Kennen wir uns?

von Rosanila
OneshotAllgemein / P12 Slash
James "Flint" McGraw John Silver
01.11.2018
01.11.2018
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Flint drehte sich um, als Billy und Gates John hereinbrachten. >>Das ist er<<, sagte Billy voller Verachtung. >>Er ist der Dieb!<< Gates seufzte. >>Es sind doch immer die neuen Köche…<<, murmelte er. Der Dunkelhaarige starrte ihn an. >>Das is‘ schon öfter vorgekommen?<< >>Du elender-<<, begann Billy und wollte nach ihm schlagen, doch der Koch duckte sich flink unter ihm weg. Dabei flogen seine dichten schwarzen Locken hin und her und James hatte ein schreckliches Deja-Vu-Gefühl.
Vom Regen nasse, dunkle Locken, die hin und her flogen, als die Soldaten hinter ihrem Besitzer her rannten. Ein junger Mann, der sich nach ihnen umsah und dann auf ein Hausdach kletterte. >>Stoppt den Dieb!<<, schrie einer der anderen Soldaten. James nahm sein Gewehr zur Hand. In letzter Zeit wurden selbst die kleinsten Verbrechen schlimm bestraft. Vermutlich war es besser für den Dieb, so zu sterben, als vor einer wütenden Menge hängen zu müssen.
>>Captain?<<, holte Gates ihn ins Hier und Jetzt zurück. >>Was machen wir jetzt?<< >>Die Karte ist in seinem Kopf<<, knurrte Billy wütend. >>Wir könn‘ ihn also nicht töten! Was machen wir stattdessen?<< Flint seufzte. >>Ähhm… sperrt ihn am besten einmal ein<< >>Wartet, wartet!<<, sagte John und hob die Hände, als Billy zu seiner Waffe griff. >>Ich denke, wir können uns eine Alternative dafür einfallen lassen, nicht?<<, sagte John entwaffnend. Billy wollte erneut nach ihm schlagen, doch Gates schritt ein. >>Randall braucht Hilfe- er kann das doch machen, oder?<< Sie blickten alle zu ihm. >>Klar doch<<, meinte Flint. >>Behaltet ihn nur im Auge, zur Sicherheit, ja?<<
Er schoss.
>>Warte!<<, rief Flint, als Gates und Billy schon den Raum verlassen hatten. >>John, richtig?<< >>Ja…<< >>Was ist das an deiner Schulter?<< >>Was ist was?<< John stand im Raum, wie bestellt und nicht abgeholt. >>Du ziehst die rechte Schulter unmerklich runter, wenn du läufst. Es schränkt dich nicht ein, aber…<<
Der Dieb schrie, vermutlich eher vor Schreck als vor Schmerz, und fiel vom Dach. >>Los!<<, rief James.
>>…du scheinst verletzt gewesen zu sein. Was ist passiert?<< John schien verwirrt. >>Äh… es ist so… vor einigen Jahren in London wurde ich verletzt bei… einem Unfall…<< >>Du wurdest nicht… angeschossen?<< John krauste die Stirn. >>Woher wisst Ihr das?<< Flints Atem ging schneller. Er schwitzte. Der Koch erkannte ihn nicht- immerhin. Es hatte ja auch nichts bedeutet, für keinen von ihnen… >>Nur… geraten. Und jetzt raus!<< John war noch immer verwirrt. >>Wie bitte?<< >>Los! Raus!<< Flint griff nach seiner Pistole und John flüchtete.
>>Helft mir<< Der junge Mann lag mit seltsam verdrehter rechter Schulter am Boden. Sie war nicht nur gebrochen- die Kugel steckte in ihr. James kniete sich neben ihn. Gerade öffnete er den Mund um seine Kameraden zu rufen, als der Mann sagte: >>Ich bitte Euch! Ich wollte nur etwas Brot nehmen, der Bäcker ist ein reicher Mann, er hätte es nicht vermisst, ich brauchte es jedoch!<< Erst jetzt bemerkte James die baren, dreckigen Füße des Mannes und die abgewetzte Hose und das alte Hemd. Sein Haar war fettig, ungewaschen. >>Es war keine Bosheit! Nur… nur…<< Er suchte anscheinend das richtige Wort, wurde jedoch nicht fündig. >>…Hunger?<<, fragte James und bekam urplötzlich Mitleid. Er kannte nicht das Gefühl des puren Hungers, der Verzweiflung, von dem der Dunkelhaarige offensichtlich ergriffen worden war, aber er wusste, was es hieß, nicht zu wissen, wie es weiterging. Und wenn die Geschäfte seines Vaters damals den Bach runtergegangen wären, wie man eine Weile gefürchtet hatte, könnte er jetzt hier liegen, voller Schmerz, Kälte, Hunger. Aber wer war dieser Mann?
>>Wer bist du, John Silver?<<, fragte Flint und untersuchte die kleine Tasche, die der Koch erhalten hatte und die unter seiner Hängematte lag. >>Wer bist du?<< Er fand ein Messer (wie hatte Billy das übersehen können?), etwas Geld, einen Kanten hartes Brot und- eine goldene Taschenuhr. Sie war winzig und nicht viel wert, es war nur goldene Farbe, kein echtes, aber sie bestand aus Metall- ein armer Mann könnte von dem Erlös den der Pfandleiher für sie vergab, bestimmt eine Weile leben. Aber er hatte sie nicht verkauft. Er hatte sie behalten. Flint stöhnte, als er sich erinnerte.
James legte den stöhnenden Mann auf sein Bett und untersuchte ihn. Jeder Soldat der Royal Navy beherrschte die Grundlagen der Medizin- so schwer würde es schon nicht werden, sein Leben zu retten. Er nahm ein Messer und eine Zange und nahm sich Kugel in der Schulter an. >>Ahhh!<< Der Dunkelhaarige schrie. >>Ja, ja, es wird schon, keine Sorge!<< Was hatte ihn nur geritten, dem Dieb zu helfen? Was?! >>Wisst Ihr was?<< Der Dieb drückte die Zange weg. >>Ich sterb doch lieber<< Er wollte aus dem Bett klettern, doch Jasmes drückte ihn runter. >>Schön hiergeblieben!<< Er beendete die schmerzhafte Prozedur und gab ihm etwas Wein. >>Das wird schon…<<
Es klopfte am Abend an seiner Tür und Flint rief: >>Herein!<< Die Tür öffnete sich und John kam hereingestiefelt. >>Captain<<, sagte er nervös und rieb sich die Hände. >>Hallo<< >>Was willst du?<<, fragte Flint kalt. Er war nicht mehr James, das war Vergangenheit! >>Ihr habt da etwas… etwas, das mir gehört…<< John zeigte auf die Taschenuhr auf Flints Schreibtisch. Er hatte sie mitgenommen. >>Oh, ja<< John streckte die Hand aus. >>Könnte ich vielleicht-<< >>Könntest du nicht!<< Flints Stimme wurde schneidend. Erkannte John ihn wirklich nicht? Vermutlich war es besser so. >>Ich bin trotz allem dein Captain, aber auch derjenige, den du Dieb ausgeraubt hast! Ich behalte dies als Entschädigung<< >>Aber-<< >>Nein, verschwinde!<< Als John sich (wiedermal) nicht rührte, schrie Flint so laut und bedrohlich er konnte: >>Raus hier!<<
>>Ihr habt mich gerettet…<<, murmelte der Mann, der die meiste Zeit der letzten vier Wochen im Fieberwahn verbracht hatte, und setzte sich auf. >>Danke dafür<< Er fragte nicht, wieso oder versprach ihm eine Belohnung. Er sagte nur Danke. James musste lächeln. Es war wirklich sehr schwer gewesen, den Dieb die letzten Wochen in seinem Soldatenquartier in der Garnison zu verstecken- und dennoch entschädigte in dieses Danke für die Unannehmlichkeiten. Sogar für die schmerzenden Muskeln davon, dass er in seinem Stuhl hatte schlafen müssen. >>Gern geschehen.<< Er erhob sich, um zum Dienst zu gehen, doch der Dieb hielt ihn auf. Er konnte wieder stehen. >>Wartet!<<, sagte er und hielt seinen Arm fest. >>Ich würde das gern… wieder gutmachen…<< >>Ach<<, sagte James. >>Und wie?<< Der Dunkelhaarige beugte sich vor und küsste ihn.
Er misstraute John. Er misstraute ihm vollkommen. Als er ihn rettete, misstraute Flint ihm weiterhin. Als er davor bewahrte, Opfer einer Meuterei zu werden, misstraute Flint ihm weiterhin. Er misstraute ihm einfach. Aber andererseits: John hatte ihn sooft gerettet, ihm sooft geholfen- und außerdem würde es ihm mehr Probleme bereiten, ihn zu verraten, als loyal zu sein. >>Alles in Ordnung, Captain?<<, fragte Gates, der bemerkte, wie Flint den Koch beobachtete. >>Hat… er irgendwas getan?<< >>Wie?<<, fragte Flint überrascht. >>Nein, gar nichts.<< Seine Stimme wurde kalt und er dachte an die Taschenuhr. >>Ich kann Diebe nur nicht leiden!<<
Als er aufwachte, überlegte er sich, wie er sein Fehlen entschuldigen könnte. Er war krank geworden- eine schwere Erkältung. Ja, das würde schon gehen! James freute sich, dass der Mann- John, hatte er zwischendurch mal erwähnt- fort war. Er musste nicht über die Geschehnisse des Morgens nachdenken, konnte es ignorieren. Es war ihm sogar egal, dass die falsche goldene Taschenuhr weg war- er hatte sie John ja im Grunde als Geschenk überlassen. Ein schöner Morgen war das gewesen… eine kleine Lüge gegenüber seinem Vorgesetzten definitiv wert!
>>Was ist los?<< Randall sprach schnell, abgehakt. John sah ihn an und betrachtete die Taschenuhr in seiner Hängematte. Sie war plötzlich wieder da… Captain Flint hatte sie zurückgegeben. Wieso?
Er drehte sich um und blickte zur Kapitänskajüte. >>Captain James Flint<<, murmelte er leise. >>Kennen wir uns?<<
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