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Zurück nach vorn

von Seaside78
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
24.10.2018
03.11.2019
31
36.882
20
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24.10.2018 650
 
Boris stand am Bahnhof und wartete auf seinen Zug. Den Zug Richtung München.
Ein Jahr war es jetzt her, dass er Bichlheim verlassen hatte. Es ging damals einfach nicht mehr. Die Zusammenarbeit mit seinem Vater, wenn man ihn denn überhaupt so nennen konnte, war unerträglich und seine Beziehung zu Tobias hatte dem letzten großen Knall nicht Stand halten können. Im Grunde war es genauso gekommen, wie Boris es befürchtet  hatte. Christoph hatte Tobias und ihm das Leben zur Hölle gemacht. Und es war ihm tatsächlich gelungen, Tobias und ihn auseinander zu bringen, mit den dreckigsten Tricks und Annabells Hilfe. Tobias wieder in die Spielsucht zu treiben war wirklich aller unterste Schublade. Tobias war schlussendlich wieder soweit drin in der Sucht, dass weder Boris noch Romy irgendwie an ihn herankamen. Er sprach mit niemandem mehr, vertraute sich niemandem mehr an, hielt Verabredungen nicht ein. Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Nach dem letzten großen Streit bei dem Boris Tobias anflehte, sich doch bitte professionelle Hilfe zu suchen und Tobias ihn nur böse anfunkelte und schließlich ganz trocken sagte, er solle sich gefälligst aus seinem Leben raushalten, hatte Boris seine Tasche gepackt und hatte das Jobangebot in Hamburg angenommen.
Hier lebte er nun seit einem Jahr. Der Job machte ihm Spaß und er konnte endlich mal zeigen was in ihm steckte ohne den übermächtigen Christoph im Hintergrund. Auch die Kollegen waren nett und  erste Freundschaften hatten sich entwickelt. Seine Homosexualität hatte er relativ schnell öffentlich gemacht, interessierte hier aber eh kaum jemanden. Vieles war in der Großstadt dann doch einfacher als im kleinen Bichlheim. So war es nicht ausgeblieben, dass er auch schon den ein oder anderen Mann kennengelernt hatte. Wirklich nette Typen. Unter normalen Umständen durchaus beziehungstauglich. Ja unter normalen Umständen! Wenn er nicht jeden, aber auch wirklich jeden Typen mit Tobias vergleichen würde. Es hörte einfach nicht auf, der Schmerz hörte einfach nicht auf und immer wieder fragte Boris sich, ob er doch noch irgendetwas hätte tun können um ihre Beziehung, ihre Liebe zu retten, aber so, wie Tobias zuletzt drauf war, kam ja nichts und niemand an ihn heran. Seine letzten Infos, die er über Denise und Tina erhalten hatte, da Tobias Romy wohl dazu verdonnert hatte, nicht über ihn zu reden, waren, dass kurz nach ihm auch Tobias Bichlheim verlassen hatte und er es wohl zumindest geschafft hatte, seine Ausbildung bei der Feuerwehr anzutreten.
Nun stand Boris also hier am Bahnhof und seine Hände spielten mit einer Büroklammer die er in seiner Jackentasche gefunden hatte. Er war nervös. Immerhin ging es zurück nach Bichlheim. Zur Hochzeit von Denise und Joshua. Einerseits freute er sich, viele der alten Freunde und Bekannten wieder zu sehen andererseits hatte er richtig Angst, den alten Gefühlen wieder so nahe zu kommen. Nie in seinem Leben war er bisher glücklicher gewesen, als dort in seiner Zeit mit Tobias. Dem alten Tobias, der ihm mit seinem strahlendem Lächeln immer wieder aufbauen konnte und mit dem er sich alles für die Zukunft hätte vorstellen können. Wie oft hatte er in seiner Hamburger Wohnung gesessen und angefangen Briefe zu schreiben, oder das Telefon in der Hand gehabt um ihn anzurufen. Er hätte so gern seine Stimme gehört und einfach gehört, dass es ihm wieder gut geht. Aber auch da hatte jedes Mal die Angst gesiegt, wieder eine so harsche Abfuhr zu kassieren wie bei ihrem letzten Aufeinandertreffen. Also hatte er es gelassen und ärgerte sich fast täglich über seine Feigheit, die er eigentlich dachte, abgelegt zu haben.

Stunden später fuhr der kleine Regionalexpress in den Bahnhof von Bichlheim ein. Boris stieg aus, blieb erst einmal stehen und holte tief Luft. Doch, er konnte es nicht leugnen, es fühlte sich unerwarteter Weise gut an, wieder hier zu sein. Viktor hatte versprochen ihm vom Bahnhof abzuholen, da er und Alicia schon einen Tag früher angereist waren.  Er schaute sich um, konnte ihn aber nicht entdecken.
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