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[FFXIV] Licht und Schatten

von Zhai Kea
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
01.11.2018
23.01.2019
3
5.299
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01.11.2018 1.948
 
Ungnädig brannte die Sonne auf den goldenen Sand Thanalans, heizte ihn unerträglich auf, sorgte aber gleichzeitig dafür, dass die Wärmespeicher für die Nacht gefüllt wurden. Jedes vernünftige Lebewesen nutzte die Gunst der Mittagshitze, um in einem Schattigen Flecken ein wenig zu ruhen. So war es eigentlich auch sehr ruhig in der Oase. Der Stamm döste wie ein Rudel Löwen in den Schatten der Palmen und Felsen. Rhaz, der Nunh, hatte sich mit seiner Lieblingsfrau in sein Zelt zurückgezogen. Ihn plagten schon wieder Rückenschmerzen. Sein Jüngster hatte ihn wieder einmal ‘bezwungen’. Aus dem Kleinen würde einmal ein würdiger Nachfolger werden. Jener Nachfolger tobte nun mit seinem größeren Bruder durchs seichte Wasser der Oase. Die Jungen schrien vor Freude und spritzten sich mit Wasser nass. Zara trieb auf ihrem kleinen Floß herum und beobachtete die Brüder dabei. Leise kicherte die kleine Tatze vor sich hin. Vor kurzem hatte sie entdeckt, dass sie mit ein wenig Konzentration das Wasser bewegen konnte. So beteiligte sie sich aus sicherer Entfernung an der Wasserschlacht, indem sie immer wieder mal kleine Wasserkugeln auf die Brüder warf. Das rächte sich aber recht schnell wieder, denn die beiden Jungen stürmten mit ohrenbetäubendem Gebrüll auf die kleine Schwester zu und warfen sie von ihrem Floß herunter. Fröhliches Kindergelächter erfüllte die Oase mit Freude. Es besänftigte die Stammestatzen ein wenig.
Von allen Kindern des Nunh waren vor allem die schwarzen Zwillinge, der Junge mit dem Hängeohr und das Jüngste, ein Mädchen, schwierig. Die Zwillinge waren Kinder Menphinas, geboren unterm Sternenhimmel. Kohga hatte ein Hängeohr, auf welchem er nichts hören konnte. Und Shea … sie war ein Mischlingskind. Die Mutter hatte die Geburt nicht überlebt, also musste sie nun so im Stamm aufwachsen. Alle vier wurden eher gemieden, aber dennoch geduldet. Der Nunh liebte vor allem die Zwillinge - oder ertrug deren Anwesenheit, weil ihre Mutter seine Lieblingsfrau war. Und so ertrug der ganze Stamm die beiden, die mit ihren kleinen Zauberspäßen so manchen zur Weißglut brachten. Dabei waren sie so liebenswürdig und wenn sie aus den zweifarbigen Augen unschuldig drein blickten, dann konnte man es ihnen verzeihen, dass sie sich schon wieder ein Törtchen aus dem Vorrat gezaubert hatten. Die Ätherbegabung hatten sie von ihrer Mutter. Ebenso das samtschwarze Haar.
Rot und Schwarz, Blut und Schatten - die Zwillinge und das Einohr saßen oft zusammen und spielten miteinander. Kohga passte dabei auf die Zwillinge auf, schließlich war er ja ‘der Große’. Und der Große musste auf die Kleinen aufpassen, das hatte zumindest der Vater immer gesagt.

Von den Anfeindungen, die im Stamm herrschten, merkte Zara nichts. Sie wusste zwar, dass sie manchmal böse angeschaut wurde, doch das schob das Kind auf ihre Zauberei. Kuchen konnte sie nun mal nicht widerstehen! Sie wurde zwar immer geschimpft, wenn sie sich wieder mit Hilfe ihres Äthers ein Stückchen zufliegen lassen wollte, doch das hielt sie nicht auf. Zara wusste, dass die Tempelmitglieder sie zwar einerseits mieden, weil sie in der Nacht zur Welt kam, aber andererseits mit Argusaugen beobachteten, schließlich konnte sie zaubern! Aber sie war noch zu jung, um in den Tempel zu gehen. Zumindest war das die Meinung ihrer Mutter. Und Mamas Meinung war Gesetz!

Bhaal Tia, einer der Tias aus dem Stamm, war gruselig. Zara hatte Angst vor ihm. Immer starrte er sie und ihren Bruder so böse an. So, wie ein Sandwurm seine Beute anstarrt, bevor er sie verschlingt. Und das war wirklich eklig! Zayn und sie hatten das mal beobachtet! Sandwürmer waren wirklich, wirklich eklig! Mama wollte nicht, dass sie in Bhaals Nähe waren. Zara war das nur recht. Der blonde Mann, nach dem sich die Frauen im Stamm reihenweise umdrehten - die kleine Zara verstand nicht, warum - jagte ihr Angst ein. Und das nicht nur, weil er ihre Lieblingspuppe zerbrochen hatte.

