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Postkarte

OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P16
Jessica Davis Justin Foley
02.11.2018
02.11.2018
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Postkarte

"Kommst du mit rutschen Justin?"
Die dreijährige Cynthia Jensen lief brav an der Hand ihres großen Adopitvbruders und freute sich sehr darüber, dass er mit ihr den nahe gelegenen Spielplatz besuchen würde. Es war viel zu lange her, dass der 17 Jährige etwas mit der kleinen Jensen unternommen hatte. Die Therapiestunden, die Schule und der neue Freundeskreis, den Justin sich in den letzten Wochen nach dem Familienurlaub am Meer hielten ihn sehr auf Trapp. Deshalb hatte Justin sich diesen Nachmittag frei genommen, um mit dem jüngsten Mitglied der Familie etwas zu unternehmen - dass Cynthia sich darüber zu freuen schien war unübersehbar.
"Das schaffst du doch bestimmt auch alleine oder? Ich könnte ganz chillig auf einer Bank sitzen und dir zusehen", schlug Justin grinsend vor und bekam ein amüsiertes Lachen von seiner kleinen Schwester als Reaktion.
"Mit rutschen", wiederholte das kleine Mädchen ihren Vorschlag und Justin wusste jetzt schon, dass er sich später auf eine dieser verdammt engen Kinderrutschen quetschen würde, nur um dieses glückliche Strahlen in den Augen der jungen Jensen zu sehen.

So ein Schicksal blieb dem Schüler kurz nach dem erreichen des Spielplatzes dann doch erspart. Denn kaum waren sie vor dem Kleinkidnerbereich angekommen, hatte Cynthia zwei Freundinnen aus der Vorschule entdeckt und spielte mit ihnen. Von daher war es dem Teenager möglich, sich auf einer Bank in der Nähe niederzulassen, sein Handy hervor zu holen und die Nachrichten zu kontrollieren.
"Gott Clay, sehe ich aus wie ein verantwortungsloser Mensch?", fragte Justin sich, als er drei Nachrichten von Clay bekommen hatte, in denen der Jensen wissen wollte, ob er und Cynthia gut angekommen waren, ob sie ihre Jacke zu hatte und ob er nicht irgendwelchen Girls hinterher sehen würde. Was dachte Clay bitte von ihm? Justin war auf dem Weg ein anderen Mensch zu werden und Tia war ihm wichtig, sie schien ihn wirklich zu brauchen und was für Justin noch wichtiger war, die Dreijährige vertraute ihm. Genauso sehr wie es Clay, Lainie und Matt taten - und der dunkelhaarige wollte dieses Vertrauen nicht ausnutzen, geschweige denn einen von den vieren enttäuschen.

Eine Weile beobachtete er das kleine Blondhaarige Mädchen, wie es mit ihren Freundinnen Fangen spielte, bevor Justin realisierte, dass neben ihm auf dem freien Platz der Bank eine Postkarte lag. Anhand des Logos konnte er sofort erkennen, wer der Besitzer war. So war es Justin doch vor so langer Zeit derjenige, der sie abgeschickt hatte.
An seine Nancy.

"Hey Justin"

Es schmerzte unheimlich ihre leise, verletzte Stimme zu hören. So nah und so voller Schmerz. Das letze mal, dass die beiden sich gesehen hatten war auf dem Ball in der Schule. Sie hatten angefangen sich zu küssen, sich anzufassen und schließlich hatten beide die Ruhe der Umkleidekabinen genutzt, um sich den Gefühlen hinzugeben. Er hatte sie seit langem wieder in ihrer ganzen Schönheit gesehen. Doch was wollte Jessica nun hier? Sie sahen sich in der Schule, hielten sich vielmehr voneinander fern und wussten nicht wie sie miteinander umzugehen hatten.

"Was willst du hier Jessica?"

Seine Stimme klang etwas kühler, als das es Justins Absicht gewesen war. Er verstand nicht warum sie die Postkarte neben ihn gelegt hatte und ihn nun ansprach. Was war ihr Ziel? Was wollte die Teenagerin erreichen?

"Ich habe über das nachgedacht - über das was auf dem Ball passiert ist und Jus ich..."

Justin schnitt ihr das Wort ab, indem er nach der Postkarte griff, sich zur jüngeren herumdrehte, ihr diese reichte und dabei versuchte, nicht in ihren Augen zu versinken.

Jessica nahm die Postkarte vorsichtig an, steckte sie in ihre Handtasche und ihre wunderschönen Augen spiegelten so viel Schmerz, Sehnsucht,Angst und Unsicherheit wieder. Sie hatte so viel durchgemacht und wenn ihr eines in der letzten Zeit klar geworden ist, dann war es folgende Sache - ihre Gefühle für Justin waren stärker denn je.

