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(Un)Leashed

von Ravaari
Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Sci-Fi / P12 / Gen
OC (Own Character)
27.10.2018
27.10.2018
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27.10.2018 4.038
 
Schweigend beobachte ich Tess wie sier * sich über das Schulheft beugt und immer wieder  Notizen macht.
Bildhübsche Kringel und Bögen sind das die Wörter bilden und akkurat nebeneinander stehen, als wären es aufgefädelte Perlen einer Kette.
Mann...
Innerlich seufze ich, denn siere Schrift ist nicht nur viel schöner als meine, was keine große Kunst ist, sondern auch schöner als die die ich früher hatte...
Davor.
Präzise und sier gibt sich wirklich Mühe ein gutes Bild für mich abzugeben...
Schade eigentlich, denn wenn wir uns mal ehrlich sind , müsste sier nicht einmal hier sein.
Es gibt nichts was Tess in einer High School noch lernen könnte, abgesehen davon wie ätzend manche meiner Mitmenschen sein können und es gibt nur einen Grund warum sier sich das überhaupt antut: Ich.
 Weil ich ohne fremde Hilfe nicht mehr als ein paar wenige kraklige Buchstaben auf ein Blatt Papier schreiben könnte, wobei diese paar Buchstaben im Vergleich zu letztem Jahr aber schon ein gewaltiger Fortschritt sind...
Na ja, okay, nicht wirklich.

Ich meine für eine Fünfjährige wäre es sicher der Hit "Ich gehe mit Oma einkaufen" oder den eigenen Namen in unter zwei Minuten schreiben zu können, aber nicht für eine Siebzehnjährige.
Trotzdem könnte ich ohne Tess gar nicht hier sein.  
Ohne siere Hilfe könnte ich nicht mal laufen, essen, trinken oder aufs Klo gehen.
Da wäre nur ein Körper der stumm und still in einem Rollstuhl hängt.  
Festgeschnallt damit er nicht rausfällt.
Nichts weiter als ein  ekelhafter plumper Sack vollgestopft mit Blut, Gedärmen und Fleisch.
Eine lebende Leiche.
Mein Blut, meine Gedärme, mein Körper...
Mann, es fällt mir nach wie vor schwer, das zu akzeptieren.
Das Gefühl zu haben, das eigene Leben als Beobachter zu sehen, den eigenen Körper als nicht zu einem selbst gehörend und fremd zu empfinden.
Mutismus, Akinese...
Nur ein paar von den netten Symptomen des PEVM.
Post-Esrin-Va-Ma Syndrom .
So nennen sie das woran ich leide.
Das was von einem menschlichen Wesen übrigbleibt, nach einer teil- therapierten  massiv autoritären Behandlung nach  Esrin-Va-Ma.  

Nur wenige Menschen sind wirklich von den Yirks auf diese Weise gebrochen und gefoltert worden und noch viel  weniger  sind danach wieder "zurückgekommen".
Die Meisten von ihnen  sind Kinder oder Jugendliche die nicht lange Wirte und in diesem Zustand gewesen waren, so wie ich.
Warum weiß keiner so genau, aber anscheinend haben junge Menschen eine gute Resiliszenz gegen diese Art von Tortur die den eigenen Verstand langsam auffrisst und nichts bis auf eine geistlose Hülle zurücklässt.

Vielleicht hat es irgendwie was mit der Gehirnchemie von jungen Leuten zu tun.
Vielleicht auch damit, dass Erwachsene realstischer sind, weniger Hoffnung haben und sich einfach schon aufgrund ihrer Lebenserfahrung leichter aufgeben.
Vielleicht aber auch mit einer Vorliebe für Donuts und rosa Unterwäsche.
Ich weiß es nicht  und kann obwohl ich selbst betroffen bin, auch nur raten denn eigentlich gibt es viele Theorien und keiner weiß es so genau woran es liegt, dass manche Menschen widerstandsfähiger sind als andere.
Nicht einmal die Yirks selbst und die haben die Esrin-Va-Ma-Technik immerhin erfunden.

Sicher ist nur dass über neunzig Prozent von denen die die älter als fünfundzwanzig sind, immer noch langsam aber sicher in irgendwelchen Klinikbetten vor sich hinsterben und  unsere Mediziner nach dem die ersten von EVM-Opfer befreit worden sind ,  absolut nicht gewusst haben, was sie damit anfangen sollten.
Eigentlich wissen sie es bis heute noch nicht.
Den Therapie-Ansatz die Symptome die durch Yirks verursacht worden sind, durch die erneute Infestation mit einem  Yirk beheben zu lassen, bezeichnen die meisten von ihnen immer noch als " den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", aber weil es eben die einzige Möglichkeit ist die sie haben und vor allem weil die Angehörigen Druck machen, lassen sie es trotzdem zu.

Meine Schwester hat auch Druck gemacht und unsere Tante die nach Mamas Tod das Sorgerecht für mich hatte, hat sich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt.
Hatte mich vor etwas "noch Schlimmeren" als dem was ich erlebt hatte, bewahren wollen wie sie meinte.
Tja, in Wahrheit hat sie aber nicht die geringste Ahnung gehabt, was ich denn jetzt überhaupt erlebt habe und ich... Na ja , ich eigentlich auch nicht, denn Ich erinnere mich nicht mehr.

Weder an den ersten Yirk der meinen Körper gestohlen hat, noch an meine Transformation in diesen zombieartigen Zustand der jetzt mein Leben ist, oder auch nur an irgendetwas danach.
Das letzte Bild vor dem Filmriss ist dieser große, asiatisch aussehende Polizist der plötzlich vor mir steht und von mir verlangt, dass ich mitgehe.
Ich erinnere mich, wie wir gemeinsam durch einem Flur gehen und dann durch zerfließende Räume die in meiner Erinnerung nichts weiter als Schatten sind...
Da sind Gesichter.
Geisterhafte Trugbilder die sofort noch mehr verschwimmen, wenn ich versuche  mich darauf zu konzentrieren und danach...
Nichts mehr.
Nur Ketrash Sieben-Acht-Sechs´ Stimme in meinem Kopf und wie ich Zu Tode verängstigt und absolut hilflos  im Krankenhaus wieder aufwache.
Stumm war ich gewesen, gelähmt  und nicht einmal fähig selbstständig die Augen zu öffnen aber gleichzeitig bei vollem Bewusstsein .
Ich, die lebende Leiche.

Zusammenhanglose Traumfetzen suchen mich hie und da auch heute noch heim, manchmal auch wirre Flashbacks kurz nach dem Aufwachen die überlagert werden von Angst...
Unbeschreiblicher grundloser Angst und Panikattacken.
Besonders schlimm ist es an stressigen Tagen , oder wenn mich irgendetwas triggert, ohne dass ich überhaupt weiß dass es mich triggert.
Das kann dann auch wirklich alles und nichts sein, ein bestimmtes Lied, ein Geruch eine Alltagssituation...

Gut, okay, Ich muß zugeben,seit ich Tess habe, ist es auf jeden Fall viel besser geworden.
Sier kann mit mir reden, mich beruhigen wenn ich aufwache, oder auch mal mitten in der Nacht meinen Hintern aus dem Bett schwingen und eine Runde spazieren gehen.
Ausserdem finden wir mit der Zeit heraus, was die Anfälle auslöst, ähnlich wie die Mutter eines  allergischen Kindes nur durch Zufälle und Probieren neue Erfahrungen sammelt  und genau wie solche Mütter lernen wir auch, besser damit umzugehen oder solche Situationen zu vermeiden.

Aber die ersten drei Jahre nach meinem Erwachen hatte ich diese Optionen eben nun mal nicht.
Ich war ein absoluter Pflegefall und der  ganzen Situation  vollkommen ausgeliefert , ohne überhaupt nur die geringste Vorstellung zu haben, was es denn jetzt eigentlich genau  war, dass mein Leben von einem Moment zum nächsten in einen Riesenhaufen Scheiße verwandelt hat.
So vegetierte ich dann eben dahin,  mit nur wenigen Fortschritten, bis ich endlich alt genug gewesen war, selbst zu entscheiden,  ob ich so weitermache und mir weiterhin den Hintern von Leuten abwischen lassen will, die ich so gut wie gar nicht kenne und das habe ich getan:
Ich hab mich gegen die Windel entschieden  und für Tess.
Für ein Leben als Wirt zusammen mit meiner Schwester in den USA.

