Neuanfang in Leipzig

von Lady0409
CrossoverDrama, Familie / P12
Dr. Kai Hoffmann OC (Own Character)
26.10.2018
21.03.2020
40
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Neubeginn in Leipzig

Die Hamburger Ärztin Dr. Sabine Blank lässt ihr bisheriges Leben hinter sich und zieht mit ihren Zwillingen Lena und Vivian und ihrem kleinen Sohn Leon nach Leipzig. Dort versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch ausgerechnet in ihrer neuen Arbeitsstätte trifft sie auf alte Bekannte...

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Kapitel 1
In Leipzig


Mit Sack und Pack zieht die Hamburger Ärztin Dr. Sabine Blank nach ihrer Trennung von ihrem Noch-Ehemann Jens mit ihren drei Kindern, den Zwillingen Lena und Vivian und Baby Leon, nach Leipzig.

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Teil 1

Auf der Autobahn A9 stand eine große Ansammlung von Autos, die einen bereits mehrere Kilometer langen Stau bildeten. Einen Stau, der besonders für Eltern von kleinen Kindern zu einer Zerreißprobe wurde.

„Mama? Mama? Wann sind wir da? … Mama? Wann sind wir da?" Die knapp vierjährige, blonde Vivian Sophie, die Tochter einer ebenfalls blonden Ärztin, fragte ihre Mutter nun schon zum dritten Male nach der geplanten Ankunft in ihrem neuen Zuhause.
„Es dauert jetzt leider noch ein bisschen, mein Schatz. Jetzt ist vor uns erst mal ein großer Stau… Wir müssen noch ein wenig warten.“, deutete die Ärztin auf den kilometerlangen Stau direkt vor ihnen. „Aber ich verspreche dir, Vivian Sophie. Wir sind in ein paar Minuten da. Sobald wir aus dem Stau raus sind, dauert es ganz bestimmt nicht mehr lange…“

Die dreijährige Vivian Sophie, die eigentlich gerne mit ihrer Mutter, Dr. Sabine Blank, im Auto mitfuhr und sonst immer bis zur Ankunft am Zielort sehr ruhig war, schien besonders heute wirklich sehr aufgeregt zu sein. Daher schien sie auch von der Auskunft ihrer Mutter, die Fahrt in ihr neues Zuhause würde wohl noch eine kurze Weile dauern, nicht sehr erfreut zu sein und motzte leise.

„Ich will da sein, Mama… Wann sind wir da? Wann sind wir da?“, hopste Vivian aufgeregt in ihrem Kindersitz auf und ab und die Ärztin, die bereits die nächste Ausfahrt ins Auge fasste, atmete tief durch. „Ich will jetzt in unserem neuen Zuhause sein, Mama… Mama… Ich will da sein… Ich will mein neues Zimmer sehen…“
„Ja, du siehst dein neues Zimmer bald. Mach dir keine Gedanken. … Da vorne an der nächsten Ausfahrt werden wir aus dem Stau fliehen. Und dann fahren wir über die Landstraße. … Nimm dir doch jetzt einfach ein Beispiel an deiner Zwillingsschwester. Unsere Lena schläft schon die ganze Zeit über, seit wir in Erfurt den kurzen Stopp bei Tante Sonja eingelegt hatten."

Sonja Meißner, eine junge Ärztin, die vor zwei Jahren mit ihrem ebenfalls fast vierjährigen Sohn Pascal, der zwei Wochen jünger war, als Sabines Zwillinge, aus dem Westen Deutschlands in den Osten gezogen war und sich in der Nähe ihrer neuen großen Liebe Daniel eine neue Wohnung in Erfurt gesucht hatte, war seit Vivians und Lenas Geburt eine der besten Freundinnen von Sabine.
Gemeinsam hatten die beiden Frauen in Hamburg den Geburtsvorbereitungskurs besucht und auch nach der Geburt der drei Kinder war Sonja noch häufiger bei Sabine und ihren Zwergen zu Besuch gewesen.
Und auch, als feststand, dass Sonja in den Osten Deutschlands zog, hatten sich die beiden Frauen versprochen, in engem Kontakt zu bleiben.

