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~Between Heaven And Hell~

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
OC (Own Character)
24.10.2018
15.06.2020
35
49.141
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25.10.2018 1.901
 
Das Pariser Institut lag am Rande des Place de Lévis, versteckt zwischen den Reihen der Gebäude der Mittel und Oberschicht, welche hoch in den Himmel ragten. Es war ein bekannter Ort des Bezirkes Monceau, weswegen niemand das Institut an einem Ort wie diesem vermutete. Ein Irdischer würde dort nur einen kleinen Blumenladen sehen, welcher sich an die Reihen der Gebäude anschloss. Die Fenster waren durch Holzscheite gesichert und an der Tür hing ein Schild, auf welchem geschlossen stand.

Für einen Schattenjäger sah es allerdings ganz anders aus. Wir konnten unter den Glanz sehen, welcher das Gebäude umschloss. Für uns erhob sich an diesem Platz ein mehrstöckiges viktorianisches Gebäude, dessen Eingang von einer Engelsstatue bewacht wurde.

"Cam, kommst du ? Wir sind zu spät zur Patrouille. Marie wartet schon auf uns", meine Schwester Lucie erschien im Türrahmen, schon mit der kompletten Schattenjäger Monitor ausgestattet. Ihr dunkles Haar, welches meinem so ähnelte, hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. An ihrer Hüfte hing ihre Seraphklinge Valoir.

"Ich komme", antwortete ich ihr und griff nach meiner eigenen Klinge.

"Hast du noch einmal mit Béatrice gesprochen?", fragte sie mich auf dem Weg zum Eingangstor.

"Ja, der Rat hat ihr eine Nachricht geschickt. Die Feen machen Ärger. Man vermutet einen Komplott . Als Leiterin des Institutes hat sie damit ziemlich viel zu tun", erklärte ich und zuckte mit den Schultern , als wir auf die Straße hinaus traten.

"Aber es gibt doch das Abkommen. Sollen wir deshalb immer öfter patrouillieren?"

"Ja, das ist einer der Gründe. Madeleine & Adrien sollten bald aus Idris zurückkehren. Wahrscheinlich werden sie Nachrichten mit bringen”, sagte ich und seufzte. Bei Adrien &Madeleine Verlac handelte es sich um die Kinder von Béatrice , der Leiterin des Institutes. Sie waren für eine Zeit nach Idris geschickt worden, um dort ihre Kenntnisse im Bezug auf Schattenjäger Fähigkeiten zu verbessern. Außer den beiden beherbergte das Institut noch Lucie, mich und Marie Gladstone. Seit mehr als 10 Jahren waren wir nun Freunde. Das New Yorker Institut, in welchem Lucie und ich aufgewachsen waren ,hatte schon seit Jahren mit einer Dämonenplage zu kämpfen. Aufgrund dessen waren wir nach Paris geschickt worden, um unser Training fortzuführen. Wir waren immer unzertrennlich gewesen. Mehr als unzertrennlich.




Marie erwartete uns bereits an der Kreuzung der Rue de Rome. Lässig lehnte sie an der Hauswand und zeichnete sich mit einer Stele eine Scharfsichtsrune auf den Arm. Es begann bereits dunkel zu werden.

"Ihr seid spät", sagte sie, als sie uns bemerkte.




"Ich weiß. Hast du bereits etwas herausgefunden?", wollte Lucie wissen und stellte sich neben Marie. Sie zückte ihre Stele und erneuerte ihre eigene Rune.

"Ja, es  ist unruhig. Es kam zu verstärkten Sichtungen von Schattenweltlern . Einige besonders im Westen. Ich kann den Place de Pereire und die umliegenden Straßen übernehmen, wenn ihr euch auf Monceau konzentriert ", schlug sie schließlich vor.


"Worum genau handelt es sich ?", wollte ich wissen. Patrouillen gehörten zwar zum Alltag eines Schattenjägers, aber das  hier war etwas anders.


"Man hat einen Hexenmeister ausfindig gemacht, der mit den Werwölfen Streit hat. Angeblich hat er ihren Anführer ermordet. Unsere Aufgabe ist es ihn ausfindig zu machen und herauszufinden, ob er es war. Zeugen zufolge soll er sich heute in Monceau mit einem Vampir treffen. Irgendwo zwischen der Église ST. Augustin und dem Place de l´Europe. "


“Wir sollten uns dann aufteilen", sagte ich schließlich , als Marie bereits auf dem Weg zum Place Pereire war. "Es wird bald dunkel. Ich übernehme die Rue de Vienne."



"Dann kümmere ich mich um den Place ", fügte Lucie hinzu und nickte. Ich bezog einen Platz an einer Hauswand, von wo aus ich mir einen guten Überblick über die Passanten verschaffen  konnte. Meine Taschenuhr zeigte kurz nach  halb 7 an, als die Straßenlaternen angezündet wurden und ich meine Scharfsichtsrune ebenfalls erneuerte. In der aufkommenden Dunkelheit wäre es ansonsten beinahe unmöglich meiner Aufgabe nachzukommen .


Niemand nahm Notiz von mir. Der Zauberglanz, welcher mich umgab war für die meisten Mundis nicht zu durchbrechen. Ich sah nicht viele Schattenwesen, nur ab uns an einen kurzen Schimmer eines schwarzen Körpers, welcher sich zwischen den Passanten hindurchschlängelte. Meine Aufmerksamkeit richtete ich hingegen ausschlißlich auf die Beobachtung der Straße.  Je später es wurde, desto öfter kam es zu diesen Sichtungen, kleine dunkle , beinahe Geisterhafte Gestalten, die einen aus den entferntesten Ecken mit mereren Augen anstarrten. Nach meiner Erfahrung handelte es sich hierbei um eine beinahe harmlose Dämonenart, welche sich hauptsächlich auf kleinere Tiere als Nahrung spezialisiert hatte. Die wirkliche Gefahr ging von den starken Wesen aus. Hexenmeister, Vampire und Hochrangige Dämonen. Mit den Werwölfen hatten wir Anfang des Jahres ein Bündnis geschlossen, sodass es bis jetzt zu keinen Problemen gekommen war. Sie kümmerten sich um ihre Angelegenheiten und wir uns um unsere. Solange keine Menschen verletzt wurden, hielten wir uns raus. Bei den Hexenmeistern war das eine andere Sache. Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass man ihnen nicht trauen konnte. Dafür waren sie zu unberechenbar.




Es musste eine weitere halbe Stunde vergangen sein, als ich in der Ferne einen blau-grünlichen Schimmer vernahm.  Ich kniff die Augen zusammen und erkannte, dass es sich tatsächlich um ein Stück fluoreszierender Haut handelte. Ohne Zweifel handelte es sich hierbei um den Hexenmeister. Einen Moment später trat eine weitere Person neben ihn und deutete mit einer kurzen Handbewegung auf einen Punkt, welchen ich nicht erkennen konnte.


Ich war kurz davor mir die Szene genauer anzusehen, als ich in meinem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm.  Als ich meinen Kopf drehte, erkannte ich ein Mädchen, vielleicht 17 Jahre alt, welches durch den Zauberglanz zu sehen schien. Sie war dünn, trug nur einfach Kleidung und dennoch schien etwas an ihr zu leuchten. Ihre goldenen Augen brachen das Licht der Straßenlaterne und schienen auf ihre eigene Art zu leuchten. Ich hatte solche Augen noch nie bei einem Mundi  gesehen, sie wirkten beinahe übernatürlich, aber die Kombination mit den Haselnussbraunen Haaren gab ihr wieder etwas Menschliches. Genauso wie die Färbung ihrer Haut oder die Gesichtsform und dennoch war ich mir sicher, dass dieses Mädchen kein Mensch war. Mithilfe der Scharfsichtsrune erkannte ich Wellen von heller Energie, die sie umgaben, eine pulsierende Kraft.


Ich war so gefesselt von ihrem Anblick, dass ich meinen Auftrag vollkommen vergaß. Ihre Augen waren wie Magnete, die mich gefangen hielten, sodass ich mich nicht lösen konnte. Einen Moment später, ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, drehte sie sich herum und ich nutzte den Moment um mich loszureißen. Ich wusste, dass es keinen Sinn ergab jetzt noch nach dem Hexenmeister zu suchen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass er noch auffindbar war, sank mit jeder Sekunde. Es war das erste Mal, dass ich mich hatte ablenken lassen. Das erste Mal, dass ich meine Pflicht als Schattenjäger vernachlässigt hatte und dennoch ging mir das Bild des Mädchens nicht aus dem Kopf.


Um 8 Uhr verließ ich die Rue de Vienne und machte mich stattdessen zu unserem Treffpunkt auf. Lucie erwartete mich bereits vor einer der Straßenlaternen.


"Hast du ihn gefunden ?", fragte ich sie, doch sie schüttelte nur ihren Kopf.


"Nein . Ich habe die gesamte Zeit auf dem Place de l´Eurpe gestanden, aber von ein paar Betrunkenen abgesehen , war dort niemand zu sehen. Es war eine reine Zeitverschwendung", äußerte sich meine Schwester.