Das Leben im Stamm war ruhig und besonnen, lebten die Goldtatzen doch recht abgeschieden mitten in der Wüste Thanalans. Nur selten verirrten sich Karawanen in die Oase. Diese wurden mehr oder minder freundlich aufgenommen und begrüßt, sollten sie doch möglichst schnell weiterziehen und den Stamm in Frieden lassen. Eines Tages aber erlebten Zara und Zayn, wie eine Karawane sehr zielstrebig auf die Oase zusteuerte. Diese Hyur waren seltsam. Sie waren so groß! Viel größer als die, die manchmal aus der großen Stadt zur Oase kamen und handelten. Und sie hatten so spitze Ohren! Zayn sagte, das seien Elezen. Woher auch immer er das wusste. Bestimmt hatte Kohga wieder Märchen erzählt!
Die Elezen stammten aus Ishgard. Das lag weiß oben im Norden. In Coerthas. Wo es Schnee gab. Zara hatte keine Ahnung, was ‘Schnee’ war, aber sie verstand, dass sie von weit weit weg kamen. Der Nunh war nicht ganz so begeistert wie seine Kinder. Fremden gegenüber war er immer sehr misstrauisch. Was sie hier suchten, wollte er wissen. Die Kultur der Stammestatzen erforschen, war die Antwort. Kultur? Erforschen? Zara verstand davon nichts. Dem kleinen Mädchen war es auch ziemlich egal, was sie hier suchten, Hauptsache war, dass sie noch ein wenig blieben. Sie hatten so viele tolle Dinge dabei! Dinge, die die Zwillinge noch nie gesehen hatten. Neugierig hockten sie so in der Nähe des Elezenpaares und beobachteten sie beim Ausladen. Sie hatten sogar ein eigenes Zelt dabei! Es sah anders aus als die runden Zelte der Tatzen. Es war viereckig und hatte Fahnen. Und … Spitzen! Zara erinnerte sich an ein altes, abgegriffenes Märchenbuch. Darin war von Schlössern die Rede. Dieses Zelt sah aus wie ein Schloss!

Das Elezenpaar passte sich ein wenig den Goldtatzen an. Sie wurden schließlich geduldet. Rhaz war es zwar nicht recht, dass sie ständig alle Mitglieder des Stammes zu allem Möglichen ausfragten, aber da sie sich aktiv am Stammesleben beteiligten, ließ man sie gewähren. Sie seien schon bei vielen Stämmen gewesen, erzählten sie. Und sie sammelten von allen Stämmen, die es gab, Geschichten. Um sie zu bewahren. Für die Ewigkeit. Zwar taten dass die Tempelmitglieder des Stammes auch, aber man wollte keinen Streit vom Zaun brechen. Valans - so hießen sie - bereicherten die Oase sogar. Sie zeigten den Goldtatzen, wie man effizienter die Felder bewässern konnte, so dass man ertragreichere Ernten einfahren konnte.
Ein besonderes Interesse hegten sie an den Zwillingen. Zwillinge waren unter Elezen wohl sehr selten. Und dann gleich ein Junge und ein Mädchen, die sich so ähneln, dass man sie nur an der Augenfarbe unterscheiden konnte! Und in so jungen Jahren schon magiebegabt! Vor allem das Mädchen schien sehr neugierig zu sein, was es mit der Magie alles anstellen konnte. Es war eine Schande, dass man sie nicht förderte. Eine wahrliche Schande.

Den Forschern blieben die Spannungen innerhalb des Stammes nicht verborgen. Mittlerweile hatten sie gelernt, dass man als Nunh die Tia immer im Blick haben musste, sie konnten einen ja herausfordern. Schnell begriffen sie, dass genau einer der Tia dies wohl vorhatte. Bhaal Tia. Der eigentlich hübsche blonde Krieger wirkte immer sehr schlecht gelaunt. Die Kinder hatten Angst vor ihm, die Frauen blickten ihm zwar nach, hielten sich aber dennoch zurück. Man begann, sich miteinander bekannt zu machen. Valans beschlossen, diese Chance zu nutzen. Wann schon hätten sie sonst die Möglichkeit, den Aufstieg eines neuen Nunh hautnah mitzuerleben? Man versprach, ihn zu unterstützen, auch wenn er dies eigentlich ablehnte. Andererseits konnte er somit seinem verhassten Nunh eines auswischen. Die Elezen begannen, im Stamm nach Gefolgsleuten zu suchen. So ganz verstanden sie das Stammesleben nicht, dennoch war es ihnen egal. Sie wollten den Kampf Nunh gegen Tia sehen. Und vor allem wollten sie den Preis. Sie wussten, dass der neue Nunh alle Frauen des alten Nunh übernahm. Und auch die Kinder. Außerdem wussten sie, dass die Zwillinge nur geduldet waren, weil Rhaz deren Mutter so sehr vergötterte. Also verlangten sie als Preis für ihre Hilfe die Zwillinge. Ob die zwei nun tot waren oder in Ishgard aufwuchsen, sollte Bhaal gleich sein. Sie würden ihn nie wieder belästigen.

