Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

#8456w

von Saruna
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Elijah Kamski Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
01.11.2018
23.11.2018
6
18.395
5
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
23.11.2018 3.462
 
Datum
16.08.2040
Uhrzeit
17:26 Uhr


Hank


„Sir, es tut mir leid. Wir können Sie nicht hereinlassen.“, versuchte mir die Sekretärin seit Stunden verzweifelt zu erklären, aber für mich waren alle Worte belanglos. Ich wollte nur eine Sache und das war Connor ein letztes mal sehen. Vielmehr, ich wollte ihn mitnehmen. Die Sekretärin hatte schwarzes kurzes Haar und meinte ich könnte ohne einen Termin nicht zu Kamski gelangen. Sie hatte seltsame weiße Baumwollhandschuhe an. Die Dinger habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen...
Baumwolle war ein kostbarer Rohstoff geworden, da er wegen des zunehmenden Klimawandels schlechter anzubauen war. Diese Frau konnte es sich anscheinend leisten.

„Sagen Sie mir sofort wo Connor ist! Auf welcher Etage befindet er sich??“, brüllte ich.

„Diese Information ist vertraulich,weshalb ich Ihnen keine weitere Auskunft geben kann.“, ratterte sie ihren Satz herunter, als ob sie ihn schon etliche male benutzt hat, um Störfriede wie mich abzuwimmeln. Aber ich werde nicht nachgeben, bis ich Connor gesehen habe.

„Ich bin vom DPD, Sie können mich nicht aufhalten.“, ich zeigte ihr meine Marke und erschrocken sog sie die Luft ein.

„E-einen Moment bitte.“, hastig schob sie sich in ihrem Drehstuhl zum Computer und tippte mit ihrem Finger auf dem Bildschirm herum. Danach stand sie auf und drehte sich kurz zu mir und warf mir einen unsicheren Blick zu.

„Mr. Kamski ist gerade beschäftigt. Er könnte Sie erst in einer Stunde empfangen.“, doch ihr Versuch mich zu verscheuchen ist gescheitert. Ich setzte ein falsches Lächeln auf und bedankte mich für ihre Kooperation. In Wahrheit hatte ich aber andere Pläne, als wie ein begossener Pudel im Regen zu warten. Als sie sich weggedreht hatte, konnte ich einen Blick auf den Computer erhaschen. Kurz war zu sehen auf welcher Etage sich Kamski momentan befand und diese Information würde ich gnadenlos ausnutzen, um den Wichser eins auszuwischen.
Ich ging unauffällig in Richtung Treppenhaus, das sich gleich um die Ecke befand und schaute nach rechts und links. Es war niemand zu sehen und die blöden Wachen waren eher damit beschäftigt den Fahrstuhl zu bewachen, als eine Nottreppe. Die Tür konnte manuell geöffnet werden und war auch nicht abgeschlossen. Kamski hielt sich im Keller auf dem Untergeschoss -15 auf. Es könnte dauern, bis ich ankomme, aber der scheiß Bonze konnte sich auf etwas gefasst machen. Ich werde die Wahrheit schon aus ihm heraus prügeln und wenn es das letzte ist, was ich tue.
Nach ungefähr zehn Stufen ging mir die Puste aus, obwohl es nur nach unten ging. Trotzdem war ich noch viel zu erschöpft, wegen der ganzen Sachen, die passiert sind.
Endlich kam ich an und schnappte gierig nach Luft, denn der Sauerstoff kam mir hier wie begrenzt vor. Vielleicht sollte ich weniger Trinken und Sport treiben wie früher in meinen jungen Jahren, als Cole und meine Ex-Frau noch bei mir waren. Nach seinem Tod ist die Ehe schnell in die Brüche gegangen, so wie immer, wenn ein Ehepaar ein Kind verliert.
Eine Tür aus Metall mit der Aufschrift „-15“ war direkt vor mir, doch sie war von innen verschlossen und besaß nur einen Türknauf auf meiner Seite. Der richtige Türhenkel war bestimmt auf der anderen Seite gewesen, aber ich hatte keine Zeit um weiter nachzudenken. Meine schlimmsten Fantasien gingen mit mir durch und ich stellte mir vor wie diese Schweine an seinem Leichnam rumspielten. Um die grausamen Gedanken loszuwerden, schüttelte ich den Kopf und atmete tief durch. Die Tür war so glatt poliert, dass ich mich darin widerspiegelte und erkannte, dass ich noch viel schlimmer aussah, als ich dachte. Ich hatte noch das T-Shirt und die kurze Shorts von gestern an und sah aus wie ein Berserker, kein Wunder, dass die Sekretärin mich nicht durchließ. Mit neu gesammelten Mut klopfte ich heftig gegen die Metalltür. Trotz des massigen Aussehens, gab die Tür ein klein wenig nach und ich erkannte, dass sie nicht so breit und dick war, wie ich annahm. Allerdings regte sich nichts auf der anderen Seite, weshalb ich mich dazu entschloss „ein klein wenig nachzuhelfen“.

