Venom Outtakes

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
04.11.2018
19.05.2019
9
21684
7
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Ich habe keinerlei Rechte an sämtlichen vorkommenden Charakteren des Originals


* * *

Diese Geschichte verdankt ihr einzig und allein der deutlichen Verzögerung und den Zugausfällen zwischen Frankfurt/ Main – Fernbahnhof und Köln Hauptbahnhof. Diese Geschichte nahm zwischen Duisburg und Köln ihren Anfang :)


Es handelt sich um Episoden, die teils einzeln gelesen werden können – jedoch werden spätere Teile auf den Anfangskapiteln aufbauen. Daher … nun, sollte man sie vielleicht doch lesen.


Die Geschichten spielen irgendwann nach dem Film …


* * *



Venom – Outtakes


Es war ein langer Tag gewesen. An sich für ihn kein Problem, ihm machten ungewöhnliche Arbeitszeiten nichts aus, doch das alles hatte eine entsetzliche Routine – und wenn er nichts weniger schätzte, dann das.
„Du hättest einen anderen Job haben können, hättest du die Klappe nicht so weit aufgerissen. Du könntest dich jetzt mit wirklich wichtigen Dingen befassen, nicht mit Jubiläen in Kleingartenvereinen oder Neueröffnung von Kindergärten ...“, dachte er bei sich – und doch, egal wie mies sein Leben sich momentan anfühlte, insgeheim war er noch immer überzeugt davon, dass er damals das Richtige getan hatte.

„Die Welt zu retten ist ein ziemlich undankbarer Job“, murmelte er, hoffte auf eine Antwort – doch es kam keine, was für einen Außenstehenden vielleicht auch verständlich gewesen war, da er vollends allein war, sich nur mit seine eigenen Gesicht unterhielt, das ihm müde aus dem Badezimmerspiegel entgegenblickte.

„Ok, dann nicht“, er rieb sich die Augen. „Ich geh auch gleich schlafen ...“

Erneut keine Antwort, aber dieses Mal erwartete er auch keine.

Eigentlich hätte er auf der Stelle einschlafen können, aber parallel fühlte er sich dafür zu unentspannt; er hoffte, dass eine Dusche helfen würde.
Und selbst wenn nicht, dann war er hinterher zumindest sauber, so dachte er bei sich, während er das heute tatsächlich konstant warme Wasser auf sich einregnen ließ, dann Shampoo in seinen Haaren zu verteilen begann.
Für ein paar Minuten genoss er einfach nur die Ruhe, die ungewohnte Tatsache, dass er offenbar tatsächlich für ein paar Minuten mit sich alleine war und -

Was tust du da?

Erschrocken fuhr er hoch, stieß dabei schmerzhaft mit dem Kopf an die Fliesen, an die er sich bis eben angelehnt hatte.
„Nichts!“, erwiderte er hastig, fühlte wie er dennoch errötete, war das schließlich ein reichlich privater Moment, der diesen Parasit in seinem Kopf gar nichts anging.

Ich bin kein Parasit
Das klang verdächtig milde, vielleicht deswegen, weil es schon viel zu oft gesagt worden war – und ja, an sich dachte er auch so gar nicht unbedingt von ihm, hatte er sich fast schon daran gewöhnt, dass er da war. Er war mehr wie … nein, kein anhängliches Haustier, eher ein siamesischer Zwilling, mit dem man sich arrangieren musste, egal ob man gerade froh über seine Anwesenheit war oder ob man ihm eher gerade die Pest an den Hals wünschte.

„Ich weiß“, murmelte er dumpf, rieb sich den schmerzenden Hinterkopf.

