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Auf den Spuren in die Freizügigkeit

OneshotAbenteuer, Parodie / P18 / MaleSlash
Aki Carly Sherry
31.10.2018
09.06.2019
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31.10.2018 2.145
 
England, 18. Jahrhundert. Der Baron von Groombridge war nicht stolz auf seine Tochter Akiza Izinsky. Er war nie stolz auf seine Tochter, wie konnte er es auch sein? Sie zeigte nie Interesse für die Kultur des Landes – weder Kunst noch Literatur konnten sie begeistern – die Aufgaben des Adels, den Reitsport, nicht einmal vernünftig kleiden konnte sie sich ohne Hilfe. Erst wenn er des Abends das Arbeitszimmer verließe und sich zur Baronin gesellte, wurde sie hellhörig und lauschte an der Türe, wozu ihre Eltern zu so später Stunde noch bereit waren. Von einem Kind im Alter von drei Jahren hätte er dies zwar erwartet, aber seine Tochter war zumindest äußerlich schon weit aus diesem herausgewachsen. Sie selbst sah das natürlich ganz anders. Er war immer der gemeine Papi, der sie davon abhielt, mit ihren Freundinnen in der Taverne rumzuhuren. Wie oft hatte er versucht, ihr zu erklären, dass derart einfach gestrikte Persönlichkeiten nicht das richtige Umfeld für sein zartes Röschen wären? Doch sie wollte nicht hören, und diese Rose hatte Dornen, die aus ihrem Mund herauswuchsen, wann immer sie ihn öffnete.
Der Baron von Groombridge seufzte. Neben den Problemen, die die Rothaarige – und damit war nicht nur seine Tochter gemeint – ihm bescherte, hatte er in letzter Zeit noch viel größere Probleme im politischen Sinne. Nicht nur, dass das Volk mit jedem weiteren Jahr mehr am Adel zweifelte, wie es sich auch in Frankreich und dem Rest Europas bereits abbildete, gerade die Franzosen, deren Frauen zur Zeit die garstigsten Bengel zur Welt brachten, wagten überdies zur Zeit einen Angriff auf seine Heimat!

Zur selben Zeit, als Baron Izinsky seinen inneren Monolog führte, auf hoher See.
"Captain, ich habe ein unwohles Gefühl, und diesmal ist es nicht der Trunk vom Vorabend", meldete sich eine schwarzhaarige Frau mit starker Brille bei der äußerst hübschen Blondine, die das Steuer fest in ihren Händen hielt.
"Was ist, Carly?", fragte diese zurück. "Ich sagte dir doch bereits – ich bin schon viel länger Piratin als du. Dieser Sturm wird schnell vorüberziehen."
"Ich habe mein Orakel immer und immer wieder befragt. Egal wie ich die Frage formuliere, alles deutet darauf hin, dass dieser Raubzug Ihr letzter sein wird. Ich flehe Sie an! Bitte kehrt zurück, bevor es zu spät ist!"
"Und wieso sollte mir dieses Orakel eine Warnung sein? Nicht nur spricht es von einem Raubzug, der geschieht, er soll sogar noch so erfolgreich sein, dass ich keinen weiteren mehr durchführen muss. Ich werde den Namen LeBlanc nicht in die Tiefen des Meeres ziehen, bloß weil du im Anblick meiner Großartigkeit in Panik gerätst", antwortete der Captain, ihre Warnung wie immer ignorierend. Was hatte sich Carly auch dabei gedacht? Sie wusste ja, wie stur Captain LeBlanc war – ihre Crew bestand nur aus Frauen, obwohl Männer in einigen Aufgaben bestimmt hilfreicher gewesen wären, als Carly es war. Überhaupt war Carly nicht die Richtige für diesen Zweck – als Schriftgelehrte und Magierin, der es einer Brille bedurfte, um überhaupt sehen zu können, war sie auf einem Piratenschiff etwa so fehl am Platz wie ein Fisch in einer Wüste. Und selbst ihr Rat – das Einzige womit sie überhaupt dienen konnte – wurde nicht nur von ihr, sondern auch von den restlichen Seedamen ignoriert. Weshalb war sie überhaupt auf dem Schiff? Ach ja, weil Sherry es so wollte, und wenn Sherry etwas wollte, durfte man nicht "Nein" sagen, erst recht nicht in der Kajüte.
"Arr, da drüben ist Land!", wurden die beiden von Misty – einer weiteren Frau, die sehr wohl fehl am Platz war, aber von Sherry trotzdem dorthin befohlen wurde – informiert.
"Wie oft sage ich dir jetzt schon, dass du nicht jeden deiner Sätze so beginnen sollst?", fragte Sherry die Information scheinbar ignorierend.
"Arr, seit fünf Jahren, arr", antwortete Misty.
"Sag das noch einmal und du wanderst über die Planke."
Misty war nicht weniger enttäuscht von ihrer Behandlung als Carly, aber anders als sie war sie schon länger Crewmitglied und hätte eigentlich mit dieser rechnen sollen. Wie dem auch war, sie steuerten auf Land zu, und es war wohl kaum ein Hafen in der Nähe, der ihnen Einlass gewähren würde.