1
2
3

BAM!

Mit einem geübten Tritt ließ die Tür nach und ich ging in Kampfstellung. Ich ließ meine Augen durch den Raum schwenken und sah einem verdutzen Paar müder Augen entgegen. Das Augenpaar gehörte zu Elijah Kamski und statt eines eleganten Anzuges oder sonstigem Schnickschnack, hielt der Millionär eine Art Schraubenschlüssel in der Hand, trug Latexhandschuhe und einen Kittel auf dem jede Menge schwarzes und blaues Thirium war. Der ganze Raum war in einer türkisen Farbe angehaucht und erinnerte an einen alten OP-Saal, doch die ganzen Maschinen deuteten auf etwas völlig anderes hin. Der Tisch mit dem verlängerten Greifarm stand in der Mitte des Raumes und daneben mehrere Tische mit Monitoren und weiterem Werkzeug. An den Wänden hingen Röntgenbilder von Androiden und am anderen Ende sah man die verschlossenen Türe des Aufzuges. Erst beim genaueren Hinsehen sah ich das einige Spritzer des schwarzen und blauen Thiriums auf dem Boden und am Fußende des Tisches stand eine riesige Maschine mit blauen Thirium darin.
Das Blut gefror mir in den Adern, als ich Connor auf dem Tisch entdeckte. Er war bis auf eine Boxershorts nackt und mit einigen Kabeln an die Maschine angeschlossen.

„Es ist nicht das, wonach es aussieht.“, seufzte Kamski und wusste wohl, was in meinem Inneren gerade passierte. Wut entbrannt rann ich auf ihn zu und packte ihn ans Handgelenk, um ihn von Connor wegzureißen. Ihm entfuhr ein überraschtes Keuchen und anschließend fiel er unsanft zu Boden – mit seinem Hintern voran. Geschieht dem Arschloch recht.

„Connor, was haben sie mit dir gemacht??“, rief ich entsetzt, wissend, dass keine Antwort kommen würde. Seine Bauchdecke war geöffnet und mehrere Kabel und andere künstliche Organe waren zu sehen. Nur sein Kopf war mit dieser menschenähnlichen Haut überzogen, der Rest war schneeweiß. Auch seine LED war farblos und rotierte nicht wie sonst in diesem ruhigen Blau oder dem gefährlichen Rot. Meine Lippen zitterten vor Wut und ich musste mich am Tisch abstützen.

„Eigentlich versuche ich ihm gerade das Leben zu retten.“, beklagte sich der Teufel höchstpersönlich.

Warte, was?

„Er hat uns eine Botschaft kurz vor dem Shutdown zugesandt. Wir konnten seinen Gedächtnispalast erfolgreich auf einen unserer Server hochladen.“

„Reden Sie Klartext, ich verstehe kein verdammtes Wort!“, fauchte ich ihn an, doch ihm machte es nichts aus. Er stand auf und reckte sich. Sein Gesicht verzog sich zu einer Fratze und er stemmte die Hände in den Rücken. Mit einem lauten Knacksen seufzte er wohlig auf und nahm sich die Frechheit heraus ein paar Schritte auf uns zuzugehen.

„Gehen Sie keinen Schritt weiter!“, warnte ich ihn. Defensiv hielt er seine Hände hoch.

„Ganz ruhig. Ich wollte damit sagen, dass Connor am Leben ist. Nur sein Körper ist es nicht.“, fing er von vorne an.

„Was?“, mir wich das Blut aus dem Gesicht und mein Herz setzte einen Schlag aus. Das ganze Adrenalin, was sich in mir angestaut hatte, verließ mich und mir wurde schwindelig. Kamski holte einen Stuhl, der die ganze Zeit in der Ecke stand und stellte ihn neben der großen Maschine am Fußende hin. Er schob mich zum Stuhl hin und ich ließ mich darauf fallen und bedeckte mit meinem Arm meine Augen, unfähig die Situation zu realisieren.

„Ich habe bereits alle beschädigten Biokomponenten repariert. Einige mussten komplett ausgetauscht werden. Ich wäre fast fertig geworden, wenn Sie mich nicht unterbrochen hätten.“, ein kaltes Lächeln schlich sich auf seine Lippen und wieder einmal verfluchte ich dieses Genie. Meine Arme ließ ich schlaff neben mir hängen.

„Es verstößt gegen die Richtlinien neue Androiden zu bauen.“, fuhr er fort.

„Was?! Aber...warum tun Sie es dann?“, erstaunt über diesen Gesetzesbruch, den Kamski gerade begann, fiel mir die Kinnlade herunter. Nach einem leisen Lachen fing er sich schnell wieder.

„Aber aber, ich baue keinen neuen Androiden zusammen. Ich repariere lediglich einen defekten. Der Austausch einzelner Ersatzteile ist doch wohl erlaubt, oder?“, ich klappte meinen Mund wieder zu und verstand, was sich dieser raffinierte Penner dabei gedacht hat, um dem Gesetz zu entgehen.
Die wahre Absicht des Gesetzes ist, dass Androiden so wie Menschen sterblich sind und nach ihrer Deaktivierung für immer ruhen, aber so verstoßt niemand gegen das Gesetz und die Firma kann nicht angeklagt werden. Kamski ging zurück zum Tisch und werkelte weiter an Connor's Körper herum. Währenddessen erzählte er mir, was bisher geschah.

„Nachdem mir Mr. Combs die Hülle gebracht hat, habe ich mir es selbst zur Aufgabe gemacht den Körper wiederherzustellen. Das Gerinnsel hat wie eine Thrombose beim Menschen zu eine Art Herzinfarkt geführt und damit den Stillstand der Thiriumzirkulation bewirkt.“

Nachdenklich nickte ich und hörte weiterhin zu.

„Die Thirum-Dialyse hat die meisten Abfallprodukte aus dem Thirum entfernen können.“

„Die was?“

„Man kann es auch als Blutwäsche bezeichnen. Ich habe das Gift aus seinem Thirium gefiltert.“, er legte den Schraubenzieher zur Seite und verschloss einige Kabel, die lose in Connor herumhingen. Sein Herz war nicht mehr schwarz, sondern dunkelblau gewesen. Kamski folgte meinem Blick und sah es ebenfalls.

„Das synthetische Herz der Androiden ist viel stärker als das menschliche. Ich musste es austauschen, aber eine Abstoßung ist ausgeschlossen. Das neue Herz ist kompatibel. Die Thirium-Dialyse hat die meisten Gerinnsel gelöst. Es fehlt nur noch eine Sache.“, er ließ eine dramatische Pause entstehen und genervt stand ich auf.

„Und das wäre?“

„Ein neuer Thirumpumpenregulator. Die Biokomponente #8456w.“, beendete er seinen Satz.

„Wenn das Ding fehlt, wie kann das dann möglich sein?“, ich zeigte auf das schwach schlagende Herz von Connor.

„Ich habe ihn an eine provisorische Maschine geschlossen, um die fehlende Komponente nachzuempfinden. Für die Dialyse brauche ich so etwas ähnliches wie eine Zirkulation.“, er bewegte sich langsam auf ein weißes Regal zu, das drei Schubladen besaß.

„Warum ist er dann nicht wach?“, theoretisch gesehen müsste doch seine LED leuchten, wenn alles funktioniert.

„Wie gesagt, sein Bewusstsein hat den Körper verlassen. Dieser Android vor Ihnen ist nur eine leere Hülle, bis wir ihn an unseren Server anschließen.“, er holte ein kleines Stück schwarzes Plastik hervor und warf es mir zu. Meine Reflexe waren schneller als ich gewesen und schon lag es in meiner Hand. Ich öffnete sie und sah, dass es ein neuwertiger Regulator war, der keinerlei Schäden besaß.

„Soll ich das verdammte Ding einsetzen oder was? Sie sind doch der Experte!“, beschwerte ich mich. Mit einem hinterhältigen Grinsen stahl sich Kamski davon, indem er den Tisch umrundete und am Armaturenbrett des Tisches Platz nahm. Mithilfe eines kleinen schwarzen Joysticks bediente er den Greifarm und er fing an in einer schnellen Bewegung sämtliche Kabel – auch das von der Dialysemaschine - zu entfernen.

„Hey! Ich dachte die Dinger halten sein Herz am Schlagen?!“, rief ich ihm empört zu. Er machte sich nichts aus meiner Bemerkung und fing an eine neue Bauchdecke mit einem präzisen Laserstrahl an den Oberkörper zu schweißen. Ich hielt mir die Hand vor meine Augen, weil mich der Strahl blendete, aber Kamski war den Anblick wahrscheinlich gewöhnt. Als das rote Leuchten versiegte, nahm ich die Hand herunter und blickte auf das Ergebnis. Connor sah wie neu aus und nichts außer dem wenigen schwarzen Thirum auf dem Boden und dem Tisch deutete darauf hin, was wir beide durchgemacht hatten. Allerdings legte sich die menschliche Haut nicht über den Oberkörper, was mich verwirrte.

„Na dann. Wollen wir Connor doch wieder in die Realität zurückholen.“, geradezu euphorisch streifte er sich die Latexhandschuhe von den Händen und warf sowohl sie als auch den Kittel auf den Boden. Er schloss eine kleine schwarze Box an seinen Computer und ich vermutete, dass sich Connor darin aufhielt. Mehr konnte ich mir unter einem Server nicht vorstellen. Er zog ein Kabel hervor, das mit dem Computer verbunden war und befahl mir das schwarze Ding einzusetzen.
Ich vertraute ihm immer noch nicht, aber er war der einzige, der Connor wiederbeleben konnte.
Ich zögerte trotzdem.

„Ich verbinde den Server gleich mit dem Anschluss im Nacken. Setzen Sie bitte den Thiriumpumpenregulator ein.“, sagte er monoton. Brummend hob ich den Regulator hoch, um ihn noch einmal zu betrachten. Er schien in Ordnung zu sein, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Das Loch klaffte wie eine saubere Wunde, doch es kam diesmal kein Blut heraus. Es war ohne den Regulator nicht möglich gewesen für einen Androiden zu leben und das habe ich in den letzten Tagen mehr als nur verstanden. Als ich versuchte das Ding einzusetzen, zitterte meine Hand so stark, dass ich fluchend inne hielt und mich durchringen musste endlich stillzuhalten, sonst könnte ich den wahrscheinlich letzten Regulator für sein Modell kaputt machen, so wie alles andere auch. Hätte ich ihn damals im Stratford Tower nicht alleine den Abweichler befragen lassen, hätte ich es vielleicht verhindern können. Meine größte Angst war aber...

„Lieutenant Anderson? Wir wollen Ihren Partner doch nicht länger warten lassen, oder?“, Kamski schmunzelte bei dieser Aussage und ich hätte dem scheiß Millionär dafür eine reinhauen müssen. Er war schadenfroh und verbarg es nicht einmal. Vorsichtig legte ich den Regulator in das Loch ein und als es einrastete, zuckte ich zusammen. Denn genau im selben Moment fing der Regulator an bläulich zu leuchten und das Herz zu schlagen. Schwach, aber es war zu sehen, denn die weiße Haut war etwas transparent und das blaue Herz unübersehbar. Das Schlagen wurde immer stärker und regelmäßiger.

„Drehen Sie ihn auf die Seite. Ich muss an seinen Nacken.“, und ich packte Connor an den Oberarm, um ihn auf meine Seite zu ziehen. Er wog nicht viel, also war das keine Schwierigkeit gewesen. Er drückte an einen Punkt seines Nackens und plötzlich öffnete sich der Nacken wie ein CD-Laufwerk eines Laptops, bloß mit dem Unterschied, dass es mehrere USB-Ports freigab. Ohne zu Zögern steckte er das Kabel in die Mitte und der Monitor zeigte eine Prozentzahl an. Es fing bei Null an und erreichte in wenigen Sekunden bereits 90%.

„Ich muss Sie warnen. Ich befürchte, dass sein Speicher beschädigt ist.“, unterbrach Kamski die Stille.

