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Silberphönix

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Het
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Neville Longbottom OC (Own Character)
01.11.2018
23.07.2021
24
33.910
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22.07.2021 1.309
 
Mit unverhohlener Verwunderung musterte er ihr Gesicht, konnte aber keine Anzeichen dafür entdecken, dass sie ihn zum Narren hielt. Sie meinte es ernst. Sie wusste nicht was ihm leid tat.
Das wiederum brachte ihn in die quälende Situation tatsächlich darüber reden zu müssen.
Luna schien ihm anzusehen, dass er mit sich kämpfte: „Wenn du dich nicht unterhalten möchtest, können wir auch einfach zusammen spazieren gehen. Es braucht nicht immer Worte.“
Irgendetwas in Draco genügte das nicht. Etwas in ihm wollte keine Ruhe geben. Als wollte er sich leiden sehen, als hätte er keine Nachsicht verdient und Lunas Vergeben-und-vergessen Mentalität auch nicht. Sie alle sollten ihn doch eigentlich hassen, warum taten sie es dann nicht, wenn er es doch so verdient hatte?
„Nein, ich will“, er seufzte schwer, ohne den Blick vom Wald Pfad zu heben, „ich muss einfach darüber reden. Es lässt mir keine Ruhe. Es tut mir leid, was die in unserem Anwesen passiert ist. Dass meine Familie dich gefangen gehalten hat. Ich wusste nicht, was ich hätte für dich tun können, ich wurde ja selbst…“
„Hör auf damit“, schnitt sie ihm leise das Wort ab.
Draco bemerkte an ihrer leisen, ruhigen Stimme, wie sehr er sich in Rage geredet hatte. Permanent hatte er das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, dabei war dies die denkbar schlechteste aller Entschuldigungen, nämlich gar keine. Musste er sich denn immer wieder zwanghaft in solche Situationen bringen, die andere gegen ihn aufbrachten? Was stimmte nicht mit ihm?
„Ich weiß, dass du nichts dafürkannst. Du bist dafür nicht verantwortlich für passiert ist. Außerdem ist doch am Ende alles ganz gut verlaufen, oder nicht? Es hat sich schlussendlich alles so gefügt, dass wir heil aus der Sache gekommen sind. Da hast du einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen. Zerbrich dir bitte nicht weiter den Kopf darüber. Du quälst dich nur selbst.“
„Ich habe das Gefühl es verdient zu haben.“
„Das solltest du nicht.“
„Wie kannst du dir da so sicher sein?“
Draco taxierte sie mit festem Blick.
„Wir sind alle nur Gefangene unserer Umstände. Du hast jederzeit in bestem Wissen gehandelt. Jetzt zurückzuschauen und alte Situationen mit neuem Wissen anders zu bewerten ist dir selbst unfair gegenüber. Würdest du andere so behandeln, wie du dich selbst behandelst?“
Nicht mehr – dessen war er sich sicher.
Er behielt die Antwort für sich und schwieg bis sie an einer kleinen Waldlichtung angekommen waren. Die Wesen dort waren eine schaurige Abart der geflügelten Wesen, mit denen die Schüler der französischen Mädchenschule damals für das trimagische Turnier angereist waren.
Mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination beobachtete Draco die Tiere.
„Wenn du sie sehen kannst, bedeutet das, dass du den Tod gesehen hast. Für alle, deren Seele frei von diesem Mal ist, sind sie unsichtbar.“, erklärte Luna und hielt ihm ein Stück rohes Fleisch entgegen. Mechanisch nahm er es ihr aus der Hand, war aber unsicher, wie er es ihnen anbieten sollte.
Luna machte es ihm vor und warf ein Stück vorsichtig etwas näher an die Theastrale heran. Als Draco es ihr gleichtat, bemerkte sie: „Sie sind heute etwas scheu. Normalerweise kommen sie sofort und nehmen das Fleisch gern an.“
Mit Grausen beobachtete er, wie sie völlig unbedarft auf die fledermausartigen Geschöpfe zusteuerte. Draco wollte sie zurückrufen, aber es imponierte ihm, dass sie so genau zu wissen schien, wie sie die Thestrale einschätzen konnte.
Kurz darauf erschloss sich auch ihm ihr Verhalten. Vor einigen Jahren verbrachte er seine Sommerferien in Frankreich und da stellte er fest, dass Pferde unheimlich neugierig waren. Er machte sich oft einen Spaß daraus im Boden zu scharren und darauf zu warten, dass die Pferde auf ihn zu getrabt kamen und ihm anschließend über die Schulter schauten.
Hier war es nicht anders. Die Thestrale scharrten und schoben sich gegenseitig weg. Der Boden war schon ganz aufgeworfen, aber nur punktuell. Wenn Pferde übermütig über eine Koppel trabten, waren die Spuren mehr oder weniger gleichmäßig verteilt. Ohne es zu bemerken, hatte Draco zu Luna aufgeschlossen. Gemeinsam beobachteten sie das eigenartige Verhalten, als sie beide aus ihren Gedanken gerissen wurden.
