Wie der Mond sich in die Sonne verliebte

von Lorelie
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
29.10.2018
24.05.2019
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Kapitel 13

Willkommen zu Hause, Schatz

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"Wonach hast du hier gesucht?", wollte Iona von der blonden Luftbändigerin wissen. Karou senkte den Blick.
"Mein Tempel wurde angegriffen und zerstört", Karou hielt für einen Moment inne. Noch nie hatte sie das laut ausgesprochen.
"Ich war auf der Suche nach dem Verantwortlichen. Und dann habe ich von dem Angriff auf die Wasserbändiger und auf den Tempel in der Feuernation gehört. Deswegen war ich hier in der Nähe, aber anscheinend habe ich mich ein bisschen übernommen." Sie grinste verlegen und kraulte Nis Köpfchen.
"Und jetzt noch ein paar Liegestütze", sagte Inei, die weiter im Hintergrund zusammen mit Narija trainierte. Iona musste bei dem Anblick lachen.
"Du willst also nach dem Verantwortlichen suchen? Ist dieser hellblau leuchtende Pfeil auf deiner Stirn nicht etwas kontraproduktiv?", wandte sie sich wieder an Karou. Darüber hatte die Blondine noch gar nicht nachgedacht.
"Du hast wohl recht. So viele Meister gibt es nicht. Vor allem auch keine mit blonden Haaren. Man könnte mich viel zu leicht erkennen. Aber was soll ich dagegen tun?" Iona grinste überlegen.
"Na, mit Make-up, Süße." Karou blinzelte überrascht.
"Mit was?"
"Make-up. Das klatschen sich in der Stadt alle Frauen ins Gesicht. Man kann bei den meisten schon gar nicht mehr erkennen, wie alt sie überhaupt sind", erklärte die Brünette.
"Hmmm. Wenn das Zeug meinen Pfeil überdecken könnte, wäre das keine schlechte Idee."
"Juhu! Das heißt also shoppen!" Iona klatschte freudig in die Hände. Karou grinste. Als Luftnomade ist sie nie in den 'Genuss' solcher Dinge gekommen. Aber nach der Shoppingtour, sah Karou die Dinge schon wieder anders. Von Genuss kann nicht die Rede sein, vor allem wenn man zusammen mit Iona und Inei in der Stadt ist.

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- 3 Jahre später -

"Sind wir dann auch bald da?", quengelte Iona nachdem sie das Gasthaus verlassen hatten. Narija strich sich eine Strähne, in die bunte Perlen geflochten waren, hinter ihr Ohr. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie damals zusammen mit Kari in die andere Richtung gelaufen war und sich genauso angehört hatte. Narija grinste.
"Wir sind wirklich bald da."
Der kleine gelbe Windgeist Ni hatte sich an die Spitze der Gruppe gesetzt. Etwas wehmütig musterte Narija die Otterdame. Als die Frauengruppe ihr Wochenende in der Stadt verbracht hatte, waren sich alle näher gekommen. Karou und Ni haben ihnen von Nis Schwester, Mue, erzählt. Narija wurde schon wieder sauer, wenn sie daran dachte. Dieser Typ machte vor nichts Halt. Er tötet Menschen und stiehlt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Die Bändigerinnen haben sich an diesem Abend dazu entschieden, nicht zu überstürzt zu handeln. Karou und Narija fiel das am Anfang unglaublich schwer. Aber Karou unterrichtete Narija in der Kunst der spirituellen Meditation und so konnten sich beide von diesem Problem ablenken.
Plötzlich musste Narija an den Feuerbändiger denken, den sie in Republica getroffen hat. Mit wunderschönen haselnussbraunen Augen.
"Nächstes Mal reiten wir aber. Oder fahren. Oder sonst irgendwas." Narija musste bei den Worten von Iona lachen.
"Jetzt mecker' doch nicht so viel", entgegnete Inei. Auch Karou musste kichern. In den letzten Jahren hatte sich Iona gar nicht verändert. Aber ohne sie, hätte Narija es auch nicht ausgehalten. Iona brachte sie immer zum Lachen und konnte sie immer aufbauen.
Nach ein paar Stunden konnte Narija schon die Stadtmauern erkennen und das Schild über dem Tor 'Hafenstadt der Feuernation'. Langsam wurde Narija nervös und in ihrem Magen bildete sich ein Knoten.
"Oh Göttin", entfuhr es ihr.
"Was ist denn?", fragte Karou. Nervös spielte die Wasserbändigerin mit ihren langen Locken.
"Um ehrlich zu sein", sie zögerte, "bin ich ziemlich nervös!" Iona legte einen Arm um Narija.
"Mach dir keine Sorgen. Wir machen es so: Wir drei", sie zeigte auf Karou, Inei und sich selbst, "gehen in unsere Wohnung, die wir von Tante Vitani bekommen haben. Und du", sie zeigte auf Narija, "gehst erstmal ganz entspannt zu deiner Mutter. Was soll schon schlimmes passieren?", die Erdbändigerin zwinkerte Narija zu.
"Du hast recht", die Wasserbändigerin nickte, "was würde ich nur machen, wenn ich euch alle nicht hätte."
"Verschlafen", sagte Inei.
"Verzweifeln", ergänzte Karou.
"Wie eine kopflose Schildkrötenente durch die Gegend laufen", schloss sich Iona an.
"Ihr seid doch bescheuert", lachte Narija und die anderen fingen auch an zu lachen.

Nervös spielte Narija an dem Stoff ihres hellblauen und mit Perlen bestickten Kleids. Sie stand vor der Haustür ihrer Mutter. Die neue Adresse hatte ihre Mutter ihr in einem Brief mitgeteilt. Die hellhaarige Bändigerin atmete einmal tief durch und klopfte dann an die Tür. Es dauerte nicht lange, da wurde die Tür schon aufgeschlossen.
"Narija, Schatz! Du bist wieder da!" Stürmisch wurde sie von ihrer Mutter umarmt.
"Ich habe dich so vermisst, meine Kleine", flüsterte Jissika in ihr Ohr.
"Ich dich auch, Mama." Narija drückte ihre Mutter fest an sich. Die letzten Jahre haben sie nur über Briefe Kontakt gehalten. Sie wollte ihre Mutter am liebsten nie wieder loslassen.
"Komm' erstmal rein. Ich koche Tee." Narija trat durch die Haustür in die Wohnung ihrer Mutter. Die Wohnung war im üblichen asiatisch angehauchten Stil der Feuernation gebaut und eingerichtet. Wohnzimmer und Küche waren zusammen ein großer Raum und die Wand im Wohnzimmer, auf der Seite zum Garten, bestand komplett aus Fenstern.
"Laria ist im Garten, falls du vorher noch zu ihr gehen willst", rief ihre Mutter ihr über die Schulter zu. Narija nickte.
"Danke, Mama!" Die Wasserbändigerin rannte geradewegs auf die Glastür zum Garten zu. Sie öffnete die Tür und trat in den großen Garten. Nicht anders zu erwarten, war der Garten ein Blumenparadies. Jissika hatte einfach einen grünen Daumen. Das passte auch einfach perfekt zu ihren Tätowierungen. Ob ihre Mutter wohl auch Pflanzen bändigen konnte?
"Miau!" Hinter ihr hörte sie das freudige Maunzen ihrer Pfauenkatze. Plötzlich wurde sie von den Beinen gerissen und Laria grinste ihr frech ins Gesicht.
"Göttin, bist du groß geworden!" Laria war bestimmt genauso groß wie ein Tigerpferd. Und mit Sicherheit auch genau so schwer! Die Wasserbändigerin kraulte den großen Kopf der weißen Katze mit dem Pfauenschweif. Eine halbe Stunde kraulte und spielte sie mit ihr bis ihre Mutter nach ihr rief.
"Narija! Der Tee ist fertig."
"Ich komme gleich!", rief sie ihrer Mutter zu und wandte sich dann wieder an Laria, "so Süße, ich bin erstmal bei Mama. Ich komme später wieder." Etwas traurige schaute sie zu Narija. Die Bändigerin streichelte ihr über den Kopf.
"Miau!" Narija grinste.
"Bis später." Mit diesen Worten verabschiedete sich und ging wieder in die Wohnung.
"Setz' dich, Schatz." Narija setzte sich gegenüber von ihrer Mutter an den großen Esstisch.
"Und jetzt, erzähl' mir mal, was du so in den letzten Jahren gemacht hast", grinste Jissika. Narija erzählte ihrer Mutter von der Ausbildung. Sie berichtete ihr von Vitani und ihren Nichten Inei und Iona. Dann erzählte sie ihr von der Luftbändigerin Karou und Ni. Gerade als sie ihr von den Wochenenden in der Stadt und dem Ausflug nach Republica erzählen wollte, kam ein Mann ins Esszimmer. Und er war nur mit einem Handtuch bekleidet. Erwartungsvoll schaute Narija ihre Mutter an. Ihre Mutter lief etwas rot um die Nase an.
"Äh, Narija", sie stand auf, "das ist Kagaya. Wir… äh wohnen hier zusammen." Narija wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Für ein paar Augenblicke schaute sie ihre Mutter perplex an.
"Ich wollte es dir eigentlich anders sagen, aber", sie grinste den großen muskulösen Mann neben sich an, "Ich meine… wegen deinem Va-" Narija schnitt ihr das Wort ab.
"Schon gut, Mama. Ich will doch, dass du glücklich bist." Die beiden Frauen grinsten sich an. Kagaya trat einige Schritte nach vorne und reichte Narija seine Hand.
"Hallo, Narija. Deine Mutter hat mir schon viel von dir erzählt. Ich wollte euch eigentlich nicht stören", er wandte sich wieder an Jissika, "ich gehe mir was anziehen." Was für eine unangenehme Situation. Sie schaute ihre Mutter wieder an.
"Ich hoffe es ist wirklich OK für dich."
"Ja, mach' dir keine Sorgen", entgegnete Narija. Ihre Mutter lächelte.
"Achja, wo willst heute schlafen? In der neuen Wohnung oder hier?"
"Ähm…" Jissika lachte.
"Du kannst es dir ja nochmal überlegen."
"Ich wollte aber auch noch zur neuen Wohnung gehen", gestand Narija. Ihre Mutter nickte.
"In Ordnung. Ich koche vorsichtshalber für dich mit." Jissika begleitete ihre Tochter zur Tür und umarmte sie dann.
"Bis später, Schatz." Narija grinste.
"Bis später, Mama."

