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~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
1
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07.11.2018 972
 
Es war noch dunkel, als ich erwachte. Das Zimmer vor mir lag im Schatten, nur das Licht einzelner Straßenlaternen, welche den Platz de Lévis beleuchteten, drangen durch die Vorhänge und ließen kleine Strukturen auf dem hölzernen Boden entstehen.  


Es war ein Flüstern gewesen, welches mich geweckt hatte, ein Singsang, welcher aus den Tiefen der Wände zu kommen schien. Langsam erhob ich mich und trat auf das leicht geöffnete Fenster zu. Kühle Luft drang durch die kleine Öffnung und in der Ferne vernahm ich das gleichmäßige Klingen der Kirchturmglocken, welche zweimal schlugen. Wenn man dir Uhrzeit betrachtete, dann war es durchaus nicht ungewöhnlich, dass die Straßen vor mir leer waren und ich keine Menschenseele sah. In den umliegenden Häusern brannte kein Licht, aber der Schein der vielen Laternen reichte aus, um sich ein Bild zu verschaffen. Es gab keine Erklärung für das Geräusch, keinen Passanten, welcher ihn hätte auslösen können.


Ich schüttelte den Kopf und wandte mich dem Bett zu, als ich es erneut vernahm, dieses Mal lauter. Es schien eine Melodie zu sein, welche mit den Klängen der Nacht zu einem Flüstern verschmolz. Es rief mich mit seiner einladenden Stimme .


“Viens me trouver Aurélie. Komm und suche mich. ”




Das Zimmer vor mir war dunkel und auch der Gang schien unbeleuchtet zu sein. Es gab keine Schritte und auch kein sanftes Atmen, welches auf eine Person hindeuten würde. Nichts. Und dennoch schien das Flüstern gleichzeitig aus den Wänden und dem Gang zu kommen.


“Wer ist da ? Qui est-ce ?”, rief ich zurück, doch niemand antwortete. Zumindest nicht für eine Weile. Ich musste beinahe eine Stunde dort gestanden haben, denn erst als die Kirchenglocken dreimal schlugen, ertönte sie wieder. Dieses mal klang sie leiser und doch bestimmter.


“Aide-moi Aurélie. Seulement tu peux m’écouter. ” Es war wie ein Faden, welcher sich vor mir auftat. Mit einem Mal konnte ich spüren, von wo die Stimme kam. Sie rief mich und ich konnte antworten. Im ersten Augenblick hatte ich Angst gehabt, aber diese Melancholie, welche ich vernahm, war nicht bösartig. Im Gegenteil . Sie rief mich und aus irgendeinem Grund würde ich ihr folgen.


Der Gang vor mir war dunkel, als ich das Zimmer verließ. Die Wandteppiche verschluckten beinahe jedes Geräusch. Im gedämpften Licht wirkten die Szenen, welche sie zeigten dumpf und unwirklich, aber ich wusste, dass sie im Licht anders wirkten. Im Hellen waren die Heldenfiguren beinahe lebensecht. Die Engel, wie sie gegen die finstersten Dämonen der Hölle kämpften und Bilder, die den Aufstieg der Nephilim zeigten und alte, längst vergessene Geschichten zum Vorschein hoben. Im Tageslicht hätte ich jedes bestaunt und die jeweilige Schönheit bewundert, aber jetzt eilte ich an ihnen vorbei.  


Je länger ich lief, desto besser gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, was mir bei den langen Korridoren von Nutzen war.  Die Stimme führte mich immer weiter, bis ich schließlich vor einer Eichenholztür stehenblieb. Sie reihte sich perfekt in die Reihe der anderen Türen ein und wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann wäre ich niemals stehengeblieben. Sie war nichts Besonderes und dennoch ging von ihr eine seltsame Aura aus. In dem Moment, als ich die Türklinke berührte, verstummte das leise Flüstern und zurück blieb nur eine Erinnerung daran.


Auch mit einer großen Kraftanstrengung ließ sich die Tür nicht öffnen. Es war kein typisches Schloss, zumindest konnte ich keines Erkennen. Es gab keine Öffnung für einen Schlüssel und auch keinen sonstigen Verschlussmechanismus. Es fühlte sich mehr an, als würde etwas innerhalb des Raumes die Tür zuhalten.


“Was machst du hier ?”,eine scharfe Stimme ließ mich herumfahren. Vor mir stand niemand geringeres, als Cambriel, welcher in Schwarz gekleidet beinahe mit den Schatten verschmolz.


“Ich konnte nicht schlafen”, log ich und sah ihn direkt an. Er glaubte mir nicht, das sah ich sofort, als ich in seine blauen Augen starrte. Sie waren zusammengekniffen und aufmerksam. Zu aufmerksam. Er beobachtete jede meiner Bewegungen und die Klinge, welche er um die  Hüfte trug , machte es auch nicht besser.


“Warum glaube ich dir das nicht ?” Langsam, wie ein Raubtier kam er einen Schritt näher und schüttelte nur den Kopf.

“Die anderen mögen dich vielleicht als Harmlos sehen, aber das tue ich nicht. Ich behalte dich im Auge, vergiss das nicht.”


“Es ist die Wahrheit, es wird nicht wieder vorkommen.” Ich nickte ihm zu und wollte mich dann umdrehen, als er nach mir griff. Mit der rechten Hand erwischte er mich an der Schulter. Obwohl er dabei nur den Stoff meines Nachthemdes berührte, schreckte ich sofort zurück. Zu groß war meine Angst, dass meine Kräfte erneut ausbrechen könnten.


“Ich warne dich her das letzte Mal. Ich will dich nicht noch einmal nachts außerhalb deines Zimmers antreffen.”


“Ich wusste nicht, dass ich eine Gefangene bin”, erwiderte ich und riss mich los. Seine Hand verharrte in der Luft.


“Ich hatte ich bislang nur für gefährlich gehalten, nicht auch noch für dumm. Glaub mir Mädchen, das einzig, was im Augenblick zwischen dir und dem Rat steht ,ist dieses Institut und wenn die anderen auf mich hören würden, dann wärst du längst nicht mehr hier.”


“Was ist denn der Rat ? Ich habe noch nie von ihm gehört .”


“Der Rat ist eine Gruppe von Schattenjägern, welche nicht so nett sind wie wir.” Bei dem Wort nett, verzog er das Gesicht, ehe er fortfuhr. “Wenn sie hören, was du angerichtet hast, dann werden sie dich als Bedrohung ein klassifizieren. Glaub mir, das ist nichts, was du möchtest. ”


“Was ich möchte bestimme immer noch ich”, entgegnete ich und sah ihm in die Augen.


“Wenn du meinst. Ich für meinen Teil werde jetzt in mein Zimmer zurückkehren. Ob du es glaubst oder nicht, aber ich habe noch etwas Besseres zu tun, als hier für dich ein Wörterbuch zu spielen. ” Mit diesen Worten drehte er sich auf dem Absatz herum und ließ mich in der Dunkelheit stehen. In der Entfernung schlug die Kirchenglocke erneut.
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