Besonders Lena hatte der Besuch bei ihrem guten Freund Pascal sehr gefallen. War vielleicht der kleine Junge bald die erste große Liebe des kleinen Mädchens?

Sabine schaute durch den Rückspiegel auf ihre kleine Tochter und hörte ein leises Seufzen der Dreijährigen, die eine knappe Viertelstunde älter war, als ihre Schwester Vivian.
„Lena ist bestimmt auch schon sehr müde… Es war ja auch schon ein langer Tag für euch beide. Besonders für deine Schwester… Lena, du bist wohl wirklich müde, hm?“, meinte Sabine liebevoll zu ihrer kleinen Tochter, doch da äußerte sich die Angesprochene sogleich mit leicht gereizter Stimme: „Nein, Mama. Ich bin nicht müde.“
„Doch, Lena. Ich sehe sehr wohl, dass du müde bist. Glaub mir, Mama erkennt das schon von Weitem.“, erwiderte Sabine, doch erneut hörte sie die Stimme ihrer ältesten Tochter: „Ich bin nicht müde, Mama!“

„Oh… Na, dann kannst du ja noch ein paar Stunden munter bleiben.“, nahm Sabine die Äußerung ihrer dreijährigen Tochter, die nie gerne ins Bett ging, wörtlich und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr vor ihr, als im Radio der Stau angesagt wurde: „Auf der A9 zwischen Leipzig-West und Großkugel 10 Kilometer Stau; sie brauchen hier mindestens eine halbe Stunde länger…“

„Mama? Wann sind wir da?“, fragte Vivian noch einmal und Sabine antwortete ihrer Tochter schon ein wenig genervter: „Wir sind dann da, wenn wir da sind. Und jetzt hör bitte auf, mich zu fragen. … Schlaft doch noch ein bisschen; dann sind wir viel schneller in unserem neuen Zuhause, als ihr es euch vorstellen könnt.“, erklärte die Ärztin ihren beiden Kindern und die Zwillinge sahen sich an.

„Fliegen wir dann nach Hause?“, wollte Vivian neugierig wissen und sie deutete auf den rot-weißen Rettungshubschrauber, der gerade über dem Auto der Familie hinweg flog. „Guck mal, Mama… Da fliegt die Schwester von Anneliese.“
„Vielleicht auch die Tante…“, seufzte Sabine und blickte auf ihren kleinen Sohn Leon, der neben ihr auf dem Beifahrersitz in seiner Babyschale saß.

Leon war das von allen innig geliebte Nesthäkchen der Familie; ein kleiner Engel, der die Familie erst mit seiner Geburt komplett gemacht hatte. Nun war der Säugling bereits drei Monate alt und auch, wenn Leon der Grund für die Trennung von Sabine und ihrem Ex-Mann Jens war, war die Ärztin froh, sich für das Kind entschieden zu haben.

Schwermütig seufzte die Ärztin und beim Anblick des Hubschraubers dachte sie an ihren Ex-Mann und ihre Freunde zurück. Sie dachte an „Anneliese“, dachte an Jan, an Johnny.
Wie oft waren die Freunde in den letzten fünfzehn Jahren zusammen zu Einsätzen geflogen; in den ersten Jahren in der bundeswehrgrünen Bell UH-1D, die sie liebevoll „Anneliese“ nannten, und dann anschließend auch in der Nachfolgemaschine, der orangenen EC 135.

Doch nun war alles aus – Sabine hatte die Reißleine gezogen; hatte sich von ihrem Mann getrennt. Die Scheidung lief und auch der Antrag auf alleiniges Sorgerecht für die Zwillinge Lena und Vivian war schon beim Jugendamt in Hamburg gestellt wurden.
Mit ihrem Ex-Mann wollte Sabine nichts mehr zu tun haben; hatte er ihr doch vorgeworfen, der kleine Leon wäre nicht von ihm gewesen. Auch, wenn sie beteuert hatte, mit ihrem Kollegen wäre nichts gelaufen, so war sich der Pilot des Rettungshubschraubers sicher, dass Sabine ihn betrogen hatte.

