Addicted - Sometimes love just ain't enough

von Sanna28
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
01.11.2018
20.05.2019
32
111966
60
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Halloooo an alle potentiellen Leser!

Gleich vornweg, das hier ist absolutes Neuland für mich. Das ist mein allerallererster Male Slash, darum bitte ich um etwas Nachsicht mit mir.
Wahrscheinlich wird es hier zu Beginn noch keine expliziten graphischen, bis ins kleinste Detail gehende Sexszenen geben, weil ich es mir schlichtweg noch nicht zutraue, sowas wirklich realistisch genug schreiben zu können, aber Zärtlichkeiten und Erotik sollten trotzdem kein Problem sein. Liebe und Begehren hat ja letztenendes absolut nichts mit dem Geschlecht zu tun ... finde ich jedenfalls.

UPDATE 6.11.18 - So, wie es gerade aussieht, wird es hier wohl doch noch auf einen P18 Slash hinauslaufen. Auch wenn ich es nicht erwartet hatte, ist mir das 3. Kapitel wohl doch etwas „aus dem Ruder gelaufen“.

Wie fast alle meine Geschichten ist auch diese aus einem Song heraus geboren, was irgendwie auch dazu geführt hat, dass ich mich – für mich selbst völlig überraschend – an einen Male Slash getraut habe. Als junges Mädchen war ich ein sehr, sehr großer Fan der Pet Shop Boys, die ja bekanntlich beide homosexuell waren. Und auch wenn es im Video zum Song »rent« augenscheinlich um eine Frau und einen Mann geht, hat es sich für mich einfach völlig falsch angefühlt, keine Ahnung warum. Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund heraus hat mir mein Instinkt – oder mein Herz? – gesagt, dass Neil Tennant an zwei Männer dachte, als er diesen Song geschrieben hat. Ich konnte mir einfach nur zwei Männer vorstellen.

Wie dem auch sei, ich würde mich sehr über jedwede Art von Rückmeldung freuen.
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen, Sandra





Alle handelnden Personen in dieser Geschichte sind frei von mir erfunden und gehören nur mir! Es kann allerdings sein, dass ich mich bisweilen tatsächlicher Gegebenheiten, Rahmenbedingungen, Ereignisse und Personen dieser Zeit bediene oder sie erwähne, was aber für die Story keine tragende Rolle spielt.


ADDICTED– Sometimes love just ain't enough


1. KAPITEL


23. September 1998, Denver - Colorado

Das kleine Straßencafé an der Ecke war für diese frühe Uhrzeit ungewöhnlich gut besucht, als er sich wie jeden Morgen an den Tisch direkt neben dem Eingang setzte. Bei den anderen Gästen schien dieser Platz nicht sonderlich beliebt zu sein, aber im Gegensatz zu ihm wussten sie auch nicht um dessen Vorzüge. Von hier aus hatte man den besten Blick auf den breiten Gehsteig … den Laufsteg der Eitelkeiten, wie er ihn immer liebevoll zu nennen pflegte. Angefangen von der betagten Diva, die in Haute Couture Kleidchen, High Heels und zur Schau getragener Louis Vuitton Tasche über den Asphalt flanierte, bis hin zum angetrunkenen Penner, der schwankend nach der nächsten flüssigen Mahlzeit suchte, war dort alles zu beobachten. Mit letzterem konnte er sich wesentlich besser identifizieren, denn es war keine zwei Jahre her, als er selbst noch so gelebt hatte. Auf der Straße. Ein Fixer, der nur dem nächsten Schuss entgegenfieberte, der nur dafür existierte und notfalls auch anschaffen ging, um sich das Geld dafür zu besorgen. Bis zu jenem Abend, als ihn eine Überdosis Heroin beinah ins Nirwana befördert hätte. Es war nicht das erste Mal, aber das einzige Mal, das nachhaltige Folgen hatte. Viel wusste er nicht mehr davon. Wie schon bei den unzähligen Halbtoterfahrungen zuvor, war er auch an diesem Abend in einem Krankenhaus aufgewacht. Eine gute Portion Naloxan hatte ihn zurück ins Leben geholt …

… und er, der neben ihm am Bett gesessen war, die Ellenbogen auf seine Knie gestützt und sein Gesicht hinter seinen Händen vergraben. Damals war er noch ein Wildfremder, und trotzdem war er ihm vom ersten Moment an, in dem seine strahlend blauen Augen ihn tief besorgt angesehen hatten, so unglaublich vertraut gewesen. Sein Gesicht war so makellos schön. Ein leichter Bartschatten umrahmte seine zart geschwungenen Lippen, die ihm noch in derselben Sekunde ein Lächeln schenkten, das sich auf der Stelle in sein Herz gebrannt, und es im Sturm erobert hatte. Er war ihm verfallen, ohne auch nur den Hauch einer Chance gehabt zu haben, sich dagegen zu wehren. Die Erinnerung daran war gleichermaßen schmerzhaft, wie auch wunderschön.

»Morgen Neil! Den üblichen Espresso?« Mimis piepsige Stimme riss ihn jäh aus seinen Gedanken.

»Morgen Mimi!«

Er gähnte, während sie ihm mit einem unmissverständlichen Leuchten in ihren Augen die Tageszeitung entgegenstreckte. Die junge Frau arbeitete erst seit kurzem in Alfredos Café, kannte seine Gewohnheiten aber schon sehr genau. »Noch nicht ganz fit heute, hm?«, scherzte sie und beugte sich  zu ihm herunter, ihre Absichten bereits jetzt glasklar. »Ich hätte da schon so eine Idee, wie ich dir helfen könnte, ganz schnell wach zu werden, also wenn du willst, dann könnten wir beide für ein paar Minuten zusammen in der Toilette verschwinden …« Ein breites Grinsen zog über ihre vollen, derb rot geschminkten Lippen, während sie ihre Zunge darüber gleiten ließ und verheißungsvoll mit ihrer Augenbraue wackelte.

Der Freundlichkeit halber erwiderte Neil es, allerdings nur kurz, dann beugte er sich seinerseits zu ihr nach vorn, schnappte nach der Zeitung und riss sie ihr aus der Hand, bevor er sich zurück in die Lehne seines Stuhles fallen ließ. »Ja … und nein!«, antwortete er schließlich kurz und knapp.

Sie sah ihn verwirrt an. »Hä? Wie jetzt …«

»Ja … ich hätte gerne einen Espresso. Und nein … ich will nicht für ein paar Minuten mit dir zusammen in der Toilette verschwinden. Nicht heute, nicht morgen und auch sonst nirgendwann«, stellte Neil knallhart klar und schlug, vollkommen unbeeindruckt von ihrem zutiefst verletzten Gesichtsausdruck, seine Zeitung auf, damit er nicht gezwungen war, sich ihr Elend noch länger mit anzusehen. Irgendwann musste das Maß an kassierten Körben doch mal voll sein, hoffte er, aber die junge Dame schien irgendwie schmerzfrei, was das betraf. Es war kaum zu glauben, sie gab einfach nicht auf und versuchte es wirklich jeden Tag wieder. Sie hatte Ausdauer, das musste man ihr lassen, aber auch wenn er genau genommen frei war, sein Herz war bereits vergeben.

Versteckt hinter seiner Zeitung schüttelte Neil amüsiert den Kopf und lächelte in sich hinein, doch das Bild, das ihn gleich auf der ersten Seite begrüßte, sorgte dafür, dass seine Stimmung schlagartig kippte. Es war wie ein Stich ins Herz, jedes Mal aufs Neue, obwohl er es inzwischen längst hätte gewohnt sein müssen. Die immer fröhlichen Gesichter seiner beiden Kinder, die schon genauso geübt mit der Kamera flirteten wie ihr Vater. Oder ihre Mutter. Ihre wunderschöne, kluge, allseits beliebte, sozial engagierte Mutter. Selbst Neil konnte nicht abstreiten, dass sie ein guter Mensch war, seine perfekte Ehefrau. Seine perfekten Kinder. Seine perfekte Familie, die stets an seiner Seite stand und den aufstrebenden Politiker Matthew Carter, der eine glänzende Karriere vor sich hatte und nun für das Amt des Gouverneurs kandidierte, unterstützte, wo sie nur konnte. Alle Zeichen standen auf Sieg. Die Prognosen waren eindeutig. Die Leute mochten ihn … und das, was er nach außen hin repräsentierte. Den vertrauenswürdigen Menschen. Den treuen Ehemann. Den liebevollen Familienvater.

Aber niemand wusste von seinem anderen »Ich«. Von dem Mann, der einem obdachlosen Fixer das Leben gerettet hatte und es seither auch finanzierte. Der Mann, der daraufhin monatelang seinen Entzug begleitet hatte, der seine Wohnung, seinen Unterhalt zahlte und seine Rechnungen beglich. Der Mann, mit dem er einen Abend in der Woche Tisch … und Bett teilte.

Der Mann, den Neil liebte, wie noch keinen Menschen zuvor.

Neils Blick klebte förmlich an dem Foto, es ließ ihn einfach nicht los. Er  ließ ihn nicht los. Sehnsüchtig streifte er mit seiner Fingerkuppe über Matts Gesicht und schloss dabei wehmütig seufzend seine Augen. Unwillkürlich beschleunigte sich sein Puls, sein Herz raste und seine Lippen bebten in freudiger Erwartung, wenn er bloß daran dachte, wie einzigartig es sich jedes Mal anfühlte, ihn wirklich und wahrhaftig zu berühren, ihn zu küssen und mit allen Sinnen zu spüren. Seine Haut, seine Lippen … Heute Abend war es wieder so weit. Nur noch wenige Stunden, die sie voneinander trennten. In dieser kurzen, für ihn aber umso kostbareren Zeit, die leider immer viel zu schnell verging, gehörte Matt nur ihm. Mit Haut und Haaren. Mit Leib und Seele. Fernab aller Regeln, die er  für ihr Arrangement aufgestellt hatte. Wie Neil dieses Wort hasste. Wie er diese gottverdammten Regeln hasste. Trotzdem hielt er sich daran und nahm, was er kriegen konnte. Nur widerwillig öffnete er seine Augen, denn er wusste haargenau, was ihn dort erwartete: dieses Bild von einer glücklichen Familie. Und in Momenten wie diesen bezweifelte er immer öfter, dass er diesen Zustand noch lange ertragen konnte …
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