Okay , anfangs war es merkwürdig gewesen fremdgesteuert zu werden, aber ich hab mich schnell daran gewöhnt und inzwischen denke ich, sich von jemand anderen bewegen zu lassen und alles von einer sicheren Warte aus betrachten ist immer noch besser, als sich überhaupt nicht bewegen zu können.

Inwzischen liebe ich es sogar zu spüren wie der Körper sich bewegt , auch wenn ich es nicht bin der ihn  steuert.
Ich liebe den kühlen  Wind auf dem Gesicht, wenn Tess in der Früh unsere Joggingrunde macht.
Ich bin siem dankbar für alles was sier tut um meinen Alltag zu organisieren damit ich ein normales Leben führen kann.
Sier kümmert sich um meine Therapie, zwingt mich dazu von Zeit zu Zeit die Gliedmaßen zu bewegen, zu schreiben, zu sprechen.

Sier sieht sich freiwillig mit mir die x-te Wiederholung meiner Lieblingsfilme an und trifft sich mit meinen Freunden, wo sier dann auch meine Gedanken laut für mich wiederholt, damit ich mit ihnen reden kann, obwohl unsere Gespräche einen Yirk sicher nicht die Bohne interessieren.
Nein, Tess im Kopf zu haben ist sicher keine Folter für mich .
Trotzdem würde ich gerne wissen, warum sier sich das eigentlich antut denn im Grunde weiß ich nach wie vor so gut wie gar nichts über sier bis auf sieren Geburtsnamen obwohl ich sier meistens einfach nur Tess nenne.

Ich weiß nur, dass sier früher ein Soldat war.
Ein recht treuer Diener des yirkanischen Imperiums.
Erst gegen Ende der Invasion, nach dem meine Schwester und die Animorphs den Poolkomplex hatten auffliegen lassen, hatte sier den Mut gefunden  sich gegen das Regime aufzulehnen und half zusammen mit ein paar anderen soviele unfreiwillige Wirte wie möglich zu evakuieren bevor die vermeintliche Bombe hochging  . Nur dank einem Mädchen namens Simone die Tess´ zweite Wirtin gewesen war- und natürlich auch dank der Fürsprache des YPM - strandete sier nicht als Kriegsverbrecher auf der Erde.  

Trotzdem weiß ich dass  sier den Gedanken unter diesen Umständen unter Menschen leben zu müssen, gehasst hatte.
Zu anfangs hätte sier alles dafür getan, um mit den über neunzigtausend anderen Yirks zurück auf die Heimatwelt geschickt zu werden, aber als das nicht geschehen war, hatte sier sich mit ihrem neuen Leben wohl oder übel arrangieren müssen.
Mit einem Leben in Monotonie, in einem Pool der umgeben war von unzähligen Menschen die jeden Yirk- ganz egal ob Peacer oder nicht , tot sehen wollten.

Erst seit drei Jahren gab es das EVM-Forschungsprojekt wo es darum ging die Ex-Wirte mithilfe von Yirks "zurückzubringen" .
Ein Jahr hatte es gedauert bis Tess sich endlich dazu hatte durchringen können, sich auf die Liste der freiwilligen Helfer setzen zu lassen, und ein weiteres Jahr bis siem sowohl die Menschen, als auch die die höchsten Sprecher des YPM weit genug vertrauten um sier Angebot anzunehmen.

Kurz darauf war ich gekommen.
Tess´ bislang erste Möglichkeit um dem Schicksal eine blinde hilflose Schnecke sein zu müssen, zu entkommen.
Siere erste Chance wirklich etwas Nützliches für die Gesellschaft tun der siere Spezies soviel angetan hatte in dem sier einem ehemaligen Opfer half wieder zurück ins Leben zu finden.
Reue, Wiedergutmachung...
Damit kennt Tess sich aus und seit einem halben Jahr  versucht sier sogar, sierer ersten Wirtin einen Brief zu schreiben von dem es inzwischen mindestens sechs verschiedene Versioen auf meinem Laptop gibt.
Keine Ahnung, aber ich glaube sier hat mittlerweile gewaltige Schuldgefühle deswegen.
Ich würde  siem gern helfen, so wie sier mir jeden Tag hilft seit jetzt über eineinhalb Jahren.
<Aber das tust du, Emily. Wir helfen uns gegenseitig>

Tess´ Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
Sier klingt ehrlich und es fühlt sich auch so an.
Freundlich-Distanziert wie immer, aber gleichzeitig auch tausendmal näher als mir irgendein Mensch jemals kommen könnte.
Trotzdem werde ich aber auch das Gefühl nicht los, dass es unfair ist...
Auch wenn sier das Gegenteil behauptet, wann immer ich sien danach frage und sobald es um siere ehemalige Wirtin geht ausweichend meint, dass das was sier ihr angetan hat nicht das Schlimmste daran war, sondern eben das was sier nicht getan hat.
Aber ich krieg da keinen Sinn rein.
Immerhin kenne ich Tess doch jetzt schon ein bisschen und sier  wirkt absolut nicht so wie ich mir einen yirkanischen Foltermeister vorstelle.

Apropos Folter...
Mühsam versuchte ich wieder dem Unterricht zu folgen, aber es klappt nicht.
Meine Aufmerksamkeit für Dinge von "Ausserhalb"  ist heute schon seit zwei Stunden so gut wie verbraucht und Algebra war noch nie meine Stärke.
Ich meine mal ehrlich Leute, was zur Hölle haben Klammern und Buchstaben in einer Rechenaufgabe verloren?
Warum sollte mich interessieren was oder wer Y ist?
Abgesehen davon habe ich im Moment zwei Gehirne im Kopf beziehungsweise einen Alien der quasi nur aus Gehirn besteht und Tess weiß im Gegensatz zu mir zweihundertprozentig worum es hier geht und sier kann mir solche Dinge auch hundertmal besser erkären als meine Lehrer.
<Em!>
Wieder Tess.
Sier klingt immer noch freundlich und nachsichtig , gleichzeitig aber auch ein bisschen genervt.
<W a s ?>
Demonstrativ schenke ich Mister Bloom und seinen Rechenhieroglyphen noch weniger Aufmerksamkeit als ohnehin schon.
<Stimmt doch. Es gibt nichts was ich bisher nicht verstanden habe, wenn d u es mir erklärt hast und ihr Yirks raucht jeden Lehrer hier was Mathe und Wissenschaft  angeht,  sowieso in der Pfeiffe, warum also die ganze Mühe? Ich kann nachher immer noch zuhören und vorher lang und breit darüber nachdenken, welchen Film wir uns nachher anschauen, oder welche Pizza ich essen will. Du kannst mich nicht dazu zwingen, dass ich aufpasse!>
<Ja, das stimmt>
Tess schickt mir eine Emotion rüber,, die sich am ehesten als mentales Augenverdrehen übersetzen lässt und seufzt.
<Aber das ist nicht der Sinn, Em und du weißt das. Es geht darum, dass du  Dinge tust, die Menschen in deinem Alter normalerweise tun. Um einen geregelten Tagesablauf und darum, dass du aufmerksam bist. Dass du zumindest v e r  s  u c h s t  dich darauf einzulassen.
Dasselbe gilt für die Übungen die ich mit dir machen soll. Wenn du dich nicht darauf einlässt, kann ich dir nicht helfen... Übrigens wo wir gerade davon sprechen, du hast deine Hände. >
Was?...

Erst   bin ich verwirrt aber dann ´merke ich völlig schockiert wie Tess´ Kontrolle sich etwas zurückzieht.
Wie ich die Hände spüre, den Tisch unter den Handflächen, nicht gedämpft wie meistens sondern ganz deutlich.
Viel zu deutlich.!
<Oh nein Tess, nicht jetzt. Nicht schon wieder! Haben wir später nicht genug Zeit dafür, wenn wir zuhause sind und  a l l e i n e ?  Ich will das jetzt nicht machen! Nicht hier und vor den ganzen Leuten!>
<Es sind nur deine Hände, Em und die meisten Leute, eigentlich alle bis auf deine nächsten Verwandten und Joseph wissen nicht, dass ich hier bin >
<Ja aber trotzdem! die Anderen... Sie werden mich alle anstarren. Sie werden denken ich hab´ sie nicht alle>
<Du kannst auch nur ganz wenige, kleine Bewegungen machen. Niemand wird es sehen. Wichtig ist nicht wieviel sondern dass du es versuchst.>
<Ja aber...->
<Kein Aber mehr, Em !>
Tess´ Überzeugung bleibt ungebrochen und die Hände sind nach wie vor ganz und gar mein.
Ich weiß sier wird nichts daran ändern, wenn ich es nicht wenigstens versuche.
Also gut...
Sehr halbherzig  konzentriere ich mich darauf meine Finger zu bewegen und- Trommelwirbel ...
Tada! Sie bewegen sich
Seltsam zeitverzögert zwar und nur ganz wenig, aber immerhin tun sie was ich von ihnen will.
<So , zufrieden? Können wir jetzt mit dem Schwachsinn aufhören und später weitermachen, wenn wir a l l e i n  sind ?!>    

Meine Sturheit ist mindestens so stark wie Tess´ und wenn sier nicht bald aufhört, werde ich noch so richtig ungemütlich.
Tess weiß das und auch wenn ich nicht wirklich mitgespielt habe, nimmt sier sich die Kontrolle zurück.
Endlich!
Ich weiß sowieso nicht was das alles soll, ich meine okay, der Sinn an dem Ganzen ist natürlich,  dass ich durch Tess´ Hilfe  wieder lerne den eigenen Körper richtig zu steuern.
Dass ich langsam aber sicher wieder ins Leben "zurückfinde", aber mal ehrlich: Das ist doch Bullshit!
Ich meine, sicher mache ich Fortschritte.

An guten Tagen kann ich sogar ein paar winzige Schritte gehen, bevor mir die Beine wegknicken .
Ich kann wieder schreiben und bringe genug Geduld zum selbständig essen auf, wenn der Hunger groß und Tess stur genug ist, dass ich es zumindest  ernsthaft versuche.
Dasselbe gilt für alles Andere.
Aber jeder einzelne Handgriff fühlt sich  einfach so verflucht unnatürlich an und weit weg an. So unendlich mühsam und sprechen.... "laut" sprechen, ist sowieso einfach nur ätzend!

Also im Klartext: Ich bin jetzt schon ganze fünf Jahre "wieder da" - mehr oder weniger, und viel besser als jetzt wird es wahrscheinlich sowieso  nie mehr werden.
Ich werde mein ganzes Leben ein Pflegefall sein und Assistenz brauchen, wenn ich nicht bis zu meinem Lebensende an irgendeinem Bett festgeschnallt rumliegen will.
Die ganzen Ärzte, meine Schwester, Issrin und Joseph...
Ja sogar meine dämliche Tante und mein Yirk,  sie alle wissen das, auch wenn sie es  mir nicht sagen.
Wären nennenswerte Fortschritte möglich, hätte ich die schon in den letzten eineinhalb Jahren gemacht.
Der Zug ist schon lange abgefahren und mein Leben wird nie wieder so sein wie vorher.
Niemand zweifelt daran.
Am allerwenigsten ich und es stört mich auch schon längst nicht mehr.
Ich habe es mit der Zeit akzeptiert, dass ich ganzkörperbehindert bin.
So wie andere Leute eben lernen müssen, eine Amputation oder plötzliche Blindheit zu akzeptieren, habe ich mein neues Leben akzeptiert und Tess...
Tess gibt sich nach wie vor Mühe mit mir und macht einen guten Job als mein Assistent.
Ich  bin zufrieden, verdammt noch mal!
Warum können die anderen das also nicht auch sein?
Warum können mich nicht einfach alle mal endlich  in Ruhe lassen?! .

