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Es waren zwei Königskinder ...

von ruawei
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
26.10.2018
21.11.2018
14
11.868
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10.11.2018 704
 
Neben ihm ging eine junge Kollegin mit rötlichem Haar. Die beiden scherzten und lachten und wirkten sehr vertraut. Hubsi gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und Anja hoffte, dass es nur die Verabschiedung war. Aber nein! Hubsi legte sogar kurz den Arm um die Polizistin und sie schlenderten entspannt in ihre Richtung. Anja versetzte es einen Stich. Sie wollte aufstehen und unbemerkt verschwinden, doch da hatte Hubsi sie schon entdeckt. Er blieb abrupt stehen und sie starrten sich von weitem an. Anja sah, wie er der jungen Frau etwas zuflüsterte: "Coco, geh scho zu, i komm nach." Auch Coco hatte Anja bemerkt: "Wer ist das denn?"  -  "A Bekannte vo dahoam", sagte Hubsi knapp. "Na dann lass mal schön die Finger von der Tussi. Du frisst sie ja gleich auf mit deinem Blick! Oder ist das Kind etwa von dir?", lästerte sie. Er wollte sie ärgerlich zurechtweisen wegen der "Tussi", doch dann hörte er sich fragen: "Welches Kind?"  -  "Die ist schwanger! Sieht man doch!", sagte Coco, rollte mit den Augen und ging lässig weiter.

Schwanger?!? Das Wort hallte in seinen Ohren und in seinem Kopf kreiselten wieder die Gedanken. "Hallo Hubsi", begrüßte ihn Anja sanft, die plötzlich vor ihm stand. "Anja, hallo, was machst du denn hier?" fragte er und versuchte, sich innerlich einigermaßen zu beruhigen. "I ... bin grad zufällig vorbeikommen. Mir wohnen ned weit weg", stammelte sie , "und i hab dacht, ... i wollt ... Hast Lust auf an Kaffee?" Hubsi nickte mechanisch. Er war wie in Trance.

In dem gemütlichen Cafe an der Ecke orderte er zwei Kaffee an der Theke, als Anja rief: "Für mi ein grünen Tee!"  -  "Bist du schwanger?", platzte Hubsi heraus, kaum dass er die zwei Getränke an ihren Tisch balanciert hatte. Anja nickte stumm. Betretenes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Natürlich hatten sie beide während ihrer Ehe auch über Kinder nachgedacht. Ziemlich oft sogar. Aber sie liebten sich, sie liebten ihre Unabhängigkeit und sie liebten beide ihre Jobs. Das bildete ihr Fundament für die Ewigkeit. Doch irgendwann verschoben sich ganz unbemerkt die Prioritäten und das Fundament bröckelte. Sie liebten beide ihre Jobs, sie liebten ihre Unabhängigkeit, und dazwischen verloren sie sich allmählich. Wer weiß, wie alles gekommen wäre, hätten sie Kinder gehabt ....
"War des  ...  geplant?", fragte er nach und sie schüttelte ganz leicht den Kopf. Wieder minutenlanges Schweigen und ein Berg aus ungestellten Fragen und nicht gegebenen Antworten türmte sich zwischen ihnen auf. Hubsi fühlte sich unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. "Wo arbeitest denn jetz grad?" wollte er dann wissen, um wenigstens irgendetwas zu sagen. Sie gestand ihm, dass sie seit weit mehr als einem halben Jahr zu Hause war und ihr daheim die Decke auf den Kopf fiel. "Erst war i fast an Monat mit einem Rieseninfekt im Bett glegn und hab ständig Antibiotika nehmen müssn. Danach hab i über sechs Wochen eine Gipsschiene ghabt, weil mei Hand gebrochn war...", sagte sie ganz leise.  Hubert sah beschämt zu Boden und wurde rot. "Es ...   es tut mir so leid", stotterte er. "Is scho gut. Es war mei Schuld, dass es soweit kommen is. Ich hab in der Zeit damals einen Bockmist nach dem andren gmacht", bekannte sie ehrlich und strich ihm über die Wange. "Und danach hab i irgendwann gmerkt, dass i schwanger bin. Am Anfang is mir echt schlecht gangen. Dauernd wars mir übel. Und dann hab i noch lang liegen müssn, dass i des Kind ned verlier. Jetzt bin i krankgschriebn, weil  i mich ned anstrengen darf. Ich hab sogar eine Haushaltshilfe, die ständig um mich rumschwanzelt. Des macht mich ganz verrückt!" Sie schwiegen wieder.

"Bringst mi no heim?", fragte Anja plötzlich und stand auf. Hubsi nickte und sie gingen still nebeneinander her bis zu ihrer Haustüre. Sie hatte nicht übertrieben, ihre Wohnung lag wirklich nicht weit von seiner Arbeitsstelle entfernt. Unschlüssig standen sie davor. Schließlich brach Anja das erneute Schweigen:  "Magst mit deiner .... Freundin ..."  -  "Mitbewohnerin", korrigierte Hubert sofort. "... am Sonntag auf einen Kaffee kommen?", fragte sie.
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