„Hey Luna, lang nich´mehr gesehn!“, polterte Hagrid, „Na wen haste denn da mitgebracht?“
Es war Draco unbegreiflich, wie dieser Halbriese so unbemerkt durchs Unterholz hatte anschleichen können. Hinter ihm knackte und rumpelte es dafür umso lauter.
„Ah, Malfoy. Hallo!“, grüßte er ihn verhalten und ein Schatten des Wiedererkennens huschte über sein Gesicht. Verkniffen nickte er Hagrid zu.
„Wie geht es dir und Grawp?“, fragte Luna mit ehrlichem Interesse.
„Gutgut, er macht sich prächtig und hilft überall mit. Ich glaub´es macht ihm Spaß zu helfen.“, erklärte er und drehte sich zu dem Riesen um, der soeben über eine Mauer gestiegen war. Bemerkenswert vorsichtig schwang er einen Korb von seinem Rücken und setzte ihn vor sich auf den Boden. Offenbar erwartete auch Hagrid, dass die Thestrale sofort auf ihn zugerannt kamen, was leider nicht der Fall war.
„Was issn hier los?“, nuschelte er und strich sich über seinen Bart.
„Sie benehmen sich merkwürdig, nicht wahr?“, bestätigte Luna.
Resolut stapfte Hagrid auf seine Schützlinge zu und schob sie sanft auseinander.
Nun war er es, der mit ihnen in der aufgeworfenen Erde scharrte. Begeistert trabten die Tiere wieder auf ihn zu und wühlten mit neuem Elan im Boden neben ihm. Grawp tappte unruhig von einem Bein auf das andere. „Hagger!“, brüllte er unwirsch.
Hagrid irgnorierte ihn, als Draco diesmal doch etwas auffiel.
Er kniete nieder und versuchte die Luft zu ertasten.
„Da ist irgendetwas. Eine Art Nebelschwaden.“
Luna keuchte auf und eilte näher: „Da! Ich habe es auch gesehen! An einem Umhang!“
Draco wandte sich um und untersuchte sie Stelle neben sich. Nichts zu sehen.
Hagrid kniete sich mit einem Bein auf dem Boden und legte beide Hände auf die feuchte Erde: „Seid ihr euch sicher? Ich seh hier nix!“
„HAAAGGEEEER! WEG DA“, brüllte Grwap erneut, diesmal wild gestikulierend und Hagrid fluchte. „Ja, ist gut! Gleich!“
Ein Paar Minuten verharrten sie in dieser Position, aber es geschah nichts. Die Theastrale wurden ruhiger und verteilten sich wieder auf ihrer Koppel.
Stöhnend erhob sich Hagrid wieder und gesellte sich zu seinem ungeduldigen Bruder: „Nagut, dann geht mal besser wieder zurück ins Schloss. Wird bald dunkel. Bis bald!“
Luna winkte ihm stumm und zog Draco sanft am Ärmel zurück in Richtung des Waldweges.
Sie brach das Schweigen, als sie bereits fast wieder Hogwarts erreicht hatten.
„Sei nachsichtiger mit dir selbst. Du bist so streng zu dir. Wir haben alle nur knapp eine Katastrophe überlebt, aber du scheinst dir keine Zeit zu geben, um selbst zu heilen. Damit tutst du dir keinen Gefallen.“
Er nickte stumm. Da hatte sie wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Er hatte das Bedürfnis andere über sich selbst zu stellen, sich um alles und jeden zu sorgen, aber was ihm passiert war, konnte er nicht so recht verarbeiten.
Draco legte den Kopf in den Nacken und betrachtete die aufziehenden Sturmwolken.
Hatte Harry ihm nicht mehrfach die Hand gereicht? Am Ende war es immer Draco, der flüchtete, aber warum denn eigentlich? Er bat um Vergebung, nahm aber den Frieden nicht an.
Konnte es so ein hartes Stück Arbeit sein, Dinge ruhen zu lassen und eine Feindschaft zu begraben?
„Du hast recht. Danke für das Gespräch. Du hast mir da ein paar Dinge gezeigt, die ich selbst nicht sehen konnte.“, murmelte er, ohne sie anzusehen.
„Immer gern. Gibt dir nur etwas Zeit. Ich bin sicher, es wird sich alles fügen. Gute Nacht!“
Hüpfend verschwand sie im Innenhof.
Draco schlenderte langsam über den Vorplatz des Eingangs hin zur großen Halle. Aus dem Augenwinkel sah er eine größere Gruppe an Schülern von den Treppen her auf sich zukommen.
Er fasste sich ein Herz und schaute den Gryffindors fest in die Augen. Harry, Hermine, Ron, Neville und Ginny.
Er nickte grüßend und bestimmt. Diemal ohne die lähmende Unsicherheit und begab sich zu den Slytherintischen. Es würde gut werden. Da war er sicher. Bald.
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