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Die Maskierten

von Salmey
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
23.10.2018
16.04.2020
32
154.818
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Prolog


Schlamm spritzte gegen ihre Stiefel, als sie aus der Droschke sprang. Nächtliche Dunkelheit ergoss sich über Paris und ein kalter Regen, der die Temperaturen der kommenden Tage mit sich trug, peitschte unnachgiebig durch die Stadt. Rasch durchnässte dieser ihre Kleidung, während sie eilig die Straße überquerte. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und die Hände in den weiten Taschen ihres Umhangs vergraben, um sich zumindest ein bisschen der Kälte zu entziehen, stemmte sie sich gegen den Wind.
   Jener Regen, der bereits die Rinnsteine am Straßenrand bis zum Überlaufen gefüllt hatte, störte sie schon lange nicht mehr. An einer Stelle, an der andere laut geflucht und damit ihren Unmut über dieses grässliche Wetter zum Ausdruck gebracht hätten, fühlte sie nur Gleichgültigkeit. In den letzten Wochen war das Trommeln, Peitschen, Wüten und Prasseln zu ihrem ständigen Begleiter geworden. Die Feuchtigkeit war bereits tief in ihr Gemüt und ihre Kleider gesickert und sie bezweifelte ernstlich, dass sie jemals wieder trocken werden würde.
   Doch gegenwärtig rückte der Winter immer näher und sie war sich sicher, dass dieser sich wenig durch ihre Weigerung, ihm die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, erweichen ließ. Sie musste dringlichst einen geeigneten Schlafplatz finden, wenn sie den Kälteeinbruch überleben wollte. Hinzu kam, dass ihre Geldvorräte bereits zusehends schrumpften, sodass sie hoffte, hier in Paris in Bälde eine Beschäftigung finden zu können.
   Als sie eine halbwegs windstille Ecke erreicht hatte, holte sie aus ihrer braunen Ledertasche einen Zettel hervor, auf dem eine Adresse in unsauberer Schrift stand. Darunter war eine grobe Wegbeschreibung zu sehen.
   Heute sollte sie einen Mann treffen, der ihr bei all ihren Problemen behilflich sein sollte. Sie kannte ihn nicht, doch wenn die letzten Tage sie eines gelehrt hatten, dann dass sie die Hilfe Fremder nicht leichtfertig ausschlagen durfte – so widerwillig sie diese auch annahm. Nun galt es nur noch das Gasthaus zu finden, in dem sie sich zu treffen gedachten. Vielleicht konnte sie dort günstig ein Zimmer erwerben.
   Als sie die Adresse genauer betrachtete, seufzte sie.
   Anscheinend lag der Treffpunkt in einem der besseren Viertel von Paris. Sie konnte nur hoffen, dass der Mann ihr seine Unterstützung anbot, irgendwo in dieser Stadt eine Schlafmöglichkeit zu finden, ansonsten war sie gezwungen, an den Stadtrand zu fahren, um sich in den Elendsvierteln eine Unterkunft zu suchen. Sie war nicht mehr äußerst wählerisch, und wenn sie sich ihre finanziellen Mittel so ansah, dann blieb ihr ohnehin nichts anderes übrig.
   Fröstelnd setzte sie sich in Bewegung. Es war mittlerweile derart kalt geworden, dass ihre Zähne unkontrolliert aufeinanderschlugen. Der eisige Wind blies ihr unablässig entgegen, sodass sie den Kopf gesenkt hielt.
   Aufgrund dieser Haltung bemerkte sie die Person nicht, die ebenso unbedacht über den Trottoir eilte. Noch wenige Meter trennten die beiden, als –
   Der Mann, hart getroffen durch den Zusammenstoß, stolperte ein paar Schritte nach hinten. Verwirrt blickte er auf. Den Hut, welchen er sich zuvor weit ins Gesicht gezogen hatte, berührte er sogleich mit den behandschuhten Fingern.
   »Verzeihen Sie, Monsieur«, beeilte er sich nach einem prüfenden Blick zu sagen.
   Monsieur.
    Entschuldigend nickte sie ihm zu, und schon war er an ihr vorbeigegangen. Auch als er längst hinter einem Gebäude verschwunden war, blickte sie ihm noch immer hinterher.
    Die Kapuze war ihr bei dem Zusammenprall vom Kopf gerutscht und die Straßenbeleuchtung war gut genug, dass er ihr Gesicht ohne Probleme hatte erkennen können.
   Abwesend hob sie eine Hand und rieb sich damit den ungewohnt freien Nacken.
   Nach all der Zeit hatte sie sich noch nicht daran gewöhnt. Es war bizarr. Seit so vielen Monaten war sie bereits schon in der Maskerade eines Mannes unterwegs, gekleidet in Hemd und Hose. Selbst von ihren langen Haaren hatte sie sich trennen müssen – ein Vorgehen, welches ihr nicht sonderlich schwer gefallen war, denn sie war kein eitler Mensch. Doch dass ihre Verkleidung derartig gut funktionierte, überraschte selbst sie.
   Nun ließ sie die Hand wieder sinken. Entschieden wandte sie sich ab und zog sich mit einer unwirschen Geste die Kapuze erneut über den Kopf.
   Irgendwo bellte ein Hund, und sie setzte sich rasch in Bewegung. Ihre eiligen Schritte waren im Trommeln des Regens nicht zu hören.
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