Das hat sich gut angefühlt …

„Ach, jetzt magst du es offenbar, dass ich dich so nenne?“, spottete er, auch wenn er das Gefühl hatte, dass eindeutig etwas anderes gemeint war. Er hatte gehofft, dass dieser peinliche Moment rasch vergehen würde, aber da hatte er sich wohl geirrt.
Er hatte sich immer gefragt, wie Eltern so dumm sein konnten, in gewissen privaten Momenten ihre Schlafzimmertür nicht abzuschließen, sodass man immer wieder Geschichten von peinlichen Momenten hörte … und nun, jetzt hatte er wohl in gewisser Weise die Antwort, auch wenn dieser neugierige Parasit ganz gewiss nicht sein Kind war und er auch noch nicht ganz herausgefunden hatte, wie man die Schlafzimmertür in seinem Verstand abschloss.

Das habe ich nicht gemeint … und dass du mich gerade wieder so genannt hast, macht es nicht besser.

„Alte Gewohnheit“, erwiderte er abwesend, da er noch immer eine Möglichkeit suchte, dieser Unterhaltung zu entkommen.

Ich mochte das Kribbeln im Bauch. Was war das?

Gut, würde wohl kein Weg an einer näheren Erklärung vorbeiführen. Er hatte nie gedacht, überhaupt einmal ein solches Gespräch führen zu müssen, da er sich nie für jemanden gehalten hatte, der viel mit Kindern am Hut hatte.
Abgesehen davon, dass das hier ohnehin kein Kind, schon gar nicht seins und eine ganz andere Situation war.
„Also“, begann er so pädagogisch wertvoll wie möglich, drehte die Dusche erst einmal ab, ehe die Wasserrechung ins Unermessliche stieg, „manchmal, wenn zwei Leute sich sehr, sehr lieb haben ...“

Meist war der Symbiont in seiner Verhaltensweise eher sprunghaft, unterbrach ihn bei längeren Erklärungen oft sogar gerne, so als habe er bereits das Interesse verloren, doch jetzt hörte er gehorsam zu, während er sich diese stümperhafte Erklärung zurechtstotterte und sich wünschte, dabei zumindest angezogen zu sein und nicht halbnackt und mittlerweile fröstelnd in der Dusche zu stehen.

Kalt
Das konnte eine Frage oder eine Feststellung sein; mit Betonung hatte er es nicht so, also war beides möglich.

„Hm“, erwiderte er. „Ich wasch mir nur noch das Shampoo aus den Haaren ...“
Ein Mensch hätte die Aufforderung verstanden, sich vermutlich gehorsam entfernt oder alternativ zumindest Augen und Ohren verschlossen, aber dieser -

Du wolltest mich schon wieder so nennen

„Wollte ich nicht“, knurrte er, drehte das Wasser wieder an. „Und selbst wenn -“

Schon gut. Und … ist das schlimm für dich, kein Weibchen zu haben?

„Hu?“, erstaunt blinzelte er, denn diese Frage hatte er jetzt ganz sicher nicht erwartet. „Offengestanden keine Ahnung. Manchmal wäre es sicher schön, wenn da jemand wäre, aber so, wie es momentan ist, wäre es vermutlich ohnehin schwierig ...“
Er konnte ihm ja schlecht erklären, dass die Anwesenheit eines Parasiten in seinem Verstand ein absolutes K.o.-Kriterium für eine zwischenmenschliche Beziehung war – ihm blieben ja offenbar noch nicht einmal mehr ein paar Minuten alleine mit sich selbst unter der Dusche, da war an Romantik mit einem potenziellen anderen Wesen erst recht nicht zu denken.

Wegen mir?

„Irgendwie schon“, erwiderte er ehrlich, „Aber … ich schätze, momentan wäre ohnehin ein ungünstiger Zeitpunkt für eine Beziehung...“ Dass sein Leben ein heilloses Durcheinander war, war das K.o.-Kriterium Nummer zwei. „Und … Natürlich könnte ich mir sicher irgendein One-Night-Stand suchen“, jedenfalls klang es gut, das zu behaupten, auch wenn er keine Ahnung hatte, ob er in dieser Beziehung irgendeine Art von Marktwert besaß, „Aber ich schätze, ich bin kein Mann für nur eine Affäre ...“

Du vermisst die Paarung mit einem Weibchen

„So direkt hättest du das jetzt auch nicht in Worte fassen müssen“, er lachte verlegen, „Offengestanden manchmal ja, aber das ist doch ohnehin nicht alles ...“

Aber im Fernsehen …

„Fernsehen ist doch nicht die wirkliche Welt“, das hatte er dem Symbiont, der eine erstaunliche Vorliebe für Seifenopern entwickelt hatte, schon mehrfach zu erklären versucht – und doch, letztendlich ließ er ihm eben diese harmlose Schrulle, auch wenn es bedeutete, dass er selbst sich diesen Mist mit ansehen musste.

Aber warum hast du dann eben -?

„Weil ich auch nur ein Mann bin, in Ordnung?“, fuhr er ihn entnervt an, da er einfach keine Lust auf diese Diskussion hatte. „Und ja, manchmal ist mir Romantik völlig egal, dann will ich wirklich einfach nur -“

Schon gut. Tut mir leid … auch wenn ich nicht weiß, was Romantik ist

Er lachte. „Falls ich daran je Zweifel gehabt haben sollte, habe ich jetzt die Bestätigung, dass du eindeutig nur ein Mann sein kannst.“ Das hatte er sich tatsächlich schon gefragt, auch wenn er schätzte, dass es bei Symbionten ohne feste Form vermutlich so etwas Eindimensionales wie Geschlechter gar nicht gab.

Meinst du?

„Und … tut mir leid, dass ich dich eben so angeblafft habe. Ich bin einfach nur gestresst und gereizt“, murmelte er vor sich hin, lehnte sich gegen die kühlen Kacheln, ließ das Wasser einfach auf sich einregnen und versuchte einfach an an nichts zu denken.
Doch das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, zumal -

„Hm“, seufzte er, genoss die Berührung – und hielt dann erschrocken inne, da er sich recht sicher war, dass das nicht er selbst gewesen war, der seine Hand bewegt hatte.
„Was soll das?“, murmelte er halbherzig, erhielt jedoch keine Antwort. Vielmehr hatte er jetzt zusätzlich das Gefühl, dass jemand ihn im Arm halte, auch wenn das gar nicht sein konnte. Er brauchte gar nichts zu sehen, um zu ahnen, dass sein Oberkörper momentan vermutlich komplett von einer wohlbekannten, teerartigen, dunklen Substanz umhüllt sein musste.
Das sich das alles in Summe vielleicht seltsam, aber nicht unangenehm anfühlte, beschloss er die Augen geschlossen zu halten, die Situation einfach als das hinzunehmen, was sie war – auch wenn er nicht genau wusste, wo das hinführen sollte.

Er wusste, dass das letztendlich nur seine eigene Hand war – und doch fühlte es sich anders an, besser. Und zudem war da das in gewisser Weise seltsame, aber doch plötzlich auch reizvolle Bewusstsein, dass ihn jemand beobachtete und dass diesem jemand wohl eindeutig gefiel, was er sah.
„... hör nicht auf ...“, murmelte er, bedauerte dabei die Tatsache, dass das, so wie es sich für ihn anfühlte, vermutlich nicht lange dauern würde. Aber zumindest konnte er jede Sekunde davon genießen …

Auch wenn hinterher trotz dieses angenehm warmen Gefühls auch wieder Zweifel einsetzen, sowie ein gewisses Gefühl von Scham, da er sich nicht sicher war, was das, was eben ja, in gewisser Weise zwischen ihnen passiert war, zu bedeuten hatte.

Er wusste nicht einmal, wie er die Frage formulieren sollte …
„Warum -?“, begann er daher unsicher.

Weil ich dich möglicherweise sehr, sehr lieb haben könnte, glaube ich, auch wenn ich noch nicht herausgefunden habe, was das genau heißt.
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