"Bei mir war es nicht anders. Ich meine ausgenommen der Betrunkenen. "

"Dann lass uns zum Institut zurückkehren", schlug Lucie vor und wir stimmten ihr zu.


Ich verlor kein Wort über die seltsame Begegnung, als wir uns auf den Weg machten und das Institut um halb 9 erreichten. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich nicht richtig an, den anderen von der Begegnung zu erzählen. Ich wusste selbst nicht, wem oder besser was ich begegnet war. Das war eine Frage, die ich noch beantworten müsste.


"Habt ihr ihn gefangen ?", war das erste, was Marie fragte, als wir die Eingangshalle betraten. Ich schüttelte nur den Kopf.

"Nein", antwortete ich ihr knapp.



 Sie seufzte nur und  sah mich vielsagend an. "Ich habe die Gegend um Pereire durchsucht. Dabei habe ich etwas gefunden. Das muss ich euch unbedingt zeigen”, sagte sie und zog uns durch die Eingangshalle des  Institutes. Wir versammelten uns in ihrem Zimmer.


"Was hast du gefunden ?", wollte Lucie nun wissen, als wir auf ihrem Bett und dem Sofa Platz genommen hatten.



"Irgendetwas geht in der Unterwelt vor sich. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Elben mit einigen Dämonen verbündet haben könnten. Ich habe einige von ihnen belauscht, als ich nach dem Hexenmeister Ausschau gehalten habe.  Sie suchen nach etwas oder jemandem."


"Wonach sollten sie suchen? und seit wann arbeiten Dämonen und Elben Hand in Hand ?”, ich verstand die Zusammenhänge nicht.


"Ich weiß es nicht, aber es muss wichtig sein. Einer der Dämonen sagte etwas darüber, dass ein Fürst nach was auch immer verlangt."


"Ein Dämonenfürst ?", Lucie runzelte die Stirn.


"Normalerweise mischen sie sich nicht in irdische Lebensweisen an. Wenn sie sich wirklich mit den Elben verbünden, dann muss es einen großen Preis geben. Etwas, was so wichtig ist, dass es selbst für einen Dämonenfürsten interessant ist", sagte Marie.


"Hast du noch etwas gehört ", wollte ich nun wissen. "Irgendein Detail?"


"Meinst du vor oder nachdem ich den Dämon mit meiner Klinge durchbohrt hatte?"


"Ist schon gut. ", ließ ich das Thema fallen. Maries bevorzugte Waffe war ebenfalls ihre Seraphklinge. Allerdings durfte man ihre Fähigkeiten im Nahkampf und mit Messern nicht unterschätzen.


"Du musst das unbedingt Béatrice erzählen", drängte Lucie sie. "Wenn sich die Elben mit den Dämonen verbinden muss der Rat unbedingt davon in Kenntnis gesetzt werde."


"Sie hat schon genug mit dem Rat zu tun. Es ist besser, wenn wir das erstmal beobachten. Vielleicht übersehen wir etwas Wichtiges", Marie seufzte.


In diesem Moment geschah etwas Seltsames. Es war, als spürte man eine Druckwelle, gefolgt von dem plötzlichen grellen Aufleuchten sämtlicher Lichter des Institutes. Sie leuchteten so grell, dass wir uns alle abwenden mussten.

"Beim Erzengel ", hörte ich mich rufen, als es über uns hinweg zog. Nach einen paar Momenten begann das Elbenlicht wieder zu normal leuchten und tauchte uns alle in ein warmes Licht.


"Was ist gerade passiert ?", fragte Lucie, doch niemand vermochte ihr eine Antwort zu präsentieren.

"Ich habe noch nie gesehen, dass Elbenlichter  so stark leuchten", fügte Marie hinzu. Ich sah aus dem Fenster und sah, wie langsam die Laternen wieder anfingen zu brennen.


"Ist bei euch alles in Ordnung ?", hörte ich Béatrice von weitem rufen. Es dauerte nicht lange, bis sie in das Zimmer platzte.


"Ja", sagten wir, doch uns beschäftigte immer noch die Frage, was gerade passiert war.

"Keine Ahnung, was gerade geschehen ist. Es fühlte sich nach viel Energie an. Was könnte das ausgelöst haben?"


"Ich werde das dem Rat melden", beschloss Béatrice "Gut, dass euch nichts passiert ist. "


"Wir sollten dem morgen auf den Grund gehen", flüsterte Lucie schließlich, als Béatrice außer Hörweite war.

"Ja", stimmte ich ihr zu.  Morgen würden wir uns damit befassen und wenn wir Glück hätten, würde uns die Spur sogar zu dem gesuchten Hexenmeister führen.
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