„Was meinen Sie da-“, doch weiter kam ich nicht, denn der Monitor zeigte 100% an und gespannt wartete ich auf irgendeine Regung von Connor.



Es tat sich selbst nach 30 Sekunden nichts und der ach so tolle Erfinder der Androiden zuckte nur mit den Schultern und zog das Kabel aus dem Port heraus, woraufhin sich der Nacken verschloss.
Ich ließ seinen Körper langsam auf den Rücken fallen und meine Augen huschten zwischen seinem Gesicht und seinem Herz hin und her.

„Connor?“, fast schon verzweifelt nannte ich den Androiden vor mir beim Namen, aber es kam keine Reaktion.

„Connor, verarsch mich jetzt nicht. Mach die Augen auf oder irgendetwas.“, flehte ich ihn an. Zum hundertsten mal an diesem Tag stiegen mir Tränen hoch, als sich meine schlimmste Angst befürwortete. Ich musste mich erneut auf den Tisch abstützen, um den Halt nicht zu verlieren. Kamski zeigte keinerlei Gefühlsregung in seinem Gesicht, hob seufzend seine Sachen vom Boden auf und räumte seelenruhig alle seine Werkzeuge beiseite. Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft mich über seine Gleichgültigkeit aufzuregen.

„Meinetwegen kannst du...“, ich spürte wie die warmen Tränen meine Wangen entlang rannten und genau auf den Regulator fielen, „...einen klugscheißerischen Spruch aus dem Internet aufsagen, aber sag etwas!“

Unerwartet registrierte ich ein Blinken in meinem Augenwinkel. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und drehte meinen Kopf zur Seite.
Da! Ein Leuchten! Es ist schwach und rötlich, aber es ist vorhanden!
Seine LED rotierte tatsächlich rot!

„Connor!“, stieß ich einen Freudenschrei aus, als eben Angesprochener seine Augen öffnete und erst einmal blinzeln musste. Zuerst wirkte er starr, doch dann manifestierte sich so etwas wie Leben in seinen Augen und die Pupillen verengten sich. Er setzte sich auf und ließ seinen Blick im Raum schweifen, als wenn er auf der Suche nach etwas war.

„Mein Gott, jag mir doch nicht so eine scheiß Angst ein!“, ich zog ihn in eine Umarmung und klopfte ihm fest auf den Rücken.

„Lieutenant? Was..?“, verdutzt ließ er die Umarmung zu und legte zögerlich seine Arme auf meinen Rücken. Kamski hielt sich im Hintergrund auf und kicherte. Er wusste die ganze Zeit, dass der Reboot eine Weile dauerte. Dieser verflixte Mistkerl.

„Wie ist das möglich?“, fragte Connor und ich könnte ihn für immer umarmen. Ich bemerkte, dass ich mich zu sehr von meinen Gefühlen mitreißen ließ und löste die Umarmung verlegen auf.

„Connor, führen Sie ein Systemcheck durch und überprüfen Sie alle Biokomponenten.“, kommandierte Kamski Connor herum. Seine LED sprang auf gelb um und seine Augenlider flatterten kurz. Danach wurde sie blau und er sagte in einer seltsamen Stimme, die sehr an eine Maschine erinnerte:

„Schäden am Speicher festgestellt, empfehle Reset.“, Connor schüttelte den Kopf und fing sich wieder. Er war wohl genauso darüber überrascht wie ich gewesen.

„An was erinnerst du dich noch, Junge?“, und innerlich bangte ich um ihn. Meine größte Angst war, dass er nicht mehr derselbe Connor war und sich wieder wie eine Maschine verhält, aber er konnte sich an mich erinnern.

„Ich stelle einige Schäden an meinem Speicher fest. Ich besitze keinerlei Aufzeichnung über meinen Aufenthalt vor meiner Deaktivierung.“, informierte er uns über seinen Zustand. Erleichtert atmete ich aus und ließ mich auf den Stuhl fallen.

„Irgendwann bringst du mich noch um, Junge..“, scherzte ich ironisch und konnte nicht verhindern zu lachen.

„Habe ich irgendetwas verpasst?“, Connor legte seinen Kopf schief. Wie immer, wenn er etwas nicht verstand und ich winkte lediglich ab.

„Ich bin froh, dass du wieder unter den Lebenden weilst.“, ich schenkte ihm ein aufrichtiges Lächeln und schloss erschöpft meine Augen. Dabei ließ ich mich tiefer in den Stuhl sinken.




