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~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
1
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23.05.2019 1.309
 
Alicante war verloren. Das war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, während ich meine Seraphklinge zog. Ich hatte mein Bestes gegeben, die anderen zu warnen, aber Edmund Lightwood weigerte sich die gläserne Stadt aufzugeben. Stattdessen hatte er nach sämtlichen Nephilim aus jedem Institut der Welt geschickt. Als würde unsere Armee jemals gegen einen Engel ankommen können.

Mittlerweile hatten sich die meisten der noch übrig gebliebenen Schattenjäger in die Stadt zurückgezogen. Sie hofften dort Sicherheit zu finden, aber es gab keine Sicherheit nicht mehr. Die Stadt glich einem Schlachtfeld. Zahlreiche Häuser waren eingestürzt und Leichen lagen unter dem Schutt und der Asche. Die Dämonenarmee eroberte immer weitere Teile, sie drangen in Bereiche vor, die seit Hunderten von Jahren in unserem Besitz lagen. Wir waren verloren.

“Cam”, Lucie richtete meine Aufmerksamkeit auf einen Gang neben uns. Von dort aus strömten mehrere Croucher Dämonen auf uns zu. Ohne einen Moment zu zögern, hob ich meine Klinge und versperrte den Zugang.

“Wir können nicht mehr lange durchhalten”, Marie hatte sich zu uns gesellt und schüttelte den Kopf. Ihre Haare hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und überall auf ihrer Rüstung waren Spuren von Blut zu erkennen. Sie winkte ab, als Lucie ihre Stele zückte.

"Die Stadt ist verloren."

"Edmund wird sie nicht aufgeben", antwortete Lucie.

"Solange Aurélie noch dort draußen ist, haben wir keine Chance." Hass spiegelte sich in Maries Augen. "Solange sie lebt, sind wir alle in Gefahr."

"Nein", knurrte ich. "Du wirst ihr kein Haar krümmen."

"Sieh dich um Cam. Das ist nicht mehr die Aurélie, die du kanntest. Sie hat sich für eine Seite entschieden, die Königin kontrolliert sie. Alicante wird brennen, solange sie lebt."

Mein Blick richtete sich gen Westen. Von dort aus konnte man die Magie pulsieren fühlen. Im Zentrum dieser Macht musste sich auch die Königin befinden.

"Cédéric vertraut ihr und ich auch. Das ist alles, was zählt." In meinem Kopf bildete sich ein Entschluss.

“Cam, nicht.” Sowoh Lucie als auch Marie versuchten mich aufzuhalten, als ich in Richtung Westen los sprintete. Noch waren nicht alle Straßen versperrt. Es gab noch Hoffnung. Niemand hielt mich auf, während ich mich immer weiter in das Zentrum vorarbeitete. Das Pulsieren wurde immer stärker je weiter ich kam. Da waren Dämonen und Schattenweltler, aber sie alle ließen mich passieren. Es war, als würden sie mich immer weiter in ihre Mitte locken. Dann sah ich sie und es fühlte sich an, als würde mein Herz für einen Moment stehenbleiben.


Aurélie schwebte einige Meter über dem Boden. Ihre Haare hatten sich aus einer Frisur gelöst und wirbelten hinter ihr durch die Luft. Der Saum ihres Kleides berührte kam merklich den Boden. Aurélie hatte in diesem Moment keine Ähnlichkeit mehr mit dem Mädchen, das ich kannte. Sie war überirdisch schön, die einst goldenen Augen durchzogen nun dunkle Schlieren, die Haut war weiß wie Alabaster. Sie verströmte eine unglaubliche Kraft, während sie der Königin des Lichten Hofes folgte. Um sie herum stürzten ganze Häuserreihen ein, Dämonen folgten ihr, während sie immer weiter voranschritt. Ihr Blick war leer. Ich wagte es nicht ihren Namen zu rufen aus Angst unerwünschte Aufmerksamkeit auf mich zu lenken und dennoch konnte ich meine Augen nicht von ihr lösen. Sie hatte mich in ihren Bann gezogen. Aurélie war das Licht, um das sich sämtliche Kreaturen des Schattens scharrten. Der Mittelpunkt , der Anfang und das Ende. Als ich sie sah, wusste ich, dass es keinen Ausweg gab.

Als hätte sie meine Anwesenheit gespürt drehte Aurélie ihren Kopf und sah in meine Richtung. Ihr Gesicht war makellos und wunderschön. Zu schön um noch menschlich zu wirken und tausendfach schöner als es Elben je hätte sein können. Das hier war nicht mehr das Mädchen aus der Rue Bossière. Diejenige, die mir ohne zu zögern auf die Schattenweltler Party gefolgt war und diejenige, die versucht hatte ihre Kräfte zu unterdrücken, um andere zu schützen.

Ich hatte bereits sämtliche Hoffnung aufgegeben, Aurélie zu erreichen, als die Königin des Lichten Hofes zusammenzuckte. Es war ein kurzer Moment , nicht länger als ein paar Sekunden, aber er reichte aus, um die Prozession zu stoppen. Lucie war an mir vorbeigesprungen und hatte ihre Seraphklinge nach der Königin geworfen. Dann begann Aurélie zu schreien.

Sämtliche Schattenweltler hielten inne und pressten sich die Hände auf die Ohren. Einer nach dem anderen brach zusammen. Aurélie schrie weiter. Straßen neben mir wurden zerschüttet, ganze Gruppen von Dämonen zerfielen augenblicklich zu Staub. Ein Zucken ging durch ihre Körper, sie hatten die Augen in stummer Qual aufgerissen.

“Geh, ich halte sie auf”, rief Lucie mir zu, während sie auf die Königin zueilte. Marie folgte ihr. Solange Aurélie schrie, gab es kein Wesen in der Armee der Königin, welches sich rühren konnte. Als ich sie ansprach, reagierte Aurélie nicht. Die Umwelt hatte sie ausgeblendet, während sie ihren stummen Kampf austrug. Dann ergriff ich ihre Hand.

Als ich die Augen aufschlug, war es dunkel. Es gab kein Licht, nur die einzelne alles zerstörende Leere, die mich umgab. Stimmen flüsterten in der Dunkelheit, sie sprachen mit Worten, welche ich nicht verstehen konnte. Sie lockten mich, trieben mich immer weiter. Mit jedem Schritt wurde es kälter, bis ich sie sah.

Aurélie stand auf einer Art Hügel einige Meter entfernt. Schlieren aus purem Licht pulsieren um sie herum, kämpften gegen die Dunkelheit an, die immer wieder versuchte vorzudringen. Sie war allein. Diese Version von ihr glich in keiner Weise derer, die ich in den Straßen von Alicante gesehen hatte. Hier schien sie verletzlich, menschlich.

“Aurélie”, ich rief nach ihr, versuchte die Distanz zwischen uns zu verringern, aber sie wich zurück. Angst lag in ihrem Blick.

“Du bist nicht real “, sie schüttelte ihren Kopf. “Geh weg.” Mittlerweile hatten sich ihre Hände auf die Ohren gepresst und wippte mit dem Oberkörper leicht auf und ab. Immer wieder wiederholte sie ihre Worte.

“Du bist nicht real ”

"Ich bin es, Aurélie“, versicherte ich ihr, blieb allerdings unsicher stehen.

“Nein”, dieses Wort schrie sie mir beinahe entgegen.

“Cambriel wäre nicht hier. Die Königin hat ihn nicht gefangen genommen.” Sie schüttelte weiter ihren Kopf. “Ich glaube nicht mehr daran. Sie soll aufhören. Sag ihr, dass sie aufhören soll.”

“Ich bin hier. Die Königin hat keine Macht mehr. Nicht, wenn du dich befreien kannst.”

“Beweise es.” Ihre Augen hatte sie zusammengekniffen. “Aber das kannst du nicht, nicht wahr ? Sie kann dich so aussehen lassen wie er, aber seine Erinnerungen kennt sie nicht.”

Aurélie schüttelte wieder ihren Kopf.

“Ich erinnere mich”, begann ich schließlich. “An ein Mädchen, welches sich ohne zu zögern für andere eingesetzt hat. Ich erinnere mich an die Situation auf dem Dach des Institutes, bei welcher es dir wichtiger war, dass es mir gutginge, als dass du in Schwierigkeiten kommst. Ich erinnere mich an den Abend am Ufer der Seine. Das kleine Café, die Brücke die wir passiert hab. An den Angriff der Schattenweltler. Ich habe dir zugerufen zu fliehen, aber du hast dich umgedreht und mir das Leben gerettet.” Ich machte eine Pause und sah sie an. “Ich wünschte man hätte dir das alles ersparen können. All das Leid, die Angst. Die Schattenwelt war nicht deine Welt und trotzdem hast du versucht das Institut zu beschützen. Aber du kannst nicht in zwei Welten leben. Du musst dich entscheiden.” Aurélie hatte ihre Hände von den Ohren genommen und sah mich an.

“Du kannst Aurélie Dubois sein, die Waise aus der Rue Bossière oder du kannst sie hinter dir lassen. Halte nicht an ihr fest, sondern an der Person, die du sein möchtest.”

“Ich habe Angst”, sagte sie schließlich und sah sich um. Ihr Blick richtete sich in die Ferne.

“Ich werde es nicht kontrollieren können.”

“Doch, das wirst du. Du bist stark genug. Stärker als wir alle.” Ich reichte ihr meine Hand. “Ich bin hier. Du bist nicht allein.” Und dann ergriff sie meine Hand.
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