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Never trust a smiling author

von Eruanna
GeschichteHumor, Parodie / P16 / Gen
23.10.2018
27.12.2018
8
12.448
4
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27.12.2018 684
 
Wie so vieles in der Geschichte gab es auch bei der sogenannten Eroberung des Erebors eine Lücke von Quellentexten aus einer anderen Perspektive. Der arme Smaug wollte nie die Zwerge aus ihrem Berg vertreiben. Allerdings kam es zuvor zu einer Reihe unglücklicher Umstände, die, nun, ein eher schlechtes Bild von der großherzigen, gutmütigen und verspielten Echse zeichneten...

Januar 2941 D. Z., im Erebor:
Smaugs Augenlider zuckten unruhig, als er sich in seinem gigantischen Goldbett herumwälzte um die ideale Schlafposition zu finden. Er verabscheute die Tatsache, das er trotz seines Status als höheres Wesen, immer noch solche banalen Tätigkeiten wie Schlaf nachgehen musste. An sich wäre das für einen Drachen unter sonstigen Umständen kein Problem. Aber – Smaug hatte mittlerweile längst den Zeitpunkt des Schlüpflings und des jugendlichen Drachens überwunden, so dass sein Körper der Meinung war, ihn dringend in Richtung Fortpflanzung dirigieren zu müssen um den Fortbestand seiner Art sowie seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen. Schlafen war mittlerweile die einzige Möglichkeit seinen hormongesteuerten Körper davonabzuhalten davonzufliegen um das nächstbeste Weibchen zu begatten. An sich war ja Sex mit einem Drachenweibchen etwas schönes, wäre da nicht diese unheimliche Angewohnheit der Damen, ihre Freier nach der Begattungsphase umzubringen. Es war immer ein grausiges Spektakel. Nicht ohne Grund hielten sich die männlichen Drachen außer in der Paarungszeit von ihren weiblichen Artgenossen sowie dem Nachwuchs fern. Bis ein Schlüpfling flügge geworden war kümmerte sich die Mutter liebevoll um ihn, aber ab dem schicksalshaften Wendepunkt, galten die jungen Drachen als Delikatesse auf dem Speiseplan ihrer Mütter. Deshalb wurde jedes Drachenjunge bereits mit dem gesammelten Wissen der vorherigen Generationen geboren und einem großen Selbsterhaltungstrieb.
Deshalb weigerte sich auch die große goldrote geflügelte Feuerechse den Berg zu verlassen. Erstens hatte das Horngebläse der Zwerge damals wie der Lockruf eines paarungsbereiten Weibchens geklungen (wie das überraschende Treffen mit den zu kurzgeratenen Männchen ausgegangen war, gehörte schließlich zur Gemeinbildung, muss also nicht hier erzählt werden), zweitens war er nicht so lebensmüde, sich ausgerechnet mit einem bösartigen Weibchen zu paaren das ihn anschließend tötete, drittens wusste er um den ungerechtfertigten Hass der Menschen auf seine atemberaubende Schönheit (die schwarzen Pfeile waren miese kleine Biester, die seine armen Schuppen hoffnungslos zerkratzt hatten) und viertens war er der Meinung, mit seinem Alter getrost bewegungsoptimiert herumliegen zu können. Schließlich gab es absolut nichts da draußen, was er verpassen könnte. Die Menschen würden wohl kaum mit ihm spielen, nicht nachdem er ausversehen ihre Vorfahren fast vollkommen ausgelöscht hatte. Was konnte er bitte dafür, das sie nicht feuerfest waren? Und diese Zwerge – das er sie getötet hatte tat ihm noch immer Leid. Aber zu dem Zeitpunkt hatte er einfach geglaubt, dass sie das Weibchen absichtlich von ihm fernhielten und einfach nur blind reagiert. Jetzt wurde er gehasst, verabscheut und verachtet.
Schmollend drehte er sich auf den Rücken und starrte grübelnd zur hohen Decke. Selbst ein so schönes, perfektes und anbetungswürdiges Wesen wie er machte manchmal Fehler. Außerdem hatte niemand es als notwendig erachtet, ihm Westron, Khuzdul oder Sindarin beizubringen. Seitdem die Zwerge den Erebor verlassen hatte, war er stundenlang in der Bibliothek gewesen um seine Sprachdefizite aufzuarbeiten. Mit Erfolg. Leider, leider, wagte es niemand ihm Gesellschaft zu leisten.
Ja, er langweilte sich schrecklich und gäbe es nicht diese zwingenden Gründe hier zu bleiben, würde er zweifellos wegfliegen. Nicht einmal der Schlaf wollte ihn lange behelligen. Stöhnend rollte er sich wieder auf den Bauch und grummelte unzufrieden. Es war einfach nur erbärmlich mit sich selbst oder Toten zu reden. Einmal war es so schlimm gewesen, das er mit diesem Arkenstein ein tiefsinniges Gespräch über die Ungerechtigkeit der Valar geführt und sich erfolgreich eingebildet hatte, das er sogar Antworten bzw. Widerworte zu hören bekam.
Bald musste etwas passieren, oder er würde im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig die Wände hochkraxeln um sich mit irrem Gekreische inmitten des Schatzberges fallen zu lassen. Wo blieben denn all die Möchtegern-Helden, die Schatzsucher und Diebe, von denen es in den Büchern der zwergischen Bibliothek nur so wimmelte? Hatte den wirklich niemand Mitleid mit einem armen verlassenen Drachen? Der nicht einmal den Berg verlassen konnte um zu fressen und bedenklich viel an Gewicht verloren hatte?
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