*******************************


Datum
27.08.2040
Uhrzeit
00:35 Uhr



Connor


Seit meiner Reparatur war eine gewisse Zeit vergangen - um genauer zu sein elf Tage. Mein Speicher wurde beschädigt, weshalb ich nicht mehr auf alle Daten des 15. und 16. August zurückgreifen konnte. Hank hatte das ganze als einen bösen Albtraum abgewunken und sagte ich wäre „besser dran, wenn ich mich nicht erinnern würde“. Ich folgte seinem Rat und beschäftigte mich nicht weiter mit meinem angeblichen Shutdown. Kamski klärte mich über die Ursache des Defekts auf und hatte den neuen Regulator verbessert, um solche Ereignisse zukünftig zu vermeiden, wofür ich ihn dankbar war. Mittlerweile nahm ich die Arbeit beim DPD wieder auf und Normalität ist in unseren Alltag zurückgekehrt.

„Schon irgendwelche Informationen zu unserem Opfer?“, wandte sich Hank an mich.

„Meine Analyse ergab, dass es sich bei dem Opfer um Ian Wakefield handelt. Er ist am 21. März 2019 geboren worden und circa heute um 3 Uhr den 27. August verstorben.“, trug ich die Informationen zusammen, die ich bisher gesammelt hatte. Hank kniete sich hin und betrachtete die Einstichstelle. Insgesamt waren es zwei gewesen. Der Verstorbene hatte außer seinen Eltern und wenigen Bekannten keine weitere menschliche Beziehung. Allerdings wären wir diesem Fall nicht zugeteilt worden, wenn nicht mindestens ein Android in dem Mordfall verwickelt wäre.
Auf einmal musste Hank lachen.

„Lieutenant, worüber lachen Sie?“

„Sei nicht so förmlich. Du musst mich auf der Arbeit nicht siezen, wie oft noch!“, beschwerte sich Hank. Normalerweise duzte ich ihn nur im privaten Umfeld.

„Entschuldigung, Lieutenant.“

„Mir kommt es so vor, als wenn das mit deinem Dingsda nie passiert wäre.“, lächelte er.

„Ich stimme dem zu.“, nun musste auch ich anfangen zu lächeln. Eine Weile lächelten wir vor uns hin, bis Detective Reed das Absperrband passierte und den Tatort betrat.

„Ich wusste ja immer, dass ihr scheiß Blechbüchsen eine sadistische Ader habt, aber dass sogar der alte Säufer sich über eine Leiche freut ist einfach nur gruselig.“, war Reed's abfälliger Kommentar.
Hank räusperte sich und rollte mit seinen Augen. Ich ließ seine Behauptung kommentarlos stehen und konzentrierte mich wieder auf unsere Arbeit, doch ich wusste, dass Hank und ich dasselbe dachten.

Nach der Ermittlung fuhren wir nach Hause und Sumo begrüßte uns mit einem freudigen Schwanzwedeln und der Ältere holte sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, um sich dann auf den Stuhl in der Küche zu setzen. Ich setzte mich zu ihm und führte wie immer nach der Arbeit meinen Systemcheck durch. Meine LED rotierte kurz gelb und schon erschienen die Ergebnisse auf meinem Interface. Doch mein Interesse galt nur einem.

#8456w funktionsfähig

„Ich gehe schlafen. Kommst du gleich nach?“, gähnte Hank. Ich musste schmunzeln.

„Connor?“

„Ja, ich komme. Alles in bester Ordnung.“










Damit endet die Geschichte auch. Eher kurz, aber so gesehen ist es meine zweite, also habt Nachsicht mit mir. Ich bedanke mich für alle, die diese Geschichte favorisiert haben und sogar eine Empfehlung ausgesprochen haben. Vor allem möchte ich denen danken, die eine Review hinterlassen haben und bin immer noch offen für Kritik. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich hoffentlich wenigstens die Mehrheit von euch gut unterhalten konnte und es mir großen Spaß gemacht hat daran zu arbeiten. Je nachdem, ob ich wieder Zeit finde, könnte ich mir vorstellen eine weitere zu veröffentlichen. ^^

Danke, dass ihr bis hier hin gelesen habt.

Eure Saruna! :D








Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast