Die Magie eines ganzen Lebens

von Jo Jonson
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
04.11.2018
30.11.2018
7
20065
 
Alle
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
Kapitel Zwei

Abschied von meinem Leben


Die letzten zwei Monate hatte ich so intensiv gelebt wie nie zuvor. Ich hatte einfach alles noch einmal in mir aufsaugen wollen – die Schule, die Lehrer, mein Zuhause, meine Eltern und vor allem die Zeit mit Nadine, die mir so schmerzhaft wertvoll war. Ich wusste, dass der Preis für mein neues Leben der Abschied von meiner einzigen Freundin war. Zwar konnte Nadine gemein und brutal mit Worten werden, wenn es mal nicht nach ihrem Kopf ging, doch genauso hell war auch ihre gute Seite, die dafür sorgte, dass ich ihr nie lange böse sein konnte.
Es gab Sommer – wie diesen hier -, in denen wir praktisch jeden Tag zusammen verbracht hatten. Manchmal streiften wir durch die Wälder in unserem Dorf und träumten von einem aufregenden Leben voller Abenteuer. An anderen Tagen lagen wir stundenlang faul am See oder schwammen um die Wette. Es gab einfach nichts, was wir nicht teilten. So gab Nadine mir ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlen könnte, eine Schwester zu haben.
Was mich zu der Frage trieb, ob ich nicht wirklich Geschwister hatte. Irgendjemand meiner wahren Familie, der noch übrig war und mich in dieser fremden Welt über dem Ozean erwartete. Und genau diese Fragen waren es, die mich den Abschied nicht anzweifeln ließen. Ich konnte mich nicht weiter in Sicherheit wiegen und mit weniger begnügen, während ich wusste, was ich stattdessen vielleicht alles haben könnte. Und so wertvoll mir die Zeit mit Nadine und unsere Freundschaft auch erschienen, stellte ich mir in schwachen Momenten ab und an die Frage, ob wir uns nicht nur deshalb so verzweifelt aneinander klammerten, weil es niemanden sonst für uns gab.
Das heißt – doch, da hatte es mal jemanden gegeben. Doch das war inzwischen fast fünf Jahre her. Eine erschreckend lange Zeit für eine Fünfzehnjährige und für mich war diese Erinnerung damit nahezu so fern wie der Mond.
Ich spreche von einem Freund aus Kindertagen. Vielleicht eher ein Nachbar als ein Freund, doch ich glaube, wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht, bevor er in jenem Sommer überraschend umzog. Selbst die Erinnerung an seinen vollständigen Namen kam nicht sofort, aber sein Lachen habe ich nie vergessen. Oliver hatte immer eintausend große Pläne, hat jeden Tag nach etwas gesucht, für das er brennen kann. Ich weiß, wir haben viele Streifzüge durch die Wälder unternommen, wie ich es auch später mit Nadine noch tat. Aber das Gefühl, welches ich mit Oliver dabei hatte, konnte Nadine mir nie vermitteln. Sie hat sich in eine Fantasiewelt fallen gelassen, als ich ihr von Magie und Monstern im Unterholz erzählte. Doch mit Oliver hatte es sich stets so angefühlt, als wäre diese Magie Wirklichkeit. Kein Wunder also, dass ich gerade jetzt nach so langer Zeit mal wieder an ihn dachte.
Traurig fragte ich mich, wo er jetzt wohl war und was er tat. Sicher hatte er irgendwo eine Ausbildung begonnen. Doch irgendwie konnte ich ihn mir in keinem Job wirklich vorstellen. Plötzlich fragte ich mich, warum seine Familie damals eigentlich von hier fortgezogen ist und ob ich den Grund jemals gewusst und dann wieder vergessen hatte. Im Nachhinein erschien mir dieser Umzug genauso nebulös wie der blinde Fleck der Magie um mich, der sich erst nach fünfzehn Jahren vollständig zu lichten schien.
„Warum musst du eigentlich unbedingt von hier weg gehen?“, riss Nadine mich aus meinen Gedanken.
