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Es waren zwei Königskinder ...

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
26.10.2018
21.11.2018
14
11.868
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21.11.2018 1.561
 
"Anja, hallo!" schrie er in den Hörer, um den Lärm, den seine Kollegen machten, zu übertönen. "Bist scho am Flughafen?", fragte er, da er die Hintergrundgeräusche nicht deuten konnte. "Naa, .... Münch ...... ptbahnh ..... Liu  ...  Schlu ....  gmacht.  ... ned ...  ngapu .... I  ... mit .... S-B .... Wolfra ... sen. K....nst ...  in ....  abhol ....?" hörte er sie noch, dann war die Verbindung ganz weg.
Er starrte auf sein Handy. Hatte er sie richtig verstanden? Sie war auf dem Weg hierher? Und ihr sauberer Freund hatte sie sitzen lassen mit dem Kind? In seinen Kopf begann es wieder zu kreiseln.

Er flüsterte Sonja, die noch am nüchternsten schien, ins Ohr: "I geh schnell hoam und schau, ob i bei mir no a Flaschn Wodka find." Sonja nickte kurz und tanzte etwas steif weiter mit ihrem Chef. Dafür schwebte Hansi jetzt mit Riedl über die Tanzfläche.

Im Laufschritt rannte er zum S-Bahnhof. Außer Atem erwartete er das Eintreffen des Zuges, musste sich aber noch mehr als eine halbe Stunde gedulden. Wie ein Tier im Käfig lief er auf dem Bahnsteig auf und ab, denn seine Anspannung steigerte sich ins Unermessliche. Endlich fuhr die Bahn ein. Hubsi half Anja, ihr Gepäck und den Kinderwagen aus dem Waggon zu befördern. "Hallo", begrüßte er sie nervös, "was is los ...?" Da fiel sein Blick in den Kinderwagen. Das kleine Geschöpf darin schlief friedlich unter der dicken Decke. Nur ein blonder Schopf war zu sehen und ein hellhäutiges Köpfchen, wie bei seinen  - Eltern!!! Hubsi traf die Erkenntnis wie ein Blitz. Er taumelte rückwärts und fiel schwerfällig auf eine Bank. Dort stützte er seine Arme auf und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. So blieb er minutenlang regungslos sitzen. Anja stand hilflos daneben, bevor sie stockend begann zu erzählen: "Du weißt, I wollt schon immer mal raus in die große weite Welt und der Liu war der Schlüssel dazu. Und plötzlich hab i gmerkt, dass der Mensch auch an Heimathafen braucht und mei Heimathafen bist du, Franz. Und als i dann bei  dir war, an dem Wochenend, hab i  festgstellt, dass die große weite Welt zu groß und weit für mich is und mir der Heimathafen wichtiger is, weil i eigentlich nie wirklich aufghört hab, dich zu lieben. Bloß wollt des die Frau Doktor Licht ned wahrhabn, denn sie hat ja scho alles geplant ghabt, ihre Karriere im Ausland und so, die Verträge warn unterschriebn und eigentlich gabs kein Zurück mehr. I musst ja damals immer noch Antibiotika nehmen, und dass da auf die Pille kei Verlass is, sollte man als Ärztin wissen!! Aber als du mich im Arm ghalten hast, hats mich einfach weggebeamt. I hab von Anfang an gwusst, dass des dei Kind is, denn der Liu und ich, mir ham ned so oft ...", sie unterbrach sich und merkte, dass sie errötete. Sie sah Hubsi an, aber der saß immer noch da wie versteinert, die Hände vors Gesicht geschlagen. "I war scho durchn Wind, als i gmerkt hab, i bin schwanger, auch weil i ja gedacht hab, i seh dich nie wieder. Und dann war der Liu so glücklich, als ers erfahren hat, hat mich umarmt  und vor Freud gheult, dass i es ned gschafft hab, ihm glei zu sagn, dass es ned sein Kind is", erzählte sie leise weiter. "Ganz schön deppert von der Frau Doktor, denn spätestens bei der Geburt wärs klar gewesen. Des hätt sicher a Riesenspektakel  gebn im Kreißsaal! Und deshalb musst i erst einmal mit mir und dem Liu ins Reine kommen. Als er vor ein paar Wochen nach Singapur zrückgangen is, hab ichs ihm endlich erzählt, - und auch dass i ihn unheimlich gern hab und er a toller Mensch is, dass aber mei Herz für immer einem bayrischen Polizisten ghört, und i deswegen ned mit nach Asien geh. Für ihn wars natürlich a Riesenschock und er is jetzt wahrscheinlich auch ned gut auf deutsche Frauen zu sprechen!" Sie grinste leicht und fuhr fort: "Er hat dann die Wohnung gekündigt und a Umzugsfirma beauftragt, die sie am Ende dieses Monats auflöst und dafür sorgt, dass seine Möbel und des andere Zeug alles verpackt und ordentlich nach Asien verschifft werdn. Meine paar Sachen lagerns einstweiln ein, bis ich was anderes hab. Des heißt, i bin mit meinem Kind auf Herbergssuche!" Sie wartete wieder auf eine Reaktion von ihm -  vergebens  -, deswegen sprach sie kaum hörbar weiter: "Aber des Schwierigste hab i noch vor mir ghabt, nämlich wie ichs dir sag, weil mir ja nie Kinder wollten. Immer wenn mir uns getroffn oder am Telefon gredet ham, hab i ghofft, dass sichs irgendwie ergibt ... oder du selber draufkommst ...", sie blickte ihn ein klein bisschen herausfordernd an, aber er bemerkte es natürlich nicht. Hörte er ihr überhaupt zu? "...  und dann war i wieder zu feig, was zu sagn. I hab so Angst, dass i dich nochmal verlier, grad nachdem i di erst wiedergfunden hab. Aber des Baby  ist jetzt da und i bin so glücklich - und froh und dankbar, dass es gsund is. Und des kann nix dafür, dass sei Mutter an Haufn Bockmist gmacht hat. Deswegn bin i jetzt herkommen, damit dus wenigstens mal siehst, aber du musst di ned ..."  -  "Natürlich muss i!", fuhr Hubert sie an und sprang auf. Er wollte nicht laut werden, aber er hatte im Moment seine Emotionen überhaupt nicht im Griff. "Des is mein Kind", sagte er schon etwas gefasster. Er begann wieder auf und ab zu laufen, um sich zu beruhigen, holte dabei tief Luft und setzte danach zu einer für ihn ungewöhnlich langen Rede an:  "Dann is es doch wohl mei verdammte Pflicht, dass i mi drum kümmer. I woas ned, ob i a guter Vater werd, aber i versprich euch zwoa, dass ichs versuch. Andere ham neun Monat Zeit ghabt, sich drauf vorzubereiten, i nur neun Minuten. Aber i bin halt scho a alter Mann, da muss ois a  bisserl schneller gehn ..." Bei den Worten lächelte er und sah ein fröhliches Gesicht mit unzähligen Sommersprossen vor sich. "Mir schaffen des gemeinsam, dass mir den Wutzel groß kriegn, Anja. Andere schaffen des auch, warum dann mir ned? Und wenn mir zwoa was zusammen angfangn ham, dann hats immer a guads End ghabt. Bis auf unsre Ehe, aber vielleicht probiern mir des einfach nomal, was moanst? Mir warn a unschlagbares Team. Und jetzt sind mir sogar zu dritt, und aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei! I hab a Haus, und da gehn mir jetzt hin. Und ab nächster Woch nimm i Urlaub und dann richtn mir a Kinderzimmer ein. Und an Sandkasten kaufn mir auch glei - und a Schaukel! ....  Wie is des eigentlich, Elternzeit kann i doch auch nehmen, oder? Weißt du, wie des funktioniert?" Nun blieb er stehen und blickte Anja erwartungsvoll an. Die starrte ihn nur verblüfft und mit feuchten Augen an.  Liebevoll nahm er sie in den Arm und wischte ihr sanft die Tränen ab: "Net woana, des werd scho. Ich hab dich unendlich lieb!!" Dann küsste er sie zärtlich, und Anja wusste, als sie ihre Arme um seinen Hals schlang und seinen Kuss stürmisch erwiderte, sie hatte wieder in ihrem Heimathafen angelegt - für immer!
"Wie heißts denn eigentlich?", fragte er unvermittelt und ließ Anja los. Diese lächelte, beugte sich über den Kinderwagen, hob ihre Tochter vorsichtig heraus und legte sie ihrem Vater behutsam in den Arm: "Franziska!" Franz starrte auf das kleine Geschöpf, das die Augen leicht öffnete und verschlafen blinzelte. Und nun hatte er Tränen in den Augen. Er wiegte es ganz sanft, blickte sein Kind versonnen an und flüsterte: "Mir kriegn des scho hin." Nach einer Weile nahm ihm Anja ihr Baby wieder ab und legte es zurück in den Kinderwagen. Sie wusste, bald würde es vorbei sein mit der Ruhe und diese würde einem hungrigen Gekrähe weichen. Bis dahin sollten sie zu Hause sein. Franz ließ es sich nicht nehmen, den Kinderwagen zu schieben. Sein Gesicht leuchtete vor Stolz und er sah Anja glücklich an.

