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[FFXIV] Matriarchin

von Zhai Kea
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
01.11.2018
01.11.2018
1
746
 
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Leise seufzend ließ sich die rote Streunerin auf den Deckenhaufen im alten Baumhaus fallen. Draußen war der Wald still. Still und weiß. Pünktlich zum Sternenlichtfest hatte es zu schneien begonnen, auch hier, tief im Wald. Die Vögel schwiegen stille, schließen in ihren Nestern. Die Waldantilopen hörte man auch nicht. Ja, nicht einmal die kleinen Eichhörnchen, die sonst immer so vorwitzig waren, hörte man. Alles schlief.
Langsam drehte sich Arienh auf den Bauch, starrte aus dem kleinen Fenster hinaus. Auch wenn sie mittlerweile erwachsen war, so liebte sie das kleine Baumhaus im Wald doch immer noch. Hoch oben in den Wipfeln war e geschützt. Sie hatte es vor fast zwanzig Jahren zusammen mit ihrem großen Bruder und den Onkeln gebaut. Schon damals war es ich liebster Rückzugsort gewesen. Und das war er auch heute noch. Meistens wusste niemand, dass sie sich hierher zurückzog, obwohl das Häuschen in Reichweite ihrer Familie lag. Manchmal brauchte sie einfach ihre Ruhe. Vor allem dann, wenn sie nachdenken musste. Und sie musste über vieles nachdenken.
Mit in der Luft verschränkten Beinen und darum gewickeltem Schweif lag sie da und starrte nach draußen. Das Sternenlichtfest lag nun zwei Wochen zurück. Seit zwei Wochen nun sollte sie die Geschicke der Familie leiten. Den Clan führen. Den wohl winzigsten Streunerclan überhaupt. Mutter hatte getobt, als sie ihr das Bündnis mit den Epocan vorgeschlagen hatte. Getobt und geschimpft. Sie bräuchten niemanden, hatte sie geschrien. Sie kämen zurecht, seit mehr als zehn Jahren. Ja, sie kamen zurecht. Aber auch nur, weil die Jungen alle ausgeflogen waren und die Welt kennenlernten. Weil sie lernten, wie sie das kleine Dorf schützen konnten. Arienh war hart geblieben. Sie brauchten Verbündete. Der Streit mit Senn war schließlich so weit gegangen, dass diese ihrer jüngsten Tochter ihre Stirnkette mit dem Familienzeichen vor die Füße geworfen hatte. „Du denkst, du kannst es besser? Dann mach es besser!“ Seit dem Streit hatte Arienh nicht mehr mit ihrer Mutter gesprochen.
Zähneknirschend zog sie eben jene Kette nun aus ihrer Hosentasche heraus und betrachtete sie. Es war eine einfache Silberkette. In der Mitte war der Anhänger befestigt. Die silberne Platte mit der roten Mondsichel darauf. Schwarz umrandet. In der Öffentlichkeit trug sie die Kette, Zuhause nicht. Bisher war es ihr zum Glück erspart geblieben, als Matriarchin auftreten zu müssen. Arienh fürchtete sich davor, auch wenn sie es niemals zugeben würde. Die Zeiten waren denkbar schlecht für einen Wechsel in der Clanführung. Die Jäger bedrohten die Mondstreuner. Naoh’to war verflucht. Lhei drohte, die Kea zu überrennen … andererseits … Nachdenklich starrte sie den Anhänger an. Fuhr zärtlich mit den Fingern die Mondsichel nach. Menphina hatte Pläne für sie. Das hatte sie schon längst offenbart. Warum sonst hätte sie sie mit Naoh’to zusammenbringen sollen? Sollte sie ihre Familie etwa aus der Krise führen? War es etwa auch ein Zeichen der Göttin, dass ihre Schwestern wieder nach Hause kamen? Dass die lang verschollen geglaubte Cousine wieder zur Familie zurückgekehrt war?
„Menphina, sprich doch einfach mit mir. Hör auf, dein Spielchen zu spielen, als sei ich nur ein winzig kleines Sternchen, das sich nicht wehren kann.“
Die Mondsichel am Nachthimmel leuchtete. Und schwieg. Warum sollte sie auch antworten? Antworten würde Arienh selbst finden müssen, das war ihr klar. Entschlossen setzte sich die junge Streunerin wieder auf. Fest umschloss sie die Kette. Es gab kein Zurück. Früher oder später wäre sie sowieso Matriarchin geworden. Auch das war ihr klar. Sie durfte keine Angst haben. Angst war ein schlechter Ratgeber. Das hatte Lhei vor einer Weile zu ihr gesagt. Und die Matriarchin der Epocan hatte recht. Sie durfte sich nicht in ihrem Baumhaus verkriechen. Da draußen waren Probleme, die gelöst werden wollten. Wenn sie nicht noch mehr Probleme verursachten…
„Ich schaffe das. Ich bin nicht alleine. Die Familie ist da. Naoh’to ist da. Lhei … ist auch da. Arienh, du wirst eine gute Matriarchin werden.“
Die silberne Kette schloss sich um das dunkelrote Haupt. Arienh hatte sich die Kette angelegt. Das kleine verspielte, neugierige Mädchen musste für eine Weile verschwinden. Hoffnungsvoll blickte sie zur Mondsichel.
„Menphina, steh mir bei. Du hast mir diese Aufgaben auferlegt, also wache über mich und die meinen.“
Die roten Ohren zuckten. Stolz richtete sich die kleine Streunerin auf. Ja, sie würde sich dieser Herausforderung stellen. Ein Bündnis mit den Epocan schließen. Dafür Sorge tragen, dass Naoh’to gesund wurde. Diese Jäger vernichten. Und ihre Familie wieder zusammenführen. Wer weiß, vielleicht würde sie auch irgendwann einen Teil zur Familie beitragen. Die Zukunft sollte endlich wieder hell erscheinen.
 
 
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