Ein außerordentlich pinkes Halloween

GeschichteHumor, Freundschaft / P12
Filius Flitwick Minerva McGonagall Pomona Sprout Severus Snape
31.10.2018
31.10.2018
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Wichteln: Halloween 2018


Ein außerordentlich pinkes Halloween


für Loreen



Die Stimmung im Lehrerzimmer war nicht ganz so enthusiastisch, wie Dumbledore es sich vielleicht gewünscht hatte. Oder aber er hatte genau dieses kollektive Unwohlsein erwartet, darauf ließ zumindest das neckische Zwinkern hinter seinen Halbmondgläsern schließen. „Seien Sie also keine Spaßverderber! Wir wollen den Schülern doch auch zeigen, dass es auch in diesen schweren Zeiten noch Gelegenheiten gibt, zu feiern und aus sich heraus zu kommen.“

Severus Snape verdrehte die Augen und verzog missmutig den Mund. Leider hatte Dumbledore das wohl gesehen und setzte, etwas ernster als zuvor, hinzu: „Da Hauslehrern eine besondere Vorbildfunktion zukommt, ist es natürlich besonders wichtig, dass diese sich verkleiden. Wenn also einer von Ihnen, den Professoren McGonagall, Sprout, Flitwick und auch Snape, unverkleidet zur Halloweenparty erscheint, werden dem entsprechenden Haus 100 Punkte abgezogen!“ Mit diesen Worten verabschiedete der Schulleiter sich und ließ die restlichen Lehrenden kichernd, tuschelnd, oder wütend zurück.

Kaum jemand sah wirklich vorfreudig aus. Umbridge hatte ein strahlendes Lächeln aufgesetzt während Dumbledore noch im Raum war, doch sobald dieser die Tür hinter sich geschlossen hatte, waren ihre Mundwinkel gesunken und nun starrte sie missmutig ins Leere. Severus ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, um jemanden zu finden, mit dem sich das Lästern lohnte, denn auch wenn Dolores‘ Gesicht seine Stimmung wiederspiegelte, wollte er mit der ungeliebten Kollegin nicht mehr als nötig zu tun haben. Nach kurzem Überlegen begab er sich zu einem Ecktisch an dem Minerva und Filius saßen. Auch wenn er sonst nicht dazu tendierte, viel Zeit im Lehrerzimmer und mit dem Rest des Kollegiums zu verbringen, eine derartige Ankündigung von Albus verdiente es einfach, sich gemeinsam über die Einfälle des so genialen wie sonderbaren Schulleiters aufzuregen. Also ließ er sich also auf einem der Holzstühle nieder, die mit gemütlichen Kissen belegt waren. Mit einem Schwenker seines Zauberstabes beförderte er eine Tasse mit Cappuccino von der magischen Kaffeemaschine zu seinem Platz. In dieser Jahreszeit konnte die beliebte Magipresso auch einen mit Kürbiskuchengewürzen versetzten Milchkaffee zubereiten, doch das waren für Severus eindeutig zu viele Geschmacksrichtungen, die man da in eine einzelne Tasse zu komprimieren versuchte. Filius jedoch rührte mit Begeisterung in dem süß-würzigen Getränk.

„Na, Severus – hast du schon eine spontane Idee, wie du dich kleiden kannst, um deinem Haus keine Schande zu bereiten?“ Minerva spottete, doch ihre gleichsam ironische wie resignierte Stimme zeigte, dass sie sich selbst in diesen Spott mit einschloss.
Die drei Hauslehrer blickten für ein paar Sekunden resigniert in ihre Tassen, zwei Mal Kaffee, ein Mal Tee. Dann leuchteten Filius Augen auf: „Das ist es! Wir wollen alle, dass unserem Haus die Punkte nicht abgezogen werden, damit es nicht hinter den anderen zurücksteht. Doch wenn wir vier uns schlicht kollektiv nicht verkleiden, verlieren wir zwar alle 100 Punkte, bleiben aber insgesamt gleichauf.“
„Exzellent!“ Severus war begeistert und ließ sich dazu hinreißen, dem Kollegen mit seiner Kaffeetasse zuzuprosten.
„Das sollte wirklich funktionieren …“, murmelte auch Minerva, sah jedoch mit Skepsis in den Raum hinein, „… außer ….“
Die beiden Männer wandten sich um. Pomona Sprout näherte sich ihrem Tisch, mit einem strahlenden Lächeln. Augenscheinlich war sie eine der wenigen, die wirklich für die Idee brannte.
„ … außer wir ziehen nicht alle geschlossen an einem Strang“, beendete Severus frustriert den Satz seiner Kollegin.

Die missmutigen Blicke der anderen entweder nicht bemerkend oder gekonnt ignorierend schwang sich nun auch Pomona auf einen Stuhl. „Habt ihr euch schon für ein Kostüm entschieden?“, fragte sie begeistert in die Runde. „Ich überlege mir ja, dass wir vier als Hauslehrer vielleicht kostümtechnisch eine Einheit bilden könnten – vielleicht irgendwas, das mit unseren Wappentieren zu tun hat, oder den Fächern, die wir unterrichten …“
Es war Minerva anzusehen, dass sie den begeisterten Wortfluss der Freundin nicht gerne unterbrach, doch sie versuchte dennoch, den gänzlich gegensätzlichen Vorschlag Filius‘ einzubringen: „Eigentlich haben wir drei soeben überlegt, uns der Kostümpflicht zu widersetzen …“
„Oh, jetzt seid doch nicht so langweilig!“ Pomona verdrehte die Augen. „Seriös sind wir 364 Tage im Jahr, da können wir doch gut Mal eine Auszeit vertragen – auch als wichtige Erinnerung, uns mal selbst nicht ganz so ernst zu nehmen.“
Snape schnaubte. „Wenn du schon findest, dass wir uns selbst zu ernst nehmen, dabei gibt es hier im Raum doch ganz andere Kaliber an Selbstgefälligkeit …“ Sein Blick war auf Umbridge gefallen, deren pinkfarbene Aufmachung auf ihn inzwischen wirkte, wie ein rotes Tuch auf einen wütenden Stier.
Filius folgte seinen Blick und ein ungewohnt gemeines Lächeln schlich sich auf die Züge des kleinen Zauberers. „Jetzt, wo du sie erwähnst … ich glaube, ich habe soeben eine Idee für ein Kostüm bekommen!“
Filius und Severus mussten einiges an Überzeugungsarbeit leisten, doch schon bald waren die vier Hauslehrer und –lehrerinnen sich ausnahmsweise mal ganz einig. Minerva hatte weniger moralische Einände, als dass sie das Outfit als würdelos empfand. Die sonst immer nette Pomona war am schwierigsten umzustimmen gewesen, doch schließlich hatte sie sich ergeben. „Ich bin ja schließlich Naturkundlerin, und als solche weiß ich, dass auch die schönste, harmloseste Pflanze sich zu wehren weiß. Dornen, Schlingen, karnivore Blütenkelche … Gegen eine giftige Kröte hilft eben nur ein Gegengift und kein eingeschüchterter Rückzug!“, konkludierte sie verschmitzt.

Auch wenn Minerva und Pomona also dabei waren, sahen es die beiden wohl nicht der verachteten Dolores würdig, zu viel Mühe auf ihr Kostüm zu verwenden. Hier waren es Filius und Severus, die in ihrer gemeinsamen Abneigung so viel wie noch nie und mit einem nie geahnten Vergnügen zusammenarbeiteten.

Fast kein Tag verging, ohne dass Filius in das Kerkerbüro des Tränkemeisters stürmte um ihm einen neuen Zauber zu zeigen, den er entwickelt hatte – eine besondere Form des Muffliato, bei der den Umstehenden das süße Miauen kleiner Kätzchen in den Ohren klang, eine Haarschleife, die, wenn man sie zu knoten versuchte, das Umbridge-typische Hüsteln von sich gab: Dem Erfindergeist des Zauberkunst-Lehrers waren keine Grenzen gesetzt. Severus hingegen entwickelte einen Trank, der demjenigen, der ihn verköstigte, die ganze Welt für einige Minuten wie unter einem rosaroten Schleier zeigte und einen Punsch, der dazu führte, dass wer ihn trank nur anfall-artig nur Paragraphen ausspuckte, wie die Großinquisitorin sie zu verkünden pflegte.

All jene Erfindungen, die Fred und George Weasley mit Stolz erfüllt hätten, wurden in den Stunden, die von den Hausvorstehenden gehalten wurden, an besonders gute Schüler und Schülerinnen verteilt, sodass bis zum 31. Oktober viele der Scherzartikel im Umlauf waren. Bei den Slytherins hatte es etwas gedauert, bis diese von der spöttischen Begeisterung ergriffen waren. Viele hatten Eltern, die dem Zaubereiministerium in allem folgten. Doch dass der Hauslehrer Snape auch keinen Hehl daraus machte, wie lächerlich er die neue Lehrerin und ihre Beschlüsse fand, und dass er in diesem Punkt ganz mit den anderen Häusern zusammenhielt, gab den Ausschlag.

Endlich war der große Tag gekommen. Im ganzen Schloss waren Gerüchte herumgegangen, was die geplanten Kostüme der vier betraf, doch kaum jemand hatte es so wirklich glauben können. Der gemeinsame Auftritt dann, in einen Quietschpink, das es in sich hatte, verschlug allen die Sprache, bevor die Schülerschaft wie die Lehrenden kollektiv in ein Lachen ausbrachen, das man in diesem Schuljahr wirklich zu lange nicht mehr gehört hatte.




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Liebe Loreen,
ich wünsche dir ein schönes Halloween! Ob du dich verkleidest oder nicht, ob Pumpkin Spice Latte deinem Geschmack entspricht oder nicht: hab einen spukigen Tag! =)
Wie du siehst, habe ich mich für deine Ersatzvorgaben entschieden - es war einfach zu schön, sich mal auf die Lehrerschaft konzentrieren zu können! Und der Gedanke, dass durch einen gemeinsamen Feind wie Umbridge auch zwischen so ungleichen Menschen wie Severus und Filius so etwas wie eine Freundschaft entstehen kann, gefällt mir ungemein. Danke also für deine sehr inspirierenden Vorgaben,
Jubilee
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