Close up with You

von Aneleh12
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P18
Kylo Ren Rey
03.11.2018
23.03.2019
21
36275
6
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POV Rey

7 – Freeze

Als ich an dem Schlitten vorbeikam, bückte ich mich kurz und nahm das Seil in die Hand, um ihn hinter mir herzuziehen. Dabei hatte ich mich umgedreht und gesehen, dass Kylo Ren mittlerweile auch aufgestanden war und mir hinterherlief.
Da ich gerade definitiv nicht neben ihm gehen wollte, beschleunigte ich meine Schritte und zog den Schlitten energisch hinter mir her.
Tatsächlich lief Kylo die ganz Zeit hinter mir und versuchte mich nicht einzuholen.
Mir war immer noch ziemlich warm und ich überlegte, ob ich meine Jacke aufmachen sollte. Bestimmt würde das aber nicht helfen, da es natürlich an dem lag, was gerade passiert war.
Noch immer kribbelten meine Lippen ein bisschen und ich bekam das Gefühl von seinen Lippen auf meinen nicht weg. Warum musste es sich auch so gut angefühlt haben?
Wieso hatte er es überhaupt getan? Warum musste er mich küssen?
Empfand er etwas für mich – was eigentlich keinen Sinn machte – oder war das Teil eines Plans, den er hatte?
Es passte irgendwie nicht zu ihm – nicht zu der Vorstellung, die ich von ihm hatte!
Bei Rens Kommandoshuttle wartete ich auf ihn und lehnte mich in der Zeit an sein Raumschiff. Als Kylo fast angekommen war, beschleunigte sich mein Herzschlag ein bisschen. Verdammt, was hatte er mit mir gemacht?
Schweigend öffnete Kylo Ren die Einstiegsrampe. Ich ließ den Schlitten los und folgte ihm ins Innere.
Im Technikraum baute er ein Teil vom Unterlichtantrieb aus und zusammen trugen wir es nach draußen.
Die ganze Zeit über hatten wir nicht miteinander geredet und ich hatte Kylo beobachtet. Nur half das nicht, um mich wieder zu entspannen und meinen Herzschlag zu beruhigen.
Auch als wir das Teil auf den Schlitten gelegt, er die Rampe geschlossen und das Seil vom Schlitten genommen hatte, unterhielten wir uns nicht.
Zuerst lief ich neben ihm, ließ mich dann aber nach hinten fallen, da ich die bedrückende Stille, die sich zwischen uns aufgebaut hatte, nicht mehr ertrug.
Warum konnte er nichts sagen? Irgendetwas, was erklären konnte, warum er mich geküsst hatte (oder ich musste sagen, warum ich den Kuss abgebrochen hatte).
Stimmt, was war eigentlich der Grund dafür gewesen, warum ich ihn von mir gestoßen hatte?
Klar, er war mein Erzfeind. So viel stand zu mindestens fest.
Aber es war nicht unangenehm gewesen oder widerlich. Ganz im Genenteil! Ich hatte es viel zu sehr genossen und wäre er nicht mein Feind, würde ich das Gefühl, dass er in mir ausgelöst hatte, jetzt schon vermissen.
Halt! Ich hätte schon längst damit aufhören sollen, mir darüber Gedanken zu machen. Ich bekam diesen Moment aber nicht mehr aus meinem Kopf. Egal wie sehr ich versuchte, nicht daran zu denken.
Ich hatte gar nicht gemerkt, wie wir am Millennium Falken angekommen waren. Erst als Kylo stehen geblieben war, realisierte ich es. Ich ging an ihm vorbei und öffnete die Einstiegsrampe.
Immer noch schweigend trugen wir das Teil vom Sublichtantrieb in den Technikraum und ich konnte es einbauen.
Die ganze Zeit merkte ich Rens Blick auf mir und ich spürte, dass er etwas sagen wollte. Aus irgendeinem Grund tat er es aber nicht.
Als ich fertig war und mich erhoben hatte, wollte ich aus dem Raum gehen. Ich brauchte ein bisschen Abstand von ihm, um meine Gedanken, die unsortiert zurückgekommen waren, zu sortieren.