Auf dem Weg zu ihren Freundinnen begegnete Narija plötzlich dem schwarzhaarigen Feuerbändiger, der so viel für Narija getan hatte.
"Kari?", begrüßte die Bändigerin ihn von weitem.
"Narija?", rief er überrascht und zog sie in seine Arme.
"Ich wusste gar nicht, dass du schon wieder da bist", gestand er. Verlegen lächelte Narija.
"Ja, seit ein paar Stunden."
"Ähm… Können wir in den nächsten Tagen mal reden?", wollte Kari wissen.
"Äh… Klar. Worum geht es denn?" Ging es etwa um den Kuss, den sie damals abgelehnt hatte?
"Mach dir keine Sorgen. Bis dann." Damit verabschiedete er sich und ging davon.
"Hmm", murmelte Narija schterzuckend und ging weiter.

"Wo warst du denn so lange?", fragte Iona neugierig.
"Iona, bedräng' sie doch nicht so", mischte Inei sich ein. Iona schnaubte beleidigt.
"Bleibst du heute hier?", fragte Karou. Narija überlegte.
"Hmm. Ich glaube, ich bleibe heute bei meiner Mutter. Wir wurden vorhin unterbrochen und ich habe ihr noch so viel zu erzählen!"
"Wie unterbrochen?", fragte Iona.
"Ach, meine Mutter hat einen neuen Mann."
"Wie? Einen Neuen?", wollte Inei wissen. Narija nickte.
"Ich bin nicht sauer oder so. Ich will ja, dass sie glücklich ist. Aber wie die beiden sich kennengelernt haben und alles, weiß ich halt noch nicht." Iona nickte.
"Du sagst es. 'Noch nicht'."
"Ein Zimmer haben wir trotzdem für dich aufgehoben", sagte Inei.
"Aufgehoben?" Narija lachte. Inei nickte und schaute zu ihrer Schwester.
"Hey. Der begehbare Kleiderschrank ist für alle gedacht", verteidigte sich die Erdbändigerin.
"Und genau deswegen haben wir ein Zimmer für dich reserviert", erklärte Inei. Narija lachte.
"Danke." Narija betrachtete die Wohnung. Auch hier waren Küche und Wohnzimmer ein großer Bereich. Die Schlafzimmer lagen alle oben. Unten gab es eine Sauna und einen Pool. Vitani hatte wirklich an alles gedacht.
"Ich werde mich mal auf den Weg machen. Es wird langsam dunkel draußen", sagte Narija, nachdem sie den Pool ausprobiert hatte. Die Schwestern nickten.
"Halte uns auf dem Laufenden!", verlangte Iona. Narija kicherte und winkte ihnen über die Schulter hinweg zu.
"Warte. Ich bringe dich zur Tür", sagte die blonde Luftbändigerin und ging auch zur Tür.
"Ich bin stolz auf dich, dass du das mit dem neuen Mann akzeptierst", sagte Karou leise zur Wasserbändigerin. Überrascht blinzelte Narija sie an.
"Was sollte ich denn dagegen haben?" Karou zuckte mit den Schultern und lächelte.
"Ich wollte es nur erwähnt haben." Narija grinste und umarmte ihre Freundin.
"Wir sehen uns morgen", verabschiedete sich Narija und winkte ihr zum Abschied zu.


Narija klopfte an die Tür und ihre Mutter öffnete sie.
"Oh. Habe ich vergessen dir den Schlüssel zu geben?", kicherte ihr Mutter. Narija nickte.
"Ja, das hast du", lachte sie.
"Komm' rein. Ich zeige dir dein Zimmer." Narija trat ein und folgte ihrer Mutter durch das Haus. Kagaya saß auf dem Sofa und auf dem Tisch stand eine Flasche Sake. Narija winkte dem Schwarzhaarigen zu. Dieser nickte knapp. Narija folgte ihrer Mutter die Treppe rauf. Jissika lief auf eine Tür am Ende des Flures zu und öffnete die Tür.
"Es ist zwar nur karg eingerichtet, aber ich dachte, du willst das vielleicht selber machen", zwinkerte ihre Mutter ihr zu.
"Danke, Mama. Ich werde aber auch gleich ins Bett gehen. Ich bin total müde."
Jissika grinste.
"Dann wünsche ich dir eine gute Nacht, mein Schatz."
"Gute Nacht." Narija ging in das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Die Bändigerin ging geradewegs auf das Bett zu und warf sich darauf. Narija seufzte. Irgendwie ging der Tag wieder einmal viel zu schnell rum. Sie kuschelte sich ins Bett und inhalierte den vertrauten Geruch ihrer Mutter. Narija grinste. Sie schloss die Augen und es dauerte auch nicht lange, bis sie eingeschlafen war.

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