Etwas später, als sie dann tatsächlich an Land angekommen waren, bemerkten die beiden, dass sich Captain LeBlanc wenig darum scherte, wer ihr Einlass gewähren würde – eine Tatsache, die sie auch in vergangenen Tagen nur zu gut an eigenem Leibe selbst erfahren durften. Nachdem die Anker angelegt waren, wanderten sie zu Fuße gen Grommbridge.
"Warum gerade Groombridge?", wagte Carly es, zu fragen.
"Ich hörte in einer Taverne, dass der Baron ein leichtes Ziel wäre. Nur traut er sich leider zu selten auf die See, also müssen wir wohl oder übel zu ihm ans Land." So war aus stolzen Seeräubern einfache Räuber geworden.
Carly wurde vorausgesandt, sie hatte von Sherry den Auftrag, die Tochter des Baronen ausfindig zu machen, und die Zeit mit ihr zu vertreiben. Ihre Redegewandtheit sollte ihr dabei zu Gute kommen. Auf welche Redegewandtheit Sherry sich dabei bezog, war ihr ein Rätsel – auf ihrer durchaus sehr wissenschaftlichen Suche nach der Wahrheit, vermied Carly es beinahe krankhaft, Lügen zu erzählen. Wenn sie also die Tochter des Baronen getroffen hätte, so würde sie ihr diesen Plan wahrscheinlich früher oder später offenbaren.

"Mein Papi ist so gemein zu mir!", fluchte Akiza Izinsky zum dritten Mal an diesem Tage. Sie hatte es nun satt und wie immer, wenn sie ihren Papi satt hatte, beschloss sie, ihre Gefühle in der Taverne in Bier zu tränken. Sie erinnerte sich noch vage an das eine Mal, als sie so besoffen war, dass sie in ihrer Trunkenheit Sachschaden an der Villa ihres Vaters verursachte, und den Zorn, den sie ihm so bereitete. Natürlich würde sie sich das ohne Alkohol im Blute niemals trauen, doch genau deswegen suchte sie ja so oft die Taverne auf. Eben um genau diesen zerstörerischen Zustand ein weiteres Mal zu erreichen, und ihrem Vater einen so großen Zorn zu bereiten, dass er sie endlich von diesen lästigen Pflichten freisprechen würde, wie er es mit ihrer Halbschwester, die sie nach jenem Tage nie wieder sah, weil sie entgültige Freiheit erlangte, auch schon tat. Den Worten anderer Trunkbolde nach, war sie nicht einmal ihre einzige Halbschwester, bei der dies tat. Drei Schwestern, vier Halbschwestern, und sechs Söhne soll dasselbe Schicksal bereits ereilt haben. Wenn ihre Mutter sich mal etwas zu sagen traute, dann nannte sie dies als den Grund, wieso sie keine Worte mehr mit ihm wechselte. Wahrscheinlich dachte sie, dass er nicht streng genug mit seinen Töchtern wäre, wenn er sie schlussendlich auf diese Weise erlöste, aber ihr sollte das recht sein.
"Meine Güte", sprach Carly in Gedanken zu sich. "Sie ist also wirklich hier. Warte – ist das nicht meine Brieffreundin, Akiza Izinsky?" Carly setzte ihren Hut auf und hang sich ihre Robe um, damit auch jeder in der Gegend sie als das sah, was sie in Wahrheit war.
"Eine Hexe!", gröhlte einer der Trunkbolde.
Akiza ging sofort auf sie zu. "Was machst du da?"
"Dich verzaubern", flüsterte sie ihr ins Ohr und schon wurde Akiza ohnmächtig.

