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~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
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11.11.2018 1.644
 
“Jetzt.” Cambriel hatte das Wort noch nicht ganz ausgesprochen, als ich sie sah. Mehrere Elbenkrieger nährten sich vom Ufer der Seine und kamen immer näher. Sie trugen dunkle Kleidung, mit der sie mit der Umgebung verschmelzen konnten. Obwohl das Material ihrer Bekleidung nicht besonders schwer aussah war ich mir sicher, dass es alles andere als einfach war, es zu durchtrennen. Es waren mehr als 10 Wesen, die sich nährten. Alles in mir schien mich zum Stehenbleiben animieren zu wollen, aber stattdessen tat ich das, was Cam mir befohlen hatte. Ich rannte. Als ich einige Schritte geschafft hatte, ertönten hinter mir einige Schreie. Sie waren hoch und grell, aber trotzdem klangen sie menschlich. Ich wusste, dass er es mir verboten hatte, aber ich drehte mich schließlich um.


Einer der Elben nährte sich Cam von hinten, während er gegen zwei weitere Angreifer kämpfte. Cambriel war ein guter Kämpfer. Er ließ seine Gegner nicht aus den Augen, während er versuchte sich aus der Situation zu befreien. Immer mehr Wesen traten auf ihn zu. Die meisten hielten sich im Hintergrund, so als würden sie auf etwas warten. Mein Blick fiel schließlich auf einen Elben, welcher beinahe zwei Meter maß. Er hielt sich zurück und dennoch wusste ich, dass er derjenige war, welcher die Befehle gab. Als er mich bemerkte breitete sich ein breites Lächeln auf seinem Gesicht aus und einen Moment später erhob er seine Hand. Es war nur eine kurze Bewegung, mit der er auf mich zeigte, aber es hatte zur  Folge, dass sich sämtliche Elben, welche am Rand gewartet hatten zu mir herumdrehten.  


Panisch blickte ich zwischen den sich nähernden Kreaturen und Cambriel hin und her. Die Situation schien hoffnungslos. In meinem Hinterkopf bildete sich in dem Moment ein Gedanke, indem einer Elben eine Klinge direkt durch Cambriels Brust schob. Die Bewegung drehte ihn herum und ich sah,wie die Klinge sein Fleisch durchschnitt und Blut auf die Straße sickerte. Der Elbe ließ ihn los und Cams Kopf schlug unbarmherzig auf dem dunklen Boden auf.


Warme Tränen rannten an meiner Wange herunter, während ich versuchte zu ihm zu gelangen. Ich spürte nichts mehr, weder die Berührung eines der Eben, wie er versuchte nach meiner Hand zu greifen, um mir eine Fessel über die Handgelenke zu schieben, noch die Kälte des Windes, welcher von Norden her durch die Stadt zog. Sie zogen mich weiter, zwangen mich, an Cambriels leblosen Körper vorbeizugehen. Als ich die dunklen Haare sah, die  in einzelnen Strähnen sein Gesicht verdeckten und die weit aufgerissenen grünen Augen, wie sie in den Himmel starrten, fühlte ich nur Dunkelheit.


Es war anders, als die vergangenen Male, als meine Kraft aus mir herausgebrochen war. Da schien von meinem Gegenüber ausgelöst worden zu sein, ich hatte auf gewisse Stoffe im Blut reagiert, oder wie man es sonst nennen sollte. Das hier war anders. Die gähnende Leere schien sich zu füllen. Am Anfang langsam, dann immer schneller überlagerte sich die Dunkelheit mit etwas anderem. Einem Gefühl. Wut.  Sie brach durch jeden Winkel meines Körpers hervor, fraß sich mit einer unbändigen Kraft voran  und ließ sich nicht aufhalten. Dieses Mal hatte ich es auch nicht vor.  Ich wollte, dass sie litten, so wie ich es im Moment tat. Mir war klar, dass ich sie verdammte in dem Moment, indem sich der Himmel vollends verdunkelte.


Die Wolken zogen sich zusammen und ließen nichts als Schatten auf Paris fallen. Jede Laterne erlosch im selben Augenblick und jedes Geräusch erstarb, als ich mich aufrichtete. Die Elben waren mittlerweile zurückgewichen, aber fliehen konnten sie nicht. Genau wie ich saßen sie jetzt in einer Falle. Eine Falle, die sie erschaffen hatten. Manche legten ihre Waffen nieder, manche bettelten nach Gnade, aber ich war unbarmherzig. Sie hatten keine Gnade verdient. Mein Blick richtete sich auf den Toten Körper vor mir. Blut sickerte noch immer aus der offenen Wunde und verband sich mit dem Schmutz und dem Dreck der Straße. Sie hatten keine Gnade für Cambriel gehabt.


Die Fesseln lösten sich beinahe von selbst, als ich meine Handgelenke drehte. Sie waren nicht stark genug , um mich zu halten, nicht stark genug, um mich zu bändigen. Die Kraft in meinem Inneren hatte sich verstärkt. Sie war zu einer rasenden Kraft geworden, welche von aller Vorstellungskraft entfernt war. Das Letzte, was diese Kreaturen waren, als sie eine Woge aus Dunkelheit erreicht, war mein Gesicht. Ich hielt es nicht zurück, ich lenkte es und es gehorchte mir. Der Nebel, welchen ich aussandte, folgte meinen Bahnen, er griff an, wenn ich es befahl. Er wollte sich ausbreiten, die gesamt Straße verschlingen, aber ich konzentrierte ihn auf einen Punkt. Als er die Elben erreichte legte er sich Lückenlos über ihre Körper. Er griff nach ihnen, nährte sich von ihnen. Mit jeder Sekunde wurde er größer und größer, bis er weit über die Dächer der Häuser reichte. Den Elben,  welcher Cambriel getötet hatte, hob ich mir bis zum Schluss auf. Erst, als alle anderen zu Staub zerfallen waren, wandte sich der Nebel ihm zu. Er versuchte zu rennen, aber ich war schneller. Schneller, als er es für Möglich gehalten hatte.


Als der Befehl vollendet war, entzog sich der Nebel meine Kontrolle. Er bäumte sich auf und drohte sich weiter auszubreiten. Die Wut verflog und damit auch die Fähigkeit ihn zu kontrollieren. Die Dunkelheit richtete sich nun gegen mich und ich wusste, dass ich die Kraft dieses Mal nicht bändigen können würde.


“Aurélie, écoute moi. Hör mir zu. Beruhige dich.” Es war dieselbe Stimme, die ich im Institut vernommen hatte, die nun zu mir sprach. Sie zwang mich innezuhalten. “Kontrolliere es.” Es war ein Befehl, aber ich konnte ihm nicht nachkommen. Stattdessen war ich im Zentrum des Nebels gefangen und blind für alles andere. Ich konnte mich nicht befreien.


“Höre auf meine Stimme. Kontrolliere es.” Sie wiederholte diese Worte. Wieder und wieder drangen sie in meinen Verstand ein und verdrängten die Leere. Als ich meine Augen öffnete hatte sich der Nebel verzeihen und der Himmel war wieder klar und wolkenlos. Mit dem aufleuchten der Laternen wurde mir die Situation auch erst wieder bewusst.


Ich rannte beinahe auf Cam zu. Er lag mit offeneren Augen auf der Straße, die Gliedmaßen seltsam verzerrt. Die Wunde hatte aufgehört zu bluten, aber die Lache um seinen Körper war gewachsen. Der beinahe Metallische Geruch von Eisen umgab mich, als ich meine Hand nach ihm ausstreckte. Da war keine unkontrollierbare Wut mehr, als ich ihn ansah, nur noch Trauer. Ansonsten nichts.  Ich streckte meine Hand aus, um seine Augen zu schließen, als ich etwas anderes spürte.


