Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.10.2018 1.156
 
Ich erwachte, als es gerade begann hell zu werden. Es war die Zeit, in der man den ersten Schimmer des neuen Tages wahrnehmen konnte und dennoch in der Dunkelheit gefangen war. Ruckartig setzte ich mich auf. Der Park um mich herum glich in keiner Weise der Situation der vergangenen Nacht. Vereinzelt begannen die Vögel bereits zu singen und von weitem hörte ich einige Kutschen über die Straße am anderen Ende des Parc Monceau donnern.


Hastig erhob ich mich und sah mich um. Von den Kreaturen von gestern war keine Spur mehr zu erkennen. Nichts deutete auf unser Zusammentreffen hin, zumindest nicht auf den ersten Blick. Bei weiterer Betrachtung gab es schon Spuren. Der Boden war an der einen Stelle leicht versengt, man konnte noch Reste eines Kleidungsfetzens erkennen. Es handelte sich um die Stelle, an der meine Verfolger gestanden hatten.


Entsetzt schlug ich mir die Hände vor den Mund, um mein Schreien zu unterdrücken. Meine Kehle wurde immer trockener. Ich konnte es noch gar nicht begreifen. Sie waren tot. Ich hatte sie getötet. Etwas in mir war zum Vorschein gekommen, von dem ich nicht einmal geahnt hatte, dass es existierte.


Ich verweilte keine Sekunde länger im Parc. Stattdessen rannte ich schneller, als je zuvor in Richtung des Waisenhauses. Innerhalb von 40 Minuten erreichte ich die Rue Boissière. Ich hatte nicht  angehalten, sondern war schneller als je zuvor gerannt. Nur das schneller werdende Pochen meines Herzens und das Gefühl des Blutes, welches in meinen Ohren rauschte, schafften es mich abzulenken. Ich zwang mich nur an die Bewegung zu denken, aber immer öfter schlich sich ein anderer Gedanke in meinen Kopf. Ein Gedanke, welcher mich mehr beängstigte, als alles andere. Ich war gefährlich. Es gab eine Kraft in meinem Inneren, welche ich nicht bändigen konnte.



Weder Madame Morin, noch Madame Faure sprachen mich auf meine späte Ankunft an, als ich mit geröteten Augen und dreckiger Kleidung vor den Stufen des Waisenhauses auftauchte. Wortlos stellte ich das Päckchen neben die Stufe und rannte in eines der kleineren angrenzenden Zimmer. Ich konnte es nicht ertragen mit den Blicken der anderen Mädchen konfrontiert zu werden. Hier fühlte ich mich sicher, in dem kleinen dunklen Raum, welcher nur über ein kleines Fenster an der linken Wand verfügte.  Ich wischte mir die getrockneten Tränen ab und ließ mich schluchzend auf einem der Stühle nieder. Wie hatte es je soweit kommen können ?


Bei dem Zimmer handelte es sich um ein kleines Archiv, alle Informationen, die über uns Mädchen existierten wurden hier gesammelt. Ich war nicht oft hier gewesen. Während die anderen Mädchen einige wenige Informationen aufweisen konnten, war mein Fach weitgehend leer.  In ihm befanden sich nur  zwei Dinge. Ein Tuch, auf welchem mein Name eingestickt war und eine weiße Feder. Das war alles.  Von meinen Eltern hatte es niemals nur eine Spur gegeben. Ich wusste nicht einmal, ob sie noch lebten oder schon tot waren. Mein ganzes Leben lang hatte ich mich gefragt, warum sie nicht mehr da waren. Wollten sie mich nicht ? Oder hatten sie Angst vor mir gehabt? In diesem Moment wünschte ich mir nichts Weiteres, als sie zu sehen, zu wissen, ob all das meine Schuld war.


Vorsichtig nahm ich die Feder aus dem Fach und befestigte sie an meiner Kette. Ich konnte im Augenblick nichts mehr als Hoffnung gebrauchen. Dort würde sie erstmal bleiben.




Ich versuchte mich weitestgehend am Schulalltag zu integrieren. Ablenkung könnte mir in diesem Fall wirklich nicht schaden. Allerdings zuckte ich bei jedem kleinen Geräusch zusammen. Meine Paranoia weitete sich dahingehend aus, dass ich selbst dann die Beherrschung verlor, wenn jemand meinen Namen sagte. Es würde bestimmt einige Tage dauern, bis sich dieser Zustand verbessern würde.Ich war gerade mit meinen Aufgaben in Mathematik beschäftigt, als Madame Faure den Unterricht störte.

"Miss Dubois, ich muss mit Ihnen reden. Es ist wichtig." Ihr Gesicht  war kreidebleich und ihre Augen zuckten seltsam. Ich hatte sie noch nie so erlebt. Sonst schien sie nichts aus der Ruhe zu bringen.

"Ja, ich komme”, antwortete ich und klappte mein Heft zusammen. Die Blicke sämtlicher Mädchen waren auf mich gerichtet, als ich den Raum verließ. Madame Faure führte mich in ihren kleinen Besprechungsraum.  Sie stieß mich beinahe hinein und schloss dann die Tür hinter mir.


Ich war nicht allein. In dem Raum befand sich bereits eine weitere  Person. Es handelte sich um eine Frau, vielleicht  Mitte 40. Sie trug ein stechend grünes Kleid, welches ihre Augen nicht nur betonte, sondern sie besonders hervorhob. Auf mich wirkte sie beinahe wie ein Reptil. Es gab keine andere Möglichkeit es treffend zu beschreiben. Sie begann zu lächeln, als sie mich sah.


"Hallo Aurélie", begrüßte sie mich.

"Woher kennen Sie meinen Namen ?", fragte ich sie misstrauisch. Alles an ihr, ganz besonders ihr Lächeln, welches immer breiter wurde, wirkte falsch. Beinahe Rauptierhaft.

"Ich weiß viel über dich. Du bist etwas Besonderes. " Sie erhob sich und trat auf mich zu.

"Das sollten Sie besser nicht tun", warnte ich sie, als sie ihre Hand nach mir ausstreckte.

"Das habe ich auch nicht vor. Du musst keine Angst vor mir haben." Ihre grünen Augen blitzten für einen Moment auf, indem ich hätte schwören können, dass sich eine Dunkelheit um sie herum bildete.

"Was wollen Sie ?"

"Wusstest du , dass ein Preisgeld auf dich ausgesetzt ist? Viele haben ein Interesse an dir ", sie lächelte breit und breitete ihre Arme aus.

"Und Sie wollen mich ausliefern ?", schloss ich daraus. Meine Finger hatte ich hinter meinem Rücken verschränkt und tastete nach dem Türgriff. Nur noch ein paar Momente und ich könnte fliehen.

"Ich will dir helfen dein Potenzial auszuschöpfen." Ich berührte den Türgriff und mit einer fließenden Bewegung und flog geradezu aus dem Zimmer.

"Haltet sie auf ", ein einziger Befehl von der Frau und zwei Gestalten schoben sich mir in den Weg.  Beide bestanden aus Schatten, so machte es zumindest den Anschein. Die Konturen verschwammen und  wabrige Hände griffen nach mir, verbrannten sich allerdings bei der Berührung mit meiner Haut . Dies nutzte ich aus und griff mit meinen Händen nach ihnen. Es dauerte nicht lange, bis ich mir meinen Weg freigekämpft hatte.


Ich stoppte nicht, sondern rannte immer weiter. Ich passierte Straßen, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Die gesamte Zeit sah ich mich um und erwartete beinahe die Schatten hinter mir zu erkennen. Das trieb mich immer mehr an. Ich wusste nicht, wie lange ich gelaufen war, aber am Rande der Seine, weit weg von der Rue Boissière , brach ich zusammen. Alle Gefühle drangen an die Oberfläche und die Panik der vergangenen Nacht mischte sich dazu.  Mein gesamtes Weltbild hatte sich verändert. Dazu kam eine andere Erkenntnis. Es gab nicht nur Menschen auf dieser Welt. Diese Wesen, die ich gesehen hatte, sie waren definitiv nicht menschlich gewesen.  Wie konnte sich alles so abrupt verändert haben?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast