I'm not inbetween

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Aomine Daiki Kise Ryōta
03.11.2018
20.08.2020
8
11.008
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
03.11.2018 922
 
Info: Mit Kise verbinde ich vieles. U.a. erinnert mich das Shipping mit ihm und Aomine an meine eigene Beziehung. Das Thema inter* ist ebenfalls ein sehr Persönliches (ich verbinde viel mit der Inter* aber auch der Trans Community). Die Geschichte wird nicht ganz so lang, ist aber ein Projekt, was mir am Herzen liegt.

„Gehst du?“, fragte mich einer meiner Teamkameraden. Ich nickte nur, nahm meine Tasche und verließ die Halle. Der Winter würde bald kommen, das spürte ich. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke höher. Was wohl meine Freunde machten? Behäbig schüttelte ich den Kopf. Wieder einmal kreisten meine Gedanken um ihn. Ich vermisste die Tage, in denen wir gemeinsam in einer Mannschaft gespielt hatten – sei es mit Taiga oder früher zu Mittelschulzeiten. Wir waren mehr gewesen als Freunde. Aber was sollte ich tun? Ich konnte ihn nicht an mich heran lassen. Nicht mit diesem Körper und jenem Geheimnis. Schon in der Kindheit hatte ich stets versucht es zu verbergen. Ja, ich schämte mich sogar und sehnte mich danach in jene Kategorie zu fallen, die gesellschaftlich als normal gilt. Doch das war ich nicht. Würde es auch nie sein. Obwohl?

Ich sah zum Himmel empor. Die Wolken verdeckten die Sicht auf die Sonne. Im Laufe der Jahre hatte ich eine Menge Menschen getroffen. Einige waren etwa Männer, die bei der Geburt, die weibliche Zuweisung erhielten und nun den Weg gingen, ihr eigentliches Selbst auch innerhalb unserer Gesellschaft leben zu können. Das Gleiche galt für Frauen, die fälschlicherweise die männliche Zuweisung erhalten hatten. Und dann gab es mich. Viele betiteln Menschen wie mich als Fehler oder Defekt. Etwas was man korrigieren müsse. Es schmerzte. Ja, es tat verdammt weh in so einer Welt zu leben! Die Bahn fuhr ein. Angesichts meiner trüben Gedanken hatte ich dies nicht einmal bemerkt. Männer, Frauen, Personen jeglichen Genders starrten mich an. Sie bewunderten mich. Aber was wussten sie schon? Alles was sie sahen, war ein hübsches, androgynes Gesicht. Den Körper, der unter meiner Kleidung lag, konnten sie nicht sehen. Damals war ich stets vorsichtig gewesen, was etwa Duschen anging. Ich war der Letzte, der die Kabine betreten hatte und achtete darauf, dass niemand mich sah. Nicht einmal er. „Daiki“, flüsterte ich. Ob er mich auch abwerten würde, wenn er die Wahrheit wüsste? Ich war sämtliche Szenarien durchgegangen. Alle führten zu meinem damaligen Schritt – Es zu beenden, bevor es ernst mit uns wurde.

„Warum? Denkst du nicht, dass du zu schnell aufgibst? Beim Basketball bist du doch nicht so, da kämpfst du bis zum bitteren Schluss“, hatte er mir nach geschrien. Es war das erste aber auch das einzige Mal, dass ich ihn so aufgebracht gesehen hatte. Sechs Monate waren seitdem vergangen. Ich studierte jetzt an einer renommierten Universität in Tokio. Da ich nebenbei modelte, konnte ich mir dies sowie eine eigene Unterkunft leisten. Einige um mich herum beneideten mich dafür. Um meine Einsamkeit? Was für Idioten sie waren! Ja, ich hatte Geld. Doch mit Geld allein, ließ sich nicht alles lösen. „Dann mach es doch wie ein trans Mann und lass dich angleichen“, hatte mir mal eine belanglose Affäre an den Kopf geworfen, nachdem ich ihn von mir abgestoßen und zurückgehalten hatte. Er wollte mir nicht glauben, bis er es sah. Wie ich diesen Moment doch bereute. Für den Kerl war ich nur ein Fetischobjekt. Wie ich später herausfand, suchte er nach Menschen wie mir oder trans Männern, die keinen Penoidaufbau* machen ließen. Wir waren Objekte für ihn. Nicht einmal mehr menschlich. Wenn es nach solchen Leuten ginge, müsste man uns ausstellen und täglich begutachten lassen. Angewidert verzog ich den Mund.

Meine Haltestelle wurde durchgesagt. Ich machte mich für den Ausstieg bereit. Bald wäre ich wieder in meiner drögen Wohnung. Dort fiel mir stets die Decke auf den Kopf. Ich warf mich aufs Bett. Mein Nachbar hatte die Musik so laut gestellt, das sie mir nahezu um die Ohren knallte! Lust, etwas zu sagen, hatte ich keine. Stattdessen quälte ich mich auf, ging ins Bad, wo ich mich endlich von meiner Kleidung befreite und unter die Dusche trat. Das Wasser prasselte über meinen Körper. Ein Körper, mit dem ich jetzt neunzehn Jahre lebte, der mich Tag für Tag an meine Grenzen brachte. Obwohl ich vermutete, dass dies durchaus ein gesellschaftliches Problem war. Würde man uns endlich als natürlich ansehen, würde man endlich aufhören uns in Normen zu pressen … Ja, dann würden sämtliche Maßnahmen mit einem Mal stoppen, die uns verletzten, uns etwas aufzwingen wollten, was wir gar nicht wollten. Ich wollte keine Operation, nur damit man mich anerkannte! Alles, was ich mir wünschte, war uneingeschränkt Ich sein zu können. Neben dem Wasser, rann etwas meine Wange hinunter, was ich erst nach einiger Zeit richtig wahrnehmen konnte – Tränen. „Du kleine Heulsuse“, tadelte ich mich selbst. Ich beeilte mich. Nach dem Duschen entschied ich mich dafür Netflix zu schauen. Was blieb mir sonst? Mein Handy zeigte einige Nachrichten an. Unter anderem von Kuroko, Taiga und Midorima. Sie sorgten sich um mein Befinden.

Ich log, das alles super sei. Immerhin lief mein Studium ja gut. „Was ist mit Daiki? Habt ihr geredet?“, wollte Kuroko wissen. Ihm war immer noch unbegreiflich weshalb ich den Kontakt abgebrochen hatte. „Nein. Ist besser so. Ich denke, dass er ohnehin genug um die Ohren hat“, war alles, was ich dazu zu sagen hatte. Ich legte mein Smartphone beiseite. Momentan wollte ich nicht näher darauf eingehen. Draußen hatte es begonnen zu regnen. Ich schielte zum Fenster und beobachtete den Niederschlag. Irgendwann sanken vor Müdigkeit meine Augen zu. Ein weiterer Tag endete. Ohne ihn.

*Penisaufbau