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Rache an Red Caboose

von Yotsune
GeschichteDrama / P12 / Gen
Caboose Electra Greaseball Rusty
23.10.2018
18.12.2018
11
14.955
5
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Dieses Kapitel
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23.10.2018 1.982
 
Ich traue mich jetzt auch einmal an eine StEx-Geschichte heran! Habe die neue Bochumer Produktion dieses Jahr gesehen. Das letzte Mal ist schon 14 Jahre her, da wurde es dringend Zeit!
Es ist nicht unbedingt einfach Züge zu beschreiben, aber ich hoffe, es gefällt euch :D
Anregungen und konstruktive Kritik (genau wie Lob ;D) sind in Form von Reviews sehr gern gesehen °^°
Ich versuche natürlich, regelmäßig zu uploaden :D

Jetzt aber viel Spaß!


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Electra sah auf, als er die Diesellok kommen hörte. Er konnte sich noch nicht wieder richtig bewegen, aber die bissigen Sprüche waren ihm nicht ausgegangen.
“Du siehst aus, wie ein Haufen Altmetall”, begrüßte er seinen nun ehemaligen Konkurrenten.
“Die Schrammen und Beulen haben dich auch nicht hübscher gemacht”, gab Greaseball missmutig zurück, “Wenigstens sind meine Ersatzteile jetzt da.”
Electras mechanische Stimme trug einen belustigten Unterton, als er seinen Kommentar dazu gab: “Wie lange hat es gedauert, bis sie da waren? Drei Tage, oder vier? Meine Components waren wesentlich schneller.”
Davon ließ der Diesel sich nicht beeindrucken: “Und du stehst trotzdem noch hier und kannst nicht fahren. Es ist wohl zu kompliziert, dich zu reparieren.”
“Meine technischen Feinheiten sind die Zukunft. Lange Reparaturen oder nicht. Allerdings stünde ich nicht hier, hätte ein gewisser Jemand mich nicht hintergangen.”
Jetzt stutzte Greaseball: “Dich hat er hintergangen? Ich dachte er stünde auf deiner Seite, nachdem er mich gebremst hat…”
Electra klang verwundert: “Reden wir von dem selben?”
“Einem ganz speziellen Bremswagen…”
“Red Caboose hat also ein doppeltes Spiel gespielt.”
“Er versprach uns beiden, er würde uns zum Sieg verhelfen”, stellte Greaseball klar, “und hat uns gegeneinander ausgespielt. Deshalb haben wir verloren.”
“Dann hat er dieser alten Dampflok zum Sieg verholfen? Was könnte der ihm bitte geben?”
“Ich glaube, Rusty war in diesem Spiel gar nicht eingeplant”, überlegte Greaseball.
“Nicht? Was sollte das Ganze dann?”
“Nun ja, wir haben ihn beide gut bezahlt…”
“Wir haben ihn nicht darum gebeten, er kam zu uns”, hakte Electra nach, “Er muss es vorher so geplant haben.”
“Red Caboose ist also eine hinterhältige, miese Ratte… Und gierig noch dazu.”
“Wenn es nur bei Geld geblieben wäre…”, murmelte die E-Lok leiser.
Greaseball sah hinüber: “Hm, was meinst du?”
Noch bevor er den Satz ganz ausgesprochen hatte, sah er, wie das Licht der vielen kleinen Leuchtdioden des elektrischen Zuges schwächer wurde.
“Ist der Akku leer?”, neckte der Amerikaner ihn.
Eine Antwort bekam er nicht. Das Leuchten verschwand vollends und ein Hauch von Sorge streifte den Diesel. Fehlte ihm nur Energie oder war der Schaden größer, als gedacht?
Stille breitete sich aus. Auch Greaseballs Motor lief nicht, während er auf seine Trucks wartete. Sie sollten die nötigen Ersatzteile liefern und einbauen.
