Dekonstruktion einer perfekten Liebe/Illusion

GeschichteRomanze, Angst / P12
Delenn John Sheridan Lennier
29.10.2018
14.11.2018
7
17471
1
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Autors note:  Wenn du den Gedanken nicht erträgst die Sheridan-Romanze kritisiert beziehungsweise in einem anderen Licht gezeigt zu sehen, ist diese Geschichte nichts für dich. Du wärst nach dem lesen garantiert nicht glücklicher ;)













Musik: ,,Hurricane“ – Ms Mr

,,Hey Now“ – London Grammar



,,Welcome to the inner workings of my mind / so dark and trilled I can’t disguise / can’t disguise / nights like this / I become afraid / of the darkness in my heart” (,,Hurricane” – Ms Mr)







Willkommen



Wie seltsam es doch ist, dass ich heute nervöser bin als damals, obwohl ich damals das Ritual mit einem Menschen durchführte, und heute mit einem Minbari, einem Angehörigen meines Volkes. Oder vielleicht eher des Volkes, dem ich einst angehörte. Fühle ich deswegen auf diese Weise? Weil ich damals vorgeben konnte, noch zu ihnen zu gehören, und weil John nicht wusste, wer ich war? Weil ich meine Fremdartigkeit jetzt, im direkten Kontrast, nicht mehr verstecken kann, und weil Lennier mich kennt?



Es begann mit dem Ritual des Träumens, doch ich weis nicht, wie viele Jahre ich mir hätte einreden können, ich wäre nur die, die die Minbari mit den Menschen vereinte, nicht auch noch alles andere, hätte ich die Ahnung niemals beherzigt. Wie lange hätte ich verleugnet, wer ich bin, hätte ich einfach nur abgewartet und darauf gehofft, das Universum hätte mich schon in den richtigen Pfad geleitet? Und wie viel von mir selbst wäre danach überhaupt noch übrig gewesen?



Ich spüre Lenniers Hand in meiner, schlank und warm und doch so stark. Ich führe ihn, er folgt halb neben, halb hinter mir. Mein Herz schlägt so heftig, dass ich jeden einzelnen Schlag gegen meinen Brustkorb und in meinem Hals und Bauch fühlen kann. Jeder Schlag hallt in meinem Kopf wieder.

Lenniers Finger bewegen sich Unterstützung suchend über meine, sein Blick flattert hin und her und verharrt nur auf dem Boden. Doch er lächelt. Ich weis, sein Lächeln kann vieles bedeuten. Meistens Höflichkeit und Ausdruck seiner Unsicherheit. Manchmal Begeisterung, zurück gehalten durch seine Schüchternheit. Viel zu oft tapferen Versuch, den Schmerz dahinter zu verbergen. Doch ich habe ihn erst eine Handvoll Male so lächeln sehen wie grade. Es ist nichts erzwungenes oder unsicheres oder scheues daran, es ist pures Glück.

Seine hellbraun-silberne Robe, seine Lieblingsrobe, schwingt um seinen schlanken Körper.

Ich führe ihn an den Personen vorbei, die im Raum knien oder sitzen, respektvoll still. Mein Blick wandert über Wissenschaftsattachè Yeestrell, die mir mit den Augen folgt, ohne den Kopf zu bewegen, die Hände in den Schoß gelegt. Meine beiden anderen Attachés knien neben ihr, ebenfalls schon meditierend. Vir sitzt in der hinteren Reihe nahe der Wand, sein Haarkranz ist ein deutlicher Fremdkörper zwischen all den Minbari. Er scheint sich nicht wirklich wohl zu fühlen. Zwar versucht er, seine Miene unbewegt zu lassen, doch ab und zu schleicht sich ein halb schamvoller, halb nervöser Ausdruck hinein, der mich an einen Jugendlichen erinnert, mit dem seine Eltern Aufklärungsgespräche führen. Doch er vertreibt ihn immer wieder, und sitzt grade und unbeweglich abgesehen von den nervösen Bewegungen seiner Hände. Er ist hier als Lenniers engster Freund, ein Alien bei einem Minbari-Ritual, ungewöhnlich. Kurz bedauere ich, dass Mayan nicht hier ist. Sie ist, nein, sie war bis vor dem Bürgerkrieg, meine beste Freundin, die mich seit Anbeginn meines Erwachsenenlebens begleitet. Nicht einmal Susan oder Mila Shar wachen hier mit den Priesterinnen und Priestern.

Ich lasse meinen Blick weiter wandern. Minbari der religiösen Kaste. Und dann John.

Ich hatte nicht erwartet, John überhaupt hier anzutreffen. Hätte er nicht Termine haben sollen? Tut er sich das an, um sich selbst zu beweisen dass es endgültig wahr ist? Ich will ihn nicht ansehen, aber ich muss. Ich muss ihn sehen um wirklich zu begreifen was das hier bedeutet. Ich fürchte mich vor dem Schmerz oder der Wut, die in sein Gesicht geschrieben seien müssen. Doch er sieht anders aus, als ich erwartet hatte. Wut und Schmerz sind auch vorhanden, dass ja, aber vor allem ist da Gleichgültigkeit und etwas, das deutlich sagt, für wie sinnfrei und altertümlich er das Ritual hält, auch wenn er das selbst niemals zugeben würde. Er mustert Lennier erzwungen lässig und ich spüre, wie der sofort spürbar zusammensackt. Im Gegensatz zu Vir versucht er nicht, die respektvolle Haltung der Minbari zu kopieren. Er sitzt da im Schneidersitz, lehnt sich auf die Hände und verlagert sein Gewicht grade so um, dass es am gemütlichsten ist. Er macht nicht einmal die Anstalt  eines Versuchs, das Ritual zu verstehen. Natürlich wäre das in dieser Situation auch zu viel verlangt, schelte ich mich, er hat grade alles Recht dazu, doch es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Gleichgültigkeit, ja, beinah Herunterwertung meiner Kultur sehe. Es hatte mich nie auch nur ein wenig gestört – Wie konnte das sein? – doch jetzt erlischt bei diesem Anblick jedes Mitgefühl in mir.

Ich ziehe Lennier mit mir, und schließe die Schlafzimmertür hinter uns.

Autors note: Ich uploade das zweite Kapitel gleich nach dem ersten, weil das hier als einziger Einstieg doch etwas krass wäre. Ich bin mir nicht sicher ob es zu heftig ist Sheridan zugucken zu lassen, doch andererseits musste Lennier das auch, und irgendwie macht es Sinn für mich das er das braucht um wirklich zu begreifen dass es vorbei ist und dass die beiden zu unterschiedlich sind um wirklich harmonisch zusammen zu passen. Ich werde immer um Mittwoch, Freitag und Sonntag um ungefähr 9 Uhr abends ein neues Kapitel hochladen.