Sie erwachte nackt in einem Bett, dass sie mit einer Blondine teilte, die nur wenige Jahre älter als sie war. Wer war diese Hexe? Und wer war diese Blondine? Und warum war sie auch nackt? Und wo hatte sie bitte ihre Finger hingesteckt? Wenn die Lichter nicht so dunkel wären, dass sie außer ihrem Gesicht kaum etwas erkennen konnte – und umgekehrt natürlich genauso, dann wäre ihr bestimmt ihre eigene Röte sofort aufgefallen.
"Och, schade, jetzt ist der Spaß also vorbei", seufzte die Blondine und nahm ihre Hand von dem Ort, in dem sie sich zuvor noch befand. Danach nahm sie was wie ein Taschentuch klang, legte es über ihre Finger und rieb diese, bis sie trocken waren.
"Wer bist du?", fragte Akiza.
"Ich bin die Frau, auf deren Schiff du dich befinden wirst, bis dein Papi uns eine gehörige Menge Lösegeld zahlt", antwortete die Fremde.
"Wieso sollte er das tun?", fragte Akiza überrascht. "Mein Papi hasst mich, deswegen zwingt er mich auch in komischen Kleidern auf langweilige Parties und lässt mich nicht mit meinen Freundinnen Spaß haben."
"Sei still, du erinnerst mich an meinen Vater. Als ich sechs Jahre alt war, hatte er mir zum Geburtstag einen Bären geschenkt. Als ich sieben war, wurde er von einem getötet. Seither bin ich Piratin."
"Das klingt ziemlich unglaubwürdig, aber du scheinst mir keine Person zu sein, die mir Lügen erzählen würde, also werde ich dir vertrauen."
"Braves Mädchen, und jetzt schlaf schön. Wir legen gleich ab, und du willst bestimmt nicht wach sein, wenn das Schiff so sehr wackelt. Wenn du jedoch wünschst, dass das Bett wackeln soll, kehre ich jederzeit zu dir zurück."
Was für ein äußerst freundliches Angebot dieser Frau, was auch immer es zu bedeuten hatte.
"Nicht so schnell!", schrie ein junger Mann mit stacheligem, schwarzen Haar und brach die Türe auf. "Fräulein Izinsky, ich bin hier, um Sie zu retten!"
"Sir Fudo? Sie hier?"
Akiza war überrascht. Schon seit sie anfangen konnte, zu denken, war sie in den Ritter in glänzender Rüstung Hals über Kopf verliebt, aber auch mit ihm durfte sie sich nie treffen, weil ihr Vater ihn für "zu niederen Adel" hielt.
"Ich fordere Sie zu einem Duell heraus, Captain LeBlanc."
"Das kannst du haben!"

