Dunkle Nacht

von Harpye
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16
Hige Kiba
04.11.2018
04.11.2018
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Dunkelheit und Stille
So weit das Auge reicht.
Ein glatter, dennoch schräger Felsvorsprung direkt vor dir. Fast ähnelnd, wie graue, kalte Metallplatten.
Zwei Wölfe liegen dort, einer weiß, der andere braun.
Der Mond, riesig, wie eine große, helle, runde Scheibe. Aussehend wie milchfarbener, milder und cremiger Käse, der an einigen Stellen von schleichenden, kleinen Wolken blockiert wird, als würden sie seine Schönheit berauben und verstecken wollen. Wolken, so dunkel und kalt, wie die Nacht selbst.
Jedoch ist der Mond zu groß. Viel zu groß. Niemand kann es mit seiner Größe und Stärke aufnehmen.
Ja, wahrhaftig, der große Mond.
In der dunklen, mit Sternen am Himmel bereicherten, Nacht.

"Eine schöne Nacht, um zu sterben."

"Da hast du recht. Der Mond war noch nie größer. Als würde er uns in unser Elend Licht reichen und uns begleiten wollen.
Der große Mond."

Nun hob auch der weiße Wolf seinen Kopf an und tat es somit dem braunen Wolf gleich.
Ihre Augen glitzerten.
Die rehbraunen Augen des braunen Wolfes, die sonnengelben Augen des weißen Wolfes.

"Du klingst so optimistisch. Du weißt, dass wir sterben werden. Es wird keinen Ausweg geben.
 ...



 Denn schließlich..


 Konnten wir das Paradies nicht finden."

Der weiße Wolf senkte seinen Blick gen Boden. Der metallene Steinboden hegte keinerlei Interesse daran, die Reflexion des Mondes wider zu spiegeln.
Er weigerte sich.

"Natürlich!"

Der braune Wolf wagte nicht, sein erhobenes Haupt zu senken. Seine Augen hingen fast schon verhängnisvoll an dem Mond.

"Wir werden sterben. Das weiß ich. Aber etwas sagt mir, dass wir uns deswegen trotzdem nicht unterkriegen lassen sollen.

Etwas sagt mir... dass wir unser Ziel erreicht haben."

Seine Augenlider sanken leicht.

"Und damit meine ich...


Das Paradies."

Der weiße Wolf überdachte diese Worte. Er wusste, was sein Freund meinte.
Wahrscheinlich war es wirklich so.

Wahrscheinlich... hatten sie das Paradies gefunden.


Das Paradies... dass in ihrem Tod wartete.


So erhob der weiße Wolf erneut sein Antlitz und richtete sein Augenmerk auf den Mond und die dunkle Nacht.
Die Umgebung schien friedlich, würde man nicht die ganze Zeit zu Boden schauen.
Zu dem kalten, metallischen, verhängnisvollen Boden, der jegliche Lebenskraft und Hoffnung nur weiter in ihnen auszuschöpfen schien.

Aber.

Der Mond und die Nacht bewahrten sie.

Und solange sie in seine Richtung blicken würden.. solange würde er sie auch beschützen und ins Paradies führen.

Der Mond, der Eingang zum Paradies.

Der Mond, ein großes Licht in der strahlenden Dunkelheit.

"Du hast recht.. Hige..


 Du hast recht."

Ein rauer Ton begleitete den weißen Wolf, ehe er aus dem Augenwinkel ein kleines Zucken der Mundwinkel seines Freundes vernahm.

Bis dieser...


seelenruhig zu Boden glitt.
Seine Augen schloss.

Und schlief.

"Du hast recht, Hige. Ich kann es sehen. Das Paradis; es ist nicht mehr weit entfernt. Ich sehe...
 so viele weiße Blumen unter meinen Pfoten, grünes, weiches, saftiges Gras.
 Fröhliche Vögel, die in meine Ohren zwitschern.
 Blühende Büsche, Bäume, dessen Baumkronen hoch in den Himmelszelt reichen.
 Ein weiter Fluss mit meerblauem Wasser und schließlich...
 die dunkle Nacht mit ihren Sternen und dem großen Mond.
 Der Mond, der Eingang zum Paradies.
 
 Obwohl es Nacht ist...

 fühlt sich die Umgebung nicht kalt an.

 Nein.. es ist warm..

So warm; ich.. fühle mich geborgen."

Die Augenlider des weißen Wolfes sanken, ebenso sein Kopf, den er nicht mehr aufrecht halten konnte und nun zwischen seinen nassen Pfoten landete.

"Ja, Hige. Die Kälte, die uns vorher umgab.. ist verschwunden..

Ich fühle mich.. frei.. Hige..



Ich fühle mich...

wie im..


Paradies."


Er war so müde.

Er schlief ein, wie sein Freund.
Ja, sie waren so müde.
Viel zu müde für diese Welt, weshalb sie der Mond und die Nacht an einen anderen und besseren Ort geleitete.

Dort, wo sie frei sein und ihre Freunde wiedersehen konnten.





Sie waren alle tot.

Alle.
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