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Es waren zwei Königskinder ...

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
26.10.2018
21.11.2018
14
11.868
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29.10.2018 492
 
Vor gut einem Jahr hatte ihre Pathologin Dr. Anja Licht Wolfratshausen verlassen. Sie und ihr Ex-Mann Franz Hubert, die immer noch tiefe Gefühle für einander hegten, sich diese aber weder selbst noch dem anderen eingestehen wollten, waren sich während einer letzten gemeinsamen Ermittlung nochmals näher gekommen und alles schien auf ein Happy-End hinauszulaufen. Die Tatsache, dass Anja selbst in den Kreis der Verdächtigen geraten war, war für sie aber so ein traumatisches Erlebnis, dass sie beschloss, ihren lang gehegten Traum, hinaus in die Welt zu gehen, die Enge des dörflichen Wolfratshausen hinter sich zu lassen und irgendwo anders  einen Neuanfang zu wagen, endlich in die Tat umzusetzen. Bis nach Hamburg hatte es sie dann verschlagen, sodass häufige Besuche in der Heimat schlicht nicht möglich waren.

Hubsi litt unter Anjas Weggang mehr, als er es jemals für möglich gehalten hätte- und die restliche Belegschaft des Wolfratshauser Polizeireviers litt mit ihm. Obwohl Anja und Hubsi seit Jahren geschieden waren, trafen sie sich doch regelmäßig bei der Aufklärung neuer Fälle in der Pathologie der Wolfratshauser Klinik, in der Anja arbeitete und wo sie ihre Gutachten für die Polizei erstellte. Wenn sie sich sahen, bedachten sie sich meist mit Spott und Häme, aber  was besagt ein altes Sprichwort?  "Was sich neckt, das liebt sich!" Und in Sprichwörtern liegt bekanntlich viel Wahres.

Doch jetzt war Anja weg, und Hubsi verlor mehr und mehr den Boden unter den Füßen. Er zog sich immer mehr zurück, redete kaum noch und selbst sein bester Freund Hansi kam nicht mehr an ihn heran.
Als sich dann noch ein Schuss löste, als Hubert allein in seinem Büro saß und nach eigenem Bekunden nur seine Waffe reinigte, sah sich sein Chef Girwidz verpflichtet, ihm  psychologische Behandlung  anzuraten. Da aber Hubsi alle Bemühungen der Therapeutin abblockte und überhaupt nicht kooperierte, wurden die Sitzungen rasch wieder eingestellt.

Dass er angefangen zu trinken, bisher nur ab und zu, noch nicht allzu oft, wusste nur Hansi, der ihn mehr als einmal nachts sturzbetrunken aus der Kneipe von Siggi abholen musste, bevor Hubsi anfing zu randalieren. Hansi brachte ihn dann heim, legte ihn auf sein Bett und hoffte, dass Hubsi am Morgen halbwegs nüchtern war, damit er seinen Dienst antreten konnte.
Was auch Hansi nicht wusste, war, dass Hubsi danach oft mitten in der Nacht bei Anja angerufen hatte, auf dem Handy, auf dem Festnetz, immer und immer wieder. "Komm zrück zu mir, bitte! I brauch di" So oder ähnlich lallte er ins Telefon, wenn sie dann abnahm. Anja hatte verzweifelt versucht, ihn davon abzuhalten, ihre Nachtruhe zu stören, hatte ihn gebeten, ihn angeschrien, ihn angefleht, mit dem Trinken aufzuhören und sein Leben wieder in den Griff zu kriegen, aber vergebens. Schließlich sah sie keine andere Möglichkeit, als ihr Telefon und ihr Handy sperren und sich jeweils eine neue Telefonnummer geben zu lassen. Damit war der Kontakt zu Hubert endgültig abgebrochen.

Und dann kam dieser Freitag.
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