‚Und du hast mich wohl nicht betrogen? Du bist wohl nicht fremd gegangen?!‘, war Sabines Antwort auf die Äußerung ihres Ex-Mannes. ‚Was ist denn mit dieser Claudia gewesen? Mit dieser ach so tollen Frau, die ich eines Tages im Pausenraum gesehen habe. Mit einem zweijährigen Kind an der Hand?! Das kleine Mädchen war wohl nicht deine Tochter?‘

Eine feuchte Träne rann über Sabines Wange und die erfahrene Ärztin atmete tief durch, um ihre beiden Kinder nicht durch ihr Weinen zu erschrecken.
Dies blieb allerdings nicht erfolgreich, denn Lena, die Sensiblere der Zwillingsmädchen, merkte, dass etwas mit ihrer Mutter nicht stimmte und sie fragte: „Du? Mama? Weinst du? Bist du traurig?“ „Nein… Nein, ich bin glücklich, euch zu haben. Euch zwei und euren kleinen Bruder…“, widersprach Sabine den beiden Mädchen und sie sah verliebt auf ihren kleinen Sohn, der im tiefen Schlaf kurz gähnte. „Ich habe euch drei so lieb…“
„Ich hab dich auch lieb, Mama… Du? Mami? Kommt Papi denn auch nach Leibig?", wollte Lena Alessia, das heute auffallend ruhige Zwillingsmädchen, ganz plötzlich von ihrer Mutter wissen und Sabine zuckte, um ihre Tochter nicht zu erschrecken oder zum Weinen zu bringen, mit den Schultern, als sie antwortete: „Ich weiß es leider nicht, Lena. Weißt du, seit der Papi und ich nicht mehr zusammen sind, habe ich kaum noch etwas von ihm gehört. Aber wir vier machen es uns in unserer neuen Heimat ganz ganz schön.“

„Aber Papa muss auch hierher kommen, Mama…“, motzte Vivian wieder und sie sah zum Fenster hinaus, als Sabine die Autobahn endlich an der Abfahrt „Großkugel“ verließ. „Sind wir jetzt da?“
„Nein, Vivian. Noch sind wir nicht zu Hause. Aber wir umfahren den langen Stau auf der Autobahn; jetzt geht es über die Landstraße. Das ist auch nicht schlecht… Sonst würden wir erst in der tiefsten Nacht in unserem neuen Zuhause ankommen.“, erklärte Sabine ihrer Tochter liebevoll und bog auf die Bundesstraße 6 ein, die die Familie auf geradem Wege nach Leipzig führte.

Das erste, was Vivian und ihre Zwillingsschwester Lena auf dem Weg sah, war eine große Tankstelle am Straßenrand, welche ihre Mutter nutzte, um das Auto nach den über 500 Kilometern wieder voll zu tanken.

„Darf ich ein Eis, Mama?“, fragte Vivian aufgeregt, als Sabine nach dem Tanken wieder ins Auto kam und ihr Portmonee aus dem Handschuhfach holte. „Darf ich ein Eis? Darf ich?“
„Du hast heute Mittag schon ein Eis gegessen, Vivian. Es ist schon kurz vor halb Sieben; wir fahren jetzt nach Hause und dann geht es ins Bett… Deine Schwester ist auch schon müde.“, deutete Sabine auf ihre zweite Tochter, die wirklich bereits sehr müde zu sein schien.
„Mama… Ich bin nicht müde… Ich will auch ein Eis…“, jammerte Lena und gurtete sich, genau wie ihre wenige Minuten jüngere Zwillingsschwester, ab, während Sabine ihren kleinen Sohn Leon aus dem Auto holte, um den Wagen anschließend abzuschließen und das getankte Benzin zu bezahlen.
„Ich bin nicht müde…“, schüttelte Lena noch einmal ihren Kopf und ihre Mutter lächelte. „Jaja… Das glaube ich dir gerne. Du bist überhaupt nicht müde.“, seufzte die Ärztin, als sie von ihren Zwillingen begleitet, den Tankstellenshop betrat.

„Guten Abend… Vivian, es gibt jetzt kein Eis! Ich habe dir gerade eben schon etwas gesagt. … Die Sieben…“ „In Ordnung… Das wären 56,34 Euro bitte.“, antwortete die Kassiererin freundlich und lächelte, als die dreijährige Lena mit einer Plüschkatze um die Ecke kam und ihrer Mutter hinhielt.
„Mama… Mama, das will ich haben… Mami, das will ich…“, bettelte die Kleine und Sabine verdrehte genervt die Augen, bevor sie erklärte: „Jetzt nicht… Sonst will Vivian auch wieder etwas haben… Leg die Katze bitte wieder zurück.“

Doch da hatte Vivian auch schon ein Plüschtier für sich entdeckt und kam ebenfalls bettelnd zu ihrer Mutter, bevor Sabine auf ihren kleinen Sohn Leon zeigte und ihren beiden Mädchen anwies: „Kommt, macht jetzt kein Theater. Ich möchte jetzt nur das Tanken bezahlen. … Jetzt gibt es keine Plüschtiere. Ihr habt schon immer von eurem Vater so viele Tiere bekommen. Und eure Omas haben euch auch immer so viel geschenkt. Wir wissen nicht einmal, wohin mit den ganzen…“
„Aber, Mamaaaa… Die Katze ist sooooo süß, die hab ich noch nicht.“, widersetzte sich Lena den Anweisungen ihrer Mutter, als sie noch einmal zurück geschickt wurde und ihre neue Errungenschaft wegbringen sollte. „Ich hab noch nicht so eine Katze im Bett liegen…“
„Und ich hab auch noch nicht so ein Pferd… Ich will das haben.“, weinte Vivian. Sie wusste genau, wie sie ihre Mutter umstimmen könnte, doch heute blieb die Ärztin bei ihrer Anweisung und Lena setzte sich bockend auf den Boden. „Ich will die Katze haben… Ich will… Ich will…“
„Und ich habe dir gesagt, dass es jetzt keine Plüschtiere gibt. Ihr habt in ein paar Wochen Geburtstag. Da gibt es wieder Geschenke; vielleicht kommen Onkel Jan und Onkel Johnny wieder mit einem riesen Haufen Geschenken zu uns. … Wir fahren am Wochenende zusammen in den Zoo. Dann wollt ihr dort auch wieder etwas haben, mein junges Fräulein. Ich kaufe euch jetzt die Plüschtiere nicht.“

„Maaaaama… MAAAAAAAMA!“ Weinend hielt Lena die Plüschkatze in ihrem Arm fest und auch Vivian ließ ihre neue Errungenschaft nicht mehr los, weswegen Sabine einen kleinen Plüschteddy aus dem Regal holte und ihren Kindern erklärte: „So… Die Tiere gibt es aber erst zum Geburtstag…“
„Neeein! Nicht zum Geburtstag! … Mama, NEEEEEIN! Das ist noch soooo lange, bis zum Geburtstag.“, weinte Lena und drückte die Plüschkatze fest an sich. „Ich will zu meinem Geburtstag ein Fahrrad. So eines, wie die Alicia hat, die im Kindergarten meine beste Freundin war."

„Seid froh, dass ich nicht sage, dass ihr die Tiere erst zur Schuleinführung bekommt; die ist für euch beide erst in knapp vier Jahren.“, erklärte Sabine und bezahlte die Plüschkatze ihrer dreijährigen Tochter Lena, den kleinen Teddy für den drei Wochen alten Säugling und das Plüschpferd für Vivian.
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