Hatte ich Oliver damals nicht dieselbe Frage gestellt? Warum hatte er sich nie bei mir gemeldet? Und warum kamen mir diese Gedanken erst jetzt? Vielleicht, weil ich mich seit damals zum ersten mal wieder einem schweren Abschied stellen musste. Nur war dieses Mal ich diejenige, die ging und so konnte ich Nadines Gefühle genau nachempfinden. Das tat mir Leid. Auch in Olivers Augen hatte sich damals viel Trauer gespiegelt. Plötzlich flammte der brennende Wunsch in mir auf, ich könnte ihn Einestages wiedersehen.
„Kim?“ Wieder rüttelte Nadine mich aus meinen Gedanken wach. Und sie hatte ja Recht! Die letzte Zeit, die uns zusammen blieb, sollte ich mit meinen Gedanken hier bei ihr sein.
Wir saßen auf der alten Mauer hinter dem Park nahe meines Zuhauses, bewaffnet mit einigen Crackern und einer Flasche Coca Cola. Es war ein heißer Sommertag und die Sommerferien schon in vollem Gange. Doch all die letzten Wochen hatte der Schatten des Bewusstseins über uns geschwebt, dass dies unser letzter gemeinsamer Sommer sein würde. Zwar stand in dem Brief, dass wir in den Sommerferien zu unseren Familien durften, weil Hogwarts dann geschlossen würde, doch ich hatte beschlossen, nicht zurückzukehren. Für mich war immer schon klar gewesen, sobald ich dieses Haus verließe, käme ich nie wieder zurück. Nicht, weil es mir hier nicht gut gegangen wäre. Doch ich musste zu mir selbst finden und im nächsten Sommer wäre ich beinahe siebzehn, was mir damals als fast erwachsen erschien. Ich musste meine Familie finden, ob sie nun noch lebte oder nicht. Irgendjemand von ihnen musste noch übrig sein, das spürte ich einfach. Und so sagte ich Nadine, was ich meinen Eltern verschwieg – wenn ich ihr auch nicht all meine Gedanken offenbarte.
„Ich habe dir doch schon erklärt, das ist eine einmalige Chance für mich.“, erwiderte ich jetzt und hoffte, dass sie nicht mehr so viele Fragen stellte, damit ich sie nicht noch mehr belügen musste.
„Aber warum auf einmal ein Opair-Job? Du hast nie ein Wort darüber verloren, dass du ins Ausland möchtest. Schon gar nicht nach Schottland.“
Da war was Wahres dran. Aber doch nur, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es in dieser Welt irgendwo einen Ort gäbe, an den ich gehören könnte. Und wer hätte schon mit einer Zauberschule in den Highlands rechnen können?
Über die letzten Wochen hatte ich mich langsam an den Gedanken gewöhnt, dass ich eine Hexe war, auch wenn ich es wohl erst so richtig glauben würde, wenn ich Resultate sah. Darum hatte ich mir den Brief und die seltsame Liste mit den Ausrüstungsgegenständen wieder und wieder durchgelesen.
„Hattest du das denn noch nie?“, sagte ich jetzt, in dem verzweifelten Versuch, mich ihr irgendwie verständlich zu machen. „Dass du erst wusstest, wie sehr du etwas willst, als es für dich greifbar wurde?“
Zu meiner großen Erleichterung nickte sie nach einigen Sekunden zögerlich, doch dann traten ihr dicke Tränen in die Augen. Entsetzt sah ich mit an, wie meine sonst so coole Freundin um mich zu weinen begann. Laut und herzerweichend, während sich ihre Schultern dabei hoben und senkten. Ich war völlig überfordert. Konnte sie nicht einfach wütend werden und mich anbrüllen, so wie sonst, wenn ihr etwas nicht passte? Verzweifelt versuchte ich, sie zu beruhigen. Doch egal, was ich tat oder sagte, sie weinte nur noch lauter, bis ich es schließlich aufgab und starr neben ihr saß und in stummer Qual wartete, bis ihre Tränenflut endlich versiegte.
„Wenigstens können wir telefonieren und uns schreiben.“, sagte sie dann, in einem kläglichen Versuch, sich selbst zu trösten.
Ich konnte nur nicken, weil ich es nicht übers Herz brachte, ihr zu widersprechen. In Wirklichkeit bezweifelte ich, dass in einer Zauberschule Handys funktionierten oder ich große Lust dazu hätte, Sms an Kontakte aus einem Leben zu schicken, in dem ich mich nie angekommen gefühlt habe.
Als wir uns am späten Nachmittag endlich von einander verabschiedet hatten, war ich unendlich erleichtert. Meine Koffer hatte ich vor Wochen – genauer gesagt gleich zu Beginn der Ferien – schon gepackt. Doch weil ich nichts zu tun hatte, sah ich alles noch einmal durch. Was brauchte man an einer Zauberschule? Ich hatte meine ganzen Schränke leergeräumt. Klamotten, Bücher, CDs, Bilder, Poster meiner Lieblingsband – einfach alles musste mit. Schließlich würden diese Dinge das einzige sein, was mir in dem neuen Leben vertraut war.
Als meine Mutter mich zum Abendessen rief, saß ich schon seit Stunden völlig hibbelig auf meinem Bett und starrte die weißen Flecken an meiner Tapete an, die zurückgeblieben waren, nachdem ich die Green Day-Poster entfernt hatte. Nun waren sie an der Wand – die weißen Flecken – und nicht mehr direkt in mir. Dieser Gedanke ließ mich Hoffnung schöpfen.
Beim Essen bekam ich keinen Bissen hinunter und reagierte auf jeden Gesprächsversuch meiner Eltern nur einsilbig, bis sie es aufgaben. Sie würden mich morgen zum Flughafen bringen und das wars dann. Was gab es da noch groß zu sagen? Ich fragte mich, ob ich so kalt war, weil es sich nicht um meine leiblichen Eltern handelte oder ob das einfach ein normaler Schutzmechanismus vor dem endgültigen Abschied war wie vorhin bei Nadine. Vermutlich war es irgendwie beides. Ich bin nie besonders gefühlsduselig oder empathisch gewesen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Welt um mich herum ginge mich nicht das Geringste an. So ließ ich nach zehn Minuten die Hälfte meines Abendsessens stehen und verließ wortlos den Tisch, dabei ließ ich mehr als nur mein Abendessen in der Küche zurück.

Die Nacht war wie erwartet lang und schlaflos verlaufen. Dementsprechend schäumte ich vor Enthusiasmus, als endlich der Morgen anbrach. Heute gab ich mir besonders viel Mühe mit Garderobe, Make-up und Frisur, ehe mein Vater das Gepäck ins Auto hievte. Ein letztes gemeinsames Frühstück lehnte ich mit den Worten ab, ich hätte keinen Hunger. Dabei knurrte mein Magen verdächtig laut. Aber lieber wollte ich den halben Tag hungern, als noch so ein krampfiges Beisammensein wie das vom Vorabend zu riskieren. Zudem drohte meine Mutter langsam, sentimental zu werden. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich dann und wann, wie sie ein Taschentuch zückte und sich die Augen betupfte. Dabei schimpfte sie immer wieder betont auf die Pollen, damit ich nicht auf die Idee kam, dass sie wegen mir weinte.
Doch natürlich tat sie das. Ich hasste es, wenn andere wegen mir weinten. Nicht, wenn ich gemein gewesen bin, das wäre okay und eine gerechte Strafe. Aber ich war dabei, zu einem neuen Leben aufzubrechen. Da wollte ich mich freuen können! Doch durch den Schmerz der anderen und ihre Tränen wollte mir das nicht so recht gelingen. Ich konnte es kaum erwarten, in den Flieger nach London zu kommen! Der Gedanke heiterte mich sofort auf. Meine erste Flugreise und dann auch noch ganz allein! Wie viele Dinge werde ich in den kommenden Monaten wohl noch zum ersten Mal tun?
Bevor ich das Gate am Flughafen betrat und mich meinen bedröppelt wirkenden Eltern zuwandte, bekam meine Freude noch einmal einen kräftigen Dämpfer. Als meine Mutter mich umarmte, drohte meine Mauer aus Kälte und Selbstschutz beinahe, in sich zusammen zu fallen. Aber nur beinahe. Schnell genug löste ich mich wieder von ihr, damit ich noch die Kraft dazu fand, mich meinem Vater zuzuwenden. Seine Umarmung war noch herzlicher, voller Liebe. Es bereitete mir körperlichen Schmerz, mich aus dieser Umarmung zu lösen. Was nun, wenn mich in dieser neuen Welt kein Mensch je wieder so lieben könnte wie diese beiden hier? Tat ich das Richtige?
Doch Zeit, um weiter über diese Frage nachzudenken, hatte ich nicht. Ohnehin hatte ich das Gefühl, dass mir keine andere Möglichkeit blieb. Ginge ich nicht, hätte ich mich sicher mein Leben lang gefragt: Was wäre wohl gewesen, wenn…?
„Melde dich, okay?“, sagte meine Mutter nun in eindringlichem Tonfall, während ihr eine wahre Sintflut aus Tränen über die Wangen lief. „Du weißt, wir waren noch nie so lange getrennt, Kim. Das wird nicht leicht für uns. Denk ein bisschen an deine alten Eltern, ja?“
Das sollte wohl der klägliche Versuch sein, witzig zu wirken. Ich tat ihr den Gefallen und lachte, ehe ich erwiderte: „Als könntet ihr zwei jemals alt werden. Ich vergesse euch doch nicht. Ihr seid meine Eltern.“
Das waren scheinbar genau die richtigen Worte, denn die Mienen der beiden hellten sich augenblicklich auf. Sie mussten nicht wissen, dass ich mit dem Herzen nicht bei meinen Worten war. Wie so oft. Ob ich das jemals sein kann?
Als ich mich von den beiden abwandte und ins Flugzeug stieg, konnte ich förmlich spüren, wie ich alle Hüllen von mir streifte und mir das erste Mal in meinem Leben erlaubte, ich selbst zu sein. Seufzend ließ ich mich in meinen Sitz sinken, stöpselte mir die Kopfhörer meines Ipods in die Ohren und schaltete den Rest der Welt um mich aus.

Als ich den Flughafen Heathrow verließ, goss es wie in Strömen. Ehe ich es schaffte, ein Taxi zu finden, das Platz für meine tausend Koffer hatte, war ich nass bis auf die Haut. Doch als ich im warmen Inneren des gelben Wagens saß und mich der Fahrer auf Englisch fragte, wohin ich wollte, wurde mir erstmals richtig bewusst, dass ich mich jetzt ganz allein in London befand. Wäre ich nicht so erschöpft von dem Flug gewesen und nicht so beladen, hätte ich vielleicht etwas Sightseeing betrieben. Doch der ergiebige Regen sowie meine Neugierde auf die magische Welt, ließen mich dem Fahrer sofort die Adresse mitteilen, die – so hieß es im Brief – mich zu den entsprechenden Läden führen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, wo es in London geheime Läden für Zauberer geben sollte. Im Untergrund? In den Kanälen der Stadt? Oder waren es verrauchte Hinterzimmer alter Pubs?
Als das Taxi hielt wurde mir klar, dass ich mit dem letzten Gedanken gar nicht so weit gefehlt hatte. Ich sah noch einmal auf die Adresse im Brief und dann aus dem Fenster des Wagens. Vor mir ragte ein heruntergekommener Pub aus dem Pflaster, der so wirkte, als hätte ihn seit Jahrhunderten niemand mehr betreten.
„Sind Sie sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte ich den Fahrer.
Der zuckte nur die Schultern. „Das ist die Adresse, die du mir genannt hast, Mädchen. Das macht dann dreißig Münzen für dich.“
„Richtig.“, murmelte ich und kramte mein mühsam angespartes Taschengeld hervor.
Ich musste wirklich sparsam sein, denn zusammen mit der kleinen Spende meiner Eltern würde ich mir bis Schuljahresbeginn gerade mal alle benötigten Utensilien und ein kleines Zimmer in einer Bruchbude leisten können. Na ja, für drei Tage sollte es reichen, dann ginge ohnehin mein Zug. Das Ticket dafür ist ebenfalls im Brief enthalten gewesen.