"Was willst du hier? Musst du nicht bei deinem Boyfriend sein?"

Es war kein Geheimnis dass Jess einige Zeit vor dem Ball angefangen hatte, Alex Standall zu daten - erneut. Wie war das noch einmal mit, ein Buch brauchst du kein zweites mal zu wissen, wenn du weist, wie es ausgehen wird? War Justin eifersüchtig auf die beiden? Vielleicht. Vielleicht wollte er Jessica´s Nähe spüren, seinen Arm beschützend um sie legen, sie vor all dem Bullshit in der Welt schützen - er hatte schon einmal versagt und sie war durch die Hölle gegangen. Das sollte kein zweites mal passieren. Nein es würde kein zweites mal geben. Er wollte seine Gefühle, die tiefe Zuneigung und Sehnsucht für Jessica nicht erneut aufblühen lassen, nur um mit einem gebrochenem Herzen auf den harten Boden der Realität zu landen. Sie war mit Alex zusammen und der Sohn eines Polizei Chefs konnte ihr so viel mehr bieten, als dass Justin es je könnte.

Jessica lies sich nicht von den Worten ihres Ex Freundes beirren, sie setzte sich auf den freien Platz auf der Bank, wollte nach den richtigen Worten suchen und ihm erklären, was es mit ihr und Alex auf sich hatte. Sie waren beide allein, hatten eine grauenvolle Zeit durchgestanden, viel Scheiße durchgemacht und füreinander da gewesen - aber wenn Jessica bei ihm....es war alles so anders. Auch wenn sie es verleugnet hatte, war kein Tag vergangen, wo sie nicht an ihren ´Sid´ gedacht hatte. Kein einziger.

"Alex und ich - wir wissen beide das es nichts langfristiges sein könnte. Ich habe die Postkarte aufbewahrt, weil ich immer noch die Hoffnung hatte, dass du eines Tages zurückkommen wirst. Justin ich kann nicht ohne dich leben"

Er konnte den Schmerz in ihren rehbraunen Augen sehen. Am liebsten hätte Justin die jüngere in eine Umarmung gezogen, seine Hand in ihrem vollen, glänzendem Haar vergraben und ihr gestanden, dass er genauso fühlte. Aber nein das war falsch - er würde Alex nicht die Freundin ausspannen. Er hatte ja schon als Freund versagt - warum wollte sie ihm eine weitere Chance geben? Er war doch zu nichts fähig außer Enttäuschung in jedermans Leben zu bringen.

Seine Gefühle jedoch sahen es anders. Sie gerieten in einen Zwiespalt zu der sich entwickelnden Freundschaft und der Sehnsucht nach Jessica. Justin atmete einmal tief durch, versuchte seine Gedanken und Emotionen zu ordnen.

"Du bist mir verdammt wichtig Jess, aber ich will dich nicht verletzen....nicht schon wider. Können wir vielleicht, bevor wir etwas überstürzen, abwarten und nicht noch mehr Probleme schaffen?"
Seine blauen Auge funkelten seine Ex Freundin bittend an, er wollte wirklich versuchen ein guter, ein besserer Mensch zu werden und wenn das nun rauskommen würde, das zwischen den beiden etwas läuft, würde Alex ihn umbringen.

Jessica verstand worauf Justin hinaus wollte, griff nach seiner Hand um sie verständnisvoll zu drücken, ehe sie ihm ein freundliches Lächeln schenkte.
"Das fände ich gut, sehr gut Jus"
Das ehrliche Lächeln und die Tatsache, dass ihre Hand auch nach geschlagenen Zehn Sekunden noch auf seiner lag, lies ein schönes Gefühl in Justin hervor steigen. Er schenkte ihr ein etwas bemühtes Lächeln.

"Cynthia und ich wollten nachher Eis essen gehen - vielleicht haben die anderen Lust zu kommen, du darfst uns gerne Gesellschaft leisten Jess - Alex natürlich auch wenn er kommen möchte", schlug Justin vor, tippte schon einen Vorschlag in die Whatsapp Gruppe und bekam einige Minuten später Antworten von den anderen, das es eine coole Idee wäre.
"Eiscreme soll bei vielem helfen - vielleicht auch für einen Neuanfang", sagte Jessica und das erste mal seit Wochen, nein seit Monaten konnte Justin in den braunen Augen der Frau, die er so sehr liebte etwas wie Freude erkennen - und das machte ihn glücklich.

Vielleicht war es genau das was sie alle brauchten. Ein Neuanfang der mit einer Postkarte beginnen würde - und enden würde mit einem großen Eisbecher.


ENDE
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