Von dem Schiff aus wurden Ruderboote ins Meer gelassen, jeder von ihnen hatte eines.
"Wer zuerst an dem Felsen dort drüben vorbeirudert, bekommt den ersten Zug", schrie die Piratin und fing an, zu rudern, bevor der Ritter bereit war. Allerdings half ihr das auch nichts, weil Sir Fudos Arme kräftiger als ihre waren und er trotzdem den ersten Zug errang. "Ich beschwöre Tempokrieger im Angriffsmodus. Durch seinen Effekt verdoppeln sich in dem Zug, in dem er beschworen wurde, seine Angriffspunkte. Danach setze ich zwei Karten verdeckt und du bist dran."
Was er während seinem Zug gekonnt übersah, war, dass er bereits zu sehr auf das Meer hinausgetrieben war, um sein Boot noch kontrollieren zu können. Captain LeBlanc hingegen befand sich bereits wieder auf ihrem Schiff und verabschiedete sich, indem sie ihm mehrmals "Adieu" zurief. Diese Franzosen!

Während Sir Fudos Schicksal dem Meer überlassen wurde, kam Akiza mit ihrer alten Brieffreundin ins Gespräch.
"Sag mal, was verschlägt dich denn auf dieses Schiff?"
"Naja, zum einen ist die katholische Kirche nicht unbedingt freundlich zu wissbegierigen Damen, andererseits hat mir Captain LeBlanc ein Angebot gemacht, dass ich nicht ablehnen konnte. Zumindest der zweite Teil trifft auf alle Crewmitglieder zu."
"Ob sie mir wohl auch ein Angebot machen wird?", fragte sich Akiza. Sie hatte das Gefühl, dass Captain LeBlanc im Grunde eine gute Person war, auch wenn ihre Taten das bei weitem nicht unterstreichten, wenn man sie nur für sich sah. Es musste einen tieferen Grund geben, wieso sie zur Seeräuberin wurde, wieso sie eine strikt weibliche Crew hatte und wieso sie nach Groombridge kam, um sie zu entführen. Da war sich Akiza Izinsky sicher.
"Mach dir lieber nicht zu große Hoffnungen", sprach Carly. "Mein Orakel meint jetzt noch, dass dies ihr letzter Raubzug wird, beziehungsweise hat es mittlerweile angefangen, in Vergangenheitsform zu reden, obwohl es doch noch nicht zu Ende ist."
"Sie hat also noch nicht gestohlen?", fragte Akiza verwundert. Carly erzählte ihr davon, wie sie sie als Köder nutzen wollten, um Lösegeld von ihrem Vater zu verlangen. Dasselbe hatte ihr die Blondine bereits selbst gesagt, und jetzt, wo sie nicht die Einzige war, die an dem Plan zweifelte, zweifelte sie natürlich umso stärker. Doch dann fiel es ihr ein. "Oh nein, sie hat gestohlen!"
"Und was, wenn ich bitten darf?"
"Meine Jungfräulichkeit! In dieser Kajüte!"
"Da musste jede Frau durch, die sie kennengelernt hat, das ist nichts Neues", kommentierte Carly diese Sache als sei nichts weiter geschehen. Die Wahrheit war zwar, dass sehr viel geschehen ist, und das immer, wenn sie es tat, aber das könnte sie so vor Sherry nie erwähnen, ohne ihren Hals dabei zu verlieren. "Wo ist eigentlich Misty?", fragte sie sich.

Währenddessen, in der Kajüte.
"Und, wie ist es gelaufen?"
"Perfekt. Während ihr Vater von dem Duell abgelenkt war, konnten wir Säcke voll Gold plündern. Ich habe sie bereits an Schiff geladen."
"Gut, dann können wir ja wieder trinken, wenn wir in Frankreich sind!", sprach Sherry und ging an Deck, um die frohe Kunde zu verkünden. Dort stellte sie fest, dass Akiza sie bereits sehnsüchtig erwartete. "Ich habe gute Neuigkeiten für dich", versprach sie.
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