Als ich mein Gepäck durch die enge Tür des heruntergekommenen Pubs hievte, stellte ich zu meinem großen Überraschen fest, dass er sehr gut besucht war. Tatsächlich konnte ich keinen Platz ausmachen, der nicht besetzt war. Seltsame Leute waren es, die sich hier aufhielten und lautstark miteinander redeten. Manche trugen lange Umhänge, andere hatten Spitzhüte auf dem Kopf und wieder andere waren in Begleitung von großen Eulen. Ich starrte ungläubig umher, während ich mich durch den Schankraum schleppte und mich fragte, was ich als nächstes tun sollte. Einfach nach dem Weg zu den Zauberutensilien fragen? Unmöglich, das brachte ich selbst in dieser Gesellschaft nicht über mich, ohne Angst zu haben, dass man mich für verrückt erklärte. So stand ich eine Weile unschlüssig im Raum, bis ich unsanft von hinten angerempelt wurde. Sofort auf Krawall gebürstet, drehte ich mich um.
„Hups, tschuldigung. Ich hab dich nicht gesehen.“ Der rothaarige Junge war etwa in meinem Alter und mindestens so bepackt wie ich. Doch im Gegensatz zu mir, trug auch er einen seltsamen Umhang. Ob er auch…? Zu mehr Gedanken kam ich nicht, da reckte er mir schon seine Hand entgegen. „Ron Weasley. Du bist auf dem Weg nach Hogwarts, oder? Ich kann mich nicht erinnern, dich dort schon mal gesehen zu haben.“
Leicht überfordert über so viel Fremdenfreundlichkeit, legte ich meine Hand in seine und bekam einen kleinen Schlag. Schnell entzog ich sie ihm wieder und rieb sie unauffällig an meiner Hose, um mich zu entladen. „Kimberly… (ich weigerte mich, irgendjemandem aus meiner neuen Welt meinen Nachnamen zu nennen, der ja nicht einmal wirklich zu mir gehörte). Ich bin neu in Hogwarts.“
Neu?“ Er spähte mit unversteckter Neugier an mir herunter. Klar, mit meinen einszweiundsiebzig war ich ja nicht gerade klein. Vielleicht sogar so groß wie er. „Wie eine Erstklässlerin siehst du aber nicht aus, Mensch.“
„Bin ich auch nicht. Lange Geschichte.“, erwiderte ich knapp. Letzteres fügte ich rasch hinzu, ehe er weitere neugierige Fragen stellen konnte. Wir kannten uns schließlich nicht und jetzt war ich an der Reihe. „Ich kenne mich nicht sonderlich gut hier aus. Weißt du, wo ich mein ganzes Zauberzeug herkriege?“
Seine Augen wurden noch größer und er rief begeistert: „Du bist muggelstämmig, oder?“
Ich versuchte, mir meine Überraschung nicht anmerken zu lassen und tat so, als wüsste ich genau, wovon er redete, während ich mich fieberhaft fragte, was ihm das verraten haben könnte – was auch immer es ist. „Sieht so aus… also?“
„Oh, man! Dad wird ausflippen! Er liebt Muggel!“, sagte Ron und schob sich dann mit seinen Koffern an mir vorbei, ehe er über seine Schulter noch rief: „Folge mir einfach. Wir brauchen alle neue Sachen, du kannst uns gern begleiten!“
Ich wusste ehrlich gesagt nicht, ob ich froh über den Begleitschutz sein oder mir Sorgen über den ersten Teil seines Satzes machen sollte. Während ich hinter ihm her schlurfte (das Gepäck wurde scheinbar immer schwerer) fragte ich mich die ganze Zeit, was ein Muggel war und warum ich einer sein sollte, sodass ich nichts von der Umgebung mitbekam, bis wir durch einen alten Torbogen in eine mittelalterlich anmutende Straße einbogen, auf der das Leben nur so tobte.
Wie vom Donner gerührt blieb ich stehen und sah mit offenem Mund in eines der brechend vollen Schaufenster, in welchem Garnituren für Hexen ausgestellt waren. Es war also wahr. Ron grinste, scheinbar zufrieden darüber, dass mir doch etwas eine menschliche Reaktion entlocken konnte. „Willkommen in der Winkelgasse!“