Schnell befand er, ruhig in der Dunkelheit zu stehen lag ihm gar nicht. Aber was blieb ihm anderes übrig, als zu hoffen, dass die Reparaturen schnell von statten gingen? Ein Gespräch mit `der Lok der Zukunft` hätte ihm die Wartezeit sicher verkürzt. Abgesehen davon ergab sich endlich ein Bild von dem, was wirklich passiert war. Beide waren nur entgleist, wegen dem Troublemaker Caboose. Der vermeintliche Unfall hatte sie den Sieg gekostet. Und nun stand eine alte, rostige Dampflok an der Spitze! Anstelle eines kräftigen, schnellen Diesel oder einer topmodernen E-Lok. Wäre das Rennen fair verlaufen, wäre Electra der einzige ernstzunehmende Gegner gewesen, dachte Greaseball.
Aber Red Caboose hatte sie beide zu diesen Betrügereien verleitet. Zugegeben, das rückte nicht unbedingt ihre noblen Eigenschaften in den Vordergrund. Aber der Bremswagen war nun der Sündenbock. Er würde nicht ungestraft davon kommen, dafür wollte Greaseball sorgen. Wenn es sein musste, würde er dafür auch Electra um Hilfe bitten. Sollte dieser Angeber ruhig auch ein wenig Genugtuung bekommen. Danach würde der Diesel ihm bei einem fairen Rennen zeigen, wer den ersten Platz wirklich verdient hätte.
Doch dafür mussten beide erst einmal vollständig repariert werden und das konnte dauern…

Electras Systeme fuhren fehlerfrei hoch und das erste, was er sah, waren seine Components, die in diesem Moment von ihm abließen.
Joule wirkte erleichtert: “Ich glaube, jetzt hat es funktioniert.”
Sie musterte ihren Chef neugierig, während Wrench einen Kommentar dazu abgab: “Natürlich. Dieses Mal habt ihr es mich machen lassen.”
“Ich wette, ich hätte das auch problemlos geschafft”, erwiderte Joule beinahe beleidigt, “Nur weil du stärkere Leitungen hast…”
“Das ist gewissermaßen mein Job, als Electras Reparaturwagen”, gab Wrench zurück, “Wenn ich keinen Starkstrom leiten kann, wer denn dann?”
“Aber deswegen musst du noch lange nicht-”
“Ruhe. Hört auf zu streiten”, unterbrach die kalte Stimme de E-Lok die aufgeregten Components.
Mechanisches Surren erfüllte das Depot und weißes Licht traf die Wände, als Electra vollends erwachte. Die Leuchtdioden funkelten in neuem Schein, der Lack glänzte, als wäre nie etwas vorgefallen.
“Ihr habt gute Arbeit geleistet”, sagte er an seine Components gewandt.
Ein Lob von ihm war selten, deshalb freuten sie sich umso mehr.
“Allerdings sehe ich zwei Fehlstarts im Protokoll.”
So viel dazu.
“Alle guten Dinge sind drei”, verteidigte sich Joule, “Und mit dir ist es nicht immer leicht, weißt du?”
“Ein so komplexes System ist nicht leicht zu reparieren”, ergänzte Wrench.
“Ich sehe es euch nach, sofern das keine Folgen hat”, seufzte Electra.
Darauf blieben die Components lieber still. Für jemanden, der alles bekam was und wann er es wollte, konnte er doch noch relativ umgänglich sein.
Das nächste, was er verlangte, war, dass die Components ihn in Ruhe ließen. Mit angeschlagenem Stolz war er lieber allein, er musste sich nicht bemitleiden lassen.
Als er allein war, fuhr die E-Lok testhalber einige Meter vor. Es geschah nichts Bedenkliches, also verließ er das Depot und folgte gedankenverloren den Gleisen.
Es dauerte nicht lange, bis er auf Greaseball traf. Er schien ähnlich ziellos unterwegs zu sein und sah ebenfalls aus, wie neu.
“Du strahlst ja wieder”, kommentierte der Diesel zuerst.
“Dich hat man auch wieder auf Hochglanz poliert”, gab Electra zurück.
