Close up with You

von Aneleh12
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P18
Kylo Ren Rey
03.11.2018
23.03.2019
21
36275
6
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9 – Heat

Ohne ein Wort zu sagen schob ich den Erst-Hilfe-Kasten, der noch von dem Tag davor auf dem Tisch stand, zu Kylo Ren.
„Warum tust du das?“, durchbrach Kylo die Stille.
War ja klar, dass er das fragen musste.
„Mach es einfach“, antwortete ich seufzend.
Ich wollte mich nicht damit auseinandersetzen, warum ich das tat.
Ungeduldig erwiderte Ren: „Meinst du nicht, du bist mir eine Antwort schuldig?“
Darauf sagte ich nichts, sondern stützte meinen Kopf in meine Hände und starrte auf den Tisch.
Aus dem Augenwinkel erkannte ich, dass Kylo mit den Schultern zuckte und dann den Erste-Hilfe-Kasten zu sich zog. Bevor er ihn öffnete, schaute er ihn sich ausdruckslos an. Aus dem offenen Kasten nahm er sich anschließend ein neues Pflaster, welches er auf den Tisch legte.
Dann schloss er den Kasten und zog sich sein Oberteil zur Hälfte aus.
„Wie fest hast du das Pflaster eigentlich geklebt?“, wollte er kopfschüttelnd nach ein paar Sekunden wissen.
Daraufhin wendete ich mich zu ihm und legte meinen Kopf schief. So schwer konnte es nicht sein, das Pflaster ab zu machen.
Trotzdem antwortete ich: „Eigentlich nicht fest.“
„Fühlt sich aber anders an!“
„Zeig mal her“, forderte ich, ohne zu überlegen was ich sagte, und stand auf.
Innerlich schlug ich mir mit der Hand auf die Stirn. Erst denken, dann reden!
„Wenn du genauso vorsichtig bist, wie als du mir die Fasern rausgezogen hast, gerne!“, antwortete er sarkastisch und zog eine Augenbraue hoch.
„Ich habe mich wirklich bemüht, vorsichtig zu sein!“, protestierte ich und verschränkte vor ihm die Arme.
„Wie du meinst“, willigte er ein, „aber beeil dich bitte. Es ist kalt!“
Nickend kniete ich mich vor ihn und versuchte eine Ecke von dem Pflaster von seiner Haut – die sich immer noch verdammt weich anfühlte – zu lösen.
Ich bemühte mich (so gut es eben ging), mich auf das zu konzentrieren, was ich tat und doch hutsche mein Blick über seinen nackten Bauch und Oberkörper.
Als könnte es nicht anders sein, beschleunigte sich mein Herzschlag und ich versuchte es so gut wie möglich, zu ignorieren.
Tatsächlich schaffte ich es, die linke obere Ecke von dem Pflaster zu lösen und teilte ihm das mit.
„Ohne mir wehzutu…“, wollte er sagen, kam aber nicht bis zum Ende, da er einen Schmerzensschrei unterdrückte.
Ich hatte ihm den Rest vom Pflaster in einem Ruck abgezogen.
„Vergiss was ich gesagt habe“, verbesserte er sich mit zusammen gebissenen Zähnen.
„Besser ‚kurz und schmerzlos‘, meinte ich, „als ‚Lang und schmerzvoll‘!“
„Ich würde sagen, dass war ‚kurz und schmerzvoll‘!“, stellte Kylo Ren fest und ich schaute nach oben.
„Stimmt.“
Dann richtete ich mich auf und legte das alte Pflaster neben das Neue, welches ich daraufhin nahm und mich wieder hinkniete.
Kurz schaute ich mir seine Wunde an und stellte dann fest: „Die Wunde sieht schon viel besser aus! Ich klebe trotzdem das Pflaster drauf.“
„Damit du es mir wieder ‚kurz und ‚schmerzlos‘‘ abziehen kannst?“
„Genau deshalb“, erwiderte ich lächelnd und schüttelte dann den Kopf, „nein!“
Gerade hatte ich das Abdeckpapier abgezogen, als Kylo meinte: „Irgendetwas sagt mir, dass ich um die Wunde rum rot bin.“
„Keine Ahnung, wie du darauf gekommen bist“, sagte ich ironisch und dann etwas ernster, „aber du bist da wirklich rot!“
Ren seufzte und mir tat es fast schon Leid, dass ich ihn nicht vorgewarnt hatte. Andererseits, hätte es dann bestimmt mehr wehgetan und deshalb sollte ich kein schlechtes Gewissen haben (was ich auch nicht hatte – nur ein bisschen).
Anschließend legte ich das Pflaster vorsichtig mittig auf die Wunde und drückte es am Rand fest.
Auch dieses Mal spürte ich seine zarte Haut unter meinen Händen und ich hielt unbewusst die Luft an.
Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, aber ich hatte das Gefühl, Kylos Atmung beschleunigte sich.
Ich hätte das lassen sollen – definitiv. Aber als sein Pflaster eigentlich schon fest war, strich ich mit meiner rechten Hand weiter an seiner linken Hüfte entlang.
Meine Fingerspitzen fingen an zu kribbeln und ich ließ meinen Blick nochmal über seinen Körper gleiten.
„Rey!“, riss mich Kylo zurück in die Gegenwart und klang dabei panisch.
Reflexartig zog ich meine Hand zurück und richtete mich hektisch auf.
Scheiße, was hatte ich getan? Wahrscheinlich fand er es sogar widerlich (was nicht jeder nach dem Kuss vermutet hätte). Apropos, was hier gerade passiert war, ging schon wieder in die falsche Richtung.
„Sorry, ich… ich… es tut… ich…“, stotterte ich und brachte keinen vernünftigen Satz raus.
Mein Puls war auf hundertachtzig.
Als ich mich schnell umdrehen und weggehen wollte, hielt mich Kylo Ren am linken Handgelenk fest und hinderte mich am Weggehen.
Irritiert und leicht ängstlich schaute ich ihn an, aber er hatte seinen Blick gesengt.
Dann schaute er doch noch nach oben und ich sah direkt in seine braunen Augen. Sein Blick war intensiver als sonst und ich war dabei mich in ihm zu verlieren.
Ich weiß nicht, ob es an seinem Blick lag, oder an der Tatsache, dass er vorsichtig mein Handgelenk losließ und dabei sanft über meine Handfläche strich, aber mein Herz setzte einen Schlag aus, bevor es in mindestens doppelter Geschwindigkeit weiterschlug.
Ich hatte das Gefühl, ich konnte mich nicht mehr bewegen – auch als er mich komplett losgelassen hatte.
Erst als Kylo langsam aufstand, realisierte ich, dass die Luft ziemlich heiß zwischen uns geworden war.
Ich wusste genau, dass wenn ich mich nicht weggedreht und weggerannt wäre, Kylo mich geküsst hätte und ich nicht die Kraft gehabt hätte, ihn von mir zu stoßen. Ich hätte das nicht mal mehr gewollt!
Okay, ich musste wieder einen klaren Kopf bekommen!
Mit einer viel zu schnellen Atmung blieb ich im Cockpit stehen und starrte aus dem Fenster. Mehr als die Schneeflocken, die wild durcheinander gewirbelt wurden, erkannte man nichts.
Erst als sich mein Herzschlag und meine Atmung wieder beruhigt hatten, setzte ich mich in den Pilotensessel und dachte an das, was gerade passiert war.
Was empfand ich für ihn, dass er es schaffte, mich so durcheinander zu bringen?
Und was empfand er für mich, dass er es überhaupt machte?
Natürlich schlich sich der Gedanke, dass das nur zu einem Plan gehörte, den er hatte, wieder in meinen Kopf. Andererseits passte das nicht zu ihm, dass er mit mir spielte, um etwas zu erreichen. Das konnte ich mir einfach nicht vorstellen.
Ich lehnte mich nach hinten und musste daran denken, wie es angefangen hatte. Viel zu auffällig hatte ich seine linke Seite berührt und mir kam in den Sinn, dass er es bestimmt nicht widerlich fand und sich seine Atmung tatsächlich beschleunigt hatte. Nach allem, was danach passiert war.
Mir wurde warm, verdammt warm und mein Herzschlag beschleunigte sich wieder.
Ich musste definitiv wieder einen klaren Kopf bekommen!
Hecktisch stand ich auf und atmete tief durch. Am liebsten wäre ich irgendwo hin gegangen, wo ich Kylo nicht begegnen konnte. Nur leider war das mit dem Schneesturm draußen nicht möglich.
Trotzdem verließ ich das Cockpit und lief durch die Gänge, am Schlafzimmer vorbei und zum Aufenthaltsraum.
Kylo Ren saß noch immer auf der Bank, hatte aber sein Shirt wieder richtig an und starrte gerade aus.
Als er mich bemerkt drehte er seinen Kopf zu mir und schaute mich an. Auf der Stelle drehte ich mich um und lief in die andere Richtung weg.
„Rey!“, rief er mir hinterher und ich hoffte, dass er mir nicht hinterherlief und zum Glück tat er es auch nicht.
Ich hatte keine Ahnung, was ich an dem Tag noch tun konnte (es war erst Mittag – ungefähr). An rausgehen war nicht zu denken, da der Sturm kein Ende zu nehmen schien. Im Falken war nichts mehr zu reparieren und mit Kylo Ren wollte ich definitiv nichts machen. Er brachte mich total aus dem Konzept.
Um wenigstens irgendetwas zu tun, überlegte ich mir, zu schauen wie weit das Lebenserhaltungssystem schon hochgefahren war. Nur leider musste ich da durch den Aufenthaltsraum gehen – in dem Ren saß. Also konnte ich das auch vergessen.
Ich seufzte und blieb bei der Tür zum Technikraum stehen.
Dort lehnte ich mich an die Wand und schaute in den Raum. Es sah ganz schön unordentlich aus und ich beschloss, ein bisschen aufzuräumen.
Die ausgebauten Teile des Sublichtantriebs sortierte ich neben die Tür vom dritten Laderaum. Das Werkzeug, welches ich gebraucht hatte, um die neuen Teile einzubauen, räumte ich in den Werkzeugkasten.
Dabei fiel mir ein Schraubenschlüssel auf meinen Fuß und ich fluchte leise vor Schmerz. Ich biss mir auf die Zunge. Hoffentlich hatte es Kylo nicht mitbekommen und kam, um mich zu fragen, ob alles okay war – was ich ihm sogar zutrauen würde.
Tatsächlich kam Kylo nicht.
Anschließend suchte ich im angrenzenden Landeraum nach einem Besen, um die verbrannten Kabel, die abgebrochen waren und auf dem Boden verstreut lagen, auf einen Haufen (direkt neben dem Hyperraumantrieb) zu fegen.
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