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At the gates of hell

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P16
Farrier
05.11.2018
11.03.2019
6
4.777
6
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
05.11.2018 1.245
 
Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen.

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

A/N: Hier kommt nun der fünfzehnte Oneshot in meiner kleinen, mehr oder weniger unzusammenhängenden Kurzgeschichten-und-Drabble-Reihe zu Christopher Nolans Film Dunkirk und gleichzeitig der dritte der #pneumonia-Reihe.
Den vierzehnten Oneshot findet ihr hier: The enemy pushes closer

Es ist mit dieser Geschichte übrigens soweit: Ich konnte wirklich nicht länger widerstehen. Diejenigen von euch, die den Film Luftschlacht um England (Battle of Britain) kennen, werden wissen, was gemeint ist, sobald sie es lesen. Meldet euch, wenn ihr es herausgefunden habt. Es würde mich brennend interessieren, wem das/es auffällt.

Außerdem habe ich mich hier, wie schon in Survival is victory, dem zweiten Teil der #pneumonia-Reihe, dafür entschieden, etwas mehr auf die Wortanzahl der einzelnen Kapitel zu achten. Es wird nicht jedes Kapitel ein Drabble sein, aber jedes Kapitel wird eine Wortanzahl haben, die mit mindestens zwei Nullen endet.


Ihr wisst ja, Reviews und Sternchen sind das Brot des Fanfictionautors – lasst mich bitte nicht hungern!








At the gates of hell



Part I


Er hatte nicht erwartet, vom Bahnhof abgeholt zu werden. Es hatte auch keinen logischen Grund dafür gegeben. Niemand in Kenley würde ihn ausgerechnet heute zurück erwarten, vermutlich wusste nicht einmal jemand, dass er unterwegs war. Aller Wahrscheinlichkeit nach saß man dort im Moment nur noch die vorgeschriebene Zeit ab, bis man in seiner Akte das übliche MIA* eintragen konnte. Es würde womöglich durchaus unterhaltsam werden, wenn man feststellte, dass aus diesem Eintrag vorerst nichts werden würde. Farrier konnte sich eines vagen Grinsens nicht erwehren. Collins musste schließlich schon seit Tagen wieder zurück sein und da er nicht wissen konnte, was aus ihm geworden war… Auch wenn er genau wusste, dass Collins es niemals aussprechen würde, so war er sicher, dass der Pilot Officer insgeheim annehmen musste, er hätte es nicht geschafft. Immerhin wussten sie beide, dass seine Spitfire Schaden durch Feindbeschuss genommen hatte und das war in der Regel und gerade bei größeren Einsätzen kein gutes Zeichen und erst recht keine Garantie dafür, zu überleben. Unwillkürlich zog er die Schultern hoch. Diese frühen Morgenstunden waren immer noch unangenehm kühl. Das hatte er schon gemerkt, als er aus dem Zug gestiegen war, doch da hatte er noch angenommen, das Frösteln würde sich schon erübrigen, sobald er nur in Bewegung kam. Dem war jedoch nicht so. Mittlerweile hatte er ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt und kalt war ihm nach wie vor. Was würde er jetzt für eine Zigarette geben! Oder wenigstens eine Tasse Tee. Das alles würde allerdings mindestens so lange noch warten müssen, bis er angekommen war, ganz und gar angekommen, um genau zu sein und das schloss weitere Wartezeiten unglücklicherweise ein. Aber möglicherweise hatte einer der Aircraftman am Tor eine Zigarette für ihn übrig. Dafür revanchieren konnte er sich dann später irgendwann, wenn er seiner eigenen wieder habhaft war, denn alle führte er nie mit sich, eine Reserve bewahrte er bei seinen Sachen immer auf. Man konnte schließlich nie wissen, wann man sie brauchte, wann der Nachschub ausblieb, wann man selbst ihnen die Rationen strich, die sie aktuell noch erhielten. Die Deutschen schienen ja nicht gerade vorzuhaben, die Kampfhandlungen in absehbarer Zeit einzustellen, also… Ihnen standen vermutlich ungemütliche Monate, wenn nicht sogar Jahre bevor. Es konnte nicht schaden, sich darauf einzustellen und Kleinigkeiten wie Zigaretten zurückzulegen, vielleicht auch Schokolade, aber das ging frühestens im Winter. In den Sommermonaten, wenn es in der Baracke selbst nachts zu warm sein konnte, um erholsam zu schlafen, war das eher ungünstig, hielt er gedanklich fest und schob die Hände in die Hosentaschen. Zwar sah er so nicht ganz so respektabel aus, wie man es von einem Offizier der Air Force gemeinhin erwartete, doch bis jetzt war er nur einem Milchmann begegnet und der hatte ihn kaum eines nennenswerten Blickes gewürdigt, war in Gedanken scheinbar schon gänzlich bei der Arbeit gewesen, und seitdem… Zu dieser Zeit waren die Straßen nun einmal weitgehend menschenleer. In einer, aber spätestens in zwei Stunden würde das anders sein. Bis dahin würde er den Flugplatz jedoch lange erreicht haben. Er kannte den Weg vom Bahnhof dorthin schließlich zur Genüge, war ihn in den letzten beiden Jahren oft genug in beide Richtungen gegangen. Neu war dieses Mal eigentlich nur, dass er ihn nehmen musste, weil er das Flugzeug verloren hatte und das… Ach, das war halb so wild. Collins war es schließlich genauso ergangen und wenn ihn nicht alles täuschte, dann würden sie beide nicht die letzten gewesen sein, die das tun mussten. Der Gedanke hatte etwas tröstliches. Vielleicht würden sie über kurz oder lang Wetten darauf abschließen… Wie bald dieser Umstand eintrat, hing sicherlich nur noch davon ab, wie aufsehenerregend Collins Rückkehr gewesen und wie vielen anderen in Kenley stationierten Piloten es genauso ergangen war. Es bestand die Möglichkeit, dass er zwar vorerst der letzte Rückkehrer war, aber das man den Umstand, dass seine Spitfire fehlte, schon kaum noch als überraschend empfand. Die Reaktionen der Wachhabenden am Tor würden einen ersten Aufschluss darüber geben.

Mehr aus Gewohnheit als aus echtem Interesse an der Zeit warf er einen Blick auf seine Armbanduhr. Er würde wirklich früh dran sein… Die Deutschen hatten sie ihm – Gott sei Dank! – nicht abgenommen. Das wäre unverzeihlich gewesen, auch dann noch, wenn er die Gelegenheit gehabt hätte, sie dem Dieb wieder abzunehmen, nachdem die Franzosen ihn erschossen hatten. Wenn es um seine Uhr ging, nahm er Dinge persönlich, die ihn sonst eher kalt ließen, doch an der Uhr hingen zu viele Erinnerungen, um sie als irgendein x-beliebiges, ersetzbares Stück abtun zu können. In den ersten Kriegswochen hatte er zwar überlegt und auch probiert, während des Dienstes und somit auch während der Einsätze eine andere zu tragen, aber das Gefühl, das nur minimal andere Gewicht am Handgelenk hatte ihn letztendlich zu sehr gestört. Es war einfach nicht dasselbe gewesen und nach nicht einmal einer Woche hatte er es wieder aufgegeben. Seitdem lag die zweite Armbanduhr unangetastet bei seinen Sachen und er hoffte, sie so bald nicht oder am besten nie wieder brauchen zu müssen.

Das Tor zum Flugplatz kam in Sicht, so vertraut wie eh und je und von jenseits des Zauns waren die ersten bekannten Geräusche zu hören, in Anbetracht der Uhrzeit noch leise und nur vereinzelt, doch schon bald würde es lauter und häufiger werden, spätestens dann, wenn die Frühstückszeit sich dem Ende neigte. Er konnte schon jetzt bildlich vor sich sehen, wie die meisten es sich dann irgendwo bei den Gebäuden auf verschiedenen Sitzmöbeln oder einfach auf dem Rasen bequem machten. Nicht an jedem Tag standen Unterweisungen oder andere Aufgaben für jeden auf dem Plan, manchmal hatte man schlicht und ergreifend nichts weiter zu tun, als zu versuchen, sich nicht allzu sehr zu langweilen. Collins war das stets mehr schlecht als recht gelungen und mit einigem Amüsement erinnerte er sich daran, wie der jüngere Pilot so oft neben ihm gesessen und Grashalme zerpflückt hatte, wenn es einfach nichts zu tun gegeben hatte. Es war jedes Mal aufs Neue unterhaltsam gewesen, vor allem jedoch, ihn mit dieser Macke aufzuziehen. Die Erinnerung ließ ihn vage lächeln.

[1000 Wörter]




***


* missing in action
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