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Tiefe Narben und schwarze Rosen

von Farnherz
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P18 / Gen
30.10.2018
30.10.2018
3
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Der Geruch nach Regen lag in der Luft, als die beiden jungen Männer schweigend über den Friedhof gingen, bis sie schließlich an einem ganz bestimmten Grab ankamen. „Hey Schwesterherz.“, murmelte der Ältere der beiden, Danny.
„Wir wollten dich heute nicht allein lassen.“, fügte Sascha hinzu. Genau heute vor einem Jahr war der Angriff auf Shelly und Danny, infolgedessen das Mädchen verstarb. Die beiden jungen Männer legten nacheinander je eine schwarze Rose auf das Grab.
„Wir hoffe sie gefallen dir. Wir wissen ja, dass du normale Dinge nicht mochtest.“, sagte der Schwarzhaarige leise. Und damit hatte er nur allzu recht. Schon als Kind war seine Schwester ganz vernarrt in Fledermäuse und alles was schwarz war.
„Wie geht es dir da oben? Behandeln sie dich gut?“, fragte Sascha, während sich Tränen in seinen Augen sammelten. Seit er die beiden Geschwister kannte, war er in Shelly verliebt gewesen.
Es hatte lange gedauert, aber irgendwann hatte ihr Bruder den beiden erlaubt miteinander auszugehen und von da an waren sie ein Herz und eine Seele. Der Tod seiner Freundin hatte ihn genauso sehr mitgenommen, wie Danny.
Nun schwiegen die beiden jungen Männer wieder und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.


„Danny! Sascha könnte jeden Augenblick hier sein und du blockierst immer noch das Bad!“, quengelte Shelly. Sie und der Blonde würden an diesem Abend ihr erstes Date haben. Dementsprechend nervös war die Braunhaarige auch.
„Ich bin ja gleich fertig!“, rief der Ältere zurück. Wenn er ehrlich war, war er beinahe noch aufgeregter als seine kleine Schwester. Nach fast zwei Jahren hatte er der Bitte der beiden endlich nachgegeben und ihnen erlaubt, miteinander auszugehen.
Allerdings nur unter der Bedingung, dass der Blonde sie abholte und auch wieder nach Hause brachte. Danny glaubte zwar, dass Sascha dies so oder so getan hätte, aber man konnte ja nie wissen. Außerdem hatte er als großer Bruder die Pflicht, streng zu sein was die Dates seiner Schwester angingen.
Schließlich war er fertig im Bad und verließ es. Doch kaum hatte er den Raum verlassen, rauschte Shelly an ihm vorbei und schmiss die Tür mit den Worten: „Wurde aber auch Zeit!“, hinter sich zu.
Der Schwarzhaarige konnte aufgrund des Verhaltens seiner Schwester nur schmunzeln. War er selbst bei seinem ersten Date auch so aufgeregt gewesen? Er wusste es nicht mehr. Während er so darüber nachdachte, klingelte es an der Tür.
„Das muss Sascha sein!“, rief Shelly aufgeregt, welche plötzlich neben ihm stand. Schnell lief sie zur Tür um ihn herein zu lassen, doch Danny hielt seine kleine Schwester auf. Auf ihren fragenden Blick hin, antwortete er: „Ich werde ihn herein lassen.“
Mit diesen Worten ging er zur Tür und öffnete diese. „Guten Abend Danny. Ich bin hier um Shelly abzuholen.“, begrüßte der Blonde ihn sichtlich nervös. „Guten Abend Sascha. Meine Schwester wartet schon auf dich.“, erwiderte der Ältere gelassen.
In diesem Moment erschien die Braunhaarige hinter ihrem Bruder. Sascha fing sofort an zu lächeln, als er da Mädchen sah. Dann wandte er sich wieder Danny zu. „Denk daran, um 11 Uhr seid ihr wieder hier.“, erinnerte er ihn, woraufhin der Jüngere nickte.
Dann drehte sich der Schwarzhaarige zu seiner Schwester um. Er legte ihr die Hände auf die Schultern und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel, bevor er flüsterte: „Viel Spaß Schwesterherz.“
„Danke Danny.“, erwiderte sie lächelnd, dann lief sie zu Sascha und küsste ihn auf die Wange, bevor sie ihrem Bruder noch einmal zuwinkte und dann Hand in Hand mit dem Blonden die Treppen hinunter lief.


Ein trauriges Lächeln schlich sich auf Dannys Lippen, als er daran dachte. Sie war damals so glücklich gewesen. Doch nun würde er nie wieder ihr Lachen hören oder mit ihr herumalbern können.
Ein trauriges Seufzen entwich ihm, woraufhin Sascha ihn ansah. „Woran denkst du?“, fragte er leise. „An euer erstes Date. Daran wie aufgeregt sie war und wie nervös du warst.“, antwortete der Ältere.
„Ja.“, murmelte der Blonde nur mit einem leichten Lächeln. Dann schwiegen sich die beiden jungen Männer wieder an. Einige Zeit verging, bis Danny plötzlich anfing zu singen:



I'm so tired of being here
Suppressed by all my childish fears
And if you have to leave
I wish that you would just leave
'Cause your presence still lingers here
And it won't leave me alone




Er hatte dieses Lied das erste Mal gehört, als er zusammen mit seiner Schwester ein Konzert ihrer Lieblingsband besucht hatte. Er fand das Lied immer sehr traurig, aber in diesem Augenblick erschien es ihm passend.



These wounds won't seem to heal
This pain is just too real
There's just too much that time can not erase
When you cried, I'd wipe away all of your tears
When you'd scream, I'd fight away all of your fears
And I held your hand through all of these years
But you still have all of me




Nach dem ersten Refrain stimmte Sascha mit ein. Er hatte sich oft genug zusammen mit Shelly ihre CD's angehört, sodass er die meisten Lieder auswendig konnte.



You used to captivate me by your resonating light
Now I'm bound by the life you left behind
Your face it haunts my once pleasant dreams
Your voice it chased away all the sanity in me



In diesem Moment zuckten die ersten Blitze über den Himmel und in der Ferne grollte der Donner. Doch die beiden Männer wollten dem Mädchen zuliebe nicht gehen.



These wounds won't seem to heal
This pain is just too real
There's just too much that time can not erase
When you cried, I'd wipe away all of your tears
When you'd scream, I'd fight away all of your fears
And I held your hand through all of these years
But you still have all of me




Eine Krähe ließ sich auf einem Baum in der Nähe der beiden nieder und beobachtet alles ganz aufmerksam mit schief gelegtem Kopf. Es schien beinahe so, als würde sie dem Gesang lauschen.



I've tried so hard to tell myself that you're gone
But though you're still with me
I've been alone all along




Da fing es endlich an zu regnen. Danny und Sascha setzten sich zwar die Kapuzen ihrer Pullover auf, blieben aber weiterhin an Shellys Grab stehen um weiterzusingen.



When you cried, I'd wipe away all of your tears
When you'd scream, I'd fight away all of your fears
I held your hand through all of these years
But you still have all of me
Me...
Me...




Als die beiden das Lied zu Ende gesungen hatten, murmelten beide Männer gleichzeitig: „Mach's gut Shelly.“ Dann wandten sie sich zum Gehen, als sie plötzlich Flügelschläge hinter sich hörten.
Überrascht drehten sie sich herum und entdeckten die Krähe, welche sich auf Shellys Grabstein niedergelassen hatte. „Pass gut auf meine Schwester auf, ja?“, bat Danny den schwarze Vogel.
Wie zur Antwort krächzte die Krähe. „Komm schon Danny. Wir sollten jetzt gehen.“, drängte Sascha, welchem das Ganze ein wenig unheimlich wurde. „Ja, ja du hast recht.“, meinte der Schwarzhaarige langsam, konnte den Blick aber nicht von dem Vogel abwenden.
Irgendetwas war an der Krähe besonders. Irgendetwas an ihr ließ ihn sich sicher fühlen. Erst nachdem Sascha ihn erneut zum Gehen drängte, wandte sich der Ältere ab. Der Blonde stieß ein erleichtertes Seufzen aus. Zusammen verließen die beiden den Friedhof.
„Du solltest heute bei mir schlafen.“, meinte Sascha, als die beiden jungen Männer vor dem Friedhof standen. Kurz sah Danny den Blonden an, dann wandte er den Blick ab und sah zu Boden.
„Ja, das wäre wahrscheinlich besser so.“, murmelte er. Sein Gegenüber war sichtlich froh über diese Antwort. Der 20-jährige wollte in dieser Nacht nur ungern allein sein, da ihn höchstwahrscheinlich Alpträume vom Tod seiner Freundin plagen würden.
Und auch für Danny würde es besser sein. Sascha wusste nicht was sein bester Freund anstellen würde, wenn er in dieser Nacht allein war. Er hatte zwar nie irgendwelche Anzeichen von Suizidgedanken gezeigt, aber diese ließen sich ja auch sehr einfach verstecken.
Zusammen gingen die beiden also zur Wohnung des Blonden. Als sie dort ankamen, sagte der Jüngere: „Du weißt ja wo das Gästezimmer ist.“ Der Schwarzhaarige antwortete nicht, sondern nickte nur.
„Wenn du reden möchtest, komm einfach zu mir. Du weißt, dass ich immer für dich da bin.“, flüsterte Sascha, als der Ältere gerade dabei war sein Zimmer für diese Nacht zu betreten. „Ich weiß und dafür werde ich dir auch immer dankbar sein.“, erwiderte Danny, ohne ihn anzusehen.
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