Probably - We need more than thousand 2nd Dates

GeschichteRomanze, Familie / P18
Barry Blue Claire Dearing Dr. Henry Wu OC (Own Character) Owen Grady
29.10.2018
24.11.2019
18
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2. Dinosaurier

Zia Rodriguez hatte die klingelnden Telefone schon bevor sie in das Büro der DPG gekommen war, wie verrückt schrillen gehört. Nun stand sie unschlüssig im Raum und wusste nicht, welches sie zuerst abheben sollte.
Wahllos griff sie nach einem Hörer, jedoch noch bevor sie ihren Spruch hatte sagen können, wurde sie auch schon angepflaumt: “Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin , dass endlich jemanden rangegangen ist - sie werden ja wohl der zuständig sein!”
“Für was?” Zia fuhr sich durchs schwarze Haar und ihr Blick schweifte durch ihr einst so belebtes, wie inzwischen nutzlos erscheinendes Hauptquartier.
Überall standen noch die Überreste der letzten Protestaktion herum. Shirts und Plakate. *We can save them!* prangte ihr als gut lesbarer Slogan entgegen.
Ihr letzter Protestmarsch zum Capitol Hill in Washington - alles nutzlos angesichts der Tatsache, dass es ihnen nicht gelungen war, die Dinosaurier vor Nublars Untergang in Sicherheit zu bringen.
“Na sie sind doch diese Organisation…”, die Frau klang hilflos und  wütend.
“Ich versteh sie nicht ganz…” Zia schnaufte und rollte mit den Augen, auch wenn es niemand sehen konnte, es tat gut damit trotzdem seinen Unmut einem unsichtbaren Gegenüber kund zu tun.
“Ich hab schon beim Tierheim und dem Vogelschutz angerufen, doch die sagten, es wäre nicht ihr Aufgabengebiet. Dieses DING sitzt in meinen Obstbüschen. Das ist aber kein normaler Vogel! Ich habe es in einer ihrer Broschüren gesehen...”
Zias Augen weiteten sich vor Schreck und ihre ganze Müdigkeit war verflogen.
“Miss, WAS genau ist denn in ihrem Garten?”
“Woher soll ICH das den wissen? Das ist doch ihr Spezialgebiet!” fauchte es empört aus dem Hörer.
“Könnten sie mir ein Foto mailen?” Zia krabbelte unter den Schreibtisch und drückte den ON - Button des Rechners der darunter stand, der sogleich darauf damit begann, seinen Dienst aufzunehmen.
“Ich glaube es sitzt seit gestern da….”, flüsterte die Frau nun angestrengt, “...ich weiß nichtmal wo es herkommt weil…”
“Miss… schicken sie mir ein Foto und ihre Adresse, ich kümmere mich darum.” versuchte Zia das ganze abzukürzen, auch  wenn sie nicht die geringste Ahnung hatte, wie sie das anstellen sollte.
Dann beendete sie das Gespräch .
“Pfff...” schnaufte sie und betrachtete ratlos die anderen, um Annahme bettelnden, Apparate.

Der klapprige Aufzug kündigte an, dass er bald jemanden ins Büro spucken würde.
Noch während Zia darüber nachdachte, ob es klug wäre, das Gebäude wieder zu verlassen, tauchte Franklins Gesicht in dem Spalt auf, den er mühsam zur Seite drückte, weil sich die Türen wie so oft nicht richtig öffneten.
Er zwängte seinen schmalen Körper hindurch und stand dann für einen Moment genauso ratlos im Raum wie es Zia vor ein paar Minuten getan hatte.
Kurz blickte er die blinkenden Apparate an, maß dann mit großen Schritten zielstrebig den Raum, kroch unter einen der Tische und mit einem Schlag herrschte gespenstische Stille.
...
“Perfekt….” sagte Zia nach einigen Sekunden, in denen die Ruhe nach wirkte., “ deswegen bist du der Kabelfuzzi… und ich nicht!”
Sie hielt den Daumen nach oben und grinste ihn an.
Seine Brille hing schief, als er wieder ganz herauf kam und sich zur vollen Größe aufrichtete.
Franklin rückte seine Brille zurecht, er stemmte die Arme in die Seiten und blickte sich um.
“Es kommt niemand mehr…” resümierte er.
Zia seufzte: “Nein… es ist alles...vorbei…wir haben es nicht geschafft, auch nur einen von ihnen zu retten...” gab sie zögerlich zurück.
“Hast du etwas von Owen und Claire gehört…?”
Zia zuckte die Schultern.
“Sie wollten Maisie mit nach Walnut Creek nehmen…”, erklärte sie, was sie wusste.
“Oh, eine gute Entscheidung. Ich denke es ist vorerst ein guter Ort für sie. Immerhin sind Claires Zwillinge auch dort...” entgegnete Franklin nachdenklich
“Ist dir Spatzenhirn eigentlich klar, das es die Zwillinge der BEIDEN sind?!” überfuhr Zia ihren Kollegen schnippisch, der einen Gesichtsausdruck annahm, als habe man ihm gerade das achte Weltwunder präsentiert.
“Du meinst, der: “Ich-bin-mit-einem-Rudel-Raptoren-durch-den-Dschungel-gefahren-Owen” ist….” begann Franklin mit den aufgerissenen Augen der Erkenntnis, die ihn soeben getroffen hatte.
“Ja genau!” unterbach Zia ihn, “ ich habe nie gewusst, wer ihr Vater ist, oder das Claire überhaupt, na du weißt schon....bis er aufgetaucht ist…” sie lächelte über ihre detektivische Erkenntnis und genoß es Franklin wieder mal überlegen zu sein. Franklin räusperte sich umständlich.
“Ihr Privatleben geht uns ja auch nichts an.” schob er dann rasch hinterher.
Als sei es ihm unangenehm, dass dies überhaupt aufgefallen war.
Der hochgefahrene Computer blinkte auf und am unteren Bildrand erschien der Hinweis eines Maileingangs.
Franklin glitt  auf den Bürosessel und sah zuerst Zia und dann den Bildschirm ratlos an, als das verwackelte Bild eines Pteranodon, der wie eine äußerst surreale Erscheinung in einem Apfelbaum saß, in der Mail zum Vorschein kam.
“Gütiger Himmel…,” keuchte Franklin, “ diese Frau hat ihn in ihrem Garten…”
“Die Frage ist eher : WO ist der Garten und wie schnell kann ein Dinosaurier von Wilmington dorthin gelangen?”

Owen saß seit einer gefühlten Ewigkeit in der Ambulanz des San Francisco Medical Center und wartete darauf, dass die Tür aufging und Claire wieder heraus kam.
Mit ihm füllten den kleinen Sitzbereich noch sechs  andere Wartende.
Darunter ein kleines Kind, dass blass und elend vor sich hin starrte, während seine Mutter ihm den Rücken tätschelte und aussah als würde es nicht mehr lange dauern bis es sich übergab.
Sein Sitznachbar presste sich einen Knäuel Verbandmaterial auf seine blutende Hand und Owen wollte gar nicht wissen, was darunter lag, denn er war genug damit beschäftigt, nicht dem permanenten Fluchtreflex nachzugehen, den sein Körper vehement aussendete.
Unruhig blickte er immer wieder zur Eingangstür und  er beneidete still jeden, der sie durchschritt, um das Gebäude zu verlassen.
Krankenhäuser entsprachen in ihrem gesamten Dasein, nach wie vor seinem größten, persönlichen Horror, dem er  aus dem Weg zu gehen pflegte, wo es nur ging.
Gerade als er kurz überlegte, ob er besser zur Annahme zurückgehen und nachfragen sollte, wie lange sich das Warten noch hinziehen würde, öffnete sich die Tür und Claire trat, gefolgt von einem Arzt im weißen Kittel, zurück in den Kreis der Wartenden.
