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Es waren zwei Königskinder ...

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
26.10.2018
21.11.2018
14
11.868
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01.11.2018 744
 
Am nächsten Morgen erwachte Anja spät. Hubsi hatte liebevoll ein Tablett  hergerichtet und sie frühstückten im Bett. Dazu gab es für jeden stilvoll ein Glas Schampus. Später schlenderten sie noch einmal zum See hinunter und drehten eine Runde mit dem Boot. Zurück im Haus setzten sie sich in den Garten und leerten die angebrochene Flasche Champagner. Plötzlich wurde Anja unruhig: "Ich muss jetzt wirklich gehn!" Hubsi drehte sich fast der Magen um.  "Bleib da, Anja. I  ... brauch di, ....  i kann ned ohne dich lebn, ", bat er sie eindringlich, doch Anja sprang hastig auf und lief ins Haus. Hubsi folgte ihr ins Wohnzimmer. Sie sahen sich ein paar Augenblicke unsicher in die Augen. "I hab di immer no lieb!" bekannte er dann fast lautlos und blickte sie dabei flehentlich an. "I kann ned bleibn. Des ... geht ned!" erwiderte Anja leise und hatte Tränen in den Augen. "I bin .... ", sie stockte, " .... nimmer allein!"
Jetzt war es raus. Hubsi starrte sie an -  mit schmerzverzerrtem Gesicht, so als hätte ihn jemand in die Magengrube geschlagen. "Wer? Wer isses?" brüllte er, nachdem sich die erste Schockstarre gelöst hatte. "Er is ein Kardiologe",  versuchte sie ihn zu beruhigen. "Er nimmt an dem Kongress teil, und i begleit ihn nur. I hab gestern des Damenprogramm gschwänzt, weil ich dich unbedingt treffen wollt -  und am Abend hätt i zurück ins Hotel fahrn müssen, zum Gala-Dinner mit allen Teilnehmern. Aber es war sooo schön, dich wiederzusehn ...!" Hubsi verlor völlig die Fassung: "Madame is mit ihrm Lover auf so eim tollen Kongress, aber weil ihr des Damenprogramm zu langweilig is, hat sie sich dacht, schiebt sie mit dem alten Franz a Nummer", schrie er voller Sarkasmus. "Dass wir miteinander gschlafen ham, hätt nie passieren dürfn. Es tut mir leid, dass es soweit kommen is. I wollt dir keine falschen Hoffnungen machn, i hab mich einfach ned im Griff ghabt ...  ", entschuldigte sie sich verzweifelt. "I hab mi ned im Griff ghabt ....,  wollt dir keine falschen Hoffnungen machen... ", äffte er sie nach. Er drehte sich zur Wand und schlug mit der Faust dagegen: "Dann hau ab, zurück zu deinem tollen Typen und lass di nie mehr hier blicken",  tobte er weiter.  Plötzlich sah er den Family-Ball auf der Kommode liegen. "Und des blöde Ding kannst dir in den A**** schieben."  In einer einzigen Bewegung riss Hubert die Kugel an sich, drehte sich um und schmiss sie wutentbrannt an die gegenüberliegende Wand. Wollte sie an die Wand werfen. Anja war leise zum Sofa gegangen, um ihre Handtasche zu holen, und trat just in diesem Moment in die Schusslinie. Die schwere Jadeschnitzerei traf sie mit voller Wucht an der Hand. Sie schrie auf vor Schmerz. "Anja, ... Anja, es ....  tut mir ... so leid. Des wollt ich ned. I  ... hab di ned  ...  gsehn ....", rief Hubert entsetzt. Sie funkelte ihn wütend an. Er wollte zu ihr gehen, aber in ihren sonst so warmen braunen Augen sah er nur blanken Hass, sodass er auf halbem Weg förmlich erstarrte. Dann warf sie ihm noch einen vernichtenden Blick zu, drehte sich um, ging hinaus und knallte die Haustür ins Schloss.

Hubert lehnte sich verzweifelt an die Wand. Was hatte er getan? Wie konnte er sich so gehen lassen? Ihr letzter Blick brannte in seiner Seele. Er kannte ihn, sie hatte ihn schon einmal so angesehen, damals, als ihre Ehe zerbrach, als sie ihn verließ und er kurz darauf die Scheidungspapiere in den Händen hielt.
Er sah die zwei Champagnergläser in der Spüle stehen.  An dem von Anja waren noch schwache Lippenstiftspuren zu erkennen. Er nahm es, strich vorsichtig darüber und stellte es ungespült ganz hinten in den Schrank. Dann fiel sein Blick auf die leere Champagnerflasche daneben. Wütend packte er sie, ging nach draußen und schleuderte sie in die Mülltonne. Und alle anderen Alkoholika, die er in seinem Haus fand, hinterher. Und oben drauf noch die Glückskugel. Danach ging er nach oben und obwohl es noch nicht einmal ganz dunkel war, legte er sich ins Bett, dorthin, wo sie sich nach dem Frühstück noch einmal leidenschaftlich geliebt hatten. Er glaubte sogar, Anjas Parfüm schwach zu riechen. Der Gedanke ließ seinen Magen verkrampfen. Er musste aufstehen und sich übergeben. In dieser Nacht begannen die Albträume.
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