara Besuch hat. Ich komme später wieder.“ Er wollte sich gerade zum Gehen umdrehen, da protestierte nun sein Kollege. „Nein, bleiben Sie. Ich wollte eh gerade gehen. Wenn einer hier sein sollte dann Sie. Es ist ihr gutes Recht.“ Marc wollte es eigentlich auf sich beruhen lassen. Doch dann sah er den Blick. Es war ein Blick, den er noch nie bei Matteo Moreau gesehen hatte, den er dennoch gut kannte. Es war ein Blick erfüllt von Sehnsucht, Schuld und Liebe. Marc schloss die Tür und ging auf seinen angestammten Platz an Maras Seite, seinem Kollegen gegenüber. Liebevoll strich er ihr über die Hand. Umgeben von den zwei Menschen auf der Welt, die sie wahrscheinlich am meisten liebten, lag Mara friedlich in ihrem Bett.

„Ich denke, es ist nicht nur mein Recht.“ Mit diesen Worten setzte Marc sich und machte eine Handgeste, die seinen Kollegen einlud, es ihm gleich zu tun. Moreau zögerte. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie will, dass Sie bleiben.“ Mit einem kleinen Nicken zeigte er auf seine Tochter und scheinbar war dies genau das Argument, welches seinen Kollegen zum Einlenken brachte. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich wieder und griff nach Maras Hand. Marc versuchte nicht zu auffällig zu sein. Er richtete den Blick auf Mara, beobachtete aber, aus dem Augenwinkel heraus, Matteo.

Sie schwiegen. Er war sich nicht sicher, ob es die Sache angenehmer oder nicht machte. Es war nie jemand gewesen, der öffentlich Zuneigung zeigte. Nein, dass war vielleicht sein Vergangenheits-Ich gewesen, aber sicher nicht er. Doch der Gedanke sie nicht mehr zu spüren war weitaus schwerer zu ertragen, als jener, bei der Geste, beobachtet zu werden. Also ergriff Matteo erneut ihre Hand und genoss das Gefühl ihrer Haut auf seiner. „Irgendwie überrascht es mich nicht.“ Marc durchbrach die Stille. Matteo runzelte die Stirn, ganz verstand er den Ausspruch nicht. „Sie und Mara. Überrascht mich weniger als ich gedacht hätte.“

„Es gibt kein Mara und mich.“ Eigentlich hatte Marc eine energischere Antwort erwartet, stattdessen erstaunte ihn die Traurigkeit, die diesem Ausspruch mitschwang. Kurz überlegte er es auf sich beruhen zu lassen, doch er konnte nicht. Es war ein Teil von Maras Leben, von dem er bisher wenig erfahren hatte, und jetzt, wo nicht sicher war, ob Mara überhaupt noch ein Leben haben würde, klammerte Marc sich an alles, was ihm seine Tochter noch näherbrachte. „Entschuldigen Sie, aber das sieht anders aus.“ Er wusste das Eis wurde dünner. Er erwartete, dass Matteo den Raum verlassen würde, oder ihn anfuhr, sich um sich selbst zu kümmern. „Es gibt kein Mara und ich, weil ich nicht kann. Nicht weil wir es nicht wollen.“

Von den beiden Männern im Raum war es nicht Marc, der am meisten von dieser Aussage überrascht wurde. Warum er dem Onkologen so viel anvertraute wusste er selbst nicht. Vielleicht war es, weil Marc gerade das einzige, war, was ihm Mara nahbrachte. Vater und Tochter waren sich in vielem so ähnlich. Vielleicht war es einfach die Erschöpfung der letzten Tage, die seine Wände rissig werden ließ. Aber vielleicht war es auch etwas anderes. Vielleicht war er es satt diese Bürde allein zu tragen und nur mit sich auszumachen. Vielleicht war es auch eine Mischung als allem. Doch Matteo war müde und er war es leid seine Fassade, um jeden Preis aufrecht zu erhalten.

„Wenn Sie reden wollen …“ Weiter sprach Marc nicht, auch weil er nicht glaube, dass dieses Angebot einen Abnehmer finden würde, doch er sollte sich irren. „Meine Vergangenheit steht uns im Weg, es ist einfach zu viel passiert, zu viel Zeit vergangen.“ Auch wenn er sich nicht viel aus diesen kryptischen Worten nehmen konnte, sah Marc von Nachfragen ab. Moreau würde erzählen was er wollte, was er bereit war zu teilen. „Habe ich Ihnen je von meiner Ehefrau erzählt?“ Und mit diesen Worten begann Matteo seine Geschichte erneut zu erzählen. Keinem der beiden Männer war klar, wie genau es dazu kam, doch einer redete der andere hörte zu. Bei dem Wort Ehefrau musste Marc schlucken, doch als er dann erfuhr, welches Schicksal Miriam Moreau erlitten hatte verstand er, warum sie beides war: Grund und Hindernis für die Verbindung seiner Tochter mit dem Oberarzt der Plastischen Chirurgie. Matteo fuhr fort. Und Marc erkannte vieles wieder, die Schuldgefühle, die Idee Dinge nicht verdient zu haben, sich Dinge zu versagen als Buße für die Vergangenheit. Er kannte es von sich und auch von Mara. Mit jedem Satz wurde ihm klar, wie sehr Matteo Moreau in die Welt Rund um Mara Weizner passte und ihm wurde auch klar, wie viel Mara für ihn empfinden musste.

„… und deshalb können wir nicht Zusammensein. Ich kann ihr nicht geben was sie verdient hat.“ Erst einmal hatte Matteo seine gesamte Geschichte erzählt; noch nie hatte er jemanden so einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt gegeben. Das war etwas vor dem er immer angst gehabt hatte, doch nun musste er feststellen, dass eine Last von ihm genommen wurde, von der er nicht mal wusste, dass er sie trug. „Wollen Sie ihr denn geben was sie, ihrer Meinung nach, verdient hat?“ Das Schweigen und sein Blick waren Antwort genug.

„Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass es Mara gegenüber unfair ist. Aber ich denke, zu sich selbst sind Sie noch unfairer und zu Ihrer Frau auch.“ Matteo wollte widersprechen, doch Marc ließ ihm keine Gelegenheit. „Vertrauen Sie mir, wenn ich Ihnen sage im Bezug auf Fehler in der Vergangenheit und Selbstgeißelung mit eben diesen sind Sie hier in aller bester Gesellschaft.  Und genau das qualifiziert mich auch Ihnen einen Rat zu geben. Lass Sie die Vergangenheit sein was sie ist, vergangen. Ich weiß was Sie jetzt sagen wollen, aber denken Sie einen Moment darüber nach, welches Andenken Sie an ihre Frau haben möchten. Es gab doch sicher viele glückliche Momente, positive Erinnerungen. Ich kann verstehen, warum Sie glauben, sie damit zu ehren, sich nie wieder einer Beziehung hinzugeben, aber damit machen Sie genau das Gegenteil. Sie machen Miriam zu einem Geist der Vergangenheit, der Sie daran hindert, glücklich zu werden. Sie bringen sie in die Position der Grund für all ihr Unglück zu sein. Und natürlich, die Entscheidung Ihrer Frau hat viel damit zu tun, doch die Entscheidung nie wieder glücklich sein zu dürfen haben doch Sie getroffen, und das auf dem Rücken Ihrer Frau. Wenn Sie sich an Miriam erinnern, wollte Sie dann ihr Unglück? Wollte sie, dass Sie all das, was sie an Ihnen liebte vergraben und nie wieder zeigen? Wenn Miriam so war, dann ja, dann ehren Sie sie mit Ihrem Verhalten. Wenn Sie aber wollte, dass Sie glücklich sind, wenn es ihr wichtig war, dass Sie ihr Leben genießen und Lachen und Streiten und Lieben, dann bestrafen Sie nicht sich selbst sondern Ihre Frau. Miriam hat getan was sie getan hat, aber nicht um Ihnen Leid zuzufügen. Im Gegenteil, ich bin mir sicher, dass sie geglaubt hat, dass es Ihrem Glück am Ende zuträglich wäre. Und egal wie falsch sie damit gelegen hat, es lässt sich nicht mehr ändern. Aber Sie können ändern, wie Sie mit diesem Erbe umgehen.“

Das Andenken seiner Frau. Matteo rief sich ins Gedächtnis, was er all die Jahre verdrängen wollte. Miriams Gesicht, ihr Lächeln, ihre Stimme. Ihr Lachen, wenn sie zusammen herumalberten, ihre lebensbejahende Art. Ihr großes Herz, ihren Wunsch Menschen zu helfen, Menschen glücklich zu machen. Ihren Wunsch ihn glücklich zu machen.

„Ich weiß, dass es schwer ist. Es ist leichter sich in der bekannten Vergangenheit zu verstecken als einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen. Ich habe das viele Jahre auch so gemacht wie sie. Bin weggelaufen, habe mich hinter etwas versteckt, was ich für die absolute Wahrheit hielt: Meiner Unwürdigkeit auf Glück. Erst als ich schon fast alles verloren hatte habe ich den Mut gefasst etwas zu ändern. Ich will nicht Lügen, es ist alles andere als leicht und es dauert, es gibt Rückschritte. Aber am Ende des Weges gibt es etwas für das es sich zu kämpfen lohnt.“ Beim letzten Satz strich Marc Mara eine Strähne von der Stirn. Sie war das Ende dieses Wegs für ihn, sie und Theresa.

Matteo kam seinen eigenen Gedanken kaum hinterher. Was sollte er sagen, denken, fühlen? Alles drehte sich um ihn. Er war so benommen, dass er fast glaubte jemand drückte seine Hand. Um sich zu erden drückte er Maras Hand fester. Und da war es wieder, dieses Gefühl des Gegendrucks. Nun konnte er wieder einen klaren Gedanken fassen. „Sehen Sie!“ Rief er aus. Marc war verwirrt, doch Matteo zeigte auf Maras linke Hand. Als er seine wegnahm rührte sich ihr Mittelfinger, als würde sie den Kontakt wieder suchen. Mit einem Schlag wich die Ruhe des Raumes dem Adrenalin, das beide Männer durchströmte.

Marc lehnte sich zu ihr, strich ihr immer wieder über die Stirn. „Mara. Mara wach auf! Es ist okay, du kannst die Augen ruhig aufmachen. Komm schon Kleines.“ Keine Reaktion. Mit besorgtem Blick wandte er sich an Moreau. War es nur ein grausamer Streich des Universums gewesen? „Komm, mach deine Augen auf, wir vermissen dich hier alle. Du wirst gebraucht Mara. Wir brauchen dich, ich brauche dich!“ Marc flehte schon fast. Matteo stand regungslos daneben.

Wie konnte er Mara helfen? Sollte er? Warum nicht, es war der Ton, den er immer anschlug, der sie manchmal zur Weißglut trieb. Matteo wusste, wenn es Motivation gab für Mara aufzuwachen, dann um sich ein Wortgefecht mit ihm zu liefern. „Sie haben Ihren Papa Globuli gehört Weizner. Genug gepennt, aufwachen. Und zwar Pronto, sonst übernehme ich ab Morgen das Kommando auf Station und bei den Zwergen Weizner.“ Seine Stimme war laut und schroff, im ersten Moment war Marc irritiert, doch dann passierte etwas. Ein Zucken durchfuhr den Körper seiner Tochter, gefolgt von einem würgen.

„Sie wehrt sich gegen die Beatmung. Sie wacht auf.“ Marc wusste nicht, was er tun, sagen oder denken sollte. Mara drehte nun heftig den Kopf, versuchte das störende Utensil loszuwerden. Instinktiv griff Marc mit beiden Händen nach ihrem Kopf. Ihre Augen waren noch geschlossen, aber es gab keinen Zweifel, Leben war zurückgekehrt in ihren Körper. „Shh, ganz ruhig. Wir nehmen den Schlauch gleich raus. Shhh.“ Marc schaute nach Matteo, doch dieser war bereits auf dem Gang und rief nach der Schwester und Dr. Ruhland. Beide kamen binnen Sekunden und im nächsten Moment befand sich Marc auf dem Gang und er und Moreau warteten vor verschlossener Tür auf Nachrichten.
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