“Das wird wieder…” sagte der Arzt und tätschelte  Claire den Rücken, während Owen zu ihr kam, um sie in Empfang zu nehmen.
“Sind sie auch sicher, dass sie keine Zwillinge erwartet?” feixte er und Claire boxte ihn in die Seite.
“Hör auf damit! Danke Doc.” sagte sie und ließ den kopfschüttelnden Arzt stehen und schob Owen außer Hörweite.
“Man wird ja wohl mal fragen dürfen? Das letzte Mal, als ich dich in einer solchen Situation einem Arzt überlassen habe…” murmelte er , ließ jedoch seinen Satz unbeendet und bot ihr stattdessen seinen Arm an, den sie dankend annahm,  “ich wollte bloß sichergehen…” setzte er grinsend hinzu und nickte dann zu ihrem lädierten Bein, “ tuts weh…?”
“Ein bisschen…” log sie, seit der Arzt die Wunde gesäubert hatte, brannte sie höllisch und sie hatte mehrmals laut geflucht. Jetzt fühlte es sich heiß an und sie fühlte ihren eigenen Puls in der Verletzung schlagen.
“Morgen ist es besser...”, prophezeite er und sie passierten das  ersehnte Eingangsportal.

Ein Polizist beäugte Owens Gefährt, als sie darauf zu hielten und als er einen Block zückte, um ihn aufzuschreiben, weil er offensichtlich im Halteverbot stand, wurden seine Schritte schneller.
“Heyheyhey!” rief er und der Polizist drehte sich um, während Claire langsam hinterher kam, “das war ein Notfall...Hey!” jetzt war er bei dem  Ordnungshüter angelangt und blieb vor ihm stehen, den Wagenschlüssel in der Hand, “kommen sie schon…” bat er nun verzweifelter.
“Sie stehen im absoluten Halteverbot Sir! Ich sehe keinen Anlass der das rechtfertigt…” meinte der Cop streng.
“Meine Ff...freu…”, begann Owen stammelnd und gestikulierte zu Claire; “... meine  Claire ich, meine ...SIEEHHH... wir mussten in die Ambulanz…”  
“Ich sehe keinen Anlass der das rechtfertigt..” wiederholte der  Ordnungshüter sich und rupfte den Zettel von seinem Block und winkte damit, als habe er eine Trophäe in der Hand, die es zu gewinnen galt.
“Officer, er hat mich bloß…”, begann nun Claire auf ihn einzureden.
“Keinen! Anlass! Entfernen sie ihr Fahrzeug! Jetzt!” damit drückte er Owen den Strafzettel in die Hand, tippte sich an den Mützenschirm und stapfte davon.
“Verflucht!” zischte Owen, riss die Fahrertür auf und schwang sich auf den Sitz, noch während Claire einstieg, klappte er das Handschuhfach auf.
Er stopfte den Zettel hinein, warf es wieder zu  und ließ den Motor an.
Claire stutze beim Anblick des Inhaltes und öffnete die Klappe erneut.
“Könntest du das bitte schließen!” maulte er ungehalten, während Claire einen ganzen Wust von Papieren und Strafzetteln ans Tageslicht brachte.
“Mein Gott, wie viele davon hast du denn?” fragte sie ungläubig und begutachtete die Zettelwirtschaft.
“Keine Ahnung…” knarzte er mürrisch, “...steck das Ding einfach zu den anderen, okay!”
Claire blies ihre Backen auf und klappte das Handschuhfach zu.
Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte in diesem Zustand mit ihm darüber zu reden, dass es sich eines Tages rächen würde, die ganzen Verkehrsvergehen ignoriert zu  haben.
Also schwieg sie und bis die großen Windräder von Bakersfield  in ihr Sichtfeld kamen, sprach niemand ein Wort.
Erst dann wurde durch das Klingeln ihres Smartphones die Stille zerrissen.
“Clarie Dearing?...ein Was?” ihr Blick wanderte zu Owen der  sie ratlos anblickte.
“...das ist ganz schön weit…Okay...? Ja ich komme jetzt erstmal ins Büro… okay…” wenig später legte sie auf.
“Das war Zia...Kannst du mich im Büro absetzen?” fragte sie und zögerte kurz bevor sie weitersprach, ”Jemand hat einen Pteranodon in seinem Vorgarten.”
Es hörte sich surreal an, wie normal diese Worte aus ihrem Mund kamen und trotzdem wurde ihr in diesem Augenblick klar, was für eine Tragweite sie mit dem Drücken des Knopfes in Kauf genommen hatte.
“Du bist also weiter auf Rettungsmission…” seufzte Owen und wendete den Wagen mitten auf der verlassenen Straße.
Claire zuckte die Schultern. “Sie haben in der DPG angerufen…”
“Naja das war ja ein Teil deiner Idee, die Welt mit Dinosauriern zu bevölkern. Dann ist es nur legitim, dass du dich darum auch kümmerst…!”
“... und DU wirst mit mir kommen…” sagte sie bestimmt und ihre Haltung ließ keinen Raum zur  Widerrede.

“... und dann hat es plötzlich die Flügel ausgebreitet. Ich dachte es fliegt davon… doch es kam zurück und hat meine Missy mitgenommen…” die Mittvierzigerin schüttelte ein erneuter Schluchzer.
Was sie inzwischen aus der völlig aufgelösten Dame herausbekommen hatten, war, dass  sich der Flugsaurier als Dankeschön für ihre unfreiwillige Gastfreundschaft schlussendlich die Katze, die auf dem Rasen ihrer Wege ging, geschnappt und als Snack verspeist hatte. Verständlicherweise war die Dame nun völlig aus der Fassung.
Zu sehen, wie das eigene Haustier von einem prähistorischen Flugräuber geschnappt wurde, war mit Sicherheit ein traumatisierendes Erlebnis.
Während Zia die Hinterlassenschaften und Spuren fasziniert untersuchte, versuchte Claire die Frau zu trösten.
“Es tut mir so Leid Miss…” behutsam strich sie über deren Rücken und reichte ihr ein Taschentuch.
“Sie hat die ganze Strecke in nicht ganz 48 Stunden zurückgelegt..” kam es fasziniert von Zia und sie steckte in wichtiger Forschungsmanier einige Probenutensilien in ihren mitgebrachten Rucksack.
“Faszinierend…” , gab Owen betont gelangweilt zurück und sein Blick ging zum Himmel, als erwartete er, dass das Tier gleich zurückkommen würde, um seine Hauptmahlzeit zu suchen.
Er scharrte mit dem Fuß in der aufgewühlten Erde.Dann trat er  ein paar Schritte zu Claire und ihrem leicht unbeholfenen Zuspruchsversuch.
Vorsichtig griff er sie am Arm und zerrte sie ein Stück beiseite: “Wir sollten zusehen, dass wir hier verschwinden. Sie ist garantiert nicht satt geworden.” raunte er.
“Ja ich weiß, du hast Recht, aber…” sie warf einen weiteren besorgten Blick zu der Frau, die sich geräuschvoll in ihr Taschentuch schnäuzte.
Owen hob verwundert eine Braue und sein Blick fixierte Claire.
Sie sah ihn fragend an :”Was?”
“Kannst du das nochmal sagen…” forderte er leicht amüsiert.
Seine Lippen umspielte dieses verflixte Lächeln, in das Claire sich mal verliebt hatte und bohrte sich geradewegs in ihren Kopf.
“Was?” fragte sie völlig ahnungslos und wusste ehrlich nicht was er meinte.
“Sag es einfach nochmal...” forderte er, ohne ihre Frage zu beantworten.
Er stemmte die Arme in die Seiten.
“Waaas?” sie wurde laut und ungehalten.