„Rey?“, fragte Kylo vorsichtig, „Das eben, ich hätte es nicht tun dürf…“
„Ich gehe ein Teil vom Unterlichtantrieb von deinem Raumschiff holen“, unterbrach ich ihn harsch, „alleine!“
Kylo Ren folgte mir zögerlich noch ein paar Schritte, blieb dann aber stehen und ich verließ den Millennium Falken.
Den Schlitten hinter mir herziehend, machte ich mich auf den Weg.
Jetzt hatte Kylo endlich mal was sagen wollen, aber ich hatte ihn unterbrochen. Er sollte sich nicht bei mir entschuldigen, wonach es nämlich geklungen hatte.
Schließlich hatte ich den Kuss erwidert und ihn nicht von mir gestoßen – bevor er mich geküsst hatte. Am besten sollten wir beide das vergessen.
Langsam schaffte ich es, mich wieder zu sortieren und meine Gedanken in die richtige Reihenfolge zu bringen.
Beim Kommandoshuttle angekommen, ließ ich den Schlitten los und öffnete die Einstiegsrampe.
Dann stieg ich ein und ging in den Technikraum, um ein Teil des Sublichtantriebs auszubauen und auf den Schlitten zu tragen.
Das Teil alleine zu tragen, war schwerer als ich gedacht hatte und ich musste kurz tief durchatmen, bevor ich die Einstiegsrampe des Shuttles schloss und mich auf den Rückweg machte.
Je näher ich dem Falken kam, desto langsamer wurden meine Schritte. Mir war bewusst, dass Kylo und ich noch über den Kuss sprechen mussten.
Angekommen, öffnete ich die Rampe und trug als erstes das Teil vom Sublichtantrieb hoch, stellte es ab und holten dann den Schlitten rein.
Letzteres musste ich nicht unbedingt machen, ich wollte aber Zeit schinden.
Schnaubend legte ich den Schlitten ab. Ich musste einfach nur mit Kylo reden. Das war absolut kein Grund, Panik zu bekommen.
Als ich die Einstiegsrampe geschlossen hatte, hob ich das Stück vom Unterlichtantrieb hoch und trug es in Richtung des Technikraums.
Dort ließ ich das Teil ein bisschen zu früh los und es kam ziemlich laut auf dem Boden auf.
Kylo der sich an den Hyperraumantrieb gelehnt hatte, verschränkte seine Arme.
„Sowas kann auch kaputt gehen.“
„Ich weiß“, antwortete ich spitz und richtete mich auf, um meinen Rücken durchzudrücken (er tat ein bisschen weh).
Anschließend kniete mich hin und fing an das Teil einzubauen.
Als ich damit fertig war, stand ich wieder auf und drehte mich um.
Kylo Ren stand mittlerweile im Türrahmen. Wäre er dort nicht gestanden, wäre ich vermutlich wieder gegangen, um ein weiteres Teil des Unterlichtantriebes zu holen.
„Rey“, versuchte er es erneut, mit mir zu reden, „das vorhin, ich hätte es nicht tun dürfen! Es tut mir leid.“
Warum entschuldigte er sich für etwas, für das er sich nicht entschuldigen musste? Außerdem gefiel es mir nicht.
„Entschuldige dich bitte nicht dafür“, antwortete ich deshalb leise, „es war meine Schuld. Ich hätte den… Ich hätte den Kuss nicht erwidern dürfen!“
„Und wieso hast du es dann getan?“, wollte er dann wissen.
„Bitte Kylo“, flehte ich schon beinahe, „lass uns das einfach vergessen!“
Darauf bekam ich keine Antwort mehr. Stattdessen wendete sich Kylo Ren ab und ging durch den Hauptgang zur Einstiegsrampe.
Zögerlich folgte ich ihm. Wollte er alleine zu seinem Kommandoshuttle gehen oder nicht?
„Ich hole das nächste Teil!“, erklärte Ren, als er die Rampe öffnete und ich blieb stehen.
Er nahm den Schlitten in die Hand und ich drehte mich wieder um und lief unschlüssig in den Aufenthaltsraum.
Dort setzte ich mich auf die Bank und starrte gedankenverloren geradeaus. Die paar Sätze, die wir miteinander ausgetauscht hatten, hatten nicht wirklich etwas bewirkt.
Warum hatte ich ihn nicht einfach von mir gestoßen – bevor er mich küssen konnte? Oder warum war er nicht einfach selbst von mir runter gegangen?
Dann wäre jetzt alles wie davor und das wäre mir gerade angenehmer gewesen.
Andererseits hätte ich dann nicht erfahren, wie es sich anfühlt, seine Lippen auf meinen zu spüren und das wollte ich im Nachhinein nicht.
Wieso musste ich überhaupt mit ihm hier gestrandet sein?
Konnte es nicht irgendjemand vom Wiederstand sein (auch wenn das keinen Sinn machte)? Aber nein, es musste Kylo sein – mein Erzfeind.
Stopp! Eigentlich wollte ich doch das Geschehene vergessen.
Um mich abzulenken, stand ich wieder auf und lief ohne ein Ziel durch den Millennium Falken.
Schließlich stoppte ich unter der Dachluke und kletterte die Leiter hoch. Dann öffnete ich die Luke und ein bisschen Schnee rieselte in das Innere des Falken. Ich kletterte nach draußen, schob den Schnee ein bisschen auf die Seite und setzte mich aufs Dach.
Es war eiskalt und da ich die warme Kleidung wieder ausgezogen hatte, fror ich. Vielleicht half die Kälte um an nichts – vor allem nicht an Kylo – zu denken.
Tatsächlich war mir dann irgendwann so kalt, dass ich an nichts mehr denken konnte und ich fing an zu zittern.
Natürlich hätte ich auch wieder ins Innere des Falken gehen können, aber das wollte ich noch nicht.
„Was machst du da oben?“, erschrak mich plötzlich die Stimme von Kylo.
Ich schaute nach unten und antwortete mit halb erfrorener Stimme: „W… w… weiß n… nicht.“
Sicherlich war das gelogen, da ich wusste, warum ich in der Kälte saß.
„Komm wieder nach drinnen!“, forderte mich Kylo Ren auf, „Sonst erfrierst du noch.“
Ich befolgte seinen Vorschlag und ging rein. Dann schloss ich die Dachluke und kletterte die Leiter runter.
Dabei rutschte ich mehrmals beinahe ab, da ich mich kaum bewegen konnte.
Ich musste wirklich sehr lange draußen gesessen haben, aber jetzt hatte ich wenigstens wieder mehr Kontrolle über meine Gedanken.
Unten angekommen wollte ich ins Schlafzimmer gehen, um mir eine Decke zu holen, Kylo hielt mir aber bereits eine hin.
„Danke“, erklärte ich leise und nahm ihm die Decke ab.
Schnell legte ich sie mir um die Schultern und hielt sie vorne zusammen, in der Hoffnung, mir würde dadurch schneller wieder warm werden.
„Wärm dich erstmal auf! Ich geh noch ein Teil vom Unterlichtantrieb aus meinem Kommandoshuttle holen und du kannst später das Teil, dass ich mitgebracht habe, einbauen“, schlug mein Gegenüber vor, „und ich würde dir nicht empfehlen, nochmal ohne warme Kleidung raus zu gehen.“
„Nein, werde ich nicht“, versicherte ich ihm und ich hatte es auch wirklich nicht mehr vor.
Anschließend ging er wieder in Richtung der Einstiegsrampe und ich lief zitternd in den Aufenthaltsraum. Dort setzte ich mich auf die Bank und zog die Beine an meinen Körper.
Nur langsam wurde mir wieder etwas wärmer, aber so ganz warm wurde es mir nicht mehr, was vermutlich auch an dem Lebenserhaltungssystem lag, das im Energiesparmodus war.
Als ich nicht mehr fror, stand ich auf und ging in den Technikraum um das Teil vom Sublichtantrieb einzubauen. Dabei wurde mir sogar etwas wärmer, als ich damit aber fertig war, fing ich wieder an zu frieren.
Es hatte im Falken bestimmt schon unter fünfzehn Grad und ich hoffte, es würde nicht mehr kälter werden.
Also hängte ich mir wieder die Decke um die Schultern, die ich auf der Bank liegen gelassen hatte. Anstatt mich auf dies zu setzten, lief ich ein bisschen im Millennium Falken herum, damit ich nicht noch mehr fror.
Natürlich hätte ich mir auch die warme Kleidung anziehen können, nur würde mir dann vermutlich noch kälter werden, wenn ich nach draußen gegangen wäre.
Erst als ich Kylo im Technikraum begegnete, bemerkte ich, dass er wieder zurück war.
„Frierst du?“, fragte er mich, als er das Teil vom Unterlichtantrieb abstellte – leiser wie ich es getan hatte.
„Ein bisschen“, antwortete ich ehrlich.
Zum Glück war mir mit der Decke aber wieder wärmer geworden.
„Ich bau das Teil ein! Dabei wird einem wärmer“, erklärte ich ihm und ging an ihm vorbei.
Dann machte ich mich an die mittlerweile vertraute Arbeit, während sich Kylo Ren, wie schon so oft, an den Hyperraumantrieb lehnte.
Ich spürte mehr als sonst seinen Blick auf mir und das war irgendwie unangenehm. Wobei, unangenehm war auch nicht unbedingt das richtige Wort dafür. Es fiel mir halt deutlicher auf.
Nicht unbedingt mit Begeisterung musste ich feststellen, dass sich mein Herzschlag ein wenig beschleunigt hatte und es lag bestimmt nicht an der Arbeit, weil diese nicht unbedingt anstrengend war.
Konzentriert versuchte ich mich auf das zu fokussieren, was ich gerade Tat und fragte beiläufig: „Wird es draußen schon dunkel?“
Ich erhielt keine Antwort und fragte erneut die gleiche Frage.
Auch darauf bekam ich keine Antwort und drehte mich zu Ren um.
„Kylo?“, riss ich ihn aus seinen Gedanken und er schreckte hoch.
An was er wohl gedacht hatte?
„Was ist?“, entgegnete er schnell.
„Ich wollte wissen, ob es draußen schon dunkel wird!“
„Ja“, beantwortete er endlich meine Frage, „die Tage sind hier echt verdammt kurz!“
Daraufhin nickte ich und wendete mich wieder meiner Arbeit zu.
„Wieso frägst du?“, wollte er wissen und ich merkte, dass er lächelte, „Willst du mich etwa loswerden?“
„Nein!“, antwortete ich vielleicht ein bisschen zu schnell und fuhr deshalb fort, „Es ist nur so, wenn es noch hell wäre, könnte einer von uns nochmal rüber zu deinem Kommandoshuttle gehen und ein Teil vom Sublichtantrieb holen.“
Ich wurde immer schneller im Einbauen von Stücken vom Unterlichtantrieb und stand auf, als ich fertig war.
Eigentlich hatte ich Hunger und hätte echt gerne etwas gegessen – egal wie ekelhaft es schmeckte –, verzichtete aber darauf, da ich nicht wusste, wie lange wir hier noch festsitzen würden und das Essen auch nur begrenzt war.
Ziemlich verloren stand ich im Technikraum rum und bemerkte, dass wir schon fast die Hälfte der Teile vom Sublichtantrieb eingebaut hatte.
„Ich schlage vor, wir gehen schlafen und machen hier Morgen weiter“, lenkte Kylo meine Aufmerksamkeit auf sich.
Als ich als Antwort nickte, stieß er sich vom Hyperraum ab und ging aus dem Raum. Ich folgte ihm und legte mir wieder die Decke um die Schultern.
Im Schlafzimmer teilten wir die Decken, die auf dem mittleren Bett lagen, unter uns auf. Ihm schien in Zwischenzeit auch etwas kälter zu werden.
Dann legte ich mich zur Wand gedreht hin, zog meine Knie an meinen Bauch und rückte die Decken zurecht.
Ich konnte nicht einschlafen, da ich ziemlich fror und meine Gedanken zu der Person, die auf dem Bett gegenüber von meinem lag, wanderten.
Warum schmeckte ich immer noch seinen Geschmack auf meinen Lippen?
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