Daheim setzte sich Anja aufs Sofa, entblößte eine Brust und legte routiniert das Baby an. Von einem auf den anderen Moment war das zornige Geschrei verstummt und ihre Tochter saugte zufrieden. Franz schaute den beiden ergriffen zu. "Von wegen 'ned zur Mutter geboren', Anja!", dachte er fasziniert, als sein Blick auf den chinesischen Glücksbringer, den Happy-Family-Ball, fiel, der auf der Kommode lag. Er hatte ihn tags darauf wieder aus dem Müll gefischt, notdürftig geklebt und achtlos abgestellt. "Jetzt darfst dein Zweck erfülln!", herrschte er ihn in Gedanken an.
"Übrigens, mit zweitem Namen heißt sie Johanna", sagte Anja beiläufig, während sie stillte, "wegen dem Paten. Magst du ihn fragn?" Franz sah sie überrascht an, dann grinste er. Er zog sein Handy aus der Tasche und tippte: "Bin grad Vater geworden. Willst du der Pate werden?"

>>>> Senden an Hansi!


ENDE



So, das wars! Vielen Dank fürs Durchhalten und ein dickes Danke für die netten Reviews! Ich hoffe, ich konnte bei den Romantikern doch noch ein klein bisschen punkten  ;-)  :-)  ;-)

ruawei
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