“Mein Gott Claire! Das er Recht hat! Sag es ihm doch einfach..!” fuhr Zia dazwischen und schwang sich ihren Rucksack über die Schulter und ging genau zwischen den Beiden hindurch, “... Männer müssen sowas scheinbar hören...ich hab zwar wenig Ahnung davon, aber es ist  ja nicht so, das wir nicht auch derselben Spezies angehören! ”
Sie war inzwischen bei Owens Jeep angekommen, der sie hergebracht hatte.
Erstaunt darüber, dass ihr niemand gefolgt war, wandte sie sich um und blickte  in drei Gesichter die  ihr entgegenblickten.
“Wir können dann…”, ließ sie die Umstehenden wissen, “ er hat tatsächlich Recht Claire, und sie sollten im Haus bleiben, Miss! Für eine Weile würde ich aufs Sonnenbaden im Garten verzichten. Bis wir sichergehen können, dass sie weitergezogen ist...” mit diesen Worten tätschelte sie bedeutungsschwanger ihren Rucksack, als würde es helfen, damit derartige Beweise darzulegen.

Als Owens Jeep auf den Hof der Fleets fuhr, war es bereits Abend.
Zia bearbeitete mit Feuereifer ihre neu gewonnen Erkenntnisse, während Claire versucht hatte, die weiteren Anrufe von Menschen zu beantworten, die mehrere Sichtungen von Sauriern gemacht hatten und schlussendlich im Hauptquartier der DPG gelandet waren.
“Okay dann…” meinte er, als er den Wagen anhielt und das heimelige Leuchten aus den Fenstern des Hauses seiner Schwester im Auge behielt, “wir sehen uns…wohl...bald...”
“Mhmm….”, macht sie und ihr Blick hing in ihren verschränkten Fingern.
Claire sah hinter der Scheibe, wie Amber mit Maisie den Tisch deckte und die Kleine lachte.
Sie war froh, dass Amber Situationen dieser Art mit einfachen Übergang zur Tagesordnung zu begegnen pflegte.
Ruhig hatte sie sich angehört, warum Maisie in ihrer Obhut war und dann begonnen, sich darum zu kümmern, dass es dem verängstigten Mädchen an nichts fehlte.
Das Ergebnis ihrer Bemühungen, erkannte Claire nun als Lächeln auf dem Gesicht des Kindes.
Wahrscheinlich hatte Amber den Tag damit  verbracht, die vergangenen Erlebnisse nach und nach mit schönen Dingen zu überlagern in der Hoffnung, dass es vielleicht eines Tages reichen würde.
“Willst du nicht mit uns essen?”
In diesem Augenblick entdeckte sie, dass Maisie Hedy auf den Arm nahm.
“Was für eine Einladung…,” meinte er spöttisch, “ wir halten fest: Das Ganze fing mit einem Bier an... und nun bin ich überraschenderweise nach der nächsten pseudoprähistorischen Dinosaurierkatastrophe gleich noch zum Essen eingeladen. Danke,ein anderes Mal vielleicht...” meinte er bestimmt und startete den Wagen.
Seine Tochter hatte ihn entdeckt und  klopfte nun ans Fenster, während der Kopf ihres Bruders ebenfalls neben ihr erschien.
Owen wusste, dass sie auf die Sitzbank geklettert waren und beide winkten ihm.
Er winkte zurück und küsste dann zum Abschied vorsichtig  Claires Wange.
Sie kam nicht umhin ihre Wange vorsichtig zu berühren, um den Druck seiner Lippen nachzusprüren.
Der kurze Kuss war so unvermittelt, wie sein rüder Abschied abweisend war.
“Steig aus!” befahl er.
Ein wenig  überrascht über das plötzliche Ende sentimentaler Augenblicke, öffnete Claire die Tür.
“Eh...dann auf wiedersehen…” meinte sie verdattert und stieg vorsichtig aus.
“Ja, das tun wir…”, gab er knapp zurück und als die Tür zugefallen war brauste er fast im selben Moment davon.

Owen sah sie im Rückspiegel immer kleiner werden, bis er schließlich abbog und sie ganz verschwunden war.
Er hätte zählen können, zum wievielten Mal er sie zurückgelassen hatte, doch dieses Mal wusste er, dass sie sich tatsächlich wiedersehen würden.
Gott verdammt, es war genauso schwer wie in dem Augenblick, als er ihre Stimme zum ersten Mal seit Monaten wieder in dieser zaghaften Melodie seinen Namen hatte sagen hören.
*Das ist keine Familie, dass ist eine Katastrophe!*
Das waren ungefähr ihre letzten, direkt an ihn gerichteten Worte gewesen, bis zu dem Augenblick, als er ihre Reifen hörte, die auf dem steinigen Boden vor seinem Rohbau, zum Stehen kamen.
Wenn man von den knappen Absprachen im Bezug auf die Kinder mal absah.
Es war alles so anders geworden, seit dem Umzug nach San Francisco.
Was für alle ein Neuanfang hatte werden sollen, hatte in einer Katastrophe geendet.
Wieder Mal.

Wie ein Film lief vor seinem geistigen Auge die Erinnerung daran ab, die dazu geführt hatte, dass er sich nun erneut in einem Wagen befand, der sich von ihr wieder mal entfernte:
An diesem einen Vormittag hatte Elias Mills an seinen Trailer geklopft:
*“Mr. Grady, der Leiter ihrer Company hat mich hergeschickt. Es tut mir leid, dass ich störe…” Mills rümpfte die Nase und besah sich seine mehr als schmutzige Hose und den blanken Oberkörper, als er ihm die Tür geöffnet hatte.
Owen hatte die ganze Nacht die LKWs entladen um, das geerntete Holz ins Sägewerk zu verbringen, damit es weiter verabreitet werde konnte und war eigentlich froh über seine wohlverdiente Pause.
Der aschblonde Anzugträger vor seiner Tür jedoch, hatte dieses Vorhaben derart jäh durch sein Klopfen unterbrochen, dass er nicht einmal in sein Hemd hatte zurück schlüpfen können.
“Tatsächlich?” knurrte er und hatte erst jetzt die Gelegenheit sein schmutziges Hemd zu greifen, es noch einmal über zu ziehen und die paar Stufen aus seinem Trailer heraus zu treten.
“Ein nettes Bauvorhaben…” lamentierte der Kerl im  Anzug und sein schwarz gegeltes Mitbringsel in der teuren Lederjacke, blickte an den Balken, die unverkennbar das Grundgerüst  eines Hauses darstellten, abschätzig auf und ab.
Dann wandte er sich ihm zu: “Wird das ein Haus?” kam es von ihm und Owen hätte am liebsten laut gelacht, wenn er sich sicher gewesen wäre, dass die beiden Herren, die auf seinem kleinen, gepachteten Fleckchen Erde aufgetaucht waren, ihm  diesen nicht  aus irgendeinem Grund streitig machen wollten.
Er wusste, dass es lediglich dem Wohlwollen der Bill Fry Construction zu verdanken war, dass er sich  Holz abknapsen, und davon seinen eigenen Haustraum in seiner Freizeit hier zusammenzimmern konnte.
Es bedeutete zwar ein, nicht unerhebliches Maß an Doppelschichten, doch wenn er morgens aus dem Trailer trat und seiner Hände Werk betrachtete, schien es ihm jede Mühe Wert.
Es war um so viele Längen besser, als sich in das gemachte Nest von irgendeiner Naval Base zu setzen.
Owen  konnte sich trotzdem ein leises, spöttisches Lachen nicht verkneifen und ebenso nicht verhindern, dass ein kleiner, sarkastischer Kommentar seinen Mund verließ: “Sie sind wohl, der mit qualifizierten Schulabschluss, was?” dann wanderte sein Finger sachte gestikulierend von der Lederjacke zum Anzug.
“Wir sind nicht hier, um ihre Fähigkeiten als Hauskonstrukteur zu begutachten.”, sagte Mills schnell.
“Mein Name ist Elias Mills und ich komme im Auftrag von Mr. Benjamin Lockwood.”
Dann reichte er ihm die Hand, die Owen nahm und kurz und beherzt zupackte.
Mills machte eine Kunstpause, als erwarte er eine Art ehrfürchtiges Atmen, oder dergleichen, bei der Erwähnung des Namens  L o c k w o o d, doch  das Gesicht seines Gegenübers blieb starr wie ein Fels.
“Lockwood…?!” wiederholte er deshalb fragend, so als müsse er davon ausgehen, nicht richtig verstanden worden zu sein.
“Benjamin Lockwood…” bekräftigte die Lederjacke  und erst jetzt wandte er sich von dem entstehenden Gebäude ab.
“Sie sind doch Owen Grady?”
“Möchte ihr *Lockwood* das wissen?” gab Owen arglos zurück und trat nun noch die unterste Stufe seiner Trailertreppe hinunter und knöpfte die letzten Knöpfe seines karierten Arbeitshemdes zu.
“Wir reden hier von John Hammonds Geschäftspartner.” erklärte Mills dann und erst  in diesem Moment grub sich augenblicklich eine tiefe Falte in Owens Stirn und seine gesamte Haltung nahm Ablehnung an.
Er trat  wieder einen Schritt auf die Stufe  zurück und schob die Hände in die Taschen.
“... sie wissen also…” deutete die Lederjacke Owens  Körpersprache richtig.
“Mr. Lockwood möchte gern mit ihnen kooperieren…” begann Mills, doch Owen unterbrach ihn harsch: “ Zu welchem Zweck?!”
“Wie sie wahrscheinlich schon der Presse entnommen haben, sind die Dinosaurier auf Isla Nublar dem Untergang geweiht…”
“Wegen dem Vulkan…” ergänzte sein Kollege.
“Und was hab ich damit zu tun?”
Es war, als hätten sich  sämtliche schmerzhaften  Erinnerungen in diesem Moment den Weg bis vor seine Haustür gekämpft.
Das was ihm vor einiger Zeit inklusive einer Verlobung abhanden gekommen war - klopfte nun in Form eines Anzug tragenden Lakaien, Dinosaurierbehaftet tatsächlich an seine Tür.
Er wollte nicht darüber reden, er wollte nicht darüber nachdenken, eigentlich wollte er ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen und darauf warten, dass er den Rückzug antrat.
Stattdessen blieb er stehen und verschränkte die Arme ablehnend vor der Brust.
“Wir hatten gehofft, wir könnten auf ihre Erfahrung zählen, um die verbliebenen Saurier zu retten. Mr. Lockwood möchte sie in ein Habitat bringen, in dem sie  geschützt sind, es dürfte doch in ihrem Sinne sein, dass...” betete er einen Sermon herunter, der auswendig gelernt anklang.
“WARUM sollte das  in meinem Sinne sein?” fuhr er ihm dazwischen.
“Nunja sie haben lange mit den Raptoren gearbeitet und sie groß gezogen, sie haben es  geschafft sie allein zur Isla Sorna zu bringen…”
“Wenn sie tatsächlich so gut informiert sind wie sie vorgeben, Mr. Mills, dann dürfte ihnen bekannt sein, dass eine der letzten Forschungseinheiten, besagte Saurier unter sehr zweifelhaften Umständen aus dem SORNA  -  *Habitat*  -  wie sie es zu nennen pflegen - herausgerissen haben, weil irgendjemand es für eine gute Idee hielt, diese Insel zu seinem Eigentum zu erklären. Aber was geht mich das an, dass sie sie einfach zurück nach Nubar umgesetzt haben? Bei dieser Mission war meine ERFAHRUNG schließlich auch nicht von Nöten. Ich weiß, dass sie vier von ihnen dabei getötet haben… das ist abartig genug...” Die Falte auf seiner Stirn grub sich noch tiefer bei den Erinnerungen, die ihr Gespräch zwangsläufig hervor rief.
Die Lederjacke begann  nun umständlich auf einem IPad herumzutippen, während Elias Mills weiter Werbung machte: “Mr. Grady, wir wissen davon und es ist mehr als bedauerlich. Was damals passiert ist, lag leider unterlag leider nicht unserem Einfluss, die Eigentumsteilung der beiden Inseln hat zu diesem bedauerlichen Zwischenfall geführt. Wie wir erfuhren, gab es bei der Überfahrt Schwierigkeiten, die zum Schutze der Crew, leider zur Tötung  eines Erwachsenen Tieres und der drei Jungtiere geführt haben, sie können sich Lockwoods Bedauern vorstellen. Er möchte es wieder Gut machen… Er möchte ALLE Fehler die gemacht wurden, wieder ausgleichen und wir möchte sie bitten, mit ihrem Sachverstand für diese gute Sache dazu beitragen, die letzten ihrer Art vor dem Untergang zu retten. Ihre Fähigkeiten würden solchen Zwischenfälle wie den letzten praktisch eliminieren…”
Owen ließ ein abfälliges Zischen verlauten: “Die Gute  Sache...Pff… Meine Fähigkeiten. Ich will garnicht wissen, woher sie diesen schön formulierten Text haben…”
“Mr. Grady…” begann nun die Lederjacke nochmal und steckte das IPad zurück in die Tasche, aus der er es gegriffen hatte, “ es wäre äußerst hilfreich wenn sie…”
“Ich möchte ihnen aber nicht helfen. Ich möchte auch ihrem Mr. Lockwood nicht helfen...ICH habe zu tun...“ damit ließ er keinen weiteren Zweifel auf einen anderen Ausgang des Gesprächs und verschwand grußlos in seinem Trailer.
Erst am späten Abend hatte dieser unverschämte Lackaffe es ein weiteres Mal am Telefon versucht, was darin geendet hatte, dass Owen ihn erneut abwürgte und zwar mit dem bloßen Drücken des “ Auflegen” Knopfes*


Als würde er zu einem Teil seiner Erinnerung zurückkehren, tauchte das Grundgerüst   seines Bauwerks zwischen den Bäumen auf, dass  sich wie ein Gerippe vor dem nächtlichen Himmel  abhob.
Seine Gedanken, an das erste Zusammentreffen mit Eli Mills und dessen Assistenten hatte zwangsläufig weitere Gedanken in seinem Kopf ins Rollen gebracht.
Wo war Blue?
Es würde sicherlich nicht lange dauern, bis es erneute Nachrichten darüber gab, dass die ersten Carnivoren an Viehherden aus der Umgebung ihren Hunger gestillt hatten, es würde eine völlig andere Dimension annehmen, als die dass eine Saurierinsel in die Luft geflogen war.
Er parkte neben dem Haus und starrte eine Weile auf den dunklen See.
Während in seinem Kopf all das Durcheinander das sich ereignet hatte, einen Platz zu finden versuchte.
Seine Hand langte nach dem Handschuhfach  und als er es öffnete, erbrach es sich regelrecht  in einem Wust aus Papier von nicht bezahlten Strafzetteln in den Fußraum.
Er suchte etwas ganz Bestimmtes.
Seine Hand fuhr ganz hinten in das Fach und er kramte etwas heraus.
Owen war froh, dass Claire es nicht gefunden hatte, als ihr Blick in das Chaos gefallen war. Seine Hand bekam das silberne Schmuckstück zu fassen und er zerrte es  heraus, ins schummrige Licht der Wageninnenbeleuchtung.
Er hätte genauso gut herausfallen können und dann hätte sie gewusst, dass er seit dem Tag, an dem sie ihm diesen vor die Füße geworfen hatte, ihren Verlobungsring  wie eine sonderbare Trophäe in seinem Auto mit sich spazieren fuhr.
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