„Weizner … Dr. Mara Weizner!“

von Lizzy91
GeschichteAllgemein / P16
Dr. Marc Lindner Dr. Matteo Moreau Dr. Theresa Koshka OC (Own Character)
05.11.2018
04.09.2019
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Huhu ihr wundervollen Menschen da draußen!

Alles gut bei euch? Oder habt ihr euch bei der Hitze schon unter einen kühlen Stein verkrochen?
Es geht weiter mit Mara und unserem lieblings Krummelbär. Ich weiß nicht warum, aber mittlerweile macht Moreau Marc bei mir arge Konkurrenz was den Lieblings Charakter betrifft. Ich finde er ist so herrlich vielschichtig und er ist so ziemlich die einzige Figur die mich auch noch 5 Staffel immer wieder überrascht. Marc tut das auch, aber ich habe in letzter Zeit ein bisschen das Gefühl, dass sich der Spannungsbogen in seiner Geschichte langsam zu sehr zieht. Wem geht es noch so? Und wer ist euer liebster Charakter?  

Viel Liebe
Lizzy!


„Weizner!“ Mara schreckte aus ihren Gedanken. Stirnrunzelnd sah sie wie ihr Mentor und Oberarzt sich auf den Weg zu ihr machte. Kurz bevor er sie erreicht hatte wurde sie sich ihres Zustandes bewusst. Hastig wischte sie sich über Augen und Gesicht um ihre Tränen zu verschleiern. Moreau kam immer näher und blieb vor ihr stehen. Er schob mit den Händen seinen Kittel zurück und stemmte die Hände in die Hüfte.

„Die anderen Zwerge haben mir gesagt, dass Sie für den Kauderwelsch den Sie OP Plan nennen verantwortlich sind. Ganz ehrlich, ich meine ich weiß, dass man von Ihnen nicht zu viel erwarten kann, aber das? Kommen Sie Weizner, schaffen Sie denn gar nichts, wenn ich Ihnen nicht im Nacken sitze?“ Mara schaute ihn etwas ungläubig an. Eigentlich war Moreau gerade der Letzte, den sie gebrauchen konnte, aber irgendwie war er ihr auch lieber als Theresa oder einer der anderen jungen Ärzte. Mara setzte sich auf. „Dr. Moreau, Urlaub schon vorbei? Das tut mir aber leid.“ Matteo schnaubte etwas. „Brauch es nicht, ich erhole mich bei der Arbeit am besten.“ „Wer hat denn gesagt, dass es mir für Sie leid tut?“ Mara war sichtlich genervt. Sie hatte gerade einfach keine Kraft auf ein Wortgefecht mit Moreau. Schwerfällig schob sie sich zum Rand der Bank und drückte sich mit den Armen nach oben ab.

„Wenn Sie irgendein Problem mit dem OP Plan oder Dienstplan haben, dann schicken Sie mir ein Memo und ich schaue was ich machen kann. Wenn Ihnen das auch nicht passt, dann wenden sie sich halt an Prof. Patzelt. Ich habe heute echt keine Lust für Sie den Alleinunterhalter zu spielen.“ Mit hängenden Schultern wollte Mara ihres Weges ziehen, doch ihr Gesprächspartner hatte anderes vor.

Matteo hielt sie am Arm zurück. Verwirrt sah Mara ihn an. „So schnell kommen Sie mir nicht davon. Hinsetzen Weizner!“ wies er sie an. Kurz überlegte Mara, ob sie ihm entsprechend antworten sollte, doch auch dafür fehlte ihr die Kraft. So ergab sie sich ihrem Schicksal und lies sich, jedoch mit einem störrischen Gesichtsausdruck, zurück auf die Bank sinken. Erwartungsvoll sah sie ihn an. Ein wenig fühlte Mara sich wie früher, zu Schulzeiten, wenn sie vor den Rektor zitiert wurde. Fast schon bedrohlich thronte Moreau über ihr, dann tat er etwas, was Mara nicht erwartet hatte. Er setzte sich neben sie. Der Ausdruck von Erwartung und Trotz wich purer Verwirrung.

„Moreau, langsam machen Sie mir Angst. Was wollen Sie von mir?“ Er räusperte sich. „Ich habe von dem Übergriff auf Sie durch den Patienten gehört.“ Wäre Mara nicht so entsetzlich wütend darüber gewesen, dass sie scheinbar mal wieder Gesprächsthema Nummer eins im Klinikum war, wäre ihr der leicht besorgte Tonfall ihres Mentors wahrscheinlich nicht entgangen. „Wow, wie lange sind sie wieder im Dienst, 10 Minuten? Hat Patzelt sie geeicht, ja nett zu der armen kleinen Mara zu sein? Oder war es doch der Flurfunk? Haben Vivi und Julia wiedermal ausgiebig das Leben der anderen besprochen statt sich ihrem Job zu widmen? Wie oft muss ich denn noch sagen, dass es mir gut geht!“ Sie wollte schon wieder aufspringen doch Moreau hielt sie erneut zurück.

„Die Kling, hat mir erzählt was passiert ist. Sie hat versucht mich davon abzuhalten Sie wegen des OP Plans rund zu machen.“ Mara schnaubte. „War ja klar!“ Doch Matteo blieb unbeeindruckt. „Sie macht sich Sorgen um Sie. Wie es eine gute Freundin eben macht. Sie hat mir erzählt, dass Sie sich komplett isolieren.“ Bei diesem Satz bekam Mara ein schlechtes Gewissen. Es stimmte, ihr Freunde gaben sich seit Wochen die größte Mühe, aber sie konnte einfach niemanden an sich heranlassen. Selbst wenn sie es gewollt hätte. „Sie hat mir auch erzählt, dass Sie verletzt wurden. Also frage ich Sie, und ich will eine ehrliche Antwort, denn ich Frage nicht zweimal: Geht es Ihnen gut?“

Verlegen sah Mara zu Boden, selbst Moreau machte sich irgendwie Sorgen um sie. Die Situation erinnerte sie an damals, als die beiden nebeneinander auf einem alten Krankenbett gesessen hatten und über die Schicksalsschläge gesprochen hatten, die sie gemein hatten. Mara war klar, sie konnte, sie durfte Moreau nicht anlügen. Sie wusste nie ganz genau was sie waren, Kollegen, Freunde, Leidensgenossen. Aber sie wusste, dass er einer der Menschen war, bei denen sie ganz sie selbst sein konnte und musste, denn er durchschaute sie. „Die Hämatome im Gesicht und am Hals sind gut abgeheilt falls Sie das wissen wollen.“ Doch so einfach ließ Matteo sie nicht von der Angel.

„Kommen Sie schon Weizner, Sie wissen genau so gut wie ich, dass es nicht das war was ich meinte. Ich fress nen Besen, wenn es purer Zufall war, dass Dr. Globuli sich zur gleichen Zeit in den Meditationsurlaub verabschiedet als ein Patient, den sie beide betreuen, ausrastet.“ Mara versuchte immer noch ihre Fassade aufrecht zu erhalten. „Marc hat damit nichts zu tun.“ „Und wen belügen Sie damit jetzt Weizner? Mich oder sich selbst? Ich weiß, dass Lindner nur nach außen immer der Sonnenschein kotzende Medizinmann ist. Vor ein paar Jahren war es die Koshka, die er komplett gaga gemacht hat, jetzt Sie. Und jetzt spucken Sie es schon aus. Ich kann ja sogar verstehen, wenn Sie nicht mit unseren Klatschzwergen darüber reden wollen. Aber ich tratsche nicht. Das wissen Sie.“ Sie sah ihn von der Seite an. Dann nahm sie einen tiefen Atemzug und begann.

„Marc hat Probleme… Er hat Probleme mit seiner Vergangenheitsbewältigung.“ „Wer hat die nicht?“ warf Moreau ein und sie wusste, dass er sich auf sie und ihn selbst bezog. „Ja, aber Sie und ich, treiben zwar unsere Umwelt in den Wahnsinn, aber sie fangen wenigstens nicht an unkontrolliert um sich zu schlagen oder Menschen zu würgen.“ Sie sah wie sich seine Gesichtszüge verhärteten. Einen Moment bereute Mara es ihm diese Information anvertraut zu haben, doch statt etwas zu erwidern gab er ihr zu verstehen fortzufahren. „Marc macht das nicht aus böser Absicht, er hat eine Posttraumatische Belastungsstörung und hat dadurch Probleme mit der Impulskontrolle. Er war deshalb schon einmal in Behandlung und hatte sich, laut Theresa, im Griff. Scheinbar wurde das ganze aber wieder aufgewärmt als Theresa den Unfall hatte und er und ich so aneinander geraten sind. Er ist seitdem wieder in Behandlung, aber an dem Tag mit Freithal, da ist es einfach eskaliert. Es war wie der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Wahrscheinlich bin ich auch einfach selbst schuld. Seitdem ich hier in Erfurt aufgetaucht bin, habe ich Marc das Leben schwer gemacht. Und ich habe mich in der ganzen Zeit nicht einmal dafür interessiert wie es ihm geht. Ich habe ihn vorher nie gefragt, wie es ihm mit der Situation geht. Habe seine Gefühle und Bedürfnisse komplett ignoriert. Erst als es schon zu spät war, habe ich angefangen mich um ihn zu kümmern.“ Wortlos hörte Moreau zu.

„Haben Sie schonmal mit der Koshka oder einem der anderen Zwerge darüber gesprochen?“ Mara schüttelte den Kopf. „Ich kann einfach nicht. Ich weiß, dass die anderen mir nur helfen wollen. Aber ich fürchte, dass sie es nicht verstehen würden. Und außerdem sind sie ohne mich viel besser dran. Ich tue den Menschen in meiner Umgebung nicht gut. Jeder Mensch, der mir wirklich nah stand ist heute entweder tot oder in Therapie. Gute Bilanz oder?“

„Ach ja, und was ist mit der Koshka, der Kling, Berger und den anderen beiden Fruchtfliegen? Als ich vor 10 Minuten geguckt habe, erfreuten sich alle bester Gesundheit, und waren nicht weniger Herr der eigenen geistigen Fähigkeiten als sonst auch.“ Mara senkte den Blick. „Ja, weil ich mich so weit es eben geht von Ihnen fernhalte.“ Murmelte sie.  „Mein Gott Weizner, jetzt halten Sie mal die Luft an. Ob Sie es glauben oder nicht, die Welt dreht sich nicht um Sie! Sie sind nicht verantwortlich für das was andere tun oder lassen. Und diese Mitleidstour können Sie sich schenken, die zieht bei mir nicht. Sie sind einfach feige!“ Moreaus Tonfall wurde härter und Mara wusste nicht recht wie ihr geschah.

„Sie sind zu feige Hilfe anzunehmen und sich auf Menschen einzulassen, das würde nämlich bedeuten, dass Sie Dinge die schief gehen nicht mehr auf das böse Universum schieben können und sich nicht mehr im Selbstmitleid suhlen können. Stattdessen müssten Sie die Zähne zusammenbeißen und einfach akzeptieren, dass es Dinge gibt, auf die Sie keinen Einfluss haben und sich damit arrangieren. Und davor haben Sie Angst Weizner! Sie können sich nicht für alles und jeden verantwortlich machen. Sie sind nicht schuld daran, dass dieser Patient ausgerastet ist, genauso wenig wie sie Schuld daran sind das Lindner Probleme hat und zu spät die Reißleine gezogen hat. Das einzige woran sie schuld sind ist, dass sie hier alleine im Regen sitzen obwohl da drinnen Menschen sind, die für Sie da seinen können und wollen.“ Schuld bewusst aber auch nachdenklich hörte Mara ihrem Mentor zu.

„Ich weiß, dass es verlockend klingt. Ein Leben in dem man nur sich selbst gerecht werden muss, es klingt einfach. Ist es zu einem gewissen Teil auch. Aber es ist auch verdammt einsam.“ Beim letzten Satz sah Mara Moreau an, sein Blick war in die Ferne gerichtet, und sie war sich nicht mehr sicher, sprach er über ihre oder doch seine eigene Situation? Lange hallten seine Worte in ihr nach. Vielleicht hatte er recht, vielleicht war sie zu sehr in ihrem selbst verordneten Selbstmitleid aufgegangen. Vielleicht hatte sie eine falsche Vorstellung von Egoismus.

Vielleicht war es egoistischer, alle von sich zu stoßen und sie damit zu verletzen, als sich einfach zu öffnen und einen Teil seiner Bürden mit denen zu teilen die sich dafür bereit erklärten. Irgendwann nickte sie einfach stumm. Moreau sah dies aus dem Augenwinkel und ein leichtes, selbstgefälliges Grinsen machte sich breit. „Sehr gut Weizner. Ich dachte schon, ich muss Sie zum OP putzen abkommandieren um Sie zur Vernunft zu bringen. Und sind wir doch mal realistisch. Ihre kleinen Zwergen Schultern sind nun wirklich nicht breit genug um die Last der ganzen Welt zu schultern.“ Zum ersten Mal seit Wochen lachte Mara von tiefsten Herzen. Einen Moment musterte Mara Moreau intensiv.

„Wissen Sie Moreau. Dafür, dass sie sich immer so viel Mühe geben den Kotzbrocken der Nation zu mimen, sind Sie eigentlich ein echt netter Kerl.“ Mit diesen Worten erhob Mara sich und im Hintergrund bracht die Sonne durch die dicken Regenwolken. „Behalten Sie das bloß für sich. Ich hab keine Lust, dass die Kling denkt sie kann mit ihren Dr. Sommer Problemen zu mir kommen kann.“ „Schon klar. Also dann, ich wird dann mal. Wir sehen uns dann im OP.“ Sie drehte sich um und ging Richtung Tür. „Ach bevor ich es vergesse. Danke … Matteo.“ Wieder verabschiedete sie sich auf diese vertraute Art von ihm. Noch bevor er antworten konnte verschwand sie durch die Tür.

Matteo blieb auf der Bank zurück und fragte sich, ob es nicht besser gewesen wäre noch eine Woche Urlaub hinten dran zu hängen.
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