Meine Hand hatte kam seine Haut berührt, da schien sich die Umgebung zu verändern. Ich war nicht länger in Paris, sondern an einem anderen Ort, welchen ich nicht beschreiben konnte. Die Übergänge liefen ineinander über erzeugten einen Schleier, welcher über allem lag.


“Aurélie ? ” Eine Stimme ließ mich herumfahren. Sie war anders, als die Stimme hinter der verschlossenen Tür, ruhiger und doch voller Schmerz.  Als h mich herumdrehte blickte ich direkt in das Gesicht einer jungen Frau. Äußerlich war sie jung, aber aus ihren Augen leuchtete eine Weisheit, die darüber hinausging. Sie trug ihr dunkles Haar offen und es hatte sich sanft um ihre Schulter geschmiegt. Ihre goldenen Augen sahen mich an, als ich noch immer vor Cams Körper kniete.


“Lass ihn los, er ist bereits gegangen. Du kannst nichts mehr tun.”


“Nein”, flüsterte ich. “Das ist er nicht. Ich ...”


“Ich spüre so viel Schmerz”, sie machte eine Pause und schüttelte leicht den Kopf. “Du bist nicht für die Sünden der Welt verantwortlich. Lade sie nicht auf deine Schultern. Lass ihn gehen. Er hätte das auch gewollt.”


“Er hat versucht mich zu beschützen. Er hätte nicht sterben sollen. Nicht für mich.”


“Es gibt viele Dinge, die nicht sein sollten und dennoch sind. Das ist der Lauf aller Dinge.” Sie lächelte mich sanft an und legte eine Hand auf meine Schulter. Obwohl ich wusste, dass sie mich berührte, spürte ich nichts. Es war beinahe, als wäre sie nicht da.


“Du bist stark Aurélie, stärker als du vielleicht glaubst. Lass dir diese Stärke niemals nehmen. Sie wird dich in dunklen Zeiten leiten.” Sie sah mich weiter an.


“Aber da ist dieser Schatten, der mich umgibt. Wie kann ich gegen ihn gewinnen?” Ich sah sie fragend an.


“Ein Schatten ist die Reaktion auf Licht. Je größer das Licht, desto größer der Schatten, der folgt und du leuchtest. Heller, als es möglich erscheint. ” Die Frau erhob sich und blickte ein letztes Mal auf mich herunter.


“Ich kann ihn nicht sterben lassen”, eine Träne rann an meiner Wange herunter und vermischte sich mit dem Blut. Ich hatte nicht mit einer Antwort gerechnet, aber als sich die Frau erneut zu mir herumdrehte war ihr Blick erster geworden.


“Für manche gibt es in der Welt zwei Kräfte. Das Leben und den Tod. Andere hingegen sehen es bloß als Übergang, als eine Art Passage. Wieder andere vermuten, dass die Seele eines Verstorbenen in der Nähe bleibt und wartet, bis man sie ruft. Woran du glaubst ist deine Sache, aber bedenke, dass du immer einen Preis zahlst, egal wofür du dich entscheidest.” Sie nickte mir zu und verließ mich dann. Ich sah ihr nicht nach, als sie sich entfernte. Ich hatte meine Antwort erhalten.


Es fühlte sich beinahe an, als würde ich die Stimmen erneut rufen. Im Institut war es einfach gewesen ihnen zu antworten, aber hier war es schwieriger. Cam war weit entfernt, das wusste ich, aber dennoch nah genug. Als ich meine Hände auf seine Wunde legte, spürte ich eine andere Art von Kraft. Diese war nicht zerstörerisch oder beängstigend. Stattdessen war sie ruhig und bedacht.Sie pulsierte aus mir heraus, ohne, dass ich sie wirklich bemerkte. Sie glitt in die Wunde und heilte. Mit jeder Sekunde wurde die Wunde kleiner und ich spürte, wie das Leben in seinen Körper zurückkehrte. Schließlich öffnete Cambriel seine Augen und sah mich direkt an.
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