<Weil es n i c h t  wahr ist , Em! Ganz egal was Andere denken und sagen, ich w e i ß  wie es wirklich ist und das sage ich nicht einfach nur so, sondern  weil weil es immer noch d a ist.
Hier in dir. Aber du willst es gar nicht, nicht wahr? Es ist ja auch  viel einfacher so wie es ist und du ruhst dich darauf aus... Möglicherweise haben eure Ärzte  auch einfach nur recht und wir behindern die Heilung . Möglicherweise sollte ich zum Pool zurückgehen, zumindest für eine Zeit lang. Vielleicht solltest du es nach euren Methoden versuchen oder mit der Hilfe eines anderen Yirks. . Jemand der die Auswirkungen der Esrin-Va-Ma besser begreift  als ich. Jemand der Erfahrung damit hat und nicht so leicht nachgibt.
Erst dachte ich, es würde helfen und habe mich darauf eingelassen. Ich mag dich Em, aber  trotzdem komme ich inzwischen  immer mehr zu dem Schluss, dass gerade hier der Fehler liegt und zuviele Emotionen in diesem Fall eher hinderlich als nützlich  sind  >

Tess klingt traurig und auch frustriert während sier spricht und sier meint es ernst.
So ernst wie vorhin, aber es dauert trotzdem eine ganze Weile bevor wirklich zu mir durchsickert , was sier mir da grade überhaupt  wirklich sagt...
Es nach u n s e r e n  Methoden versuchen... In den Pool zurückgehen, ein anderer Yirk!...
Nein!

Allein schon der Gedanke wieder alleine zu sein, ohne jemanden zu haben, mit dem ich sprechen kann ,also wirklich sprechen und jenseits der "magischen Vier-Wort-Grenze", macht mir unbeschreibliche Angst.
An das dann unvermeidliche  Klinikbett und den Rollstuhl erinnert zu werden,  macht mich wütend.
Die Vorstellung  wieder gewickelt und über einen Schlauch ernährt zu werden, ist  mehr als ich ertragen kann, ganz zu schweigen von der Idee, plötzlich einen ganz anderen Yirk in meinem Kopf zu haben.
Jemand völlig Fremden den ich dann vielleicht nicht einmal leiden kann, oder noch schlimmer: Jemand der mich nicht leiden kann und trotzdem alle meine intimsten Gedanken und Geheimnisse kennt!
Warum?!
Warum tut sier das? Ich hab immer gedacht Tess wäre mein  Freund und gerade hat sier selbst gesagt, dass es siem wichtig ist wie es mir geht, wie kann sier so etwas für mich wollen?!


<Tut mir leid Em, aber ich denke es wäre besser so, gerade weil dein Schicksal mir wichtig ist. Besser für deinen Fortschritt und zumindest einen Versuch wert. Ich verschwende nur deine Zeit. Verlange Dinge von dir, die möglichwerweise absolut nicht zielführend sind und belaste dich gleichzeitig mit meiner Vorgeschichte und meinen Problemen.>
<Nein Tess, nein!, du kannst das einfach nicht bringen! Du kannst mich nicht allein lassen oder mich einfach an jemand anderen weiterreichen so lang ich... Solang ich s o  bin! Du darfst mich nicht allein lassen, das.. Ich...ich erlaube es nicht, hörst du?! ICH ERLAUBE ES NICHT DASS DU GEHST UND MICH S O  ALLEINE LÄSST !>
Meine Gedankenstimme ist inzwischen zu einem mentalen Schreien geworden.
Blind vor Wut stemme ich mich gegen sien.
Hände ballen sich zu Fäusten, Arme heben sich und die Fäuste sausen nieder und knallen auf die Tischplatte vor mir...
BAMM!
Danach Totenstille.

Alle Wut ist verflogen und wird von Verwunderung abgelöst und von Scham weil Mister Bloom uns jetzt stirnrunzelnd anstarrt, genauso wie der Rest aus meinem Kurs.
Es ist so leise, man könnte beinahe eine Stecknadel fallen hören und nur sehr langsam wird mir klar, was gerade passiert ist....
Nein was h i e r  passiert ist... Mit m i r  passiert ist! Mit  m i r , m e i n e  Hände...MEINE!
Ich habe Muskeln bewegt, vollkommen natürlich. Nicht abgehackt und verzögert wie sonst.
Die Hände haben nicht gezittert und getan was sie sollten, ohne dass ich auch nur einmal darüber nachdenken musste, was sie tun sollen...

ICH habe es getan , auch wenn ich nicht mal wirklich weiß wie.
<Ha,ha. ha. Sehr witzig. Sind wir jetzt fertig mit den Übungen, Tess?>
Ist alles was ich schließlich herausbringe.
Ich wil cool sein , taff.
Aber meine Stimme klingt kleinlaut und ich fühle mich sicher total bedröppelt an.
Doch  Mein Yirk ist plötzlich total  erleichtert.

Sier lacht  laut während sier meinen Blick samt einem gewinnenden Lächeln von einem Gesicht zum anderen wandern lässt und schließlich bei Mister Bloom stehen bleibt.
"Also ich weiß ja nicht wie es euch geht Leute, aber ich hab´ heute das erste Mal total Spaß an Algebra, da muß man doch einfach mal auf den Tisch hauen!"
Sagt sier mit meiner Stimme und klingt genauso, wie ich früher geklungen habe, oder auch heute noch klinge ...
Na ja, zumindestens in meinen Gedanken wo mich niemand hören kann, ausser Tess ....
Es ist immer noch da, in dir..
Vielleicht hat sier ja auch genau das damit gemeint?
Dass ich immer noch ich bin, trotzallem was mit mir passiert ist und einfach nur die Kraft finden muss, wieder aus mir selbst und dem Gefängnis, dass ich mir irgendwann mal zu meinem eigenen Schutz errichtet habe , auszubrechen.
Einfach nur den Willen finden muss, die Mauern niederzureißen und mich zu entfesseln ...
Irgendwann...
Irgendwie.
<Ja,>

Mein Yirk lacht wieder.
Diesesmal aber nur "leise" und es ist ein warmes , freundliches Lachen.
<Genau das, Emily. Nur mit dem Unterschied, dass du mir nie geglaubt hättest, dass es so ist. Bis jetzt>
<Okay>
Jetzt lache ich auch und gebe meinem Yirk mental einen freundschaftlichen Schubs.
<Jetzt weiß ich entgültig dass du ein totaler Freak bist, Teshken Sieben-Acht-Vier!> ...
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A/N* Sier, eigentl. Xier = Genderneutrale Pronomen,  allerdings mag ich die Schreibweise mit X nicht da es nicht zum Rest des deutschen Wortbildes passt, finde ich zumindest, na ja und da diese genderneutralen Pronomen bei uns ja doch noch sehr experimentell sind und keine/kaum Anwendung finden, habe ich das x durch ein viel stimmigeres s ersetzt ^^ Sicher gibt es das "es" im Deutschen das man anwenden könnte , aber das ist doch eher sächlich und meiner Meinung nach einer Person gegenüber ziemlich unpassemd. Abgesehen davon liebe ich die Möglichkeit das "they" im Englischen zu nutzen und fand es sehr unfair dass es sowas im Deutschen (noch) nicht gibt.  

Anwendung/Fälle:  Wer? - Wer ist das?   -Sier
                                       Wessen?- Wessen Stift ist das?   -Sier Stift
                                       Wen?- Wen meinst du?   -Sien
                                       Wem?- Wem gehört das Buch?  - Siem

Artikel:  Wer?  -     Dier (das i wird wie j ausgesprochen, Beispiel: "djer"
                Wessen? Dier
                Wen?        Dien
                Wem?       Diem
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