Der Tag der Abrechnung kam schließlich. Jedem im Stamm war es bewusst, heute würde etwas Fürchterliches geschehen. Selbst die Kinder spürten es. Sie wurden weit weg gebracht vom Geschehen, in eines der Zelte. Zayn, Zara, Kohga, Shea. Die Kinder des Nunh. Sie sollten das nicht sehen. Eine der Jägerinnen wurde als Aufpasserin abgestellt. Die Weibchen des Nunh standen ihm bei.
Angsterfüllt kuschelte sich Zara an ihren Bruder. Sie verstand nicht, was genau geschah, doch sie verstand, dass es etwas Gravierendes sein musste. Sonst wäre Mama nicht so traurig gewesen. Bei den normalen Übungskämpfen hatten sie schließlich auch immer zusehen dürfen. Zayn tätschelte der Schwester das Köpfchen, versuchte sie zu beruhigen. Dabei hatte er selbst doch Angst! Was passierte hier nur? Schreie wurden laut, ein Raunen ging durch die Menge. Leise fiepsend drückte sich Zara enger an den Bruder. Sie wollte, dass es aufhörte. Jetzt, sofort. Dass die Elezen verschwanden. Dass Bhaal verschwand. Sie wollte ihre Mama bei sich haben, die ihr Lieder sang. Alles sollte wieder gut werden. Wieder ein Raunen. Was passierte da draußen nur? Panisch drückten die kleinen Kinderhände die weichen Samtohren gegen den Kopf. Sie wollte nichts hören. Nichts sehen. Die Jägerin schien die Angst der Kinder zu teilen, sie wirkte nervös. Um sie abzulenken, verteilte sie kleine Haferküchlein. Zara wollte keines. Sie war so verängstigt, dass sie nicht mal eines ihrer geliebten Küchlein haben wollte. Das war noch nie vorgekommen. Besorgt nahm die Jägerin dann schließlich die Zwillinge in den Arm, ebenso die beiden anderen Kinder.
Draußen kehrte Ruhe ein. Die Ruhe vor dem Sturm. Es schien, als würde die ganze Welt den Atem anhalten. Dann - ein Schrei. Ein Triumphschrei. Aber das war nicht der Nunh. Nein, das war nicht Rhaz’ Stimme. Das war … Bhaal. Zara gab ein leises Fiepen von sich. Ein verzweifeltes Fiepen. Warum schrie Bhaal so? Was war passiert? Warum wurden da draußen Stimmen laut. Wer schrie da? Weinte etwa Mama? Zitternd presste sich die kleine Tatze an den ebenso zitternden Bruder. Etwas war anders. Gravierend anders. Das Zelt wurde aufgerissen. Eine vor Freude regelrecht strahlende Clariebelle Valan stürmte ins Zelt und riss die Zwillinge an sich, herzte sie glücklich. Was hatte das nun zu bedeuten? Warum trug sie die beiden nun raus? Die Dunkelalbenfrau brachte die beiden zu ihrer Mutter … welche weinend über einen am Boden liegenden Körper kauerte. Warum war der Sand so rot? Die beiden wurden neben der Mutter abgesetzt. Während die Elezen gut gelaunt davon ging - diese Machtübernahme war spannender gewesen als erträumt! - nahm die trauernde Goldtatze ihre Kinder in die Arme und drückte sie an sich. Der Körper, der auf dem Boden lag, gehörte zu Rhaz. Warum schließ Vati denn? Und warum weinte Mama? Schwach drang der Eisengeruch des Blutes in Zaras Nase. Sie kannte diesen Geruch. Das war Blut. Ungläubig linste sie zu ihrem Vater. Er blutete! Panisch zupfte sie an der Tunika ihrer Mutter. Diese verstärkte nur den Griff um die beiden.

Die nächsten Tage kamen Zara wie ein böser Traum vor. Vater war aufgebahrt und verbrannt worden, während Bhaal alle Weibchen übernommen hatte - ob sie wollten oder nicht. Er drohte ihnen mit Verbannung. Was auch immer das bedeutete. Zara bemerkte nur, dass sie und Zayn, Kohga und Shea in ein kleines schäbiges Zelt am Rande der Oase gebracht wurden. Dort drin bleiben mussten. Die Stimmung im Stamm änderte sich. Die vier Kinder wurden wie Aussätzige behandelt, bekamen nur noch die schlechten Reste zu essen. Niemand besuchte sie, nicht einmal die Mütter. Nach einiger Zeit erschienen wieder Valans im Zelt, beide überglücklich. Zayn und Zara wurden hochgehoben und auf zwei Chocobos gesetzt. Was passierte denn jetzt? Warum stand Mama da hinten hinter der Palme und weinte? Und warum stand Bhaal so breit grinsend neben den Valans?
Die Elezen verabschiedeten sich, stiegen hinter den Kindern auf die Vögel auf - und ritten davon. Weinen und kreischend drehte sich Zara zu ihrer Mutter um, nur um zu sehen, wie diese in sich zusammensank.
 
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