Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
15.06.2020 1.206
 
“Und, wie fühlt es sich an, sterblich zu sein?”, Cam sah mich verschmitzt an, während wir am Ufer der Seine entlang spazierten. Das Licht der aufgehenden Sonne spiegelte sich im Wasser und hinterließ goldene Schlieren auf der Oberfläche. Paris wachte aus seinem Schlaf auf, einige Passanten eilten an uns vorbei, ohne uns zu beachten und Pferdekutschen donnerten über die Straßen. Die Hintergrundgeräusche der Stadt mischten sich zu den typischen Klängen von Paris zusammen.
Spielerisch schlug ich Cam mit der Hand auf den Arm. Dieser reagierte sofort und zog mich mit einem Ruck in seine Arme. Ich verdrehte nur die Augen.

“Es ist nicht so, dass ich vorher nicht sterblich war” Mein Protest schien keine Wirkung zu haben, denn ein schiefes Grinsen breitete sich auf Cams Gesicht aus.
“Ich hätte dich jedenfalls sehr vermisst, wenn du mit Raziel mitgegangen wärst”, schmunzelte er, während er mit einer schnellen Bewegung eine meiner Haarsträhnen zur Seite schob . Ich versuchte nicht daran zu denken wie ich aussehen musste, aber man begegnete schließlich nicht jeden Tag einem Engel.
“Meinst du?”, fragte ich ihn.
“Mmmmh”, brummte er und zog mich noch enger an sich.
“Sehr sogar”

In dem Moment, in welchem seine Lippen die meinen berührten, fiel alle Anspannung von mir ab. Wir waren nicht tot, hatten einen Erzengel überlebt und gegen den Rat gewonnen. Zum ersten Mal fühlte es sich wirklich wie der Beginn eines Happy-Endes an.

Ich erwiderter den Kuss, fuhr mit meinen Händen durch seine Haare. Wir beide waren ineinander verschlungen, wie zwei Teile eines Puzzles, die sich endlich gefunden hatten.

Hier in seinen Armen schien die Realität so unwirklich. Wie hatte es sein können, dass wir einen Krieg gewonnen, die gesamte Schattenwelt gerettet und das alles überlebt hatten ? Vor einem Jahr war die jährliche Parade der École Militaire noch das spannendste Ereignis gewesen, was ich mir hatte vorstellen können.

“Woran denkst du ?”, fragte mich Cam leise, als wir uns etwas voneinander lösten.
“Es klingt lächerlich”, begann ich und lehnte meinen Kopf an seine Brust.
“Aber nach allem was passiert ist bin ich froh, dass es so passiert ist. Ich meine ohne das Leid wären wir heute nicht hier.”
Cam strich mir währenddessen über den Rücken und hauchte einen Kuss auf meine Stirn.
“Ich auch, aber wie viele Schattenjäger können schon behaupten einen Engel gesehen zu haben ?”, Cam schmunzelte.
“Ja Raziel war schon etwas außergewöhnliches”
“Ich dachte nicht an Raziel”, erwiederte er und ich spürte wie die Hitze in meine Wangen stieg.
“Und ich wette, dass ich der erste bin, der einen Engel geküsst hat” Seine Lippen fuhren für einen kurzen Moment über meine.
“Darum geht es dir also ?” Ich lachte, versuchte aber ihn böse anzusehen.
“Eine Möglichkeit bei anderen Schattenjägern anzugeben?” Ich schüttelte meinen Kopf.
“Du musst zugeben, dass es etwas Verlockendes an sich hat”, antwortete Cam und lachte.
“Aber nein, ich würde dich auch als einfachen unbedeutenden Mensch lieben.”
“Na vielen Dank auch” Ich schmollte gespielt. Innerlich machte mein Herz einen kleinen Hüpfer. Ich wusste, dass er mich liebte, aber es zu hören bedeutete mir viel mehr.

“Aber jetzt, wo alles vorbei ist, was sind deine Pläne ?”, wollte er schließlich wissen, als wir vor dem Institut ankamen.

Ich ließ mir einen Augenblick Zeit diese Frage zu beantworten. Stattdessen blieb mein Blick an dem Vorplatz des Institutes hängen. Die Gebäude, welche sich dem Himmel entgegenstreckten, die Menschen, die Musik der Straßenmusikanten, welche einige Straßen entfernt eine fröhliche Musik spielten. Der Geruch der Boulangerien, das Klappern der Kutschen auf dem Pflaster. Das alles war mein Paris, meine Stadt und für mich der schönste Ort der Welt.

“Ich will hierbleiben. Für eine Weile jedenfalls. Ich glaube ich würde das alles viel zu sehr vermissen, sollten wir fortgehen."
Ich sah Cam an und wartete auf seine Reaktion.
“Dann habe ich ja Glück”, erwiderte er schließlich. “Es wäre auch sehr schwer gewesen dem Rat zu erklären, warum ich die Leitung des Institutes nun doch nicht übernehmen kann.” Ich blinzelte und sah ihn verwirrt an. Er hingegen lachte über meine Reaktion.

“Aber was ist mit Béatrice ?”
“Nach allem , was mit Cédéric passiert ist, haben sie beschlossen an dem Aufbau von Idris mitzuhelfen. Dort wollen sie sich auch niederlassen. Ich kann es ihnen nicht verübeln” Cam zuckte mit seinen Schultern.
“Ich kann das alles gar nicht glauben”, verwirrt schüttelte ich meinen Kopf.
“Hey”, Cam ergriff meine Hand und sah mich an. “Wenn dir das alles zu viel wird...”
“Nein. Ich muss es nur erst verarbeiten.” ich holte tief Luft, ehe ich Cams Blick begegnete. Dann lächelte ich. “Wie schwer kann die Leitung eines Institutes schon sein verglichen mit allem was wir durchgemacht haben?”
“Das ist die richtige Einstellung”, stimmte Cam mir zu. “Dann bleibt nur noch ein Problem”, er sah mich an und machte eine Pause. Erneut verzog sich sein Mund zu einem Lächeln.”

Der Rat verweigert Aurélie Dubois die Co-Leitung. Alderheart scheint nach wie vor nicht wirklich begeistert von dir zu sein.” Er zuckte mit seinen Schultern, dennoch schien die Aussage seine gute Laune nicht zu beeinflussen.
“Ich glaube ich verstehe nicht, worauf du hinauswillst”, begann ich und sah Cam irritiert an. Nach allem, was geschehen war, wunderte mich Alderhearts Aussage nicht wirklich, aber Cams gute Laune verstand ich nicht.
“Aber wenn das der Wille des Rates ist, dann können wir daran nichts ändern”
“Ich glaube du verstehst da etwas nicht”, Cam machte eine Pause, ehe er mich ansah. Dieses Mal war sein Blick ernst.
“Eine Aurélie Dubois darf das Institut nicht leiten. Eine Aurélie Herondale hingegen”, er zuckte mit seinen Schultern. “Das dürfte kein Problem sein.”

Ich brauchte einen Moment, ehe ich seine Worte verstand. Dann sah ich ihn fassungslos an. “Machst du mir gerade einen Antrag?”
“Und wenn es so wäre ?”,er trat auf mich zu, schlang einen Arm um meine Hüfte, eine andere Hand legte er an meine Wange. “Ich bin mir sicher, was alles angeht. Ich will mein Leben mit dir teilen, Aurélie und es ist mir sowas von egal, was der Rat und die anderen Nephilim dazu sagen.” Er setzte zu einem weiteren Satz an, aber ich unterbrach ihn.
“Ja”, flüsterte ich, während ich spürte wie Tränen in meinen Augen aufstiegen.
“Ja, ja, ja”schließlich schlang ich beide Arme um ihn und legte meine Lippen auf seine.
“Nein, so geht das nicht, ich hatte Argumente und eine richtige Rede und...” Cam sah mich gespielt böse an, erwiderte den Kuss dann aber.

Wir erreichten das Institut als die Sonne beinahe vollständig aufgegangen war. Immer mehr Kutschen holperten über die Pflastersteine, Passanten suchten die nächstgelegene Boulangerie auf, aus welcher der Duft von Croissants und frischem Gebäck uns entgegenschlug. Der Beginn eines neuen Tages. Ich musste lächeln als ich Cédéric, Béatrice, Marie und Lucie am Eingang des Institutes sah. Nach allem was wir durchgemacht hatten, nach all den Verlusten und Tragödien, schien das Leben nun wieder zurück in die richtige Bahn gefunden zu haben. Wir waren alle hier. Und selbst wenn Béatrice und Cédéric in einigen Wochen oder Monaten abreisen würden, sie waren Teil meiner Familie. Hand in Hand liefen Cam und ich auf sie zu und ich wusste in diesem Moment, dass es erst der Anfang eines wundervollen Lebens sein würde. Ein Leben, wie ich es mir damals in der Rue Bossière niemals hätte vorstellen können.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast