Neglected

von Murica
GeschichteDrama, Familie / P12
OC (Own Character) Sophie Koch
28.10.2018
08.09.2019
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„Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein…“, die Stimme des Mädchens brach. Tränen liefen über sein Gesicht. Es presste seinen Teddy noch fester an sich. Sein Schluchzen zerbrach die Stille.
Das Mädchen vergrub sein Gesicht in seinem Teddy, zog ihre Beine näher an sich. Die Kälte der Steinmauer, auf der es saß, ließ es frösteln. Die Kälte war ihm willkommen. Alle Wärme, die es einst besessen hatte, war längst erloschen. Stück für Stück hatte man ihm alle Wärme und Hoffnung genommen.
Es strich seinem Teddy über den Kopf. „Alles wird gut, Lou passt auf dich auf. Ich lasse dich niemals allein!“ Wieder begann das Mädchen zu schluchzen. Sein Herz war bereits gebrochen und was auch immer es tat, es konnte diese Leere nicht füllen.
Das Mädchen drehte sich zu dem Haus, aus dem es gekommen war. Eine Frau sah ihm aus dem Fenster hinterher, rührte sich jedoch nicht. Wut stieg in dem Mädchen auf. Es ballte seine Hände zu Fäusten. „Ich hasse dich!“, schrie es, doch sobald die Worte seinen Mund verlassen hatten, brach es erneut in Tränen aus und drehte sich von der Frau weg.
Schmerz war alles, was übrig blieb. Ewiger Schmerz, Einsamkeit. Ein Loch, das noch nie jemand hatte füllen können. Und der schlimmste Schmerz von allen: Hoffnungslosigkeit.
So oft hatte es gehofft. Doch jedes Mal aufs Neue war das Mädchen enttäuscht worden. Jedes Mal hatte man ihr so viel versprochen und all diese Hoffnungen und Träume dann zerplatzen lassen wie eine Luftblase.
Ein Auto fuhr heran. Kurz sah das Mädchen auf. Dann wischte es seine Tränen weg und stand auf. Es nahm die große Sporttasche, die neben ihm lag und seinen ewigen Begleiter darstellte. Eine ewige Konstante in seinem sich in rasender Geschwindigkeit veränderndem Leben. Das Auto hielt neben dem Mädchen, eine junge Frau stieg aus.
Sie ging zu dem Mädchen, kniete sich vor ihm hin. Liebevoll strich sie ihm durch die Haare. „Nächstes Mal klappt es ganz bestimmt.“
Das Mädchen hasste die Frau. Hasste ihr Gesicht. Die braunen Haare, die liebevollen Augen. Es hätte sie ihr am liebsten aus dem besorgten Gesicht gekratzt. Trotzdem nickte es brav. „Ja, Frau Peters.“
Noch einmal strich die Frau ihm durchs Gesicht. „Setz dich doch schon ins Auto, ich nehme deine Tasche.“
Nur ungern übergab es der Frau seinen einzigen Besitz, doch es wusste, dass Protest nichts brachte. Man entschied sowieso immer über seinen Kopf hinweg. Schließlich war es nicht erwachsen, es konnte die Situation nicht richtig einschätzen. Wieder ballte es seine Hände zu Fäusten. Wortlos überreichte es der Frau die Tasche und kletterte auf den Beifahrersitz.
Noch einmal sah es zu dem Haus, das es vor ein paar Tagen noch sein Zuhause genannt hatte. Nein, eigentlich war es nie sein Zuhause gewesen. Es war alles nur eine Illusion. Und das würde sich wohl nie ändern. Solange das Mädchen lebte, war es immer nur verletzt worden. Wieso sollte sich das ändern?
Menschen waren schrecklich. Sie versprachen Dinge, die sie dann nicht hielten. Das Mädchen schüttelte den Kopf. Nochmal würde das nicht passieren. Nie wieder. Es würde nie wieder einem Menschen vertrauen, solange es lebte.
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