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Es waren zwei Königskinder ...

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
26.10.2018
21.11.2018
14
11.868
1
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08.11.2018 667
 
Samstag, 15.30 Uhr: Fußball-Bundesliga. Schlachtfelder der Gegenwart?  Woche für Woche wurden Hundertschaften von Polizisten aufgeboten, die sicherstellen sollten, dass 22 hochbezahlte Jünglinge ungestört einem Ball hinterherjagen und Tausende ihnen dabei zusehen konnten, ohne von irgendwem Schaden zugefügt zu bekommen.
Hubsi liebte diese Einsätze. Wenn die Fans sich halbwegs diszipliniert verhielten, konnte er sogar das Spiel ein bisschen verfolgen. Und dieser  Samstag war etwas Besonderes, denn sein FC Bayern München kam zur Hertha nach Berlin. In voller Montur, mit Schlagstock und Schutzweste,  patrouillierte er schon seit Stunden mit Henner vor dem Berliner Olympiastadion und betrachtete aufmerksam die vielen Menschen. In wenigen Minuten war Anpfiff und die letzten Besucher strömten ins Stadion.
Und plötzlich tauchte sie auf, wie aus dem Nichts, und war schon fast wieder an ihm vorbei. Sie hatte sich bei einem Mann, nicht viel größer als sie selbst und offensichtlich asiatischer Abstammung mit dunklem Teint und Schlitzaugen hinter einer dicken Brille, untergehakt und die beiden waren in ihre Unterhaltung vertieft. Sie trug einen beigen Mantel und hatte sogar einen Bayern-Fan-Schal umgebunden. Ihr Begleiter im eleganten Anzug hatte eine FC-Bayern-Käppi auf, was ziemlich albern wirkte. "Hallo Anja", rief Hubert laut und sein Herz blieb fast stehen. Sie sah verwirrt auf und ließ den Arm ihres Begleiters los. "Hubsi!!", rief sie überrascht und dann huschte ein erfreutes Lächeln über ihr Gesicht. "Was machst du denn da?" fragten sie fast gleichzeitig. "Arbeiten", sagte Hubert lässig. "bin vorübergehend hierher versetzt worden, um a bisserl bayrisches Flair in die Hauptstadt  zu bringen. Und du?" - "Arbeiten", lächelte sie, "quasi!" Der Asiate meldete sich zu Wort: "Anja, darling, we have to hurry. They are waiting for us in the VIP-Lounge!"  -  "Wir müssen auch weiter ...", erklärte Hubsi. "War schön, dich zu sehen", fügte er hinzu und sah sie mit seinen blauen Augen etwas verlegen an. "Wart", bat Anja ihn, zog aus ihrer Handtasche eine Visitenkarte heraus und steckte sie ihm zu. "Ruf mal an! .... Bitte!" schob sie noch nach. Dann gingen alle vier ihrer Wege.

Am Abend saß Hubsi auf dem Bett und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Coco war mit ihren Freundinnen auf ihrer Samstagstour durch die Berliner Discotheken. Anjas Blick und ihr Lächeln verrieten ihm, dass sie sich trotz allem, was passiert war, freute, ihn zu sehen. Ein wohliges Gefühl machte sich in ihm breit. Aber war das wirklich ihr neuer Lover, dieser windige Chinese, der noch dazu deutlich jünger wirkte als sie? Und irgendwie fand er, dass sie ganz schön zugelegt hatte. Obwohl sie einen weiten Mantel trug, der das sicher überspielen sollte, hatte er es bemerkt! "Das machen wohl die vielen chinesischen Nudeln", dachte er zynisch. Dann nahm er ihre Visitenkarte, drehte sie nachdenklich in seinen Händen und schob sie schließlich in seine Nachttischschublade.

Anja lag abends im Bett und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. Hubsi schien sich trotz allem, was vorgefallen war zwischen ihnen, gefreut zu haben, sie zu sehen. Das verursachte in ihr ein angenehmes  Kribbeln. Und gut hatte er ausgesehen, in der dunklen Uniform, fast wie ein amerikanischer Cop im Fernsehen! Aber sie wusste, dass er nicht anrufen würde, dazu kannte sie ihn zu gut. Neben ihr saß Liu in seinem Bett, wie fast jeden Abend mit dem Laptop auf dem Schoß, und beantwortete seine E-Mails. Das Klackern der Tastatur summte sie wie so oft  in den Schlaf.

Er rief nicht an. Anja rang mehrere Tage mit sich, dann griff sie selbst zum Telefon. Für eine Pathologin im Polizeidienst war es keine Schwierigkeit, seine Dienststelle ausfindig zu machen. Selbst seine Dienstzeiten hatte sie herausgefunden. So saß sie ein paar Tage später nun schon seit längerem vor seiner PI auf einer Bank und beobachtete die aus- und eingehenden Personen. Sie hoffte, ihn nach seinem Dienstschluss zu treffen. Endlich kam er und ihr Herz schlug schneller.
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