“Ich muss ja zugeben, ich habe mir ein wenig Sorgen um dich gemacht”, meinte Greaseball, als die beiden nebeneinander herfuhren, “Du sahst ziemlich… leblos aus. Ganz ohne Strom.”
“Spricht nicht darüber”, bat die E-Lok.
Schwäche stand ihm nicht. Mehr noch, er hasste es. Verabscheute Fehler. Er stand für den Fortschritt, für Perfektion. So etwas konnte er sich nicht erlauben.
“Wie du meinst”, gab Greaseball unbekümmert zurück.
“Reden wir lieber darüber, was wir mit unserem guten Freund Caboose machen”, schlug Electra vor.
Greaseball lächelte verschlagen: “Gut, dass du es erwähnst. Darüber wollte ich mich sowieso noch mit dir unterhalten. Ich bin der Meinung, wir sollten ihm zurückgeben, was er mit uns gemacht hat.”
“Er hat uns einiges an Geld, den Sieg bei der Meisterschaft und unser Ansehen gekostet…”, stimmte Electra zu.
“Und er hätte uns um ein Haar irreparabel beschädigt”, ergänzte der Amerikaner.
“Dafür sollten wir ihn verschrotten.”
Das hatte Greaseball doch nicht kommen sehen: “Ziemlich drastisch.”
“Was willst du sonst tun? Dieser Bremswaggon ist veraltet und richtet nur noch Schaden an. Du hast es selbst gesagt. Er hat uns beide entgleisen lassen. Aber was, wenn er nun stark beschädigt würde? Wer würde sich die Mühe machen ihn zu reparieren?”
“Überzeugend”, gab der Diesel zu, “Wenn er nicht fahren kann, kann er keinen Unsinn mehr anstellen.”
“Nicht nur das. Es ist ausgleichende Gerechtigkeit.”
“Nenn es, wie du willst. Als nächstes brauchen wir einen Plan, wie - Oh, pscht!”
Ein leises Pfeifen wies die beiden darauf hin, dass eine Dampflok näher kam.
Rusty zog zwei Frachtwaggons zum Depot. Sie waren bereits entladen und hatten einen langen Tag hinter sich. Als er die anderen beiden Loks bemerkte, wurde er langsamer, bis er direkt neben ihnen zum Stillstand kam.
Er begrüßte sie fröhlich: “Hallo! Freut mich zu sehen, dass ihr wieder fit seid. Hat die Reparatur lange gedauert?”
“Seine länger, als meine”, gab Greaseball gelassen zurück, “Da siehst du, wie unerschütterlich eine Diesellok ist.”
“Sei bloß still, Angeber”, funkte Electra dazwischen.
“Jetzt habt euch nicht so. Das Rennen ist vorbei, wir können wieder Freunde sein”, meinte Rusty beschwichtigend, “Oder seht ihr das anders? Ich bin nicht unbedingt scharf darauf, dass ihr schlecht von mir denkt, oder mich weiter ärgert.”
“Mach dir darum keine Sorgen”, beruhigte Greaseball ihn, “Wir sind zwar nicht unbedingt von dem Ergebnis begeistert, aber wir suchen keinen Streit mit dir, Rusty.”
Die Dampflok lächelte beruhigt: “Das ist gut. Sagt mal, bleibt ihr eigentlich hier? Oder geht ihr zurück in die USA? Nicht, dass ich euch loswerden wollen würde, Hilfe ist hier immer gern gesehen.”
“Ich bleibe dort, wo man mich bezahlt”, antwortete Electra, “Im Moment sieht es aus, als würde ich bleiben, aber das kommt darauf an, ob ihr euch meine Dienste leisten könnt.”
“Ich werde bald zurückgehen. Nachdem ich noch eine Kleinigkeit erledigt habe”, sagte Greaseball danach.
“Dann bleibt zumindest einer hier”, stellte Rusty erfreut fest, “Stars sind immer gute Publicity für unseren Bahnhof.”
