Im Namen der Liebe

GeschichteDrama / P16
Harry Potter Hermine Granger
27.10.2018
15.07.2019
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Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann. - Mahatma Gandhi

Sekundenlang ohne zu blinzeln, sah Harry in ihr Gesicht, versuchte zu erahnen, was in ihr vorging. Hermione senkte ihren Kopf.

»Es war ein Fehler dir damals die Erinnerung zu geben.«, sie sah wieder auf, entschlossen. »Du solltest verstehen, dass Ron nichts dafür

konnte. Stattdessen hatte sie was in dir ausgelöst, etwas dem du auf den Grund gehen musstest. Ich -«

Geduldig hatte er ihr zu gehört, doch wollte er von all dem nichts wissen. In ihm war keine Wut, kein Zorn. Ron war genauso wenig seine Priorität. Harry hatte nicht mehr die Befürchtung Ron zu verlieren, auch wenn deren Freundschaft eine schwierige Zeit zu überstehen hatte. Sein Fokus lag gänzlich auf Hermione.

Zwei Finger auf ihre Lippen hatten gereicht, um sie zum Schweigen zu bringen.

»Ich sollte wütend auf dich sein, Hermione, aber ich bin es nicht.«, begann Harry.

Für einen Moment, als ihm bewusst wurde, dass er immer noch ihre Lippen berührte, hatte er wieder alles vor Augen. Die Erinnerung war beides zu gleich, frisch als auch verblassend. Mit ziemlicher Sicherheit, wäre sie, ohne magischen Einfluss, viel prägnanter, stärker ganz gleich, wie lange diese Nacht her war.

»Mich interessiert es nicht was passiert ist, noch warum.«, Harry schluckte nervös. »Du musst wissen egal was, ich könnte dich niemals hassen.«

Intensiv sah er in ihr Gesicht, ihre Augen und wusste, sie wollte ihm widersprechen, wiederholt erklären, warum sie zu gehen hatte. Gleichzeitig erkannte sie wohl, dass er nichts davon hören wollte. Langsam schloss sie die Lider, drehte geschlagen den Kopf ab. Die Geste feuerte aufs Neue die Angst in ihm an. Sie hatte immer noch die Absicht zu gehen. Irgendwo war sie davon überzeugt, dass sie allein für alles verantwortlich war, einen Keil zwischen ihm und Ron getrieben hatte. Sobald sie weg war, würden Ron und Harry wieder beste Freunde sein können. Wie sollte er, Harry, ihr begreiflich machen, dass nichts von dem zutraf?

Es war nur eine winzige Bewegung in ihr, der Beginn vom abwenden, weg gehen der seine Sucherreflexe ins Leben riefen. Blitz schnell griff Harry nach ihrer Hand, zog sie wieder eng gegen sich, umrahmte ihr Gesicht mit seinen Händen und lehnte seine Stirn gegen ihre. Hermione war viel zu überrascht von dieser plötzlichen Nähe, als dass sie auch nur ein Wort über die Lippen brachte.

»Du weißt nicht wie wichtig du für mich bist!«, flüsterte er eindringlich. »Hörst du.«

»Harry, du-« Hermione stockte, drückte stattdessen ihre linke Hand gegen seine rechte, die ihre Wange hielt.

Unvorstellbar vieles konnte Harry in den unterschiedlichen Schattierungen der Iris ihrer weit aufgerissenen Augen ablesen. Es war fast komisch, wie schockiert sie über seine Worte war. Etliche Variationen an Möglichkeiten gingen ihr wahrscheinlich durch den viel zu beschäftigenden Geist, als dass sie die einfachste von allen für wahr hielt. Mehrfach öffnete sie ihren Mund, wie zum Reden, doch stoppte sie sich. In ihrer unnachahmlichen Art kommunizierten sie hingegen mit bloßen Blicken. Sie stetig zweifelnd, fragend und er beteuernd aufrichtig, vor allem aber mit ehrlichen, unmaskierten Gefühlen. Kurzweilig schloss sie die Augen, als sie wieder seine fand, quälten sich bereits erste Tränen über ihre Wangen. Behutsam wischte Harry sie mit den Daumen fort, während Hermione sein Gesicht sachte mit Fingerspitzen berührte, suchte, als würde er jeden Moment verschwinden. Es war eine so zärtliche Geste, dass es ihn fast paralysierte, weil es sich anfühlte, als sei er endlich angekommen. Ein leichtes seliges Lächeln auf seinen Lippen konnte Harry nicht verhindern, als ihre Finger seine Lippen erreichten und er nicht anders konnte und deren Spitzen zu küssen.

Gebannt hatte sie ihn beobachtet, dann schnellte ihr Blick zurück zu seinen Augen hoch in dem Moment, als er ihr Hand nahm und auch die Innenfläche küsste. Sekunden verstrichen, die sich ewig anfühlten, ehe Hermione die Distanz verkürzte, die noch zwischen ihnen existierte. Erst der warme Atem, dann ganz wage, leicht spürte Harry ihren Mund endlich gegen seinen.

Er hielt sich zurück, obwohl sein Begehren, das Verlangen nach mehr wuchs. Sie brauchte die Zeit, viel zu verunsichert war sie, wie ein scheues Tier, was vertrauen suchte.

»Passiert das wirklich?« Hermiones Stimme war leise und doch so nah.

Es war eine rhetorische Frage eine, die sie sich selbst stellte und nur seine Anwesenheit, seine Nähe war Antwort genug. Harry entfuhr ein Lachen, was alsbald erstarb denn sie küsste ihn nun mit allem was sie zuvor zurückgehalten hatte.

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Das hungrige Feuer erstickte im Strahl des Wassers, das die Schulleiterin mithilfe ihres Zauberstabs auf das Gemälde schickte.

»Bei Merlin, ich weiß nicht, was in Miss Granger gefahren ist!«, entrüstete sich Professor McGonagall, während sie das ruinierte Bild von Professor Dumbledore betrachtete. »Es tut mir überaus leid, Albus, aber ich befürchte, ein Experte wird sich den Schaden ansehen müssen.«

Über die Hälfte der Leinwand war entweder angesengt oder sogar völlig verbrannt.

»Keine Sorge, Minerva, Severus wird mich sicherlich solange bei sich aufnehmen.«, beschwichtigte Professor Dumbledore sie trotz der Ereignisse bestens gelaunt.

Severus Snape hob nur eine Augenbraue und zog es hingegen vor zu schweigen.

»Es wäre allerdings angebracht mir jetzt zu erzählen, was der Grund ist für Miss Grangers ungewöhnliches Verhalten, Albus.« Schnell hatte Professor McGonagall den Schock abgelegt und kam auf das wesentliche zurück.

»Nun bevor wir soweit sind, lasst mich euch beide eine Frage stellen?«

»Albus, bitte, keine Spielchen mehr.« McGonagalls Geduld neigte sich rasch dem Ende. »Ich bin jetzt Schulleiterin und muss über alle Vorkommnisse informiert sein, um entsprechende Maßnahmen vorzunehmen.«

»Meine Liebe, ich versichere dir, es ist von größter Wichtigkeit«, entgegnete er streng und sah seine langjährige Kollegin und Freundin über die Lesebrille hinweg an. »Nun, was, denkt ihr, ist Miss Granger bereit für Harry zu tun?«

Verwirrt sah die Schulleiterin von den fragenden klaren blauen Augen ihres ehemaligen Mentors hin zu den tiefgründig dunkel braunen ihres direkten Vorgängers.

»Wesentlich interessanter wäre wohl, was Potter bereit ist für sie in Kauf zunehmen?« Snape klang gelangweilt.

»Präzise, Severus.«, lobte ihn Dumbledore und lächelte zufrieden.

»Es ist offensichtlich, dass Mr Potter und Miss Granger sich sehr nahe stehen. Ich verstehe nur nicht, weshalb dies von irgendeiner Bedeutung sein soll?«, verstand McGonagall noch viel weniger als zuvor.

»Die Liebe ist zugleich wunderschön und schrecklich, Minerva. Miss Granger ist eine beeindruckend intelligente junge Frau und hat verstanden, welches Opfer von Nöten war, um Voldemort zu besiegen.« Albus Dumbledores Stimme nahm einen melancholischen Unterton an.

»Du willst damit sagen -«

»Dass Granger in Potter verliebt ist und sie es ihm verschwiegen hat auf bitten von Albus hin im Glauben nur so ihn retten zu können. Was Albus vergaß zu erwähnen war, dass Potter ohnehin bestimmt war sich zu Opfern.«, unterbrach ein nun deutlich genervter Snape.

Angestrengt presste Professor McGonagall zwei Finger gegen ihren Nasenrücken. Diese Information zeigten ein weiteres Mal, wie sehr Albus Dumbledore sie alle im Dunkeln gelassen hatte.

»Und hier stehe ich und wundere mich, warum vom Büro überhaupt noch etwas übrig ist, wenn das der Wahrheit entspricht.«, murmelte sie nur.

»Ohne Frage habe ich beiden viel abverlangt, aber unser Augenmerk sollte nun eher dem, was sein wird, gelten.«, ignorierte Dumbledore ihr entsetzen.

»Nach Voldemorts Niedergang befindet sich das magische Großbritannien in einem Machtvakuum. Dir muss klar sein, dass Harry nun der wohl mächtigste Zauberer unserer Zeit ist. Ohne Mr Weasleys Einfluss auf Miss Granger befürchte ich, wird sie sicherlich weitaus revolutionärere Ideen umsetzen wollen.«, fuhr er nun energisch fort.

»Einfluss?« fasst dümmlich, fragte sie nach.

»Meine Liebe, dir wird doch nicht verborgen geblieben sein, dass Mr Weasleys Rolle eher der dämpfenden, ablenkenden Natur entspricht? Harry hingegen hat Miss Granger immer dazu ermutigt Regeln zu ignorieren, Grenzen zu überschreiten. Dir muss bewusst werden, wie gefährlich eine solche Verbindung zwischen Miss Granger und Harry ist?«, sprach er endlich seine Befürchtungen aus.

»Ich bitte dich, Albus, wir sprechen von zwei unserer Kriegshelden. Wenn sie in einander verliebt sind, dann umso besser.«, missachtete McGonagall seine Aussage.

»Ich bezweifle ehrlich gesagt auch, dass in einen von denen das Potenzial zum nächsten dunklen Lord oder eben Lady steckt.«, mischte sich Snape halbamüsiert ein.

Sekunden lang sah Albus Dumbledore seine beiden Weggefährten an, dann lehnte er leicht den Kopf zurück.

»Also gut, zumindest habe ich versucht dich zu warnen. Schließlich obliegt es jetzt dir, Minerva, entsprechende Schritte einzuleiten oder eben nicht.«, echte Enttäuschung klang bei seinen Worten heraus.

»Ganz richtig, Albus, du hast jetzt eine beratene Funktion, die ich sehr zu schätzen weiß.«, stimmte Professor McGonagall ihm mürrisch zu. »Zudem wüsste ich beim besten Willen nicht, was ich gegen eine eventuelle Liebesbeziehung zwischen Mr Potter und Miss Granger tun sollte? Intrigieren etwa, um diese Liebe zu zerstören?«

»Mir liegt nichts ferner, als diesen beiden das Glück absprechen zu wollen, Minerva. Allerdings ist uns allen hier hoffentlich bewusst, welch große Verantwortung uns obliegt, wir Zauberer und Hexen, besonders wenn wir überaus mächtig sind, können uns nicht ohne Weiteres der allumfassenden Liebe hingeben.«, beschwichtigte Dumbledore erst, bevor er anfing seine Beweggründe zu erklären. »Die Geschichte der Hogwartsgründer und die Auswirkungen bis heute in unsere Zeit verdeutlicht das nur zu gut, befürchte ich.«

Professor McGonagall haderte sichtlich. Ihr gefiel der Gedanke nicht, ganz und gar nicht, dass irgendetwas falsches an der Liebe zwischen zwei Menschen sein sollte. Dennoch wusste sie um die Geschichte, den Zerfall eines der größten Freundschaften, die die magische Gemeinschaft je gesehen hatte.

»Es ist wahrlich ein Dilemma.«, tief seufzend lief Dumbledore im geliehenen Gemälde auf und ab. »Nach all den Entbehrungen, die dieser junge Mann erlitten hat, wage ich es, ihm eine glückliche Zukunft streitig zu machen.«

»Wir können doch sicherlich abwarten und beobachten, ob deine Befürchtungen tatsächlich zutreffen? Ich hatte bis jetzt nicht den Eindruck, dass Mr Potter oder Miss Granger -« McGonagall unterbrach abrupt, als sie den mehr als eindeutigen Blick von Snape als auch Dumbledore zum ruinierten Gemälde folgte.

»Eine Verbindung mit Miss Weasley oder wie im Fall von Miss Granger mit Mr Weasley, würde hingegen dieses Dilemma lösen und alle Parteien könnten ihr Glück finden ohne dass wir befürchten müssten das magische Britannien in Gefahr zu bringen.«, nachdenklich, ganz so als ob der alte Professor mit sich selbst reden würde, sprach er den Gedanken aus.

»Dafür ist es zu spät. Potter wird nicht ohne weiteres Granger wieder aufgeben.«, entfuhr es Snape höhnisch.

Während die blauen Augen von Albus Dumbledore für einen Moment funkelten, nickte McGonagall nur zustimmend.

»Wir sollten wirklich lieber darauf vertrauen, dass sie verantwortlich handeln werden.«, atmete sie noch einmal schwer. »Ich muss mich nun endlich um die Abschlussfeierlichkeiten kümmern, wenn ihr so freundlich wärt?«

Autornotiz:

In so vielen Fanfics mit diesem Paar wird thematisiert, wie Dumdledore oder die Weasleys hinter Harrys Geld oder seine Stellung her sind und ihn deshalb auf irgendeine Weise benutzen sei es mit Liebestrank etz. um ihren Willen zu bekommen. Mir war und ist dies schon immer zu plump, zu einfach aber vor allem nicht nachvollziehbar gewesen. Deshalb gehe ich einen anderen Weg, der, aus meiner Sicht, absolut auch möglich ist. Mächtige Menschen tendieren dazu auch mächtige Fehler zu begehen, vor allem wenn große Gefühle involviert sind. Liebe macht irrational. Die Frage stellt sich, ob Dumbledore recht behält oder aus irgendeinem Grund nicht?

Gruß

Phoenixwriter
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