Ein dunkelroter Wollschal

GeschichteFreundschaft / P12
Bert Alfred Mary Poppins
27.10.2018
16.05.2019
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Wieder eine neue Mary Poppins Story von mir :D
Ja, es ist eine Weihnachtsstory aber ich hatte bock drauf sowas zu schreiben und da ich um die Weihnachtszeit wahrscheinlich wieder keine Zeit für sowas hab und da nächste Woche ja schon November ist, dachte ich mir ich lade es einfach jetzt schon hoch :)

Sonst beinhalten meine Storys mehr Drama und ich glaub das werde ich auch bald bei MP Storys umsetzten haha

Freue mich wie immer über Reviews mit eurer Meinung und Verbesserungsvorschlägen ;D


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London, Weihnachten 1910


Bert schlenderte durch die leeren Straßen Londons. Der Schnee knirschte unter seinen Füßen, auf die er starrte.
Der sonst so frohe Mann ging in leicht gekrümmter Haltung, das Gesicht im Schal versteckt und die Hände in den Hosentaschen. Einzelne Schneeflocken fielen vom Himmel und tanzten durch die Luft, als eine leichte Brise aufkam.
Normalerweise hätte er sich darüber gefreut, doch seine Stimmung war gedrückt.
Er schlenderte von seiner kleinen Wohnung in Richtung Park, wobei er an den verschiedensten Häusern vorbei kam. Großen, kleinen, teure Häuser, in der jeweils eine Familie lebte und welche mit vielen kleinen Wohnungen in denen die Ärmeren hausten. Doch in allen fand er eine Konstante: die Lichter brannten, es roch nach Essen und man sah freudige Silhouetten. Aber er, Bert Alfred, war allein.
Seine Schornsteinfeger Freunde waren alle bei ihren Familien und Mary musste auf der anderen Seite des Landes einer Familie helfen.
Er nahm es keinem übel aber er wünschte sich, dass er auch eine Familie hätte, mit der er Weihnachten feiern könnte.
Jedes Jahr dachte er so und niemand hätte ihm so eine Trauer zugetraut. Bert war noch nie ein Fan von Fassaden gewesen. Deshalb war er auch froh, dass ihn eigentlich nie jemand so zu Gesicht bekam.

Als der Wind, der eben nur eine leichte Brise war, stärker wurde, vergrub er sein Gesicht tiefer in dem dunkelroten Wollschal.
Der Wollschal- wie dankbar er war diesen zu haben. Es war ein Geschenk von Mary, welches er vor zwei Jahren im Januar von Ihr bekommen hatte. Die Geschichte dazu zaubert ihm immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.

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2 Jahre zuvor

Es war ein sehr kalter Januartag und Bert, der von einer ordentlichen Erkältung geplagt war, machte sich gerade auf den Weg zur Arbeit. Heute war er wieder ein Schornsteinfeger, da er auf dem verschneiten Boden keine Bilder malen konnte. Nachdem er heftig geniest und sich anschließend die Nase mit einem alten Taschentuch geputzt hatte, erklang eine melodische Stimme hinter ihm: „Du willst doch nicht etwa so arbeiten gehen!?“
Mit kratziger Stimme und einem Schmunzeln, aber ohne sich umzudrehen, antwortete er: „Mary Poppins“, er machte eine Umdrehung und stand etwa einen Meter von ihr entfernt, „natürlich gehe ich arbeiten, wie soll ich denn sonst über die Runden kommen?“
Ihr Gesicht war besorgt. Sie wusste, dass er nicht gerade der reichste Mann war- aber in so einem Zustand arbeiten zu gehen war jetzt echt zu viel. Sie wusste aber auch, dass sie ihn nicht dazu überreden konnte zuhause zu bleiben, solange er noch aufrecht gehen konnte. Er würde einen Kompromiss machen und trotzdem mehrere Stunden Schornsteine fegen und auf den Dächern Londons rumlaufen. Außerdem wollte sie keine Diskussion anfangen. Als sie ihren dunkelroten Schal zurecht zupfte kam ihr eine Idee. Ohne zu zögern zog sie diesen aus und reichte ihn Bert: „Dann nimm wenigsten den Schal. Den kannst du an so kalten. Tagen wie diesen besser gebrauchen als ich. Zumal ich genügend habe.“ 
Perplex nahm Bert den Wollschal entgegen und suchte nach Worten. „Sag nichts, tu mir einfach den Gefallen und zieh ihn a-“,die Nanny brach ab, als ihr bester Freund sie stürmisch umarmte: „Danke Mary“
Nach der Umarmung zog er den Schal an und ihm wurde augenblicklich wärmer- als ob es magische Wolle wäre.

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Auch nach Jahren roch der Schal immer noch nach Mary und schenkte ihm eine wohlige Wärme.
Er schloss für einen Moment die Augen und lies alles auf sich wirken, doch ein erneuter Windstoß lies ihn aufblicken. Der Himmel war dunkel und die Laternen und Bäume wankten gefährlich. „Ich sollte lieber nach Hause gehen“, murmelte er und machte kehrt.

Schnellen Schrittes ging er zurück zu seiner kleinen Wohnung. An einigen vereisten Stellen rutschte er fast aus, konnte sich aber immer ausbalancieren.
Der Wind war mittlerweile so heftig, dass er seinen Hut wegwehen würde, wenn er ihn nicht an seinen Kopf drücken würde. Da wurde ihm eins bewusst: es ist ein Ostwind!
Könnte es wirklich sein, dass- Nein. Sofort verwarf er den Gedanken. Sie meinte in einem Brief, dass sie länger weg sein wird, da dies eine sehr schwierige Familie wäre. Aber dennoch hatte er einen Funken Hoffnung- zumindest bis der Wind drehte und leicht abflaute. ‚Womöglich nur ein normaler kleiner Sturm‘, dachte er und trottete nun langsamer durch die Straßen.

Mit der gleichen Pose wie am Anfang seines Spaziergangs bog er in seine Straße ein und hörte streitende Stimmen aus einem der Häuser. ‚Wenigstens bleibt mir das erspart’
Doch etwas anderes erregte seine Aufmerksamkeit: eine Silhouette am Ende der Straße. Sie stand unter einer Laterne vor dem Haus, in dem er wohnte.
Er würde diese Silhouette und diesen Schatten unter Tausenden erkennen: „Mary Poppins?“
Seine Schritte wurden schneller als er auf sie zu ging. Bei ihr angekommen, begrüßte er sie mit einer herzlichen Umarmung. „Dir auch frohe Weihnachten, Bert“, meinte die Nanny als sie sich voneinander lösten.
„Komm“, er räusperte sich, „Willst du noch mit rein kommen? Hier draußen holen wir uns noch den Tod“. Sie nickte.

In der kleinen Wohnung angekommen legten sie ihre verschneiten Sachen ab. Während Bert den Ofen anfeuerte begutachtete Mary seine neusten Bilder: das eine zeigte London von Oben, ein anderes eine Familie im Park beim Drachensteigen lassen. Sein Talent war bewundernswert und er wurde von Mal zu Mal besser. „Du darfst dich auch gerne aufs Sofa setzten“, bot Bert ihr an, was sie dann auch tat.
Kaum hatte sie platz genommen reichte er ihr einen Tee: „Hätte ich gewusst, dass du kommst, hätte ich etwas zu essen vorbereitet. So ist es leider nur ein Tee“
Seine Stimme klang schon fast traurig.
„Alles bestens, Bert“, sie nippte an der heißen Flüssigkeit und schloss genüsslich die Augen: es war ihr Lieblingstee und keiner, abgesehen von ihr natürlich, konnte ihn so gut zubereiten wie ihr bester Freund.
„Also“, er setzte sich neben sie, „wie kommt es dazu, dass du in London bist? Versteh mich bitte nicht falsch, ich freue mich, dass du hier bist.. Sehr sogar! Aber du meintest doch, dass es ein längerer Aufenthalt wird… Brauchen sie dich nicht mehr?“

Mary setzte ihren Tee ab und atmete tief durch. „Der Wind brachte mich heute Abend nach London weil es anscheinend jemand gibt der mich dringender braucht als diese Familie.“
Der dunkelhaarige zog die Augenbrauen zusammen: „Ich verstehe nicht so ganz… Musst du heute noch arbeiten gehen!?“
„Nein, Bert. Du brauchst mich dringender.“

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Das war das erste Kapitel :)
Es kommen noch zwei ;)