“So sieht es aus. Nachdem du meinen Ruf ruiniert hast, sind sowieso einige Angebote zurückgegangen…”
“Oh, das tut mir leid! Ich wollte nicht…”, murmelte Rusty überrascht, doch Electra unterbrach ihn.
“Lass gut sein. Beim nächsten Mal bin ich der Sieger, Kleiner.”
Damit war das Gespräch für die E-Lok beendet. Ohne die anderen eines weiteren Blickes zu würdigen fuhr er los. Schnell hatte er ein ordentliches Tempo drauf.
Greaseball und Rusty sahen ihm nach.
“Es ist nicht einfach, für keinen von uns”, erklärte der Diesel, “Aber wir sind nicht nachtragend. Jetzt solltest du dich lieber um deine Waggons kümmern, bevor Control ungeduldig wird.”
“Oh, ja!”, sagte die Dampflok überrascht, als wäre ihm gerade erst eingefallen, dass seine Arbeit noch nicht erledigt war, “Wir sehen uns bestimmt nochmal!”
Er nahm wieder Fahrt auf und brachte die Frachtwaggons zurück.
Als Rusty außer Sicht war schlich das verschlagene Lächeln zurück zu Greaseball. Er hätte nicht gedacht, dass ihm lügen inzwischen so leicht fallen würde. Er war verflucht nachtragend und er wusste, dass es Electra genauso ging. Beide waren zu stolz, um eine solche Niederlage auf sich sitzen zu lassen und es käme der Tag - oder die Nacht - an dem es eine Revanche gäbe.
Eine Faire. Rusty hatte in Greaseballs Augen nur gewinnen können, weil er der einzige war, der nicht sabotiert wurde. Hätte der Diesel nicht neben der Strecke gelegen, wäre er als erster durchs Ziel gefahren, so viel stand fest.
Nicht mehr lange und er könnte seinen guten Ruf zurückgewinnen. Da hätte selbst Electra keine Chance.

Aerodynamisch, dachte die E-Lok, als der Fahrtwind um ihn herum rauschte. Es war erfrischend, so schnell durch die Landschaft zu flitzen. Die Strecke war frei, er konnte seine Höchstgeschwindigkeit sorglos ausfahren.
Und endlich konnte er seine Gedanken sortieren. Er war noch nicht dazu gekommen, die Reparaturprotokolle komplett durchzugehen, fiel ihm als erstes ein, also rief er sie auf. Die Schäden waren größer gewesen, als er zunächst angenommen hatte, doch seine Components hatten ihr Vorgehen ordentlich dokumentiert. Gerade, als er zur Fahrtstatistik wechseln wollte, bemerkte er jedoch eine Lücke in der Tabelle. Misstrauisch ließ er eine schnelle Analyse laufen, gab aber weiter Gas. Allzu große Sorge machte er sich noch nicht, denn der Fehler, sollte er noch da sein, hatte ihn bisher nicht aufgehalten. Es war allenfalls eine unbedeutende Kleinigkeit. Natürlich musste auch so etwas behoben werden, Mängel waren ein No-Go. Das sollte kein Problem werden, solange es niemand mitbekam. Er konnte sich mit dem Ausflug noch ein wenig Zeit lassen, musste nicht direkt zurück hetzen. Obwohl er das Gefühl nicht loswurde, dass irgendetwas heißer lief, als es sollte. Vielleicht hatte Wrench etwas an der Kühlung übersehen. Volta hatte schließlich keinen Blick darüber geworfen, so viel er mitbekommen hatte-
>>Fehler unbekannt<<
Unbekannt? Das war ja noch nie geschehen.
Etwas ruckte plötzlich und Electra verlor augenblicklich an Tempo.
Es war wohl doch eine größere Sache!
Noch ein Rucken und er wäre auf der Weiche beinahe entgleist. Vom Schock gepackt zog er die Bremsen an. Sie wollten zuerst nicht richtig greifen, doch nach dem dritten Ruck stoppten sie die E-Lok.
Nun stand er mitten auf der Strecke.
Rauch stieg auf.
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